Das kleine Skigebiet von Avers habe ich im Rahmen eines mehrtägigen Urlaubs in Splügen besucht. Alle anderen Tagesberichte, die fürs Alpinforum von Interesse sein könnten, gibts hier in nächster Zeit in leicht angepasster Form, der vollständige Originalbericht findet sich im Forum von Trincerone.
Hier mal ein paar Fakten:
Pistenplan (Quelle:www.viamalaferien.ch):
Anfahrt:
von Splügen, ne Stunde wirds schon gedauert haben
Wetter:
erst sonnig, dann bedeckt, um 0 Grad
Schnee:
20-50 cm, stark verblasen, griffig, teil pulvrig, teils pappig, an Kanten erdig
Geöffnete Anlagen:
alle
Geschlossene Anlagen:
keine
Offene Pisten:
2 von 5 Abfahrten am Tscheischa-Lift
2 von 2 am Cavetta-Lift
Geschlossene Pisten:
der Rest
Meisten Gefahren mit:
Tscheischa
Wartezeiten:
keine
Das Averser Tal habe ich vom Sommer als wunderbar abgelegenes, wildes Bergtal in Erinnerung. Das im 13. Jahrhundert von den Walsern besiedelte Tal zieht sich von der Roflaschlucht des Hinterrheins bis hinauf nach Juf auf 2126 Metern, laut Tourismuswerbung die höchstgelegene, ganzjährig bewohnte Siedlung Europas. Geprägt wird das Tal in erster Linie durch die wilden Schluchten des Averser Rhein, in denen sich der Fluss tief ins marmorartige Gestein eingegraben hat. Auf den kurzen offeneren Abschnitten trotzen kleine Dörfer der wilden Natur, insgesamt zählt das Avers gerade einmal 190 Einwohner.
Avers, das Tal führt weiter hinauf nach Juf
Die Anfahrt von Splügen nimmt relativ viel Zeit in Anspruch, da es auf den engen, teils glatten Bergstraßen nur langsam vorwärts geht und immer wieder Waldarbeiten und landwirtschaftliche Fahrzeugen für längere Zeit die Straße blockieren oder die Einheimischen eine Begegnung zu einem längeren Plausch auf der engen Straße nutzten. Doch wir haben keinen Grund zur Eile, Zeit hat hier eine andere Bedeutung. Im gesamten unteren Tal existieren mit Ausnahme einer Rodelbahn an der Straße zum Lago di Lei (genau, der von Madesimo) keinerlei Wintersporteinrichtungen, nur am hinteren Ende des Tals gibt es zwei Lifte, Loipen und Winterwanderwege. Oberhalb einer gewaltigen Schlucht öffnet sich hier das Tal, die schneebedeckte Straße führt entlang steiler Abhänge nach Avers-Pürt und weiter zu den Liften. Hier oben ist das Tal völlig baumfrei, der Wind der letzten Tage hat den wenigen Schnee endgültig verweht.
Blick auf den Tscheischa-Lift
Das „Skigebiet“ besteht aus zwei Schleppliften und einem Ponylift, die durch Wege miteinander verbunden sind. Der Schlepplift Tscheischa ist 1500 Meter lang, überwindet einen Höhenunterschied von 560 Metern und erschließt fünf Pistenvarianten. Über eine Verbindungsabfahrt gelangt man ohne viel Schieben zum deutlich kürzeren Cavetta-Lift, der zwei sanfte Pisten erschließt. Zurück zum Tscheischa-Lift geht es nur mit etwas Schieben und Ansteigen und der Hilfe des Pony-Lifts.
Blick von der Verbindungspiste auf den Cavetta-Lift
Obwohl die Schneelage alles andere als rosig aussieht, leiste ich mir für 21 Franken einen Halbtagespass. Hier vertraut man den Gästen noch, das Pappkärtchen wird während des ganzen Nachmittags nicht ein Mal kontrolliert. Nach den ersten zwei Fahrten am Tscheischa-Lift bin ich ernüchtert. Von den fünf Pistenvarianten sind nur die zwei direkt links neben dem Lift befahrbar, der Rest ist bis aufs Gras abgeweht oder unter gewaltigen Schneeverfrachtungen begraben. Die Abfahrt am Lift ist zwar sportlich interessant und gar nicht steinig, schaut aber optisch doch reichlich mitgenommen aus. Nur am obersten Hang ist der Untergrund halbwegs gleichmäßig, dann folgende gewaltige Löcher, Kuppen und Absätze. Bei der dritten Fahrt habe ich mich auf die Verhältnisse eingefahren, jetzt macht es wieder richtig Spaß.
Blick von der Bergstation Tscheischa ins Tal
Später wechsle ich zum Cavetta-Lift. Anfangs führt noch eine Pistenraupenspur hinüber, dann geht es zwischen Grasbüscheln durchs Gelände. Kaum ein anderer Skifahrer ist unterwegs, nur Weite, Schnee und Licht und die herrliche Aussicht ins Bregalgatal.
Verbindungspiste - und Weg mit Blick ins Bregalgatal
Bregalgatal
Am Cavetta-Lift dagegen ist richtig Betrieb. Der Schnee neben der Piste ist harschig, auf den Pisten sehr weich. Selbst hier auf 2000 Metern haben wir nun leichte Plusgrade.
Blick vom Cavetta-Lift talauswärts
Blick zürück zum Tscheischhorn mit grob eingezeichneten Pistenvariaten (oben, geschlossen) und Verbindungsweg (unten)
Zurück am Tscheischa-Lift nimmt die Bewölkung schnell zu und innerhalb kurzer Zeit ist aus dem in der Sonne glitzernden weißen Tal eine weiß-graue, konturenlose Einöde geworden. Die anderen, die eine Skitour unternommen haben, kehren angesichts der extrem schlechten Sichtverhältnisse und der unberechenbaren Schneebedingungen lieber um und auch ich lasse es für heute gut sein.
Bergstation Tscheischa
Weiß-graue Weiten und letzte Lichtblicke am Cavetta-Lift.
Bei der Rückfahrt geht der leichte Schneefall bald in Regen über, nur die gefrorenen Wasserfälle an den Felswänden deuten darauf hin, dass wir eigentlich Winter haben. Für einen Besuch im Mineralbad von Andeer ist das Wetter zum Glück unbedeutend und so findet der Tag einen würdigen Abschluss.
Ein kleines Fazit: Wenn alle Varianten am Tscheischa-Lift geöffnet sind und man auch abseits der Piste fahren kann, lohnt sich ein Besuch in Avers in jedem Fall. Für mich war das Skifahren an den beiden alpinen Dorfliften aber trotz der mäßigen Bedingungen ein Erlebnis, das aber untrennbar mit Landschaft und Atmosphäre in diesem Tal verbunden ist.