Tiroler Tourismus: Luxus anstatt leerer Lifte
Tiroler Tourismus sollte auf Luxus und Ruhe setzen statt auf Skifahren.
In Tirol gibt es viel zu viele mittelmäßige Betriebe, zeigt Univ.-Prof. Klaus Weiermair vom Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus an der Uni Innsbruck auf. "Bei keinem anderen Wirtschaftsbereich ist die Mitte im Sinne von mittlerer Qualität und mittlerem Preis so stark ausgeprägt, wie im alpinen Tourismus.
Diese Mitte wird sich in Zukunft nur schwer am Markt halten können. Denn Marken für mittlere Qualität und mittleren Preis gibt es nicht, nur Diskont oder Top-Qualität."
Tirol sollte daher versuchen, den schlecht gehenden mittleren Tourismusunternehmen den Austritt aus dem Markt zu erleichtern, anstatt alle gleichermaßen zu fördern, rät der Tourismusexperte. "Eine Art Austrittsprämie, damit der Betrieb aus dem Markt ausscheidet, wäre viel wirksamer als das derzeitige Gießkannenprinzip bei der Förderung." Sonst würden die kranken Betriebe nur länger künstlich am Leben erhalten. Das wirke sich bei allen Betrieben negativ auf die Ertragssituation aus, da der Konkurrenzkampf weiter bestehe.
Luxus statt Diskont
Tirol solle verstärkt auf die Luxusschiene aufspringen: Kleine, wirklich luxuriöse Häuser, die regelrechte Genusstempel sind, sagt der Tourismusexperte. Denn für Billighotels sei das Land einfach zu klein strukturiert: Um auf der Billigschiene Gewinne zu schreiben, brauche es eine gewisse Größe der Hotels, richtige Hotelkästen und Bettenburgen und dafür sei in Tirol kein Platz.
Touristischen Visionen, wie etwa dem Stauseeklettern, kann Weiermair wenig abgewinnen: Der Markt dafür sei viel zu klein. An Kreativität fehle es im Land aber nicht. Es werde nur immer noch viel zu engstirnig gedacht.
Das Prinzip "Think global, act local" müsste viel stärker umgesetzt werden, fordert er. "Man braucht die Welt ja nicht neu zu erfinden. Wenn man zum Beispiel auf Luxus und Glamour setzen will, und im eigenen Land nicht die nötigen Ressourcen vorhanden sind, so kann man die genauso aus dem Ausland holen, wie man es ja schon mit den Mitarbeitern aus den neuen deutschen Ländern tut. Fehlen etwa gute Unterhaltung, Kultur oder Einzelhandel, die man für anspruchsvolle Gäste braucht, wird man Firmen wie Cartier oder Tiffany in unsere Weltdestinationen holen. Das Geld bleibt ja trotzdem im Land und die Arbeitsplätze werden gesichert."
Ruhe und Natur pur
Als Tourismusland immer noch hauptsächlich auf das Skifahren zu setzen, sieht Weiermair besonders problematisch. "Das Prinzip, Sport ist alles, ist viel zu kurz gedacht. Die Gäste werden immer älter und damit weniger mobil. Irgendwann können und wollen sie dann nicht mehr nur Skifahren." Auch Wellness werde sich nicht durchsetzen. Der echte Gesundheitstourismus, mit medizinisch nachweisbaren Ergebnissen, wird dagegen stark an Bedeutung gewinnen.
Auch in der Ruhe liege großes Potenzial. So könnte etwa Osttirol zum touristischen Ruhegebiet werden, in dem der Urlauber die Stille der Natur tanken kann, stellt sich Weiermair vor. "Teile des Landes, die noch relativ unberührt sind, müssten zu einer richtigen Ruheoase gemacht werden. Denn die Welt wird in Zukunft noch wesentlich hektischer und lauter. Dann wird Ruhe ein heiß begehrtes und sehr kostbares Gut."
Die Deutschen, Tirols bisher wichtigste Urlauber, werden dem Land als Gäste abhanden kommen, prophezeit Weiermair. Derzeit komme immer noch der Großteil der Tirol-Urlauber aus den Nachbarregionen und dabei vor allem aus Deutschland. Das wird sich ändern, denn für einen Deutschen ist es mittlerweile wesentlich bequemer in ein Flugzeug zu steigen und auf die Malediven zu fliegen, als selbst mit dem Auto in ein Tiroler Tal zu fahren.
Nach letzten Tourismusanalysen ist der Deutsche zum Fernreisenden geworden und wird das auch bis ins hohe Alter bleiben. Weiermair sieht Tirols Gästestruktur der Zukunft wesentlich durchmischter und internationaler: weniger Deutsche, dafür mehr Inder und Chinesen.