Designhotels in den Alpen: Mehr Mut im Schnee

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snowflat
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Designhotels in den Alpen: Mehr Mut im Schnee

Beitrag von snowflat »

Darf es eine Nummer moderner sein?
Mehr Mut im Schnee

Es muss nicht immer die klassische Berghütte sein. Mutige Hoteliers beweisen, dass modernes Design auch in den Alpen funktioniert. Unsere Autoren haben sich zwischen Chamonix und Meran umgesehen.

Bild
Die "Bergoase" von Stararchitekt Mario Botta im Tschuggen Grand Hotel (Schweiz)
Foto: tschuggen.ch


Im Kamin Buchenscheite, auf dem Eichentisch eine zünftige Brotzeit - Winterurlaub in den Bergen ist immer mit Gemütlichkeit verbunden. Die finden Sie, wenn Sie unseren Übernachtungstipps folgen. Dazu aber auch innovatives Design und neue Hotelkonzepte.

Tschuggen Grand Hotel, Schweiz
Die Architektur des neuen Anbaus lässt sich als späte Wiedergutmachung begreifen, als Ausgleich für die Bausünde aus den 60er-Jahren. Das "Tschuggen Grand Hotel" ist der auffälligste Fremdkörper in der alpinen Bergwelt von Arosa, die an klobigen Betonkästen nicht gerade arm ist. Doch jetzt hat Stararchitekt Mario Botta als Erweiterung ein Meisterstück abgeliefert: die "Bergoase". Sie beherbergt unterirdisch eine vierstöckige Wellness-Landschaft, die Botta geschickt in den Berghang hinter dem "Tschuggen" gepflanzt hat.
Dass darin fünftausend Quadratmeter Gebäudefläche versteckt sind, wird kein Betrachter vermuten. "Wir haben uns vorgestellt zu bauen, ohne zu überbauen", sagt der Architekt, und seine Vision ist nach einer vierjährigen Konstruktionsphase Wirklichkeit geworden. Seit Anfang Dezember hat die "Bergoase" geöffnet.
Was man davon an der Oberfläche erkennen kann, ist moderne Architektur vom Feinsten. Bis zu dreizehn Meter hohe Lichtsegel ragen aus der terrassierten Schneelandschaft heraus: postmoderne Variationen des Oberlichts, die die Sonnenstrahlen bis in die Tiefen des unterirdischen Spas hineinleiten. Mittels versetzter Zwischenböden fällt das Licht durch alle vier Stockwerke hindurch, und auch die Gäste können von der oberen Ebene mit dem Pool bis hinunter in das Fitness-Center schauen.
Nachts leuchten Bottas aus dem Boden wachsende Glaskonstruktionen von innen heraus farbig und sorgen in der Ortskulisse von Arosa für ein auffälliges geometrisch-optisches Signal. So setzt man sich als Architekt ein Denkmal und schafft nebenbei ein neues Wahrzeichen für eine ganze Urlaubsregion. Von "Botta-les-Bains" ist bereits die Rede. Weil das "Tschuggen" direkten Zugang zum Aroser Pisten- und Wegenetz am Weisshorn besitzt, lassen sich Skifahren und Entspannen, Winterwandern und Wellness ohne Aufwand verbinden. Einkehrschwung und Après-Ski erhalten in Bottas "Bergoase" eine neue Dimension. Volker Mehnert

Cube Hotel, Österreich
"Cube" heißt Würfel. Lektion eins des Sprachkurses, der offenbar zu einem Urlaub in der Designhotelkette Cube-Hotels dazugehört. Lektion zwei für die "Community", also die Gäste, sind die Vokabeln "Box" für das Zimmer, "Chill-out-Area" für die schicken Sofaecken überall und "Gateways" für die Rampen, die es statt Treppen gibt.
"Cube" merkt sich jeder Neuankömmling sofort, denn das Hotel sieht auch aus wie ein riesiger Würfel, der in die Landschaft gefallen ist, mitten in die Berge. Auf das Nassfeld in Österreich sowie in den Schweizer Ort Savognin. Im Juni dieses Jahres wird noch ein Hotel im Tiroler Biberwier dazu kommen, und ein viertes entsteht in Annaberg, einem Skigebiet bei Wien.
Fast alle werden von dem unkonventionellen Architekten-Duo Baumschlager & Eberle geplant und sehen in etwa gleich aus. Wie Würfel eben: ein Baukörper aus Stahlbeton, drei Geschosse hoch, umhüllt von einer Glasfassade, die bei Nacht und Nebel grün, blau, lila, rot oder sonst wie angestrahlt wird. Auch im Inneren geht es bunt zu: Die Sofas sind rot, die Säulen leuchten grün, die Tische jeden Tag anders dekoriert. Sogar die Wände sind zum Teil aus farbigem Glas. Überall hängen Flachbildschirme, darauf sind Videos von Extremsportarten zu sehen.
Reduzierte Formensprache ist das Ziel, der offene Kamin in der Lobby das einzige Zugeständnis an die Alpenromantik. "Cube bricht mit der traditionellen Hotelarchitektur. Die Art von Materialeinsatz sowie das klare Gestaltungskonzept setzen eine gewisse Offenheit für Neues voraus", sagt Cube-Gründer Rudolf Tucek.
In der Tat. Denn während andere Hotels auf die Privatheit der Gäste setzen, geht man im "Cube" nicht davon aus, dass sich jemand längere Zeit im Zimmer aufhält. Und wenn doch, dann höchstens für eine notwendige Auszeit im Badezimmer, das statt Fliesen Glasplatten mit Digitaldruck an den Wänden hat. Den Rest der Zeit verbringt die "junge und jung gebliebene, sportbegeisterte Zielgruppe" in den "Chill-out-Zonen", der 24-Stunden-Bar oder vor den Playstation-Terminals. Denn "Cube ist kein Hotel, sondern ein großes Wohnzimmer in den Bergen", sagt Tucek. Eine "Homebase" eben. Das war Lektion drei. Katrin von Raggamby

Las Vegas Lodge, Italien
Der Name ist, zum Glück, nicht Programm: Die "Las Vegas Lodge" hoch über dem Südtiroler Bergdorf St. Kassian ist weder eine laute Spielhölle noch ein verkitschtes Hotel. Sie ist vielmehr ein Bergdomizil der besonderen Art - ein Haus, das Restaurant, Lounge, Berg-Bar und Herberge in einem ist und dessen ungewöhnlicher Name schlicht auf die Vorliebe des Besitzers für die amerikanische Lifestyle-Metropole zurückgeht.
Die im vorigen Winter eröffnete Berghütte der Superlative, gebaut aus Lärchenholz und Felsgestein, sieht von außen aus wie eine urige Scheune der Ladiner, jenem Bergvolk, das seit Jahrhunderten in diesem abgelegenen Winkel Südtirols lebt. Innen herrschen edle Stoffe und warme Farbtöne vor, helle Holzmöbel und italienische Designerlampen. Der Gast kann in der Lounge (mit gemütlicher Feuerstelle) einen Aperitif zu sich nehmen, im Restaurant (mit Dolomiten-Panorama) moderne Regionalküche genießen, zum Beispiel Rehkotelett und Topfen-Teigtaschen, oder in einem der elf Zimmer (mit minimalistischem Design) übernachten.
Verkehrslärm ist hier oben ein Fremdwort, denn eine Straße hinauf zur Lodge auf den Gipfel des Piz Sorega gibt es nicht. Tagsüber gelangt man nur mit der Seilbahn bergauf, abends fährt man mit der Schneekatze von St. Kassian aus über die dann leeren Skipisten.
Für Skifahrer ist die "Las Vegas Lodge" ideal: Vor und hinter dem Haus verlaufen mehrere Abfahrten, die zum Wintersportgebiet von Alta Badia gehören, das 130 Pistenkilometer umfasst. Und Alta Badia ist Teil des Skiverbundes Dolomiti Superski, das über 1220 Pistenkilometer verfügt. Sönke Krüger

Chalet Conceptone, Frankreich
Philippe Starck steht draußen vor der Tür, an der Decke hängt Tom Dixon: Mit ihren Designentwürfen sind die Stars der internationalen Interiorszene im "Chalet Concept one" in Chamonix reichlich vertreten. Aber nicht nur in der Gestaltung versuchen die Besitzer des "Chalets" neue Wege, auch das Konzept ist ungewöhnlich: Das Haus ist keine Ferienwohnung, aber auch kein richtiges Hotel, sondern irgendetwas dazwischen.
Ausgedacht haben sich den ungewöhnlichen Ansatz Gary und Samantha Paterson, zwei Briten in der Welt der französischen Alpen. Ein modernes Gebäude haben sie da oberhalb des Traditionsskiortes hingestellt, gleich gegenüber dem Montblanc, der nachts im Mondlicht silbergrau leuchtend durch die Fenster zu sehen ist.
Es soll für die Gäste ein Zuhause auf Zeit sein, das die Patersons modern eingerichtet und mit einem Höchstmaß an Rundumservice ausgestattet haben. So wie man es sich für die Winterferien erträumt. Nur einen Haken hat das "Chalet Concept one", der je nach Betrachtung auch ein Plus ist: Man kann es nur als ganzes buchen, es braucht also eine Großfamilie oder noch acht bis zehn Freunde, die über ein ausreichendes Reisebudget verfügen (günstig ist dieses Haus nicht) und ebenfalls ein designtes Ambiente lieben, das lediglich von außen einer Almhütte gleicht, den Komfort eines privat geführten Hotels und perfekte Abgeschiedenheit in idyllischer Winterlandschaft bietet.
Fünf Zimmer hat das kleine Haus, jedes sieht anders aus, obwohl sie alle weiße Wände haben. Mittelpunkt ist der große moderne Esstisch, an dem man vom Personal bedient wird. Brigitte Jurczyk

Pergola Residence, Italien
Manchmal braucht gelunges Design auch viel Geduld. Fünf verschiedene Architekten zeichneten Pläne für die "Pergola Residence" in Südtirol. Vergeblich. Inhaber Josef Innerhofer wandte sich schließlich an Matteo Thun, der die Münchner Edeldisco "P1" ebenso verschönerte wie Swatch-Uhren und Espresso-Tassen von Illy. "Der Versuch hat sich gelohnt", sagt der Hausherr des kleinen Hotels mit zwölf Suiten. Nicht nur, weil er das Gebäude an sich so schön findet, sondern weil es auch gut in die Landschaft passt. Das war ihm das Wichtigste. Und Thun auch.
Die Gegend in der Nähe von Bozen ist geprägt von Bergen und Wein. Rebstöcke wachsen an den Hängen auf Terrassen - das Hotel ist genauso angelegt. Die geometrische Holzkonstruktion mit den Edelstahlgeländern erinnert sogar an die Stützen der Pflanzen in den Weingärten. Die Dächer sind begrünt, über den Terrassen ranken sich die Weinblätter als Laubengang, eine Pergola eben.
Reduzierte Formensprache im Inneren, vom Wellness-Bereich bis zur guten, alten Stube, die nun auch in diesem Haus "Lounge" heißt. Alte Weidenkunst, viel Holz - natürlich heimische Lärche - an Boden, Wänden, Decke. Die Stühle sind mit Loden überzogen, dem Inbegriff des alpinen Stoffs. Dazu eine hochmoderne Theke. Tradition trifft Design à la Matteo Thun.
Die "Residenzen" genannten Zimmer mit Wohnbereich, Schlafraum und Einbauküche sind rund 60 Quadratmeter groß. Plus Riesenterrasse. Sie haben einen eigenen Zugang vom Innenhof, denn Hotelgänge gibt es nicht. Abgeschafft. Wie vieles andere, das in einem Hotel sonst so vorkommt.
Es gibt keine Rezeption, kein Restaurant, keine Putzfrau, schon gar keine Empfangsdame, die zehnmal grüßt, wenn man zehnmal an ihr vorbeigeht. "Wer den Hotelbetrieb vermisst, ist bei uns falsch", sagt Innerhofer. Im "Pergola" übernachte der Gast nicht, er wohne hier.
Dafür gibt es einen Brötchendienst für alle, die lieber im eigenen Wohnzimmer frühstücken. Oder auf der Terrasse. Was bei den raumhohen Glasfronten kaum einen Unterschied macht. Hauptsache ist doch, jeder hat sein privates Weinberg-Panorama. Das wollte der Hausherr so. Und Thun auch. Katrin von Raggamby
Quelle: Die Welt

Adressen: Designhotels im Schnee
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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