Quelle: sueddeutsche.deSpeed-Skibergsteigen
Ohne Kompromisse
Minimales Gepäck, maximale Geschwindigkeit: Benedikt Böhm, gerade unterwegs nach Nepal, besteigt Achttausender in weniger als 24 Stunden - mit den Skiern auf dem Rücken.
Interview: Tanja Rest
Minimales Gepäck, maximale Geschwindigkeit - das ist die Formel der Speed-Skibergsteiger. Der 30-jährige Benedikt Böhm, bis 2006 Mitglied im Nationalteam Skibergsteigen, und Sebastian Haag, 29, haben in der Disziplin Speed-Skibergsteigen bereits Erfahrung gesammelt: Den 7546 Meter hohen Mustagh Ata im Pamir-Gebirge bewältigten sie in weniger als elf Stunden, den Gasherbrum II (8035 Meter) in 17 Stunden.
Am vergangenen Donnerstag brachen die beiden Münchner gemeinsam mit dem Franzosen Nicolas Bonnet nach Nepal auf, zum Manaslu, dem achthöchsten Berg der Erde. Das Ziel: Auf Skiern innerhalb eines Tages zum 8163 Meter hohen Gipfel und zurück.
SZ: Herr Böhm, als Sie vergangenes Jahr vom Gasherbrum II zurückkamen, hatten Sie erst mal genug. Nun haben Sie sich einen noch schwierigeren Achttausender ausgesucht. Warum der Manaslu?
Benedikt Böhm: Wir hatten Lust auf eine Expedition, die uns wegführt von den zahlenden Massen am Berg. Everest, Cho Oyu und Shishapangma sind damit gleich rausgefallen, weil die zu kommerziell sind. Der Manaslu ist ein unheimlich schöner Berg und mit Skiern sehr gut zu machen. Außerdem wird er relativ selten begangen - möglich, dass wir im Basecamp nur zwei, drei Gruppen sind.
SZ: Mit gutem Grund: Der Berg gilt als unberechenbar.
Böhm: Einer der gefährlichsten Achttausender, das stimmt. Die Gipfelpassage ist relativ lang, da sind leider schon viele Leute umgekommen, weil sie sich verlaufen haben. Wenn der Nebel reinzieht, siehst du gar nichts mehr. Die Wetterumschwünge sind extrem, und dann ist der Berg auch ziemlich lawinengefährlich.
Darum ist die Kombination aus Speed und Skiern sinnvoll: Wir setzen alles auf eine Karte und versuchen, in weniger als 24 Stunden hoch- und wieder runterzukommen. Im Zweifelsfall sind wir innerhalb kürzester Zeit zurück im Basislager.
SZ: Auf welcher Höhe beginnt der Lauf gegen die Zeit?
Böhm: Wir starten vom Basislager auf circa 5000 Metern oder, wenn die Bedingungen schlecht sein sollten, vom Lager 1 auf 6000 Metern. Beim Gasherbrum war das Gelände extrem steil, entsprechend schnell warst du auf dem Gipfel. Diesmal ist die Strecke sehr viel länger - das wird also ziemlich reinhauen.
SZ: Wie viel Gepäck werden Sie dabeihaben?
Böhm: Pro Person zwei bis maximal drei Liter Wasser, Steigeisen, leichte Daunenjacke, vielleicht einen Biwaksack, zehn Powergels. Und natürlich keinen künstlichen Sauerstoff. Bei uns schaut's eher so aus, als würden wir auf den Hirschberg gehen. Wenn überhaupt.
SZ: So wenig Ausrüstung macht schnell. Wenn Ihnen nun aber doch mal der Rückweg abgeschnitten ist?
Böhm: Das ist zugegeben der Nachteil einer Speedbegehung - dass du nicht die Rückzugsmöglichkeit in ein vorgebautes Lager hast, keine Daunenausrüstung und kaum Proviant, um längere Zeit oben auszuhalten. Es ist sicher eine kompromisslose Art des Bergsteigens, das ist uns bewusst.
SZ: Mit dem Mustagh Ata und dem Gasherbrum konnten Sie bereits viel Erfahrung sammeln - beruhigt das, oder macht die Erinnerung an brenzlige Situationen eher nervös?
Böhm: An den Todesfällen der letzten Jahre sieht man, dass es auch sehr erfahrene Leute treffen kann. Aber grundsätzlich bin ich eher der Typ, der das wegschiebt. Wenn ich im Vorfeld schlaflose Nächte hätte, würde ich da nicht hinfahren. Auf der anderen Seite gehört eine gewisse Ehrfurcht dazu. Die objektiven Gefahren am Manaslu müssen wir unbedingt richtig einschätzen. Aber ich trau' uns zu, dass wir das können.
SZ: Am Gasherbrum haben Sie versucht, den bestehenden Speedrekord von 9:50 Stunden zu brechen. Diesmal setzen Sie die erste Marke, oder?
Böhm: Nach unseren Nachforschungen hat es am Manaslu tatsächlich noch keine Speedbegehung gegeben. 1981 sind zwei Österreicher mit Skiern abgefahren, aber die waren länger unterwegs. Eine durchschnittliche Expedition braucht drei bis fünf Tage für diesen Berg.
SZ: Worin liegt eigentlich der Reiz des Speedbergsteigens?
Böhm: Es ist diese elegante, kompromisslose Form, die mir einfach sehr gut gefällt. Du machst schnell Höhenmeter, hängst nicht ewig rum und sparst dir die Nächte in den Hochlagern, die dich fix und fertig machen. Abgesehen davon versuche ich auch sonst zu vermeiden, einen Berg runterzulaufen. Wenn nicht mit Skiern, dann fahr' ich halt mit dem Radl runter. Laufen finde ich extrem nervig.
Die Expedition zum Manaslu wird unter www.manaslu.baiern.net dokumentiert.
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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