Gästeschwund lässt Skiorte kooperieren
von Claus Hecking (Arlberg)
Das Panorama auf der Bergstation ist atemberaubend. Fasziniert starren die Passagiere der Galzigbahn auf die mächtigen, schneebedeckten Dreitausender rund um Sankt Anton; vergessen sind die kahlen, grauen Hänge unten im Tal.
Hier oben auf 2185 Metern Höhe gibt es noch so etwas wie Winter, das wissen die Hunderte von Skifahrern, die die nagelneue Seilbahn im 40-Sekunden-Takt ausspuckt. 22 Mio. Euro haben sich die Arlberger Bergbahnen (Abbag) diese futuristische Anlage kosten lassen. "Es hat sich gelohnt", stellt Mario Stedile-Foradori nüchtern fest - und visiert dabei die gegenüberliegende Bergkette an.
Dort plant der Bergbahnchef sein nächstes Großprojekt. Im Malfontal will die Abbag ein Skigebiet erschließen, das bis zum Paznauntal auf der anderen Seite reicht. Dann hätte der Arlberg einen Anschluss nach Ischgl, dann wären zwei der größten Skigebiete Österreichs miteinander verbunden, dann könnte man mit einer Liftkarte fast 600 Kilometer Piste abfahren - bis zum Schweizer Nobelort Samnaun. "Schon im kommenden Sommer werden wir das Projekt zur Umweltverträglichkeitsprüfung einreichen", sagt Stedile. Und dann werde der Bau losgehen.
Konsolidierungswelle im Alpenraum
Die Verbindung zwischen Arlberg und Paznauntal wäre der spektakuläre Höhepunkt einer Konsolidierungswelle: Zurzeit versuchen zahlreiche Skigebiete im Alpenraum, durch Zusammenschlüsse ihr Revier auszuweiten. In der Schweiz etwa planen die Orte Arosa und Lenzerheide, miteinander zu fusionieren; in Frankreich will der größte Liftbetreiber Europas, die Compagnie des Alpes, die inländische Nummer zwei, Sofival, übernehmen. Und in Österreich, wo sich bereits im Jahr 2000 fünf große Skiregionen aus den Bundesländern Salzburg und Steiermark zum Skiverbund Amadé vereinigten, planen nun erstmals zwei der größten Gletscherskigebiete den Zusammenschluss: das Ötztal und das Pitztal. "In wenigen Jahren wird es fast nur noch solche Verbünde geben", sagt Egon Smeral, Tourismusexperte beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung.
Der Gesamtmarkt stagniert schon seit Jahren. Trotz des Booms bei Carvingski und Millioneninvestitionen der Seilbahnbetreiber in neue Anlagen ist die Zahl der Skitouristen in den Alpen zuletzt kaum gestiegen. In diesem warmen Winter dürfte sie sogar sinken. Ein immer härterer Wettbewerb zwischen den Orten um die verbliebenen Kunden ist die Folge. "Der mitteleuropäische Markt ist gesättigt, und die Ansprüche der Besucher wachsen", sagt Thomas Bieger, Professor für Tourismuswirtschaft an der Universität Sankt Gallen. "Wenn ein Skigebiet heute nicht mindestens 200 Pistenkilometer bieten kann, kommt es für gute Fahrer kaum noch infrage." Auch der Klimawandel fördert die Konzentrationsbestrebungen. "Wenn sich Skigebiete in tieferen Lagen mit höher gelegenen Regionen zusammenschließen, minimieren sie so ihr Ausfallrisiko - gerade in schneearmen Wintern wie diesem", sagt Smeral. Orte unterhalb von 1300 Metern Seehöhe leiden zurzeit besonders unter dem Wetter, sie können oft nur einen Bruchteil ihrer Pisten öffnen.
Umweltschützer entsetzt
Bei Umweltschützern stoßen die Expansionspläne auf Entsetzen. "Das ist Landschaftszerstörung. In vielen Gegenden geht auf jeden Grashügel ein Lift hinauf", sagt Josef Essl. Nach Ansicht des Leiters für Raumplanung und Naturschutz beim Österreichischen Alpenverein setzt die Tourismusindustrie lokale Politiker zurzeit unter Druck, um ihre Pisten durch bislang unberührte, ökologisch sensible Gebiete ziehen zu dürfen. Und aus Angst vor Arbeitsplatzverlusten tendierten die Entscheidungsträger immer öfter dazu, auch solche Projekte zu genehmigen, sagt Essl. Die Pläne der Arlberger Bergbahnen dürfte dies kaum stoppen: Der Raumnutzungsplan des Landes Tirol weist das Malfontal nicht als besonders schützenswertes Gebiet aus.
Und so hat Stedile Grund zum Träumen. "Stellen Sie sich vor: Wer morgens um neun Uhr mit den Skiern in Sankt Anton losfährt, kommt um elf Uhr in Ischgl an", so der Seilbahnchef. "Viel schneller sind Sie mit dem Auto auch nicht."
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Jay
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ja ganz klar gefährliches Halbwissen. Die Verbindung mit dem Malfontal ist nach Kappl. Kappl ist nunmal im Paznauntal und da denken viele eigentlich nur an Ischgl, einige auch noch zusätzlich an Galtür. Von den kleinen Gebieten in See und Kappl wissen viele Leute ja gar nicht. Die Leute, die in Kappl sich einmieten, aben manchmal gar keinen Skipass fürs Skigebiet Kappl sondern nehmen es nur als billige Alternative für Ischgl.
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Großraumgebiete
Daß da die Umweltschützer etc. gleich schrein, war mir klar wie s Amen in der Kirche. Aber -- bei der Zillertalarena war auch gleich s Geschrei da-- sogar der Pfarrer hat ne Messe gehalten, oben, wo die Bahn die Gebiete auf über 2000 m verbindet. Wo bitteschön wird da die Natur geschädigt ? ne Sesselbahn über baumfreiem Gelände beschädigt doch die Natur net-- genauso ne Piste auf steinigem Gelände. Und im Sommer iss da oben mit Sicherheit absolute Ruhe... und genauso wirds auch im geplanten Arlberg - Kappl Gebiet sein.
Die solln sich mal vor Augen halten, daß im Endeffekt nur genau 1 Prozent des gesamten Alpenraumes mit Pisten und Bahnen ausgebaut ist. ( steht in der aktuellen DSV Schi Zeitung)-- was iss 1 % ? In solchen Höhenlagen iss so ne Investition auf jeden Fall sinnvoller, als in 1500 Höhe...
und zur Aussage, der gute bis sehr gute Schifahrer braucht mindestens 200 Pistenkilometer... iss doch klar, wo nur wenige Pisten sind, die sind gleich abgefahrn-- wogegen jede menge Pisten,da iss für jeden was dabei. Da brauchn auch net Anfänger unbedingt auf Schwarzpisten rumgurkn...die ham da ihr eigenes Gebiet, und die guten ihres. (Fiss- Serfaus iss da sehr vorbildlich)-- unsereins iss halt sehr verwöhnt... mei, ma lebt nur einmal.
Was aber bei solchen Zusammenschlüssen in solchen Höhen problematisch sein könnt-- wenn plötzlich n Wettereinbruch kommt, mit Sturm etc. daß d Leut nimmer zum Ausgangspunkt zruck-kommen können. Und da iss ja der Arlberg auch so n Knadidat, mit Windproblemen. Und man sagt ja, daß das Wetter mehr stürmisch wird... hoff mas mal net, daß so werd.
Die solln sich mal vor Augen halten, daß im Endeffekt nur genau 1 Prozent des gesamten Alpenraumes mit Pisten und Bahnen ausgebaut ist. ( steht in der aktuellen DSV Schi Zeitung)-- was iss 1 % ? In solchen Höhenlagen iss so ne Investition auf jeden Fall sinnvoller, als in 1500 Höhe...
und zur Aussage, der gute bis sehr gute Schifahrer braucht mindestens 200 Pistenkilometer... iss doch klar, wo nur wenige Pisten sind, die sind gleich abgefahrn-- wogegen jede menge Pisten,da iss für jeden was dabei. Da brauchn auch net Anfänger unbedingt auf Schwarzpisten rumgurkn...die ham da ihr eigenes Gebiet, und die guten ihres. (Fiss- Serfaus iss da sehr vorbildlich)-- unsereins iss halt sehr verwöhnt... mei, ma lebt nur einmal.
Was aber bei solchen Zusammenschlüssen in solchen Höhen problematisch sein könnt-- wenn plötzlich n Wettereinbruch kommt, mit Sturm etc. daß d Leut nimmer zum Ausgangspunkt zruck-kommen können. Und da iss ja der Arlberg auch so n Knadidat, mit Windproblemen. Und man sagt ja, daß das Wetter mehr stürmisch wird... hoff mas mal net, daß so werd.
Fabi,alpiner Schifreak
TSC 2012-13, Stand 20.01.2013 - 17 Sektionen Bike, 20 Schitage in Tirol ; Zillertal, Stubaital, Ötztal, Kitzbühel,Schiwelt , Schijuwel Alpbach ;
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also ich bin im Sommer mal in dieses Malfontal gewandert. Im Gegensatz zu den umliegenden Tälern waren dort null aber wirklich absolut null Wanderer ausser uns unterwegs. Einen Tag vorher sind wir von der Valluga nach St. Anton runtergelaufen. Die Ulmer Hütte war tierisch voll, der Weg durchs Steißbachtal war ebenfalls richtig belebt. Und das mitten im zentralen Arlberger Skigebiet, wo überall Stützen, Stationen und planierte Pisten ins Auge stechen. Einen Tag später, bei gleichem sehr schönem Wetter und auch an einem Werktag, sind wir von Pettneu aus ins Malfontal gelaufen. Der Wanderweg ging nur bis zur Hälfte, ich habe meine Freundin aber querfeldein dann bis ans Talende geschleift, da ich unbedingt die Bereiche der möglichen Lifte sehen wollte.
Zumindest würden keine Wanderer sich im Sommer über Liftanlagen beschweren, da dort eh kein ausgewiesener Wanderweg entlangläuft.
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Also daß Pisten die Natur nicht schädigen ist Unfug und je höher die Pisten liegen desto größer ist die Beeinträchtigung. Und richtig steinigen Untergrund (d.h. ohne Vegetation, die Schaden nimmt) hast du generell sowieso nur oberhalb von 3000 m, oder in einzelnen Schotterreißen, die aber nicht für Pisten geeignet sind.
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fettiz
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Das Verwall ist im Sommer halt noch einer der Juwele in den Alpen. Ganz wenig Leute, dafür herrliche Natur. Eben nicht Arlberg und nicht Silvretta.
Habe dort schon schöne Wanderungen von Hütte zu Hütte gemacht - z.B. von Kappl nach Galtür (Niederelbehütte, Darmstädter, Friedrichshafener, Neue Heilbronner Hütte). Sehr zu empfehlen. Dreitausender, kleine Gletscher, etc.
Bislang gibt es dort auch nur wenig Liftanlagen (Rendl, Kappl, Hochjoch) - welche das Gebiet nur am Rand berühren. Die Verbindung würde halt dieses Berggebiet zerschneiden.
Die Behauptung, dass Lifte oberhalb der Waldgrenze die Natur nicht schädigen, will ich so auch nicht stehen lassen. Zuallerst sind verkabelte Berge im Sommer nicht schön anzusehen. Außerdem sind auch oberhalb der Waldgrenze massive Eingriffe durch Pistenplanierungen nötig. Genauso gibt es dort eine eigene Tier- und Pflanzenwelt. Und dass die Skigebiete die Gletscher belasten, sollte eigentlich auch klar sein. Die Frage nach dem wieviel muss dagegen jeder für sich selbst beantworten.
Klar können sich im Verwall nicht soviele Wanderer aufregen, da es ja nicht so viele gibt. Aber das macht den Wert dieses Gebietes ja gerade aus. Dass es eben noch naturbelassener ist, als viele andere Regionen. Dementsprechend halte ich es für schützenswert. IMHO sollten vernünftige Verbindungen vorangetrieben werden - und nicht unnötige Spinnereien. Vernünftig in dieser Region sind dabei eher z.B. Warth mit Lech, Zürs mit Stuben. Diese sind einfach zu realisieren und befinden sich in einer bereits stark veränderten Bergwelt.
Habe dort schon schöne Wanderungen von Hütte zu Hütte gemacht - z.B. von Kappl nach Galtür (Niederelbehütte, Darmstädter, Friedrichshafener, Neue Heilbronner Hütte). Sehr zu empfehlen. Dreitausender, kleine Gletscher, etc.
Bislang gibt es dort auch nur wenig Liftanlagen (Rendl, Kappl, Hochjoch) - welche das Gebiet nur am Rand berühren. Die Verbindung würde halt dieses Berggebiet zerschneiden.
Die Behauptung, dass Lifte oberhalb der Waldgrenze die Natur nicht schädigen, will ich so auch nicht stehen lassen. Zuallerst sind verkabelte Berge im Sommer nicht schön anzusehen. Außerdem sind auch oberhalb der Waldgrenze massive Eingriffe durch Pistenplanierungen nötig. Genauso gibt es dort eine eigene Tier- und Pflanzenwelt. Und dass die Skigebiete die Gletscher belasten, sollte eigentlich auch klar sein. Die Frage nach dem wieviel muss dagegen jeder für sich selbst beantworten.
Klar können sich im Verwall nicht soviele Wanderer aufregen, da es ja nicht so viele gibt. Aber das macht den Wert dieses Gebietes ja gerade aus. Dass es eben noch naturbelassener ist, als viele andere Regionen. Dementsprechend halte ich es für schützenswert. IMHO sollten vernünftige Verbindungen vorangetrieben werden - und nicht unnötige Spinnereien. Vernünftig in dieser Region sind dabei eher z.B. Warth mit Lech, Zürs mit Stuben. Diese sind einfach zu realisieren und befinden sich in einer bereits stark veränderten Bergwelt.
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Don't forget: Realize your dreams....
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