"Sensation" am Wendelstein

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MartinWest
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"Sensation" am Wendelstein

Beitrag von MartinWest »

OVB, 27.03.07:
Landkreis/Brannenburg (re) - Einer Gruppe von fünf Bergsteigern aus dem Rosenheimer Raum ist die Besteigung eines bis dahin wahrscheinlich noch unbestiegenen Gipfels im Wendelsteingebiet über eine spektakuläre Kletterroute gelungen. Der Felspfeiler der Salwand wurde über zehn klettertechnisch anspruchsvolle Seillängen erreicht.

Der begehrte Gipfel befindet sich im Bereich der Mitteralm am Wendelstein und ist ein nach Süden über 200 Meter steil abfallender Felspfeiler der Salwand. Da er bereits auf dem Weg von St.Margarethen bergaufwärts im Bereich der Station Aipl deutlich auffällt, haben sich bereits etliche Bergsteiger in der Vergangenheit an der Ersteigung versucht. Aufgrund der hohen Schwierigkeiten konnte aber bisher noch kein Team bis zum Gipfel vordringen. Da auch der Weg von der Salwandseite her eine lange und gefährliche Kletterei in brüchigem Fels erfordert, war bis vor wenigen Tagen davon auszugehen, dass es sich bei dieser Felsnadel tatsächlich um einen noch unbestiegenen Gipfel unserer Heimatberge handelt.

Im Oktober des vergangenen Jahres nutzten die Bergsteiger Florian Burggraf aus Brannenburg, Klaus Zehetner aus Prutting, Josef Thalhauser aus Kolbermoor sowie Stefan Rose und Mathias Spitzcyk aus Pullach das prächtige Spätherbstwetter, um ihren Traum von der Erstbesteigung dieses «Aipl-Pfeilers» anzugehen. Bereits nach dem ersten Erschließungstag war klar, dass dieses Projekt längere Zeit in Anspruch nehmen würde,. Als zu steil und schwierig zu erklettern entpuppte sich das Gestein. Dabei hatte sich das Team zur Auflage gemacht, die Wand ohne vorheriges Erkunden von oben zu erschließen und nur dort feste Sicherungen anzubringen, wo die Sicherheit und die Struktur des Felses dies unbedingt erforderten. Sieben Erschließungstage waren schließlich notwendig, bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Am Sonntag, 11. März, war es dann so weit: Das Team brach um 7.30 Uhr von St. Margarethen auf, um die letzten Seillängen zu überwinden und endlich den Gipfel zu erzwingen. In zwei Teams kamen sie die bereits erschlossenen Meter schnell voran, wobei jede Mannschaft jeweils einen schweren Sack mit technischem Material für die Fertigstellung der Route transportieren musste. Dabei bereiteten die unerwartet frostigen Temperaturen und fünf Zentimeter Neuschnee den Alpinisten große Schwierigkeiten. Lediglich die Aussicht auf den lang ersehnten Gipfelsieg ließ das Team schließlich acht Stunden später, um 16.30 Uhr, überglücklich auf dem Pfeilergipfel tanzen.

In einer spektakulären Abseilfahrt in der Dämmerung erreichten die fünf im letzten Licht wieder den Wandfuß und nach einem Abstieg in völliger Dunkelheit wurde der Gipfelerfolg im Tal gebührend gefeiert.

«Bei der Tour handelt es sich um keine Sportkletterei, sondern um eine ernste, alpine Unternehmung, bei der hohes klettertechnisches Können, alpine Erfahrung und Ausdauer gefordert wird. Auch die eine oder andere Graspassage im oberen Wandteil darf einen möglichen Aspiranten nicht abschrecken», so die einhellige Meinung der Erstbegeher.

Da in der Region fast jeder Gipfel als bestiegen gilt, tauften die Erstbegeher ihr Werk auf den Namen «Sensation». Die auf den insgesamt zehn Seillängen zu überwindenden klettertechnischen Schwierigkeiten belaufen sich auf 7+/2xAO, wobei die Schwierigkeiten auch zwischen den Haken zu klettern sind. Dennoch ist die Route relativ gut mit Schlingen, Bohr- und Normalhaken abgesichert, ein Satz Camalot-Klemmgeräte (Größe 0,3 bis 3) ist zu empfehlen.

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