Der Kalender schreibt den 29.1.07, offiziell der erste Tag der Semesterferien. Trotzdem wache ich schon um viertel vor Acht auf, ohne Wecker, wohlgemerkt. Ich habe ein ungutes Gefühl im Magen, fühle mich müde. Gestern war ja das Treffen in Serfaus, der Skitag liegt mir noch in den Knochen, und die Prüfung, die ich in gut einer Stunde haben werde, auch.
Neben meinem Bett liegen noch die Unterlagen, die ich gestern noch durchgegangen bin, meine Schwindelzettel sind fertig geschrieben, überdies darf man die Klassifikationstabellen nehmen. Ich bräuchte sie nicht, das kann man, wenn man sich mit der Materie Karbonate beschäftigt hat, fast im Schlaf. Um halb Neun verlasse ich mein Zuhause und schlendere Richtung Uni. An der Bushaltestelle stehen die ersten Skifahrer, um den Skibus in die Lizum zu nehmen, ich habe aber in diesem Moment kein Auge für den strahlenden Sonnenschein oder Ski. Die Prüfung ist zu dieser Zeit im Kopf allgegenwärtig.
Auf der Uni bin ich fast alleine, vor dem Prüfungsraum stehen auch schon ein paar „Delinquenten“, die mit mir die Prüfung Schreiben wollen. Normalerweise wird geredet, er wird gescherzt, heute ist alles anders. Kein Wort fällt, viele Gesichter sind noch hinter diversen Skripten versteckt. Um 9 kommt der Professor, der erste Mensch, de ich heute lächeln sehe, wird schon nicht so schlimm, meint er. Na gut, wollen wir das beste hoffen.
Keine 2 Minuten später sitze ich an einem Mikroskop und bekomme zwei Karbonatschliffe vorgesetzt. Beide sind möglichst genau zu analysieren und einzustufen. Einen kenne ich schon, ein Grainstone, dieser Schliff ist in 5 Minuten abgehandelt. Erleichterung macht sich breit, es wird definitiv eine positive Note. Der zweite Schliff ist schon etwas fieser, trotzdem schaffe ich es, ihr korrekt zu bestimmen, wie es sich später herausstellt.
Ich schalte mein Mikroskop ab, und warte auf den Professor, der sich die Schliffe gleich anschauen will, um sein Wissen mit meinem Geschriebenen zu vergleichen. Nach weiteren 5 Minuten ist die Sache eine Gegessene. Der erste Schliff stimmt zu 100 Prozent, beim zweiten Schliff haben sich ein paar kleine Fehler eingeschliffen, es geht sich noch ein Sehr Gut aus. Ich werde auf einen Schlag lockerer und verlasse den Prüfungsraum Richtung Heimat, vorbei an besagter Skibushaltestelle. Wie ich an den Skifahrern vorbeigehe, überkommt mich ein Gedanke: Skifahren könnte ich auch noch gehen. Nur wohin? Für die großen Skigebiete ist der Zug abgefahren, bleiben noch Lizum, Rangger Köpfl und die Schlick. Wo war ich heuer noch nicht? Rangger Köpfl. Der Skibus geht in einer dreiviertel Stunde, Zeit also genug, um sich in Schale zu werfen, das Skizeugs zu packen und sich auch zu den wartenden Skifahrern zu gesellen.
Der Bus kommt pünktlich, ich befördere wieder meine Ski in den Bauch des Busses und steige ein. Die Fahrt ist gratis, für die, die mir Skizeug kommen. Der Rest muss zahlen. Immerhin handelt es sich um Busse der Post, die auch andere Reisende nehmen können. Die Zeit vergeht wie im Flug, schnell haben wir Innsbruck über den Innrain verlassen und fahren durch Völs. Dann geht es rauf ins Mittelgebirge. Ranggen ist schnell erreicht, im Ort biegt der Bus rechts ab, und bleibt ganz genau vor der alten DSB stehen. Das nenne ich Service. Insgesamt steigen 5 Skifahrer aus. 3 davon sind Tourengeher, die ihr Ziel wohl ohne Lift erreichen werden. Ich dagegen gehe hoch zur alten, betagten DSB, die bald ausgesorgt haben wird.
Und bald bin ich mitten in den siebziger Jahren angekommen, nur mein Outfit passt nicht zum Skigbiet, es besteht aus einer alten DM DSB, 2 Swoboda Kurzbügelschleppern, einem DM Kurz- und einem DM Langbügelschleppern, wobei der Langbügler LSAP sein dürfte.
Orientieren auf einer Panokarte braucht man sich angesichts der Gebietsgröße nicht.
Alleine der Zugang zur DSB ist ein kleines Abenteuer. Man muss durch das Kassengebäude durch, vorbei an den Kassendamen, dann kommt man zum Drehkreuz und kann erst nach der Überwindung dieses Gerätes aufsesseln. Schon irgendwie kult. Dieser Zugang dürfte noch aus den Tagen stammen, wo es noch Karten zum Lochen gab.
Nach dem Drehkreuz halte ich inne und bestaune das Ambiente der Talstation. Langsam dreht sich die mächtige Umlenkscheibe, der Liftwart lehnt gemächlich in der Sonne, keine Hektik, nur das leise Klappern der DSB, wenn wieder ein Sessel über eine Rolle läuft. So leise kann eine Alte DSB laufen. Schon erstaunlich. Ich denke irgendwie gerade an „Trinc“, der mit seinen C4 eigentlich gut in dieses Gebiet passen würde.
Zeit, jetzt aufzusesseln. Der Liftwart ist freundlich, und ist beim Einstiegen behilflich. Ich entschwebe langsam dem Tal. Zuerst geht es über eine weite Wiese, dann verschwinde die DSB im Wald. Teilweise stehen noch die alten Betonstützen der Vorgängerbahn (was stand da eigentlich vorher?) teilweise wurden bereits DM Stützenschäfte aus Vierkantblech verbaut. Nach einer eher faden Fahrt kommt ein kleines Highlight in Sicht, die Kreuzung des Egghofliftes, ein DM Kurzbügler mit der DSB. Der Lift steht wegen des Schneemangels leider still. Auch die sonst so breite Piste ist nur auf einem Drittel der Breite offen, dank der neuen Schneeanlage wohlgemerkt. Langsam nähere ich mich der Bergstation, das Surren des Antriebes ist schon zu vernehmen. Schnell wird abgesesselt, und der alte DM Antrieb bestaunt. Fotos werden natürlich auch angefertigt. Wer weis, wie lange die Bahn noch steht.
Und dann wird auch schon die Talabfahrt getestet, die sich als sehr hart herausstellt, es liegt einfach viel zu wenig Schnee. Trotzdem hat man versucht, als der Tristen Schneelage das Beste zu machen. Meine Hochachtung dafür. Auch ist nur eine Talabfahrt offen, die einfachere Alternative ist wegen Schneemangels geschlossen. Mir macht das aber nichts aus, ohne Probleme erreiche ich die Talstation. Die Piste hat mir alleine gehört. Herrlich.
Jetzt werde ich mal die oberen Abfahrten im Gebiet testen, ich fahre also wieder mit der DSB hoch und begebe mich zum Sulzstrichlift. Als ich den Lift sehe, kommt Freude auf. Ein alter Swoboda Kurzbügler. So war findet man schon eher selten.
Also auf Richtung Gipfel. Oben stehen ja noch 2 weitere Lifte. Wer die wohl gebaut hat? Noch weis ich es nicht, werde der Frage aber auf den Grund gehen.
Langsam gleite ich über die etwas holperige Lifttrasse, zuerst entlang der Abfahrt und dann alleine im Wald. Zu Fahren ist die Trasse aber problemlos. Auch auffällig, die Stützenbeschilderung. Noch die weißen Trunsteinwerke Swoboda Schilder. Schön zum Anschauen. An der Bergstation dann die zweite Überraschung. Auch der Rangger Köpfllift ist ein Swoboda Kurzbügler. Nur mit einem Unterschied: beim Sulzstrichlift befindet sich der Antrieb am Berg, beim Ranggerköpfllift ist er im Tal. Des Weitern ist der Lift auch etwas steiler, er erschließt eine schöne Carvingpiste. Unten geht die Lifttrasse noch ohne Probleme, dann wird es aber kritisch. Einmal links, denn rechts anheben, um nicht in den Dreck zu fahren, und plötzlich ist ganz Schluss. Oben am Köpfl liegt kein Schnee, alles verblasen. Darum hat am bei der Talstation des Nordliftes einfach eine Ausstiegsstelle geschaffen. Die Hütten oben sind also vom Liftbetrieb abgeschnitten. Auch die Piste ist im Oberen Teil kein Genuss. Steinig und immer wieder Wiese kommen zum Vorschein. Hier ist man anscheinend gegen die Natur machtlos, was soll man da machen? Der Nordlift hat überdies keine Gehänge montiert, nach dem Liftangestellten an den Notsaustiegsstelle ist er LSAP.
Ich begebe mich nun wieder Richtung Tal. Die Piste ab der Bergstation des Sulzstrichliftes dafür ist ein Genuss. Ein Grund, hier länger zu verweilen. Darum werde ich hier insgesamt 10 Fahrten hintereinander absolvieren. Dann mache ich meine übliche Essenspause, die wie immer eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. Gemütlich sitze ich auf der Sonnenterasse der Sulzstrichalm, fast alleine, nur 4 Italiener leisten mir Gesellschaft. Die Wirtsleute können einem heuer schon mehr als leid tun.
Nach der Mittagspause geht es nochmals hinauf zur Notausstiegstelle des Köpflliftes. Dort oben komme ich mit dem Liftangestellten etwas ins Reden, er erklärt mir, warum die Pisten oben nicht fahrbar sind. Der Schnee, der gefallen ist, war schlichtweg zu trocken, er wurde einfach vom Wind verweht. Die Hütten oben haben bei dem Wetter Pech.
Nachdem ich mich über die angeschlagene Piste gequält habe, kann ich meine Ski wieder laufen lassen. Eine Stunde habe ich noch Zeit. Diese Stunde verbringe ich mit 3 Fahrten mit der DSB. Die Piste ist trotz der Härte top präpariert. Das Fahren macht richtig Spaß. Nur ab und an muss man auf etwas Eis achten. Heuer wohl unvermeidlich.
Wie jeder Skitag hat auch dieser Kurztripp ein Ende. Pünktlich kommt der Postbus, der mich wieder nach Innsbruck bringt.
Vom Rangger Köpfl nehme ich eher gespaltene Erinnerungen mit. Die Liftanlagen sind nicht mehr zeitgemäß, man ist aber daran, Investitionen zu tätigen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen hier, vor allem bei dem Winter. Eine EUB würde es hier wirklich bringen, meine ich. Dann will ich mal hoffen, dass ich nächstes Jahr hier eine EUB erleben darf
So, und nun die übliche Statistik.
Anfahrt
Innsbruck – Oberperfuss mit dem Postbus
Wetter
wolkenlos
Temperatur
um die 0 °
Schneehöhe
Von nichts bis 40 Zentimeter
Schneezustand
Hart, eisig bis griffig
Geöffnete Anlagen
DSB Oberperfuss, Sulzstrichlift, Rangger Köpfllift
Geöffnete Pisten:
An jeder offenen Anlage mindestens eine Piste offen.
Fazit: 3,5 von 6 Punkten.
MFG Dachstein