Salzburg: Wanderer in dichtem Schneetreiben gestorben

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snowflat
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Salzburg: Wanderer in dichtem Schneetreiben gestorben

Beitrag von snowflat »

Das ist schon bitter ... 8O
IN BERGNOT GERATEN
Wanderer in dichtem Schneetreiben gestorben


Drei 30-jährige Wanderer sind am Dienstag bei Saalfelden (Pinzgau) im Steinernen Meer auf dem Weg zur Ingolstädterhütte bei dichtem Schneetreiben in Bergnot geraten. Einer der völlig erschöpften Wanderer ist verstorben.

Extrem schlechtes Wetter
"Das Wetter war extrem schlecht. Gegen 21.00 Uhr sind zwei der Wanderer, einer bereits stark erschöpft und nicht mehr ansprechbar, beim Ingolstädterhaus angekommen und haben gesagt, dass der dritte von ihnen circa 500 Meter von der Hütte entfernt liegen geblieben ist", sagt Bernd Tritscher von der Bergrettung Saalfelden.

Erschöpfter Wanderer tot aufgefunden
Das Hüttenpersonal alarmierte sofort die Bergrettung und suchte nach dem dritten Wanderer. Der Mann war bereits stark zugeschneit und wurde auch rasch gefunden, allerdings war er schon tot.

Bergrettung und Alpinpolizei brachten die Leiche noch in der Nacht ins Tal, ein Arzt und ein Sanitäter versorgten die beiden Überlebenden in der Ingoldstädterhütte medizinisch.

Ein Wanderer befand sich bereits in kritischem Zustand. Am Mittwoch werden die Wanderer, sobald das Wetter es zulässt, ins Tal gebracht.
Quelle: ORF
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

Spechti
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Beitrag von Spechti »

"Er starb 300 Meter vor der Hütte"

Von Julia Jüttner

Es sollte eine leichte Wanderung werden, sie endete in der Katastrophe: Drei deutsche Bergsteiger sind in den österreichischen Alpen im dichten Schneetreiben in akute Not geraten. Zwei Männer brechen zusammen, der dritte muss sich entscheiden, welchen der Freunde er zur rettenden Hütte schleppt.

Salzburg - Die drei befreundeten Männer aus dem bayerischen Amberg und Umgebung hatten sich am gestrigen Nachmittag vom 2177 Meter hoch gelegenen Riemannhaus im Salzburger Pinzgau auf den Weg zum benachbarten Ingolstädter Haus aufgemacht. Nach Angaben der Bergwacht ist es eine Strecke ohne technische Schwierigkeiten oder Absturzgefahr, aber doch "eine hochalpine Wanderung". Bei gutem Wetter benötigt man ungefähr vier Stunden von der einen zur anderen Hütte - doch es war kein gutes Wetter. Die Bedingungen waren katastrophal.

Ingolstädter Haus: Notruf in der Nacht
"Das Wetter war extrem schlecht und zusätzlich fing es auch noch zu schneien an", sagt Bernhard Tritscher, seit 25 Jahren bei der Bergrettung. "Sie haben die Wetterlage komplett falsch eingeschätzt."

Wegen starken Schneetreibens und tiefen Schnees kommen die Männer nur schleppend voran. "Es hat die ganze Woche geschneit hier oben, das war ihnen also bekannt", sagt Tritscher. Immer wieder sinken die Wanderer bis zum Bauch in den mehr als einen Meter tiefen Schnee. Es wird dunkel, das Schneetreiben dichter, der Sturm heftiger. Die Männer quälen sich, gehen bis an ihre äußersten Grenzen - vergeblich.

300 Meter vor dem Ziel brechen zwei der Freunde, 43 und 41 Jahre alt, zusammen. Beide können nicht mehr selbständig gehen. Der Jüngste der Gruppe, 36 Jahre alt, muss sich entscheiden: Einen der zwei Kumpel muss er im Schnee zurücklassen. "Er konnte definitiv nur einen nehmen", sagt Tritscher. "Beide waren in gleich schlechtem Zustand." Der Mann hakt den 41-Jährigen ein, schleift ihn mit größter Mühe durch den Schnee.

Gegen 21 Uhr erreicht der Notruf die Bergrettung in Saalfelden, ausgelöst von der Familie Gruber, Pächter der Berghütte. Die beiden völlig erschöpften Wanderer haben das Ingolstädter Haus erreicht - der 41-Jährige befindet sich in lebensbedrohlichem Zustand.

"Der jüngere von beiden hat seinen erschöpften Freund unter größten Mühen durch den Schnee geschleppt. Der war so stark unterkühlt, dass er sich nicht mehr selbst fortbewegen konnte. Sein Leben stand auf der Kippe", so Tritscher.

"Für den dritten Mann kam jede Hilfe zu spät", sagt Einsatzleiter Tritscher spürbar betroffen. "Wir fanden ihn keine 300 Meter vor der Hütte, tief in den Schnee eingegraben. So einen tragischen Vorfall, dass einer so knapp vor dem Ziel ums Leben kommt, habe ich noch nie erlebt."

Die Retter erklimmen mit Geländewagen und Seilbahn den Berg und bergen den Toten. Er starb an Erschöpfung. Der Notarzt eilt zu dem Schwerverletzten. "Er litt unter starken Erfrierungen. Seine Körpertemperatur war bereits unter 30 Grad gesunken." Es sind dramatische Stunden, die sich in dieser Nacht auf der 2119 Meter hoch gelegenen Ingolstädter Hütte abspielen. "Der Notarzt konnte den Zustand des Mannes stabilisieren und hat ihm das Leben gerettet." Um 7 Uhr ist der 41-Jährige transportfähig, per Hubschrauber kann er in ein Salzburger Krankenhaus gebracht werden.

"Mittlerweile geht es ihm den Umständen entsprechend. Er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr", haben die Ärzte dem Einsatzleiter mitgeteilt.


http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,506668,00.html




8O hoffentlich kommt der Jüngste darüber hinweg dass er sich für einen entscheiden musste. Wat ne Scheißsituation - auch wenns unglaublich ist da ne Wanderung zu versuchen.......
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Gletscherfloh
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Beitrag von Gletscherfloh »

Hier der (hoffentlich korrekte) Bericht der Salzburger Sicherheitsdirektion.

Wollte der Spiegel nicht Speerspitze des deutschen Qualitätsjournalismus sein?
Presseaussendung vom 19.09.2007, 15:19 Uhr - Sicherheitsdirektion Salzburg

Am 17.09.2007 unternahem drei deutsche Staatsangehörige aus Bayern eine Bergfahrt in das Steinerne Meer. Sie fuhren mit dem Schiff über den Königsee nach Bartholomä und gingen von dort aus auf das „Kärlingerhaus“. Am 18.09.2007 war anfangs ihr Plan über das „Ingolstätterhaus“ auf den „Hundstod“ zu steigen. Aufgrund der Witterung änderten sie den Plan und gingen vom „Kärlingerhaus“ über das „Riemannshaus“ zum „Ingolstätterhaus“.

Um 09:00 Uhr gingen sie vom „Kärlingerhaus“ los und kamen ohne Schwierigkeiten gegen 12:00 Uhr zum „Riemannshaus“. Dort nahmen sie eine Mahlzeit ein und brachen gegen 13.15 Uhr in Richtung „Ingolstätterhaus“ auf.

Beim Weggehen schneite es leicht und es war kein Problem den Weg zu finden. Ein 43-jähriger Werkzeugmacher aus D-92224 Amberg, er war der mit der meisten Erfahrung, ging als Führer voraus und der am wenigsten Erfahrung hatte, ein 36-jähriger Techniker aus D-92245 Kümmersbruck, ging in der Mitte. Den Schluss machte ein 41-jähriger Techniker aus D-92274 Gebenbach. Als die drei Bergsteiger zum höchsten Punkt kamen, war der Schneefall schon ziemlich heftig und es wehte ein stürmischer Wind.

Zu diesem Zeitpunkt glaubten sie, dass ein Umkehren nicht sinnvoll wäre und der Rückweg zu weit sei. Nachdem der Schnee immer höher wurde und sie zum Teil bis zu den Hüften einbrachen, wurde die Wegfindung immer schwerer. Einer der drei Männer konnte auf einem Hügel eine Markierungsstange sehen und stieg zu dieser auf. Auf dem Hügel lichtete sich kurz der Nebel und man sah das „Ingolstätterhaus“. Der Führer der Gruppe (43) war zu diesem Zeitpunkt vom Spuren schon erschöpft und blieb immer wieder hinten. Deshalb sagte er zu seinem Kollegen (36), dass er voraus gehen und Hilfe holen soll.

Der erschöpfte Führer (43) und sein 41-jähriger Kollege der Dreiergruppe blieben daher zurück. Der Jüngste (36) ging zum „Ingolstätterhaus“ weiter und schlug Alarm.

Die beiden Zurückgebliebenen wurden vom Freund der Hüttenwirtin und Arbeitern, die sich auf der Hütte befanden, unter schwierigsten Bedingungen bei Dunkelheit und Schneesturm geborgen und zur Hütte gebracht.

Der 41-Jährige war stark unterkühlt und geschwächt, der Gruppenführer (43) verstarb auf dem „Ingolstätterhaus“. Das jüngste Gruppenmitglied, der 36-jährige Techniker aus D-92245 Kümmersbach, blieb unverletzt.

Der geschwächte 41-Jährige war in einem so schlechten Zustand, dass er nicht transportfähig war und wurde von einem Bergrettungsarzt behandelt. Am nächsten Tag konnte er so weit stabilisiert werden, dass er, nachdem sich der Nebel gelichtet hatte, mit dem Notarzthubschrauber „C6“ aus Zell am See in das Landeskrankenhaus nach Salzburg geflogen werden konnte.

Von der Staatsanwaltschaft Salzburg wurde eine Obduktion beantragt und vom U- Richter angeordnet.

Am Einsatz waren folgende Kräfte beteiligt:
14 Bergrettungsmänner der Ortsstelle Saalfelden,
1 Bergrettungsarzt ,
1 Alpinpolizist,
1 Hubschrauber (C6) samt Besatzung und Notarzt).
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