Harte Piste, schwer Verletzte
31. Jänner 2007
Der Kunstschnee rettete bisher die Saison. Die harten Pisten sind aber für eine starke Zunahme bei schweren Verletzungen verantwortlich.
Heinz BayerSalzburg (SN). Vorsicht ist angesagt in diesem Skiwinter. Denn die harten Kunstschneepisten fordern ihren Tribut.
Der Arzt Harald Aufmesser aus Obertauern: "Die Zahl der schweren Verletzungen steigt. Das lässt sich ganz eindeutig sagen. Und es gibt mehr Kollisionen. Der Grund liegt wohl darin, dass Obertauern heuer geradezu gestürmt wird."
Alpinarzt Franz Berghold aus Kaprun berichtet von einem "komplett anderem Verletzungsmuster wie im Vorjahr". Heuer seien vor allem Schulter-, Arm- und Kopfverletzungen zu behandeln. "Im Vorjahr, bei der enormen Fülle an Naturschnee, hatten wir eher das klassische Rotationstrauma nach Stürzen. Also jede Sorte von Bänderverletzungen im Kniebereich."
In der Unfallchirurgie des Krankenhauses Schwarzach fallen in "normalen Wintern" an Spitzentagen 120 "frisch Verletzte" an. Primar Franklin Genelin: "Das war heuer selten der Fall. Manchmal waren es kaum fünfzig. Bei uns häufen sich schwere Wirbelsäulen-, Becken- und Schädelverletzungen."
In der Unfallchirurgie des Krankenhauses Zell am See ist die Zahl der behandelten Patienten gleich geblieben. Es sind etwa 110 pro Tag. Durch das nahe, schneesichere Kitzsteinhorn, gab es keinen Knick in der Saison. Primar Heinrich Thöni: "Erst waren es Becken- und Wirbelverletzungen. Jetzt wird der Schnee weicher, da sind dann mehr die Knie an der Reihe."
Die in weiten Teilen schwächelnde Wintersaison beschert den Hubschrauber-Unternehmen Sorgen. Das habe aber auch mit dem "harten Verdrängungswettbewerb" (Landesrettungskommandant Gerhard Huber) zu tun. Huber: "Im Bundesland Salzburg stehen mittlerweile bis zu sechs Maschinen auf Abruf."
"Überhitzer Markt" bei Rettungshubschraubern Pro Einsatz werden bis zu 2500 Euro in Rechnung gestellt. Die Flugminute kostet 70 Euro. Der harte Konkurrenzkampf zeigt sich an am Beispiel von Christophorus 6 (C6). Der brachte es vor wenigen Jahren noch auf 1100 Rettungsflüge pro Jahr. Heute sind es 900. Für Huber ist das ein klares Zeichen, dass "der Markt längst überhitzt ist".
In manchen Regionen "fehlt" es den fliegenden Notärzten aber einfach an Patienten. Fielen im Pinzgau von Saisonbeginn im Dezember 20005/06 bis 31. Jänner 269 Einsätze an, waren es heuer 239. Im Pongau sanken im gleichen Zeitraum die Einsätze von 100 im Vorjahr auf 65 heuer.
Der erstmals in Obertauern stationierte Martin 7 flog seit Dezember 99 Patienten.
Hubschrauber stehen in St. Johann und Obertauern, in Zell am See und in Saalbach-Hinterglemm. Huber: "In Saalbach-Hinterglemm sind es teilweise sogar zwei Maschinen." Die Touristiker freut das. Weil das Thema Sicherheit als positives Argument verkauft werden kann.
© SN.
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