Bergbahnen im Zielkonflikt
Gesamtwirtschaftliche Rolle als Relikt der Vergangenheit?
Erfolgreiche touristische Bergbahnen werden meist nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien geführt. Die Compagnie des Alpes (CdA) tritt im Wallis als Schrittmacher auf.
lth. Saas Fee, 12. Februar
Als die Aktionärsstimmen an der Generalversammlung der Bergbahnen Saas Fee AG von Ende Januar 2007 ausgezählt waren, gab es bei den Vertretern des örtlichen Tourismus und der Gemeinde lange Gesichter: Mit einer überraschend klaren Mehrheit hatte sich der Hauptaktionär, die französische Compagnie des Alpes (CdA), bei allen wichtigen Anträgen durchgesetzt. Abgesehen von persönlichen Querelen im Verwaltungsrat ging es bei diesem Machtkampf um eine grundsätzliche Frage: Sollen sich die Bergbahnen künftig vermehrt in den Dienst der gesamtwirtschaftlichen Interessen des Kurortes stellen, oder sind sie nach strikt betriebswirtschaftlichen Kriterien zu führen? Die Mehrheit der Aktionäre hat sich für den Weg entschieden, den die CdA als grösster Wintersportunternehmer Europas schon seit Jahren verfolgt: Gut ist, was dem Unternehmen nützt.
Forsche Wachstumsstrategie
Die CdA hat in den vergangenen Jahren einmal ihre Stellung in Frankreich nach Kräften ausgebaut und verstärkte auch im Wallis im Zuge einer forschen Wachstumsstrategie ihre Präsenz: Inzwischen hält das Unternehmen Beteiligungen an den Bergbahnen von Verbier, Saas Fee und Riederalp; ihr gehört auch der Aquapark in Le Bouveret im Unterwallis. Anfang 2007 hat die CdA gemeldet, sie führe Fusionsverhandlungen mit der Nummer zwei im französischen Wintersportgeschäft, der Sofival. Diese betreibt neben den Skigebieten von Val-d'Isère, La Rosière und Valmorel auch die Anlagen von Avoriaz im französisch-schweizerischen Grenzgebiet der Potes du Soleil im Val d'Illiez. Nach einer Einverleibung der Sofival würde der Umsatz der Compagnie des Alpes von heute 730 auf 860 Millionen Franken hochschnellen. Dabei diversifiziert die CdA gezielt, denn sie erwirtschaftet gegen 320 Millionen ihres Umsatzes in 21 Freizeitparks in 7 europäischen Ländern; auf die 14 Skigebiete der Alpen entfallen rund 410 Millionen Franken an Einnahmen. Dieses Ergebnis aus den Wintersportaktivitäten wird faktisch von einem einzigen Konzern mit 650 Angestellten erbracht. In grellem Kontrast dazu: Die über 600 Seilbahnunternehmen der Schweiz verbuchen mit 11 000 Angestellten einen Umsatz von 840 Millionen Franken.
An der Lokalpolitik gescheitert
Der absehbare Einstieg der CdA in Avoriaz wird in den benachbarten Gemeinden des schweizerischen Val d'Illiez mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Auch hier verfolgen die Bergbahnen, bei denen die Gemeinden im Hinterland von Monthey stark engagiert sind, traditionell eine auf den gesamten Tourismus ausgerichtete Unternehmenspolitik. Der Aktionärsnutzen bleibt zweitrangig. Allerdings hat sich die Schwerfälligkeit der lokalen Politik als Falle erwiesen. Eine während Jahren sorgfältig vorbereitete Fusion ist kürzlich am Veto der Stimmberechtigten einer einzigen Gemeinde gescheitert. Ihnen missfiel eine bescheidene Redimensionierung der örtlichen Liftanlagen. Damit dürfte die angestrebte Bündelung der Kräfte auf Jahre hinaus blockiert sein. Abgesehen von engmaschigen Unternehmensstrukturen und der Erwartungshaltung der lokalen Wirtschaft macht vielen Bahnunternehmen der Schneemangel zu schaffen. Zudem bearbeiten grosse Anbieter wie Zermatt seit kurzem gezielt jene Marktnischen, in denen sich bisher die meisten der kleinen und mittleren Skigebiete eingerichtet hatten. Die vor fünf Jahren zu einer einzigen Unternehmung zusammengeschlossenen, äusserst erfolgreichen Zermatter Bergbahnen werben mit gezielten Aktionen um die einheimischen Wintersportler. Sie sollen an den frequenzschwachen Samstagen, die von den Gezeiten des Gästewechsels geprägt sind, die grossflächig beschneiten Pisten am Fusse des Matterhorns bevölkern.
Bergbahnen im Zielkonflikt (CDA-Diskussion)
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Jay
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Die NZZ berichtet: