Mit abgebildet war auch ein schönes Photo der sehr eckigen Gondel.Vor 75 Jahren stand der Traum vom „deutschen Davos“
Für die Ewigkeit gebaut
Die älteste noch im Original erhaltene Seilbahn der Welt führt auf den Predigtstuhl bei Bad Reichenhall
Von Heiner Effern
Bad Reichenhall – Die Kabine schwebt zum ersten Mal problemlos über die mächtigen Stützen mehr als 1100Höhenmeter hinauf zum Predigtstuhl. Neben der Bergstation steht ein Luxushotel, das als Sensation fließend warmes und kaltes Wasser auf den Zimmern bietet. Dazu ein Heimkino, einen Zigarrensalon und eine einzigartige Terrasse mit erfrischender Bergluft. Die perfekte Mischung aus Wintersport, Kurangebot, und Sommerfrische will man im Jahr 1928 mit der frisch errichteten Predigtstuhl-Bahn in Bad Reichenhall finden. Das einst mondäne Bad strebt zurück in die erste Klasse der Kurorte, sogar vom „deutschen Davos“ träumt man. Geblieben ist vom großen Traum ein durchschnittlicher Kurort und die älteste, im Original erhaltene Seilbahn der Welt, die jetzt ihr 75-jähriges Betriebsjubiläum feiert.
Die Predigtstuhlbahn gehört als dritte ihrer Art in Deutschland – nur am Fichtelberg (1924) und am Garmischer Kreuzeck (1926) waren die Ingenieure schneller – zu den Pionierbahnen. Doch nicht nur in Deutschland entwickelte sich in den zwanziger Jahren ein Boom: Auch in Österreich, der Schweiz und in Frankreich war kein Berg vor Seilbahn-Plänen sicher. Der 2. Weltkrieg bremste die Euphorie in den folgenden zwei Jahrzehnten, doch Anfang der fünfziger Jahre setzte eine zweite Welle des Bergbahn-Baus ein: Für den erneut aufblühenden Fremdenverkehr gehörte es einfach zum guten Ton, eine Seilbahn- Fahrt zu bieten, besonders wenn die Konkurrenz vor dem Krieg schon vorgelegt hatte. Die Ruhpoldinger errichteten eine Seilbahn auf den Rauschberg und die Berchtesgadener eine auf den Jenner. Beide feiern dieses Jahr 50-jähriges Bestehen.
So stabil betoniert wie die Seilbahn-Stützen erwies sich der wirtschaftlich rentable Traum vom Schweben nicht. Die meisten der Seilbahnen kämpfen heute ums Überleben. Auf dem Predigtstuhl und dem Rauschberg ist der Skibetrieb mittlerweile weit gehend eingestellt. „Die meisten Bahnen können die hohen Kosten für den Skibetrieb mit den Fahrkarten nicht mehr reinholen“, sagt Wolfgang Bosch, Vorsitzender des Verbands deutscher Seilbahnen und selbst Betreiber der Jennerbahn. Ihm fehlt die Unterstützung von denen „die über eine Umwegrendite von uns enorm profitieren“. Auch die Politik hätte in den vergangenen Jahrzehnten die Weichen „mit dem sanften Tourismus“ falsch gestellt. Nach der letzten Blüte des Bergbahnbaus in den sechziger und siebziger Jahren kam die Erschließung der bayerischen Alpen fast völlig zum Erliegen. „Entweder es kommt jetzt ein Umdenken, oder wir müssen nach und nach zusperren“, sagt Bosch heute. Nach jüngsten Gesprächen im bayerischen Wirtschaftsministerium blickt der Verbands-Vorsitzende aber wieder positiver in die Zukunft: „Wir spüren einen gewaltigen Stimmungswandel.“ Momentan jedoch zehren viele Bergbahnen von der Substanz, da das zurück gehende Sommergeschäft die Subventionierung des Verlust reichen Winters kaum mehr trägt.
In Bad Reichenhall suchen sie mit dem Jubiläum eine neue Strategie: Die Bahn wird künftig auf der Nostalgie-Schiene beworben. Immerhin hängen die zwölfeckigen Gondeln aus dem Jahr 1928 noch heute an dem Tragseil von damals und werden vom selben Motor gezogen. „Die ist für die Ewigkeit gebaut. Damals hat man in die Anlagen den Angstfaktor mit eingeplant, weil man trotz der ungenauen Rechnungen sicher gehen wollte, dass nichts passiert“, sagt Bosch.
Noch heute rätseln Passanten in der Fußgängerzone Reichenhalls, wie 1928 die von der Stadt aus gut sichtbare Stütze 2 auf halber Höhe gebaut werden konnte. Die Lösung: Zuerst wurde ein Weg angelegt, dann eine Holzseilbahn als Behelf aufgebaut. Mit ihr transportierten die Arbeiter den Beton in Milchkannen zur Stütze und schütteten die jeweils etwa 50 Liter in die Schalungen. Bis die mächtige Stütze stand. Der Kitzel der Seilbahnen habe damals eben weniger in der Betätigung nach dem Transport auf den Gipfel gelegen, sagt Bosch, als in der Faszination durch die Technik. „Die Fahrt an sich war die Sensation, das Schweben auf den Berg.“ (Weitere Informationen unter www.seilbahnen.de).
75-jähriges Jubiläum der Predigtstuhl-Seilbahn Reichenhall
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Emilius3557
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75-jähriges Jubiläum der Predigtstuhl-Seilbahn Reichenhall
Folgender Artikel war gestern in der SZ:
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hm ich bin mit ihr gefahren is echt gewaltig aber ich weiß ned hab sogar etwa 30 bilder gemacht aber nachdem ich irgendwie so ner laune ausweichen musste weiß ich gar nicht ob euch das intressiert kann ja auch nix dafür das i von der suchfunktion nix weiß und hab es von anfang an gesagt
Das Leben ist kurz. Aber wenn du es richtig lebst, ist ein Leben genug.
- snowboardfreak
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Auch ich war kürzlich auf dem Predigtstuhl und hab Fotos geschossen, zu betrachten auf meiner Homepage unter: Bahnen im Ausland.
http://www.seilbahn-nostalgie.ch
Ich musste aber feststellen, dass sich diese Luftseilbahn gar nicht so einfach fotografieren lässt, da das Gelände für normale Wanderer nur sehr schwer oder überhaupt nicht zugänglich ist. Auch ergab sich keine Möglichkeit, den Maschinenraum zu besichtigen. Gerade aber der Antrieb dürfte aber bei einer so alten Bahn sicher das interessanteste sein, was es zu besichtigen gäbe. Auch im neuen Büchlein "Drahtseile zum Himmel" sucht man vergeblich nach Fotos vom Windwerk. Vielleicht hat ja jemand von Euch entsprechende Bilder; um Benachrichtigung wäre ich jedenfalls dankbar.
http://www.seilbahn-nostalgie.ch
Ich musste aber feststellen, dass sich diese Luftseilbahn gar nicht so einfach fotografieren lässt, da das Gelände für normale Wanderer nur sehr schwer oder überhaupt nicht zugänglich ist. Auch ergab sich keine Möglichkeit, den Maschinenraum zu besichtigen. Gerade aber der Antrieb dürfte aber bei einer so alten Bahn sicher das interessanteste sein, was es zu besichtigen gäbe. Auch im neuen Büchlein "Drahtseile zum Himmel" sucht man vergeblich nach Fotos vom Windwerk. Vielleicht hat ja jemand von Euch entsprechende Bilder; um Benachrichtigung wäre ich jedenfalls dankbar.