Quelle: SZ vom 14.12.2006Sponsorendruck: Zu alt für große Sprünge
Das ganze Jahr auf dem Berg, Filme drehen, Blankoschecks schreiben und bei Olympia starten - das Leben eines Snowboard-Profis kann so schön sein. Dann kommt der 30. Geburtstag.
Von Stephan Bernhard
Als Philipp Strauss auf dem Gerüst im Münchner Olympiastadion steht und auf die dünne Schneezunge hinabblickt, bekommt er weiche Knie. Gleich wird er die steile Anfahrt mit knapp 70 Kilometern in der Stunde nach unten rasen und über die gewaltige Schanze 25 Meter weit durch die Luft fliegen.
Sein Zwillingsbruder Tobias steht hinter ihm, und auch er hat ein mulmiges Gefühl. Vor einem Jahr hat es sie erwischt.
"Die Sprungschanze auf dem Dachstein-Gletscher war ähnlich groß," erinnert sich Philipp. "Einmal falsch gelandet, und schon war mein Kreuzband kaputt." Nur 40 Minuten später passierte Tobias dasgleiche.
Nach sechs Monaten Verletzungspause ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich zurückzumelden - bei der Rookie Challenge des Air & Style, einem Wettkampf für junge Nachwuchsfahrer.
"Das ist fast schon ein Ehre, dabei zu sein. Der Air & Style ist schließlich das größte Snowboardevent im Alpenraum", sagt Philipp. Dann rast er auf die Schanze zu.
Noch gehen die 18-jährigen Zwillinge in Berchtesgaden zur Schule. Aber in eineinhalb Jahren, wenn sie das Abitur in der Tasche haben, wollen sie Profis werden.
"Das ganze Jahr auf das Snowboarden konzentrieren, Filme drehen und vielleicht bei Olympia starten", sagt Tobias. Den Traum hat jedes der zehn Talente bei der Rookie Challenge, aber nicht jedes wird ihn verwirklichen können.
"Gut zu fahren, reicht nicht aus. Du musst clever fahren, wissen, wann du etwas riskieren musst und dir das richtige Image zulegen. Wer nicht die richtigen Leute kennt, hat keine Chance, groß rauszukommen."
Steve Gruber hatte es da leichter.
Der 30-jährige Österreicher wurde Anfang der 1990er Jahre Profi, als es wenige gute Snowboarder, aber etliche Firmen gab, die Fahrer für ihr Team suchten. "Ich habe bei einem Snowboard Opening ein paar Tricks gezeigt und gefragt, ob mich jemand sponsern will", so Steve. Zuerst erhielt er nur ein Board, doch nachdem er beim nächsten Wettkampf den zweiten Platz belegte, ging die Karriere richtig los.
Die Sponsoren zahlten Reisen, mieteten Appartements in Skigebieten für die gesamte Saison und bezahlten Steve fürstlich. "Über meinen Kontostand habe ich mir keine Sorgen gemacht. Ich bin nach Kanada geflogen, wenn der Schnee dort gut war, und bin bei den Worldcups in Vier-Sterne-Hotels eingecheckt. Es ging so weit, dass ich Blankoschecks bekam und die Summe selbst eintragen konnte."
Während Steve Karriere machte, stieg der Anspruch an die Nachwuchsfahrer. "Früher habe ich mich niedergezecht und am nächsten Morgen Wettkämpfe gewonnen," sagt Steve. Tobias und Philipp müssen heute mehr auf ihre Gesundheit achten. Sie trainieren vier Tage pro Woche im Kraftraum, achten auf ihre Ernährung und verzichten oft auf das letzte Bier.
"Der Sport hat riesige Fortschritte gemacht", erklärt Tobias. "Die Dimensionen der Sprünge vergrößern sich ständig, die Tricks werden schwieriger. Man muss topfit sein, damit der Körper den Belastungen standhält."
Vor vier Jahren platzte Steves Traum vom sorglosen Leben von einem Tag auf den anderen. In einem Anruf wurde ihm mitgeteilt, dass er wegen Budgetkürzungen gekündigt werde.
Vielen Profis, die auf die 30 zugehen, ergeht es ähnlich. "Snowboarden ist ein Imagesport, das Alter ist ein wichtiger Faktor", sagt Philipp.
Bei Steve nahm mit zunehmendem Alter auch die Risikobereitschaft ab: "Man überlegt viel mehr, was man tut. Das kann ein Problem sein, wenn dein Sponsor einen großen Sprung bauen lässt und du sagst: Der ist hart, eisig und ich springe nicht - das will der nicht hören. Ich kenne so viele Leute, die einfach verheizt wurden."
Trotz der Kündigung ist er weiterhin in der Szene aktiv. Er ist jetzt sein eigener Boss und produziert Snowboards. "Aber das Geld sitzt nicht mehr so locker in der Tasche. Für meine Reisen muss ich selbst aufkommen."
Bei der Rookie Challenge landeten Tobias und Philipp im hinteren Drittel - nach der langen Pause hatten sie damit gerechnet. Ihre ersten Gehaltsverhandlungen liegen noch vor ihnen, aber mit ihren Sponsoren im Rücken können sie optimistisch in die Zukunft blicken.
Schon jetzt werden ihnen Trips nach Neuseeland oder in die USA finanziert.
Steve ist ebenfalls zum Air & Style nach München gekommen - als Zuschauer. Vor ein paar Jahren stand er noch selbst auf der Starterliste.
Sponorendruck auf dem Snowboard: Zu alt für große Sprünge
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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