Ein weiterer Bergbahnriese im Oberengadin

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Vadret
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Ein weiterer Bergbahnriese im Oberengadin

Beitrag von Vadret »

Es bleibt noch viel zu tun nach der Corvatsch-Fusion



Aktionärsversammlungen Corvatsch und Furtschellas genehmigten Fusion zu 99,9 Prozent



Viel Arbeit wartet auf die Führung der neuen Corvatsch AG (von links): Markus Moser (Vorsitzender der Geschäftsleitung), Andreas Jurt (Verwaltungsratspräsident), Emilio Bianchi (Vizepräsident, bisher VR-Präsident Furtschellasbahn) und Bruno Melnik.

Es war ein Samstag, der die Vorzüge des Corvatsch zur Geltung brachte: Traumhaftes Wetter und entsprechende Fernsicht auf dem 3303 m hohen Gipfel. Sechshundert Meter tiefer in Murtèl mussten sich die Aktionäre der benachbarten Furtschellas- sowie der Corvatschbahn unter Dach des Mittelstations-Restaurants mit einem wehmütigen Blick nach draussen begnügen. Und konnten die wärmende Sonne erst beim Apéro geniessen. Kein Wunder, dass sich bei der Furtschellasbahn nur 64 und bei der Corvatschbahn 89 Aktionäre zur ausserordentlichen Generalversammlung einfanden. Rund ein Drittel der ansonsten aufmarschierenden Wertpapierbesitzer an den «normalen» GVs.

Zwei VR-Sitze für Silvaplana

Überraschungen setzte es nicht ab, dazu waren die Aktien-Mehrheitsverhältnisse vorgängig zu klar. Mit je 99,9 Prozent wurde der Fusion der beiden benachbarten Unternehmen, rückwirkend auf den 1. Mai dieses Jahres zugestimmt. An der Furtschellas-GV gabs wenige Enthaltungen, bei der Corvatsch-Abstimmung fünf Nein-Voten. Der Fusionsvertrag war bereits am 7. Juni 2007 unterschrieben, die Absichten Mitte April kundgetan worden.
Abgesegnet wurde am Samstag von den Anwesenden der Verwaltungsrat der neu Corvatsch AG benannten Gesellschaft: Andreas Jurt ist Verwaltungsratspräsident (bisher VR-Präsident Corvatschbahn), Emilio Bianchi (bisher VR-Präsident Furtschellasbahn) Vizepräsident. Mitglieder des Führungsgremiums sind weiter Philipp Perren (bisher Furtschellas), Christoph Klemm (bisher Corvatschbahn) und Bruno Melnik (neu, Delegierter des Verwaltungsrates). Die Sitze des «öffentlichen Rechts» im VR werden durch Chris-tian Meuli (Gemeinde Sils), Daniel Bosshard (Silvaplana) und Chasper Lüthi (Samedan) belegt. Auf Antrag der Gemeinde Silvaplana wählten die Aktionäre zusätzlich den Unternehmer Curdin Conrad in den Verwaltungsrat. Die Gemeindeversammlung von Silvaplana hatte vor zwei Jahren die Gewährung eines Darlehens von fünf Mio. Franken für den Neubau der zweiten Corvatsch-Luftseilbahn-Sektion von einem zweiten Mandat im VR abhängig gemacht.
Vorsitzender der Geschäftsleitung (operative Führung) ist der bisherigen Furtschellas-Direktor Markus Moser, während der bisherige Corvatschbahn-Geschäftsleiter Andreas Venzin sich mit den anstehenden Infrastrukturvorhaben befasst.
Die neue Corvatsch AG verfügt über ein um 1,056 Mio. Franken aufgestocktes Aktienkapital von 4,296 Mio. Franken. Bisherige Furtschellas-Wertpapierbesitzer bekommen für eine Aktie neu elf Corvatsch-Namenaktien zu 3 Franken, die Corvatsch-Aktionäre für eine bisherige Aktie neu deren 90 à 3 Franken. Nach der Fusion halten die ehemaligen Furtschellas-Aktionäre 24,6% der neuen Gesellschaft, die Corvatschbahn-Aktionäre 75,4%.

Nur noch 230 000 Ersteintritte

Für die neue Corvatsch AG gibt es in den nächsten Jahren viel zu tun, das veranschaulichen auch die Abschlüsse der beiden Bahnen per 30. April 2007. Furtschellas registrierte zwar gegenüber den beiden Vorjahren mit 4,492 Mio. Franken Ertrag und einem Gewinn von 21 414 Franken ein besseres Ergebnis. Die Kennzahlen lagen aber weiter unter dem schweizerischen Durchschnitt. Am Corvatsch konnte im Gegensatz zu den Vorperioden nur ein halbes Geschäftsjahr berücksichtigt werden. Der Cash-Flow betrug von November 2006 bis April 2007 rund 1,513 Mio. Franken (19,8 %).
Wo die Probleme liegen und wel-che Arbeit auf die neue Corvatsch AG wartet, skizzierte der Verwal-tungsratsdelegierte Bruno Melnik. Das rückläufige Interesse am Schneesport, die Finanzierungsprobleme der Branche, das globalisierte Ferienangebot und anderes, machten auch dem Corvatsch und Furtschellas zu schaffen. 2000/2001 hätten die Ersteintritte noch 350 000 betragen, inzwischen jedoch bei tieferen 230 000 eingependelt. Die Profitabilität lasse zu wünschen übrig. Der Zusammenschluss eröffne aber Chancen für die Zukunft. Um diese zu nutzen sei Geld und viel Arbeit nötig, sagte Melnik. «Wir starten auf bescheidenem Niveau!»
Erste Ziele seien die Stabilisierung von Umsatz (14 bis 15 Mio.) und Aufwand (10 Mio.). Es gelte die Kostenstruktur zu optimieren und effizienter zu arbeiten. Der Personalaufwand sei von heute 43 % auf unter 40 % zu senken. Von Massenentlassungen wie sie teils von Einwohnern im Tal kolportiert würden, könne aber keine Rede sein, erklärte Melnik. Einen Personalabbau im kleinen Bereich schloss er jedoch nicht ganz aus.

Gross-Investitionen

Die Corvatsch AG hat weitere Defizite aufzuweisen, eines nannte Melnik explizit: Die Beschneiungsanlagen. Der Zustand und die Anzahl seien nicht optimal. Hier stehe die öffentliche Hand in der Pflicht, sprach er die Gemeinden an.
Der VR-Delegierte verwies auf die bevorstehenden Gross-Investitionen: Der Bau der zweiten Luftseilbahn-Sektion, welcher mit Vorarbeiten am Gipfel bereits begonnen hat, oder die Erstellung des Parkhauses an der Talstation. Baubeginn soll in diesem Herbst sein, wobei noch eine Einsprache gegen den Lift- und Lüftungsschachtturm hängig ist. Die Gesamtkosten für beide Projekte belasten die Corvatsch AG mit rund 20 Mio. Franken.


Quelle: Engadiner Post Autor: Stephan Kiener

Ort: 7500 St. Moritz
Datum: 17.07.2007
Rubriken: Diverses, Tourismus
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