Wer von euch kennt Sportgastein? Ich mein so wirklich, nicht nur mit dem Finger am Pistenplan?
Wenn ich mich nicht täusche, dann ist das überhaupt der erste Alpinforum-Bericht aus diesem Skigebiet mit Bildern, zumindest aber der erste ausführliche Report.
Anreise: etwas umständlich, da der Treffpunkt nahe Salzburg war. Fahrzeit insgesamt von mir daheim etwas mehr als 2 Stunden, über meine Standardroute in den Pinzgau wohl etwas unter 2 Stunden
Wetter: am Vormittag sonnig, ab Mittag zusehends diesig, wie man sehen konnte war´s in den Nordalpen schon am Vormittag schlecht. Insgesamt aber auch am Nachmittag ganz brauchbare Sichten.
Temperaturen: Firn bis 2600 m - das sagt wohl alles.
Schneehöhen: 80 - 130 cm. Generell gefühlsmäßig sehr, sehr wenig, wenn auch ausreichend.
Schneeverhältnisse - Pisten (Freeride kommt dann ausführlich): am Vormittag hart-griffig (genial), ab Mittag dann auf der Piste auch eher firnige Verhältnisse, aber keine Haufen
Geöffnete Anlagen: Goldbergbahn I+II, Kreuzkogellift
Geöffnete Abfahrten: S1 - Schideck, S2 - Ödenkar, S3 - Baukar, S5 - Schöneck (am Nachmittag), S6 - Knappensee
Geschlossene Abfahrten: S4 - Mooskar (rote Talabfahrt), S5 - Schöneck (am Vormittag, keine Ahnung warum) Route 1+2
Wartezeiten: an der Goldbergbahn tlw. 2-3 min
Gefahren mit: 4x Goldbergbahn I, 6x Goldbergbahn II - gesamt 5730 hm, davon etwa 4200 im Gelände
Gefallen: tolle Landschaft, super Wetter, geiler Firn, ganz eine andere Atmosphäre als in anderen Skigebieten
Nicht gefallen: ---
Fazit: 6 von 6 Punkte, ganz klar
So, und nun kommt eigentlich erst der richtig interessante Teil.
Nach den ursprünglichen Plänen sollte ja Sportgastein doch etwas anders aussehen, als das heute der Fall ist. Gerrit hat da letztes Jahr ja ausführlichst recherchiert - eine Retortenskistation nach französischem Vorbild wollte man dort errichten - mit Seilbahnen zum Mölltaler Gletscher, einer Anbindung ins Raurisertal, einer Skischaukel zur Schlossalm, nach Böckstein und sogar rüber bis nach Heiligenblut. Übrig geblieben von den großen Plänen - schade, oder zum Glück, wie man´s nimmt - ist dann lediglich die Goldbergbahn. Irgendetwas führt man zwar laut SN mal wieder im Schilde, eine Anbindung ins Mölltal ist anscheinend immer noch in Planung, aber wahrscheinlich wird die Bahn zum Schareck nie kommen.
Schon die Fahrt ab Böckstein rauf zum Nassfeld ist für manch einen wohl schon ein Erlebnis - ein paar unbeleuchtete Tunnel gibt´s da rauf, das erinnert irgendwie noch an den Tunnel zum Tiefenbachferner in Sölden, als er noch nicht renoviert wurde. Normalerweise zahlt man da 4,- € Maut, mit Skipass ist´s gratis.
Ankunft in Sportgastein dann schon um 8:40 - wir waren das fünfte Auto am Parkplatz. Leider sperrt die Goldbergbahn erst um punkt 9 Uhr auf, und das, obwohl soweit man das sehen konnte bereits fertig ausgaragiert war. Naja egal, Stress haben wir an diesem Tag ohnehin keinen. Die schwarze Talabfahrt sieht lecker präpariert aus, ist aber, wie sich später herausstellen sollte, am Morgen gesperrt.
Die Goldbergbahn hat noch eine ältere Doppelmayrsche Einheitsstation, so genau hab ich´s nicht angeschaut - wer´s näher wissen will muss selber hinfahren.
Bald schon entflieht man mit der Gondel dem Schatten im Tal raus in die Sonne, und bereits jetzt so früh am Morgen wird´s so richtig warm am Rücken, wenn man in der Gondel sitzt. Beinahe 1100 hm legt die Goldbergbahn zurück - da geht ganz schön was weiter. Oben angekommen zeigt sich ein Bild, das so manch einer von der Webcam kennen mag
Zum Einfahren und Aufwärmen sind wir dann zwei Mal die jungfräulichen Pisten zur Mittelstation runtergerast. Das sind halt noch interessante Pisten - schön kuppiertes Gelände - man hat da ganz ein anderes Feeling als auf Autobahnpisten wie z.B. in Flachau, leider aber sind die Abfahrten nicht sehr breit. Trotzdem sehr, sehr geil zum Fahren. Untertags ist´s hier wohl auf manchen Abfahrten relativ voll. Zudem stehen mitten auf der Piste Markierungstafeln, hab ich so auch noch nicht gesehen, aber naja...
Traumwetter hat´s heute:
Jedenfalls ginge auch in dieser Höhenlage ohne Schneeanlage von der Mitte bis ins Tal gar nichts, die rote Talabfahrt ist komplett gesperrt, die schwarze auch nur bis etwa Mittag gut, dann zusehends braun.
Aber Pisten waren ja nicht unser Ziel. Zum Einen ging´s natürlich ums Firnfahren, zum Anderen wollten wir am Ende des Tages aber auch die Nordvariante runter zum Heilstollen bzw. zur Mautstelle fahren, in der Hoffnung, noch ein paar pulvrige Abschnitte anzutreffen.
Blick raus ins Gasteinertal - auch hier hat der warme Winter seine Spuren hinterlassen. Keine Talabfahrt ist mehr offen, soweit ich das mitbekommen hab, und wie man sieht sind die Hänge extrem weit rauf komplett ausgeapert:
Es ist gut 10 Uhr, wir machen uns auf den Weg auf die Suche nach Firn. Den Einstieg in die Route beschreib´ ich jetzt besser nicht, den sollte nicht jeder kennen, da dann möglicherweise Leute reinfahren, die von Lawinengefahr keine Ahnung haben.
Zum Kreuzkogel (2686 m) sind wir auch kurz aufgestiegen, traumhaftes Panorama gibt´s auch von dort oben:
Einstieg in die Variantenabfahrt:
Nach ein paar Minuten Querfahrt bzw. einigen Minuten kraftraubendem Anstieg bin ich geschlaucht und brauche erst einmal eine Pause
Aber die Abfahrt entschädigt dann für alles:
Endlos lange Hänge, ohne dass man sonderlich auf irgendwelche Steilabbrüche aufpassen müsste. Auch die Lawinengefahr ist am Morgen noch gering, trotzdem haben wir in diesem Gelände jeder ein LVS und eine Schaufel mit:
Das ist einfach das Geile an dieser Route: Man ist komplett allein! Keine ratternde Rollenbatterie, kein Hubschrauber, kein Auto, keine anderen Leute - nur du, deine Mitfahrer, deine Ski und der Schnee!!
Nach gut 1000 hm Freeridevergnügen wartet wieder etwas Anstrengung auf uns - gut 3, vielleicht sogar 4 km müssen wir über diesen Talboden zurück zur Goldbergbahn. Es geht zwar ständig leicht bergab, aber ohne Schlittschuhschritten und Doppelstockschüben geht da phasenweise nichts mehr. Noch dazu ist´s wesentlich anstrengender, wenn deine Mitfahrer konditionell doch noch um Einiges besser drauf sind als du. Aber was tut man nicht alles für einen unberührten Firnhang?
Nix für Boarder
Geschafft. Nach gut 20 min Anstrengung sitzen wir wieder in der Goldbergbahn. Für eine Fahrt brauchen wir insgesamt jeweils eine gute Stunde. Mittelstation Goldbergbahn:
Und dann geht´s schon das zweite Mal da runter.
Zweite Abfahrt, gleiche Route. Firn bis auf 2600 m, und das Mitte März, wo eigentlich Hochwinter sein sollte. Naja, jetzt wird´s ja eh nochmal richtig winterlich
Leute, das ist hammergeil!!!
So, ein bisschen Photoshop darf natürlich auch nicht fehlen. Schaut nicht so schlecht aus, wie ich finde
Nach drei Fahrten im Firn, einer ausgiebigen Mittagspause in der Goldbergstubn (Talstation) und einer erneuten Bergfahrt geht´s dann in die Nordvariante rein. Bei optimalen Schneeverhältnissen ist das sicherlich der absolute Traum, heute war´s aber mehr Kampf als Spaß, vor allem auch im Vergleich zum Vormittag. Ansonsten hätte ich das möglicherweise gar nicht so schlecht empfunden, aber so kam´s mir halt vor, als ob ich nicht mehr Ski fahren könnte... Fotos hab ich in der Nordvariante dann keine mehr gemacht, da es dort eh schattig ist und die Sicht durch aufziehende Wolken für Fotos auch nicht mehr so gut war.
Insgesamt ein absoluter Hammertag im Gelände, so einer, wie ich ihn wohl nur ganz, ganz selten zuvor erleben durfte. Sportgastein - gerne mal wieder
Leider kommt das auf den Fotos mal wieder bei weitem nicht so toll rüber, zumal man dann irgendwie an den geilsten Stellen auch immer wieder aufs Fotografieren vergisst. Trotzdem glaub ich aber, dass man doch ein bisschen was von diesem tollen Skitag mitbekommt