Regio Card angelt sich mit Stubaier Gletscher dicken Fisch
Irritationen löst der jüngste Schritt der Stubaier Gletscherbahnen aus. Sie sind dem Regio-Card-Verbund beigetreten.
Für viele war es keine Frage des Ob, sondern nur mehr eine des Wann. Und auch die ist seit gestern beantwortet. Der Stubaier Gletscher, selbst ernanntes Königreich des Schnees, ist jüngstes Mitglied beim Kartenverbund Regio Card.
Übergangslösung
"Wir hatten die Möglichkeit, bei der Regiocard mitzumachen, und haben sie genützt", kommentiert Franz Wegscheider die Entscheidung. Der Vorstandsdirektor der Wintersport Tirol AG hatte schon in der Vergangenheit immer wieder seine Präferenz für den großen Kartenverbund durchklingen lassen.
Die Erwartungen sind klar: "Die Regio Card ist ein bewährter Verbund, wir erwarten mehr Kunden", erklärt Wegscheider. Außerdem trage sie als Jahreskarte sicher dazu bei, dass auch im Sommer mehr Gäste auf den Gletscher fahren.
Doch auch dem Innsbrucker Freizeitticket (Muttereralm, Rosshütte, Nordkette, Patscherkofel, 11er- und Serleslifte plus Gletscher) bleibt der Stubaier Gletscher erhalten - vorerst zumindest. "Wir haben eine Sonderregelung vereinbart, dass wir im kommenden Winter bei beiden dabei sein können", erklärt Franz Wegscheider. Danach gelte es, sich zu entscheiden. "Oder es gibt schließlich nur mehr eine Karte für den Raum Innsbruck und Oberland", fügt der Gletscherbahnen-Vorstand eine dritte und, wie er sagt, seine Wunschoption hinzu.
Große Überraschung
Überrascht auf die Nachricht reagierte Nordpark-Geschäftsführer Thomas Schroll. "Wir sind noch überhaupt nicht informiert, ich habe schon das Gefühl, dass man uns da wieder ein bisschen in den Rücken gefallen ist." Schließlich habe man mit dem Freizeitticket versucht, ein attraktives Angebot für den Großraum Innsbruck zu schnüren.
Schroll erinnert auch daran, welchen Wirbel im Oktober des Vorjahres der plötzliche Rückzug seines damaligen Arbeitgebers (Schlick 2000) vom geplanten Stubai-Ticket verursacht hatte, weil das Fulpmer Skigebiet gleichzeitig Regio-Card- Mitglied ist. "Da wurde mir vorgeworfen, ich hätte manipuliert." Besonders Franz Wegscheider fühlte sich hintergangen. Dieser bezeichnet Kritik an der Vorgangsweise der Gletscherbahn als "kleinkarierte Hackelei".
Nicht minder erstaunt ist auch der Stubaier TVB-Obmann Sepp Rettenbacher. Er hat Angst, dass dem Freizeitticket das attraktive Zugpferd abhanden kommt. "Ich sehe nur die Chancen für Serlesbahnen und 11er-Lifte dahinschwimmen." An diesen ist der TVB stark beteiligt.
Spätestens wenn sich die Stubaier Gletscherbahnen zwischen Regio- und Freizeitticket entscheiden müssen, stehen die Schneesportler wieder vor einem Fleckerlteppich. Denn alles andere als eine Entscheidung für die Regio Card wäre ein Wunder.
Zu sechs Liften (Nordpark, Patscherkofel, Mutters, 11er, Serlesbahnen und Rosshütte) verschafft das Freizeitticket Zugang. Pistenvergnügen bei der anderen Hälfte in unmittelbarer Nachbarschaft (Lizum, Glungezer, Bergeralm, Schlick, Rangger Köpfl und den Stubaier Gletscher) erlaubt nur die Regio Card. Kunden haben nur vermeintlich die Qual der Wahl: Die Tür zur Hälfte des Angebots bleibt wieder versperrt.
Quelle: TT