Quelle: FAZRadtour: Bergpässe ohne Krach und Gestank
Von Georg Weindl
^^ Das Radrennen für jedermann soll vor allem Freude machen
26. Juni 2007
Die Statussymbole der Möchtegernprofis spielen an diesem Tag keine Rolle. Rennräder mit federleichten Carbonrahmen und teuren Schaltwerken sind genauso unwichtig wie rasierte Waden und ausgezehrte Gesichtszüge, die an Lance Armstrong kurz vor dem Hungerast beim Anstieg nach Alpe d'Huez denken lassen. An diesem Tag rollen stattdessen Tourenräder und Mountainbikes an den Start, und wer mit einem Hollandrad oder sogar einem Hochrad auf Tour geht, wird eher freundlich als abfällig belächelt.
Denn der „Sella Ronda Bike Day“ ist eine ausgesprochen unkonventionelle Radveranstaltung, ganz und gar demokratisch und frei von jedem Leistungsdruck. Bei der Premiere im vergangenen Sommer zählte man mehr als 6000 Teilnehmer auf der fünfundfünfzig Kilometer langen Strecke im Herzen der Dolomiten mit den vier Pässen Sella Joch, Grödner Joch, Campolongo und Pordoi Pass. Begeistert waren so ziemlich alle, was man auf der Homepage der Organisatoren nachlesen kann: Die Idee, an einem Sonntag im Juli die berühmten Passstraßen für den Autoverkehr zu sperren und ganz den Radlern zu widmen, war ein voller Erfolg.
Radfahrerteller und Gratis-T-Shirts
^^ Beim Sella Ronda Bike Day ist erlaubt was gefällt
Dort, wo sich sonst Kolonnen von Omnibussen und Wohnwagengespannen schwerfällig von Serpentine zu Serpentine schleppen, verfolgt von drängelnden Autos und hektischen Motorrädern, herrscht am 8. Juli wieder Volksfeststimmung. Schließlich handelt es sich um eine „Manifestazione non competitiva“, wie das Programm ankündigt, eine Veranstaltung ohne Wettkampfgedanken.
Hier gibt es keine Siegerlisten, sondern überwiegend glückliche und kaum gestresste Radfahrer, sieht man einmal von gewissen Nebenwirkungen ab, die Passstraßen auch bei eher gemächlichem Tempo mit sich bringen. Doch dafür warten die Gasthäuser entlang der Strecke mit speziellen Radfahrertellern und Gratis-T-Shirts auf die Teilnehmer. Und wer sich ganz besonders viel Zeit für die Strecke nimmt, kann sich am Ende des Tages vom Shuttlebus heimbringen lassen, ganz so wie mit dem legendären Besenwagen bei der Tour de France.
Süßspeisen von der Bäuerin
^^ Imposanter Blick vom Rad: Das Sella Massiv
Die Idee, die Passstrecken den Radlern zu überlassen, ist nicht neu in Südtirol. Seit Jahren diskutiert man kontrovers über Verkehrsbeschränkungen auf diesen „hochalpinen Autobahnen“, doch bislang ohne nennenswerte Resultate. Eine Ausnahme ist das Stilfser Joch, auf dem seit fünf Jahren mit Erfolg autofrei geradelt wird. „Stelviobike“ ist mittlerweile eine etablierte Veranstaltung und zählte im vergangenen Jahr 6600 Teilnehmer, die sich von den eindrucksvollen technischen Daten nicht abschrecken ließen. Die Tour startet am 2. September in Spondinig an der Vinschgauer Straße auf 890 Meter Höhe, absolviert achtundvierzig Kehren und erreicht nach achtundzwanzig Kilometern die Passhöhe auf 2760 Meter Höhe - nicht gerade ein Spaziergang, aber im Gegensatz zu konventionellen Radveranstaltungen spielt auch hier die Zeit keine Rolle. Dafür kann man sich unterwegs mit Tee und Fruchtsäften stärken, außerdem servieren Bäuerinnen Südtiroler Süßspeisen. Der in Radlerkreisen gefürchtete Unterzucker ist hier praktisch chancenlos.
Auch auf der Südseite ist das Stilfser Joch an diesem Tag für Radler reserviert. Die Anfahrt von Bormio ist um sieben Kilometer kürzer und um 300 Höhenmeter leichter als die Variante von Spondinig. Auf dem Weg von Kehre zu Kehre mag man sich vielleicht vorstellen, was es damals zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts bedeutete, eine derart spektakuläre Hochgebirgsstrecke zu bauen, auf der dann Postkutschen ihre Gäste transportierten und vermutlich kaum schneller waren als heute die Radfahrer. Es gibt wohl kaum eine intensivere Art, die Besonderheiten von Passstraßen und ihrer Topographie zu verinnerlichen, als mit einem Fahrrad, das einen jeden Meter Asphalt und jede Steigung spüren lässt.
Ärger mit sturen Wirten
„Sella Ronda Bike Day“ und „Stelviobike“ sind überdies garantiert dopingfrei, sieht man vom massiven Einsatz hausgemachter Krapfen und Strudel ab. Und hier kann jeder fahren, wie er will, dazu noch kostenfrei, während bei klassischen Volksrennen wie dem Dolomitenmarathon in Alta Badia eine Startgebühr und eine frühzeitige Anmeldung gefordert werden. Probleme bereiteten den Organisatoren des „Sella Ronda Bike Days“, bei dem aus Sicherheitsgründen im Uhrzeigersinn gefahren wird, bei der Premiere nur einige störrische Gastwirte auf der Trentiner Seite der Runde.
Die fürchteten um ihr Wochenendgeschäft mit hungrigen Autofahrern und streuten aus Verärgerung über den Radausflug Glasscherben auf die Fahrbahn. Das wird in diesem Jahr die Teilnehmerzahl wohl kaum schmälern. Sie könnte leicht übertroffen werden, schließlich haben sich fast alle der Gäste, die sich auf der Homepage verewigten, für dieses Jahr wieder angekündigt. Das hängt freilich auch davon ab, ob man dieses Mal abermals perfekte Wetterverhältnisse haben wird. Doch das ist südlich des Brenners normalerweise das geringere Problem.
Informationen: Sella Ronda Bike Day am 8. Juli (Tourismusverband Gröden, Telefon: 0039/0471/ 777777, www.sellarondabikeday.com); Stelviobike am 1. und 2. September (Tourismusverein Ortlergebiet, Telefon: 0039/0473/616034, www.stelviobike.com).
Text: F.A.Z., 21.06.2007, Nr. 141 / Seite R2
Bildmaterial: Helmuth Rier/südtirol.info, www.valgardena.it
Radtour: Bergpässe ohne Krach und Gestank
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Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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Die Methode ist aber mit einer langen Tradition behaftet, wurde schon auf den ersten Frankreich-Rundfahrten(also um 1910) gemacht; bin mir nicht ganz sicher, war damals wohl besonders in den Pyrenäen beliebt.
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dann wollt ich jubeln laut,
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Ich glaube dennoch, dass dort vor allem eher Freizeit-Rennradler mitfuhren. Ich möchte mal diejenigen sehen, die mit einem Holland-Rad mehrere Pässe meistern, dazu noch nur von 10:00 bis 15:00 Uhr. Von der Uhrzeit her gesehen ziemlich ungünstig (ein früherer Start wäre für die Überquerung aller Pässe einfach besser gewesen, bevor der Autoverkehr wieder einfällt). Insgesamt eine bestimmt interessante Veranstaltung. Ich liebäugele aber eher mit dem Stilfserjoch-Termin, falls es zeitlich klappt...
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