(c) Liechtensteiner VaterlandWasser marsch in den Skigebieten
Die Wetterkapriolen des Winters haben in Vorarlbergs Skigebieten ihre Spuren hinterlassen. Die Branche setzt deshalb auf mechanische Beschneiung und Erweiterungen. Naturschützer schlagen Alarm, denn der Wasser- und Energiebedarf wächst.
Von Günther Bitschnau, twp.at
Bregenz. – Die Sektkorken knallten am Ende der diesjährigen Wintersaison in den Vorarlberger Skigebieten nur selten. Denn der Winter 2006/07 hat sich in den 26 Skigebieten mit ihren fast 270 Liften nicht von seiner besten Seite gezeigt: ein Minus von 30 Prozent bei den Lift-Umsätzen mit Tagesgästen und 15 Prozent weniger Lift-Umsatz mit Beherbergungsgästen. Zu den Gewinnern zählten nur die höher gelegenen Gebiete wie etwa der Arlberg, die auf ein Plus von 2 bis 5 Prozent kamen.
Wehe dem, der keine Beschneiungsanlage hatte: Dort pendelten die Zahlen zwischen minus 50 Prozent und Totalausfall. Insgesamt erwartet Vorarlberg für die Saison aufgrund des verspäteten Starts wegen Schneemangels und dem Ausbleiben vieler Tagesgäste ein Minus von 2 Prozent bei den Übernachtungen und einen Umsatzrückgang von etwa 0,9 Prozent. Für die Seilbahnen liegen die Ursachen auf der Hand: «Das war die fehlende Winterstimmung, verstärkt durch Katastrophenmeldungen und Werbung für den Winterurlaub im Süden. Die Klimawandel-Diskussion brachte weitere negative Einflüsse», erklärten jüngst führende Vertreter bei ihrer Jahrestagung.
Beschneiungskosten explodierten
Den rückläufigen Umsätzen standen explodierende Kosten für die mechanische Beschneiung gegenüber. Die Seilbahner beziffern den Mehraufwand auf bis zu 35 Prozent. Die Kosten dafür belaufen sich 2006/07 nach Angaben des Lecher Seilbahnchefs Michael Manhart auf mehr als 18 Mio. Euro. Die Erzeugung von einem Kubikmeter Schnee kostet zwischen 3 und 5 Euro.
Nun darf der vergangene Winter nicht als Mass aller Dinge gesehen werden, denn warme Winter gab es immer wieder. Doch die Tendenz ist belegt: Es wird wärmer, und die Schneefallgrenze steigt. Deshalb gibt es für Vorarlbergs Skigebiete vor allem eine Antwort: mehr mechanische Beschneiung. Und das, obwohl schon zwei Drittel der 1200 Kilometer Skipisten mit fast 680 Schneekanonen und Schneelanzen beschneit werden. Fast 4 Mio. Kubikmeter mechanisch erzeugten Schnees lagen dieses Jahr auf Vorarlbergs Berghängen.
Das zeigt sich auch beim Investitionsverhalten: Die Seilbahnbranche wird 2007 ihre Investitionen um 10 Prozent auf etwa 26 Mio. Euro kürzen, während für technische Beschneiung um 5 Prozent mehr ausgegeben wird. Selbst schneereiche Gebiete wie Warth haben angekündigt, eine Beschneiungsanlage zu errichten. In Damüls werden die Wasserspeicher von 4000 auf 70 000 Kubikmeter Fassungsvermögen erweitert.
Notwendig: perfekte Pisten
Für Wolfgang Beck, Obmann der Vorarlberger Seilbahnen, ist klar: «Ohne das Grundangebot von perfekten Pisten und modernen Liften gibt es keinen Wintertourismus. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man allein mit Ergänzungsangeboten die Gäste bekommt. Zudem verdienen wir unser Geld mit dem Grundangebot, die Ergänzungsangebote kosten nur Geld.» In diese Kerbe schlägt Christian Schützinger, der Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus: «Die Beschneiung gehört intensiviert.»
Doch Beschneiung ist nicht das einzige Thema, es geht um Erweiterungen und Zusammenschlüsse. Nun gab es nicht zuletzt aufgrund des Tourismuskonzeptes von 1992 diesbezüglich kaum Bewegung, was auch Naturschutzanwältin Katharina Lins zugibt. «Schon damals wurde die hohe Seilbahndichte als Grund gegen jede Neuerschliessung genannt.» Doch die Begehrlichkeiten nach nordwärts ausgerichtetem und höhergelegenem Gelände haben überhand genommen.
So werden jetzt nach mehr als zehnjähriger Diskussion die Skigebiete Mellau und Damüls verbunden. «Das war der Tabubruch, jetzt werden weitere Erschliessungen und Projekte folgen», so Lins. Und tatsächlich gibt es konkrete Pläne, etwa am Diedamskopf im Bregenzerwald, wo der benachbarte Falzerkopf erschlossen werden soll. Zudem wird über eine Verbindung der Skigebiete Schröcken und Warth sowie Warth und Lech diskutiert. In Lech wurde für eine Renn-Trainingsstrecke ein halber Berghang umgegraben. Und zwischen den Skigebieten Bürserberg und Brand wird es eine neue Verbindungsbahn samt Skiweg geben.
Tourismus-Chef Schützinger sieht diese Entwicklung differenziert: «Bei Zusammenschlüssen wie Mellau-Damüls ergibt eins und eins mehr als zwei. Erweiterungen bringen nur etwas, wenn dadurch Schwachpunkte von Skigebieten beseitigt werden. Mehr Pisten bringen nicht automatisch mehr Gäste. Wir brauchen Qualität und ein vielfältiges Angebot. Wettrennen um die Grösse werden wir verlieren.»
Gegenseitiges Hochschaukeln
In dieses Horn stossen Natur- und Umweltschützer, bei denen die Situation die Alarmglocken läuten lässt. Für Peter Hasslacher, Leiter Raumplanung und Naturschutz beim Österreichischen Alpenverein, ist Mellau-Damüls ein Beispiel für das gegenseitige Hochschaukeln von Skigebieten. «Wir benötigen eine alpine Raumordnung für Skigebiete, Natur- und Ruhezonen sowie für traditionelle Bergsportarten.» Eine Grundlage dafür sei die Alpenkonvention, ein internationales Übereinkommen zum Schutz des Naturraums und zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung. Deren Protokolle wurden jedoch von der Schweiz und Italien nicht vollständig ratifiziert.
Die Wettbewerbssituation von Skigebieten ist nicht einfach: Einerseits lebt man von der unberührten Natur. Andererseits kann es sich niemand leisten, den Mitbewerb beim Angebotsausbau davonziehen zu lassen. «Durch eine internationale Regelung entfällt das Argument, dass die anderen auch ausbauen dürfen und man dadurch einen Wettbewerbsnachteil erleide», so Hasslacher. Doch auch die Alpenkonvention ist kein hundertprozentiger Schutz. Denn nach Ansicht des ÖAV widersprechen Mellau-Damüls und Bürserberg-Brand dem Übereinkommen, das in Österreich seit 2002 in Kraft ist.
Hoher Wasser- und Energiebedarf
Neben den Erweiterungen beobachten Naturschützer die zunehmende mechanische Beschneiung mit Argusaugen. Ihre Kritik: Während allerorts von Energie- und Wassersparen die Rede sei, scheint das für die Touristiker nicht zu gelten. In Vorarlberg benötigte man zuletzt laut Michael Manhart mehr als sechs Mio. Kubikmeter Wasser und neun Gigawattstunden Strom. In Tirol seien es rund 40 Gigawattstunden, das entspreche dem Verbrauch von 6000 Einfamilienhäusern, Tendenz steigend, so Josef Essl vom ÖAV. Zudem erfordere der Bau von Wasserleitungen und Speicherseen weitere Eingriffe in die Naturlandschaft, vom Wasserverbrauch ganz zu schweigen. Und trotz des Aufwandes sehen Beobachter in 20 Jahren für mittelhohe Skigebiete schwarz. Denn Klimaforscher gehen davon aus, dass es dort dann auch für mechanische Beschneiung zu warm sein wird.
Seilbahner gegen Naturschützer
Für Lothar Petter, den Vorsitzenden des österreichischen Alpenschutzverbandes, zeigen die anstehenden Projekte, dass die Seilbahnwirtschaft immer ausbauen will, trotz gegenteiliger Beschwichtigungen. «Nach der Ausbauwelle vor mehr als zehn Jahren hat es auch geheissen, dass Schluss sei.» Mit dem Ausbau kämen weitere Probleme: Da Investitionen aus Rentabilitätsgründen mehr Gäste erfordern, sei mit noch mehr Verkehr zu rechnen. «Dabei liegt das Verkehrsaufkommen schon jetzt über der Schmerzgrenze.» Fazit von Petter: In Vorarlberg gelte Natur- und Umweltschutz nur so lange, bis es ein konkretes Projekt gebe. Dies zeige nicht zuletzt der Umstand, dass Heliskiing in ganz Österreich verboten und nur in Lech erlaubt sei.
Diese Kritik möchte Wolfgang Beck nicht auf sich sitzen lassen: «Kein unternehmerisch denkender Seilbahner wird sich durch einen rücksichtslosen Umgang mit der Natur seine Existenzgrundlage entziehen. Wir wissen, dass die Gäste bei diesem Thema sensibel sind und eine intakte Natur erleben möchten.»
Banken bei Investitionen vorsichtig
Unvorhergesehen etwas Schützenhilfe könnten die Naturschützer von den Banken erhalten. Denn auch dort wird die Entwicklung vor dem Hintergrund des Klimawandels beobachtet. Zu den grossen Finanziers in Vorarlberg gehören die Raiffeisenbanken sowie die Hypo-Landesbank. Die Giebelkreuzler haben sich in den vergangenen zwei Jahren von allen grösseren Skilift-Beteiligungen getrennt, wenngleich RLB-Vorstand Karl Waltle die Strukturbereinigung als abgeschlossen betrachtet und den Top-Skigebieten wie etwa Arlberg und Silvretta Nova eine gute Bonität bescheinigt.
Deutlicher wird Hypo-Vorstand Jodok Simma: «Bei höheren Lagen sehen wir eine gute Ausgangslage und positive Zukunftsprognose. Nicht so rosig ist die Situation von Kleinliften in niederen Lagen. Solche Investitionen müssen nicht nur von Banken zukünftig gut überlegt werden.»
Wasser marsch in den Skigebieten
-
Jay
- Moderator a.D.
- Beiträge: 5019
- Registriert: 11.07.2002 - 01:06
- Skitage 25/26: 0
- Ski: ja
- Snowboard: nein
- Hat sich bedankt: 1042 Mal
- Danksagung erhalten: 460 Mal
Wasser marsch in den Skigebieten
Das Liechtensteiner Vaterland meldet:
- Af
- Cho Oyu (8201m)
- Beiträge: 8455
- Registriert: 30.01.2004 - 18:11
- Skitage 25/26: 0
- Ski: ja
- Snowboard: ja
- Ort: Nürnberg
- Hat sich bedankt: 18 Mal
- Danksagung erhalten: 43 Mal
Naja.....der dauernde Schatten durch die Massiven Stützen, und die ständig hin und herfahrenden Gondeln....die Vögel können nicht mehr frei fliegen, und die restlichen Wildtiere können sich nichtmehr paaren, weil se ständig beobachtet werden können.Downhill hat geschrieben:Wow... Brand-Bürserberg, was für eine böse Neuerschließung: Eine stützenlose PB über ein Tal hinweg. Die Natur wird elendiglich verrecken
2011: HtPgWmSflSjZaSwHfAbHfHtSjKiKiKiKiHtSöSöSö
2012: HtSöSöSwZaWmWsRoSwRoRoAlHtRoAhStjRoSö
2013: KrIsRaWmRkBxAbAbAbAbAbRaRoTx
2014: MkRo
2015: KiSpRoRoRoZu
2016: RaClRoHtSö
2017: RaLaWsJoTx
2018: ClRaLaBaSwAlRaBaLaMuRaRa
2019: RaLaLaRaRaLaRaTx - Corona shutdown
2020: AlSwPeSwSwSwZ3AxTx
2021: LaRa
2022: RoRaLaRa
2012: HtSöSöSwZaWmWsRoSwRoRoAlHtRoAhStjRoSö
2013: KrIsRaWmRkBxAbAbAbAbAbRaRoTx
2014: MkRo
2015: KiSpRoRoRoZu
2016: RaClRoHtSö
2017: RaLaWsJoTx
2018: ClRaLaBaSwAlRaBaLaMuRaRa
2019: RaLaLaRaRaLaRaTx - Corona shutdown
2020: AlSwPeSwSwSwZ3AxTx
2021: LaRa
2022: RoRaLaRa
↓ Mehr anzeigen... ↓