Q: SBN.netAlpenverein: Dramatischer Gletscherschwund
Gletscherbericht des Alpenvereins 2005/06
Der schneereiche Winter 05/06 hat den Gletschern nichts gebracht. „ Und der heiße Juli sowie der warme Spätsommer ließen Eis in ungewöhnlichem Ausmaß abschmelzen, so dass die Längenverluste der Gletscherenden wieder äußerst deutlich ausfielen “, so Univ.-Prof. Gernot Patzelt. Von den 105 unter Beobachtung stehenden Gletschern sind 97 Gletscherenden zurückgeschmolzen, 4 blieben stationär und bei einem Gletscherende konnte ein schwacher Vorstoß registriert werden. Rekordhalter im Berichtsjahr 2005/06 ist das Horn Kees in den Zillertaler Alpen, das um 84 m zurückschmolz.
Gletscher werden immer kürzer
Weder der schneereiche Winter in Nordstaulagen noch der gletscherfreundliche August 2006 konnten den Rückzugstrend der Gletscher stoppen. Und so führten die anhaltend starken Massenverluste der erneut zu starken Längenabnahmen.
97 Gletscher zogen sich weiter zurück
Von derzeit 105 unter Beobachtung stehenden Gletschern konnten bei 102 Längenänderungen festgestellt werden (von drei Gletschern liegen keine Ergebnisse vor).
Nur an einem Gletscher wurde ein geringer Vorstoßbetrag registriert. Vier Zungenenden blieben unverändert, alle anderen schmolzen zum Teil stark zurück. Die mittlere Längenänderung für das Haushaltsjahr 2005/06 betrug -15,8 m und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (-16,3 m) nur unwesentlich verändert.
-84 m beim Hornkees
Rekordhalter im Jahr 2005 ist das Horn Kees (Zillertaler Alpen) mit einem Längenverlust von 84,0 m, gefolgt vom Schmiedinger Kees (Glocknergruppe, -70,5 m) und dem Gaisberg Ferner (Ötztaler Alpen, -70,0 m).
Minimalvorstoß in den Stubaiern
4 Gletscher sind um mehr als 50 m und 20 Gletscherzungen zwischen 20 und 40 m zurückgeschmolzen. Der einzige vorrückende Gletscher war mit +1,9 m der Freiger Ferner (Stubaier Alpen).
An der Pasterze "kriselt" es
Kesselförmige Eiseinbrüche am schuttfreien Ende der Pasterze lassen darauf schließen, dass ein überdurchschnittlich großer Rückzug unmittelbar bevorsteht.
Die Möll hat im vergangenen Jahr wieder Torfreste unter dem Eis herausgespült, was darauf schließen lässt, dass die Pasterze schon einmal deutlich kleiner war. Untersuchungen dazu werden eine exakte Datierung liefern.
Spannende Enwicklung
Patzelt findet diese Entwicklung äußerst spannend und meint, „ der starke Gletscherrückgang ist kein Trauerspiel, er gibt Hinweise auf die Klimavergangenheit und zeigt, dass die derzeitige Entwicklung an den Gletschern nichts Außergewöhnliches ist .“
Freiwillige vermessen die Gletscher
Das Gletschermessteam unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Gernot Patzelt setzt sich zur Zeit aus 17 ehrenamtlichen „Gletscherknechten“ und etlichen Helfern, die 19 Berichtsgebiete betreuen, zusammen.
Top 10 - Rückzug
Meter
1. Horn Kees (Zillertaler Alpen)
-84,0
2. Schmiedinger Kees (Glocknergruppe)
-70,5
3. Gaisberg Ferner (Ötztaler Alpen)
-70,0
4. Schalf Ferner (Ötztaler Alpen)
-52,2
5. Triebenkarlas Ferner (Stubaier Alpen)
-38,0
6. Niederjoch Ferner (Ötztaler Alpen)
-36,2
7. Vernagt Ferner (Ötztaler Alpen)
-32,4
8. Hintereis Ferner (Ötztaler Alpen)
-30,0
9. Frosnitz Kees (Venediger Gruppe)
-28,1
10. Gepatsch Ferner (Ötztaler Alpen)
-28,0
Alpenverein: Dramatischer Gletscherschwund
- PB_300_Polar
- Alpspitze (2628m)
- Beiträge: 2779
- Registriert: 11.11.2004 - 17:57
- Skitage 25/26: 0
- Ski: nein
- Snowboard: nein
- Ort: Karlsruhe
- Hat sich bedankt: 0
- Danksagung erhalten: 0
Alpenverein: Dramatischer Gletscherschwund
Der Schnee kommt.....