Die Lift-Ruinen von morgen

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Jay
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Die Lift-Ruinen von morgen

Beitrag von Jay »

Der Kölner Stadt Anzeiger berichtet:
Die Lift-Ruinen von morgen
VON THOMAS MAGENHEIM, 19.01.07, 21:16h

Unterhalb von 1500 Metern wird Skifahren künftig unmöglich. Das trifft vor allem deutsche Orte.
München - Sturm statt Schnee, grüne Hänge statt weißer Pisten. „Es ist ein Ausnahmewinter“, meint Birgit Priesnitz, Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS). Die deutschen Bergbahn-Unternehmen blieben auf Schneekurs, im Vertrauen darauf, dass man lediglich Wetterkapriolen erlebe, „die immer mal wieder aufgetreten sind“.

Klimaforscher sind da ganz anderer Meinung. Sie sehen für fast alle deutschen Wintersportregionen schwarz. Mit Garmisch-Partenkirchen und Oberstdorf im Allgäu würden nur zwei von ihnen den beginnenden Klimawandel als Skigebiet überleben. Das hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) soeben auf Basis gesichert geltender Klimadaten errechnet. Ohne Umorientierung vernichte das die wirtschaftliche Grundlage des Wintertourismus, warnt die OECD. Denn in den Alpen schreite der Klimawandel mit steigenden Temperaturen doppelt so schnell voran wie im Flachland, was viele Orte ihrer Schneesicherheit beraube.

Heute gelten noch 609 von 666 größeren Skiregionen in den Alpen als schneesicher. Steigen die Durchschnittstemperaturen aber um zwei Grad Celsius, seien es nur noch 400 Orte, prognostiziert die OECD. „Unsere Klimamodelle sagen, dass es in 30 bis 40 Jahren so weit ist“, bekräftigt der Garmischer Klimaforscher Wolfgang Seiler. Den damit verbundenen Anstieg der Schneefallgrenze um rund 400 Meter werde kaum ein deutsches Skigebiet verkraften. Vor diesem Hintergrund sei manch aktuelle Investition in Liftanlagen ökonomisch nicht vertretbar, warnt Seiler.

Versuche, mit Schneekanonen über die Runden zu kommen, seien allenfalls noch für zehn bis 20 Jahre vereinzelt eine Übergangslösung. Schon jetzt sei aber Umorientierung angesagt. Dann müsse es auch hier- zulande im Wintertourismus keine Verlierer geben. Denn der Klimawandel sorge nicht nur für kürzere Winter, sondern auch für längere und trockenere Sommer. Deshalb müssten die Tourismusmanager ihre Investitionen so steuern, dass Seilbahnen und andere Projekte auch im Sommer einsetzbar sind. Weit verbreitet ist diese Einsicht noch nicht, glaubt man Experten der Internationalen Alpenschutzkommission Cipra. Der österreichische Cipra-Vorstand Christian Baumgartner spricht von „Desillusionierung über die Lernfähigkeit der Tourismuswirtschaft“. Seilbahndirektoren, Hoteliers und Tourismusmanager ergingen sich vielmehr in Zweckoptimismus, um das Image des Skifahrens nicht zu ramponieren. „Vielerorts werden heute die Liftruinen von morgen gebaut“, warnt Baumgartner. Kaum jemand traue sich, die heilige Kuh alpiner Wintersport zu schlachten.

Orte wie Schleching im Chiemgau sind da noch eine Ausnahme. „Wir waren einmal eine führende Alpinregion, haben aber Lifte abgebaut und Schneekanonen gibt es bei uns sowieso nicht“, sagt Bürgermeister Fritz Erlacher. Er setzt statt dessen seit einiger Zeit auf Nordic Walking und entsprechende Winterwanderwege, auf Naturführungen oder ein Radnetz für Zeiten ohne Schnee und auf Langlaufloipen, wenn die weiße Pracht dann doch fällt. „Richtig guad“ komme dieses Konzept bei den Gästen an, schwärmt der Bajuware. Die Umstellung habe keinen Gästeschwund gebracht. Selbst in diesem Winter, der bislang keiner war, habe es keinerlei Stornierungen gegeben. „Die anderen meinen, mit Kunstschnee kann man noch was reparieren, aber das geht nicht mehr“, hat Irlacher erkannt und sagt andernorts „großes Wehklagen“ voraus.

Auch in Pfronten sieht man sich mit Blick auf den Klimawandel touristisch als Pionier. Bestehende Beschneiungsanlagen würden zwar nicht abgeschaltet, so lange es noch geht, die Zukunft gehöre aber Alternativkonzepten, sagt der dortige Kurdirektor Jan Schubert. Winterwandern, Mountainbike-Strecken und vor allem Bergwiesenheu seien erfolgreich. Letzteres komme in Form von Heukosmetik, Heuschnaps oder Heuwickeln für Wellness-Anwendungen bei Gästen gut an. „Wir haben einen Heukult aufgebaut“, sagt Schubert. Das verstärke das Image einer Kulturlandschaft, die Ruhe ausstrahlt. Das komme auch den Bedürfnissen einer immer älter werdenden Gesellschaft entgegen, für die Skifahren im Winter nicht im Fokus steht.

„Leider herrscht aber größtenteils eine andere Denkweise vor“, stellt der deutsche Cipra-Geschäftsführer Andreas Güthler klar. Allen Klimaprognosen zum Trotz erlebten Schneekanonen auch in tief gelegenen deutschen Wintersportorten einen Boom. Während Bayerns Umweltminister Werner Schappauf vor Fehlinvestitionen in Lifte und Kunstschnee-Anlagen warne, weihe der weiß-blaue Wirtschaftsminister Erwin Huber solche verstärkt ein. „Der Klimawandel wird weitgehend ignoriert“, urteilt Güthler. Klar sei, dass nicht jede Gemeinde auf Wellness umsatteln könne. Es gebe aber viele Möglichkeiten für individuelle Wege aus der drohenden Sackgasse: von Ballonfahrten über Lama-Trekking bis zu Tierbeobachtungen.

Carvergirl
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Beitrag von Carvergirl »

Dann überlegen wir mal nach ALTERNATIVEN:

Mir fallen dort spontan zwei Bereich ein: Einmal der Wander & Walking Tourismus und zum anderen die Freizeitsparte:

Mögliche Neubauten:

Wandertourismus:
- Ausbau der Walkinggebiete (Verstärkt Kurse anbieten, Wege am Berg errichten)
- Bau von Kurwegen (besondere Untergründe für die Bögen)
- Ausbau von Wanderwegen und RAdwegen

Freizeittourismus:
- Sommerrodelbahnen
- Alpin Coaster
- Hochselgärten
- Bully Cart Strecken (oder so ähnlich)

Naja, noch Ideen? :?
Bis Weihnachten nur selten online.
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Blue Boarder
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Beitrag von Blue Boarder »

Trotz Neuheiten, wird es nie einen Ersatz geben für den Wintersport. Die Gäste fahren nicht hunderte Kilometer um zu wellnessen oder Rodelbahn zu fahren.
Marktfähige Schneeanlagen, welche auch bei plus-Graden schneien, braucht es um die Schliessung für einige Zeit herauszuschieben.
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Beitrag von molotov »

Blue Boarder hat geschrieben:Trotz Neuheiten, wird es nie einen Ersatz geben für den Wintersport. Die Gäste fahren nicht hunderte Kilometer um zu wellnessen oder Rodelbahn zu fahren.
Marktfähige Schneeanlagen, welche auch bei plus-Graden schneien, braucht es um die Schliessung für einige Zeit herauszuschieben.
das wird nicht funktionieren, bei 15 grad haben einfach zu wenig leute lust zum skifahren, da gibts untersuchungen, ists in den städten weiß oder wenigstens kalt ist die anchfrage viel höher als bei plus graden
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Blue Boarder
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Beitrag von Blue Boarder »

Aber bei plustemperaturen und gar keinem schnee kommt gar niemand.
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Beitrag von molotov »

ja aber wenige schneefreaks und weiße pisten nützen nichts, wenn das ganze nicht kostendeckend ist
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Beitrag von trincerone »

Cipra
Sagt doch schon alles... :roll: Ich hatte ja auch schon mit denen zu tun und erhlich gesagt - ihre grundsätzlichen Ziele in Ehren - habe ich konkret verhältnismäßig selten etwas vernünftiges von ihnen gehört. Wie dem auch sei, zum Thema: mir erscheint der Bericht etwas gefärbt. Wie lange braucht so ein Lift, bis armotisiert ist? Wenn man's nicht übertreibt mit den Baukosten, 5 Jahre? Vielleicht weniger? Bleiben jedenfalls noch vorsichtig geschätzt 10 - 15 Jahre - so die Modelle überhaupt richtig sind (!!!) - in denen man damit Geld verdient, was man dann nicht zuletzt in seinen Abriss von mir aus investieren kann! Was man wahrscheinlich nach 20 Jahren auch ohne Klimawandel eh tut, weil er dann nämlich veraltet ist.

Ganz ehrlich: ich glaube, da wollte jemand die aktuell schlechte Schneelage nutzen, um über Umwege etwas Politik zu betreiben. Was hat man 1987ff. nicht für Horroszenarien gelesen, als die schneelosen Winter kamen. Tja, zwischen 2001 und 2006 bin ich jedes Jahr im Winter im Schnee versunken! Dies Jahr halt nicht - und? Vielleicht übernächstes wieder oder schon 07/08?

Und nochwas: ich glaube nicht, dass sich ein Klimawandel so einfach gerechnet wie im Artikel auswirkt! Es gibt sowas wie Tiefdruckstraßen, die sich verlagern und je nach Lage kann das mehr Schnee bringen und nicht selten liegt in tieferen Regionen im Frühwinter viel mehr Schnee als am Alpenhauptkamm auf 3000m (sei es wegen Sturm, Staulagen oder was auch immer). Also: über Alternativen nachzudenken ist sicher immer sinnvoll, aber man sollte sich m.E. auch nicht verrückt machen lassen.

in diesem Sinne beste Grüße

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Beitrag von Emilius3557 »

Der Schlechinger Bgm ist cool, den hatten wir mal auf einer "Ökotourismustagung" da... Ist das Lieblingsbeispiel der Cipra, wird allen Orten zitiert...
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...
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Beitrag von trincerone »

Das tät mich jetzt amol näher interessieren, was du von dem ganzen Zeugs hälst, wo du grad mal da bist..

Emilius3557
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Beitrag von Emilius3557 »

Das müssen wir mal an unserm Stammtisch bei ein paar "Augusts" dischkriern... :D
Besinnung auf die Kernkompetenzen - altbewährte Dummschwätzerei...
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