Skitourismus ab 2020 in tiefen Lagen nicht mehr wirtschaftlich
Der Tourismus- und Freizeitforscher Peter Zellmann warnt davor, nach dem heurigen Winter - Rekordzahlen trotz Schneemangels - zur Tagesordnung überzugehen.
VON CLEMENS SCHUHMANN AUS ST. ANTON
"Ein Ruhekissen ist die aktuelle Wintersaison nicht, selbst wenn es einigen Regionen besser gegangen ist als im Rekordwinter 2005/06", sagte Zellmann beim Journalistenseminar der Wirtschaftskammer in St. Anton.
Aufgrund des unerwartet positiven Ergebnisses - Umsätze plus zwei, Nächtigungen plus ein Prozent - bestehe die Gefahr, dass die Veränderungsbereitschaft in der Tourismuswirtschaft geringer werde. "Es wäre gefährlich, den heurigen Winter falsch zu interpretieren", so Zellmann.
Enorme Veränderungen
Auf den heimischen Tourismus würden nämlich "enorme Veränderungen" zukommen. "Es kann sein, dass der Klimawandel so dramatisch wird, dass herkömmlicher Wintertourismus nicht mehr stattfinden kann. Dann fällt ein wichtiges Standbein weg", sagte der Leiter des Instituts für Freizeitforschung.
Schließlich sei Schneesicherheit immer noch die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Buchungen. "Wintertourismus ohne Schnee ist unmöglich." Die Tourismuswirtschaft müsse sich daher die Frage stellen, ob sie sich künftig eine bedingungslose Inszenierung der Winterlandschaft inklusive flächendeckender Beschneiung leisten wolle.
Ökonomisch nicht sinnvoll
Der Klimaforscher Herbert Formayer von der Universität für Bodenkultur in Wien betonte, dass Skitourismus in einigen Regionen im Alpenraum in 20 Jahren und darüber hinaus ökonomisch nicht mehr sinnvoll sei, weil es auch zu warm für Beschneiung werde. Gefährdet seien insbesondere Skigebiete unter 1800 Metern Seehöhe wie etwa Schladming.
"Bis 2040 wird die Temperatur im Durchschnitt um zwei bis 2,4 Grad steigen", sagte Formayer. Begleitet werde dieser Anstieg von weniger Niederschlag (um bis zu 60 Prozent) im Herbst und im Sommer. "Dadurch wird der Sommertourismus begünstigt, insbesondere der Seen- und der Alpintourismus."
Gefahr drohe jedoch dem Neusiedlersee. Laut Formayer stammen 80 Prozent des Wassereintrags in dem Steppensee im Burgenland aus direktem Niederschlag. Und durch die höheren Temperaturen werde die Verdunstung steigen.
Der Klimawandel bedroht den Skitourismus.
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