Pimp my Mountain (spiegelonline.de)

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mcdee
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Pimp my Mountain (spiegelonline.de)

Beitrag von mcdee »

Mit gigantischen Bauprojekten wollen etliche Bergorte ihr Urlaubsgeschäft weiter ankurbeln. Erlaubt ist, was auffällt.

Das Klein Matterhorn ist kein sonderlich gemütlicher Ort. Die dünne Luft auf 3883 Meter Höhe macht das Atmen schwer, der Wind pfeift scharf, und die Temperaturen fallen selbst tagsüber mitunter auf minus 30 Grad.

Trotzdem fahren jährlich über eine halbe Million Gäste mit der Seilbahn auf den Gipfel - auch wegen des Blicks auf den großen Bruder Matterhorn und die einmalige Bergkulisse: Von den 76 Viertausender-Gipfeln der Alpen ist genau die Hälfte vom Matterhorn aus zu sehen.

Einer zu wenig, findet der neue Tourismusdirektor Daniel Luggen, und will seinem Ort mit einem tollkühnen Projekt einen weiteren Bergriesen schenken: Eine 117 Meter hohe Pyramide aus Glas und Stahl soll das Klein Matterhorn über die Viertausender-Latte heben.

Draußen zwei Aussichtsplattformen, drinnen - wegen der dünnen Luft nur über Druckausgleichskabinen erreichbar - Restaurants, Kino, Konferenzräume und ein Schwimmbad. In ein paar Monaten will Luggen das Baugesuch für die 30 Millionen Euro teure Touristenattraktion einreichen. "Es braucht immer mal wieder Pionierprojekte", sagt er.

Das findet auch Pius App, der in Davos die Schatzalp gekauft hat, ein marodes Skigebiet mit eigenem Jugendstilhotel, das Thomas Mann in seinem Roman "Zauberberg" verewigt hat. Ein neues Wahrzeichen soll die alte Magie beschwören: App plant einen 105 Meter hohen, 100 Millionen Euro teuren Turm mit Ferienwohnungen und Hotel, erdacht von den Stararchitekten Herzog & de Meuron, die bereits die Münchner Allianz-Arena und Hamburgs Elbphilharmonie entwarfen. Die Baupläne sind genehmigt, mit Investoren wird verhandelt. "Sensationeller Standort, sensationelles Projekt", wirbt App.

"Pimp my Ride", heißt die MTV-Show, in der die scheddrigen Gebrauchtwagen mancher Zuschauer aufgemöbelt werden. Nun heißt es: Pimp my Mountain! Der Unterschied: Es wird nicht tiefergelegt - sondern höher.

Ob Katschberg im österreichischen Kärnten oder Savognin im Schweizer Hochgebirge - immer mehr Ferienorte bringen sich mit spektakulären Bergbauten ins Gespräch und wollen so neue Gäste locken.

"Man hat wieder Mut", sagt Thomas Bieger, Tourismusprofessor an der Universität St. Gallen, der Europa bereits eine dritte Welle der Tourismusentwicklung prophezeit.

Nach der Belle Epoque der vorletzten Jahrhundertwende mit ihren Grandhotels und den Bausünden aus Beton der sechziger Jahre breche nun das Zeitalter neuer Ikonen an: "Die Urlaubsangebote werden immer ähnlicher; um sich abheben zu können, braucht es spektakuläre Wahrzeichen", sagt Bieger. Dubai hat es mit dem Hotelturm Burj al Arab vorgemacht, der zwar kein Gewinnbringer, aber ein Wahrzeichen wurde.

Dabei ist die Idee nicht mal neu, Berge, Beton und Bombast zu vereinen: Der österreichische Hotelier Günther Aloys geht schon seit zehn Jahren mit der Idee hausieren, eine 25 Kilometer lange Achterbahn von den Berggipfeln nach Ischgl donnern zu lassen. Und seit das schweizerische Vals 1996 seine Felsenthermen architektonisch aufmöbelte, sind dort die Besucherzahlen um 30 Prozent gestiegen.

"Es ist ein regelrechter Verdrängungskampf", sagt Hans-Kaspar Schwarzenbach, Tourismusdirektor in Arosa. Um zu bestehen gegen die benachbarten Konkurrenten St. Moritz, Davos, Klosters und Ischgl, hat seine Kommune im vergangenen Jahr den Top-Architekten Mario Botta "das spektakulärste Berg-Spa in Europa" ("Die Welt") in seine Felslandschaft sprengen lassen. Zurzeit entsteht auf dem Weisshorngipfel auf 2653 Meter Höhe auch noch ein Sechseck aus Metall und Holz, das künftig ein Panoramarestaurant beherbergen soll.

Zwar ruhen die Baukräne auf Arosas Hausberg gerade. Naturschützer haben einen vorläufigen Baustopp erwirkt, diese Woche entscheiden die Richter. Viel Hoffnung macht sich Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz aber nicht: "Die Behörden kuschen - besonders wenn das Projekt von einem Stararchitekten stammt."

Einen Vorgeschmack dessen, was auf die Bergregionen noch zukommen kann, erlebt gerade die 1300-Seelen-Gemeinde Andermatt am Gotthardmassiv. Der ägyptische Geschäftsmann Samih Sawiris will dort über eine Milliarde Dollar investieren, um die strukturschwache Region in ein Ferienparadies zu verwandeln: Fünf bis sieben Luxushotels, 450 Ferienwohnungen und -häuser, ein Wellnesstempel, künstliche Seen und ein Golfplatz schweben ihm vor.

Die Schweizer Regierung ist begeistert. Erstmals erteilte sie eine Sondergenehmigung, damit Sawiris als Ausländer die nötige Fläche von über 146 Hektar überhaupt zusammenkaufen durfte. Nicht weniger als 18 Architektenteams arbeiten nun an der baulichen Ausgestaltung.

Inzwischen hat Sawiris auch eine Anfrage aus dem bayerischen Sonthofen. "Gigantismus", rufen die Gegner derartiger Projekte. "Die Zukunft des Tourismus", schwärmen die Befürworter.

Auf alle Fälle aber ein gewaltiger Unterschied zum bisherigen Tourismusmarketing. Über das witzelte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone noch vor nicht allzu langer Zeit: " Die Schweiz ist ein tolles Land - nur wissen das die wenigsten Leute. Hier arbeiten die Verkehrsbüros ein wenig wie die Geheimdienste."
http://www.spiegel.de/reise/europa/0,15 ... 83,00.html

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Fab
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Beitrag von Fab »

Zu obigem Bericht auf Spiegelonline gibts auch eine interessante Bilderserie. Also mal anschauen.
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piano
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Beitrag von piano »

Fab hat geschrieben:Zu obigem Bericht auf Spiegelonline gibts auch eine interessante Bilderserie. Also mal anschauen.
Wobei die Beschreibung des letzten Bildes sehr zweideutig ist. So wie es steht, könnte man meinen, dass der die Porta Alpina das "Gigaprojekt" sei und der Gotthard-Basis-Tunnel nur ein Mittel dafür. Mit dem "Gigaprojekt" ist hingegen die NEAT gebaut, deren Sinn nun wahrlich nicht "Pimp my Mountain" ist.
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Chasseral
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Beitrag von Chasseral »

Alles Schwachsinn! Hättens besser in Deutschland eine zentrale Müllkippe bei uns im Odenwald errichtet - so mindestens 1000 Meter hoch. Die hätte man dann mit Erde bedecken können, KSB und Piste drauf - und fertig wäre ein brauchbarer gepimpter Skiberg gewesen. War als Kind immer meine Traumvorstellung.
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Beitrag von starli2 »

Haben die Bauarbeiten am KMh damit bereits was zu tun?
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Theo
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Beitrag von Theo »

Was momentan am KLM gemacht wir ist die erste Etappe. Ob und wann die zweite realisiert wird weis ich nicht.
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starli2
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Beitrag von starli2 »

Was genau wird da jetzt gemacht? Vergrößerung des Restaurants? Oder einfach nur ein paar Befestigungen?
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Beitrag von Dresdner »

Eine 117 Meter hohe Pyramide aus Glas und Stahl soll das Klein Matterhorn über die Viertausender-Latte heben.
Recht so, noch mehr Stahl, Beton und Glas in die Landschaft.
Nur, seit wann misst man die Höhe eines Berges an darauf errichteten Kunstbauten? Die gutgläubigen und gutzahlenden Touris werdens schon glauben.
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Fab
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Beitrag von Fab »

@Starli2

Auf jeden Fall den direkten Zugang vom Stollen zum Gletscherpalast.

Habe gehört, daß auch ein neues Restaurant (Cafeteria) schon dieses Jahr gebaut wird. War eigentlich erst für nächstes Jahr geplant. Aber da weiß ich nichts genaues.

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TPD
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Beitrag von TPD »

Recht so, noch mehr Stahl, Beton und Glas in die Landschaft.
Und vor allem sind solche Projekte Zündstoff für den WWF & Co. Und es wäre nicht das erste Mal, dass dann diese Organisationen eine Gesetzesänderung durchbringen, die dann auch kleinere und sinnvolle Projekte verhindern :twisted:
https://www.skichablais.net, seit 20 Jahren über Bergbahnen der Region Chablais und Umgebung.
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