Wohin entwickelt sich der Schweizer Wintertourismus?

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snowflat
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Wohin entwickelt sich der Schweizer Wintertourismus?

Beitrag von snowflat »

Wohin entwickelt sich der Schweizer Wintertourismus?


Die Lage in der Schweiz

Wir danken Herrn Fulvio Sartori, Vizedirektor des Verbandes Seilbahnen Schweiz (SBS), für das ausführliche Interview. Der 42jährige Tessiner Elektrotechniker (TS) war unter anderem Direktor des Verkehrsvereins Vallemaggia und vor seinem Übertritt zu den Seilbahnen Schweiz als Direktor des Centro Turistico Grossalp SA in Bosco Gurin (Betriebsgesellschaft der Seilbahnen und Restaurationsbetriebe in Bosco Gurin) tätig.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten für den Bergtourismus im Winter bzw. im Sommer ein?

Hier haben wir natürlich mehrere Probleme nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels. Aber der Bergtourismus ist immer Bergtourismus, nicht nur im Winter. In der Schweiz haben wir die Alpen wie auch Österreich und Frankreich. Von dem her sehen wir eine Chance in der ganzen Geschichte. Natürlich können wir die Bahnen nicht nur als Transportmittel verkaufen. Wir müssen mehr in den Erlebnistourismus hineingehen. Das heißt, die Bahnen sind nicht nur als Transportmittel zu vermarkten, sondern auch als Produkt für ein Erlebnis.
In der Zukunft wird es sicher nicht so einfach. Hier muss man sich Gedanken machen. Wir brauchen neue Visionen, wir brauchen Kreativität. Das sehen wir als Chance. Hier ist ein Prozess im Gange. Immer mehr Bahnen wollen nicht nur vom Wintersport leben. Sie wollen sich diversifizieren. Das heißt, im Sommer, aber auch im Winter soll Betrieb am Berg herrschen. So soll es auf den Bergen neben dem Skifahren oder Snowboarden Alternativen wie Winterwanderwege und andere Angebote, die weniger vom Schnee abhängig sind, geben.

Wo und wie sehen Sie die Aufgabe Ihres Seilbahnverbandes?


In erster Linie sehen wir uns als eine Interessensvertretung gegenüber der Gesetzgebung, den Behörden und der Politik, aber auch gegenüber den touristischen Organisationen und gegenüber den Verkehrversverbänden. Bei allem, was die Bahnen nicht selber machen können wie Grund- Aus- und Weiterbildung bieten wir Dienstleistungen an. Unterstützung gibt es auch im technischen Bereich, bei Analysen, im Normenbereich sowie in der Umsetzung von Verordnungen.
Die Interessenvertretung und Dienstleistungen, das sind Hauptaufgaben des Seilbahnverbandes.

Wie beurteilen Sie die EU-Seilbahnrichtlinie, und welche Auswirkungen wird Sie Ihrer Meinung nach auf die Branche haben?

Die EU-Seilbahnrichtlinie haben wir auch in der Schweiz gewollt. Wir finden, dass die Kompatibilität eine gute Sache ist. Grundsätzlich ist die EU-Seilbahnrichtlinie gut für die gesamte Branche. Es braucht eine Normierung. Probleme bei der Umsetzung sehen wir jetzt allerdings im Bereich der alten Bahnen. Für die neuen Bahnen ist es kein Problem.
Trotzdem gibt es immer wieder Schwierigkeiten bei der Übertragung der EU-Seilbahnrichtlinie in unser Seilbahngesetz. Die Philosophie der EU-Seilbahnrichtlinie ist von den Behörden noch nicht angenommen worden, und das macht jetzt natürlich jetzt bei der Umsetzung Schwierigkeiten. Wir interpretieren die EU-Richtlinie mit der Philosophie eines Betreibers, und die Behörden, auf der anderen Seite, lesen etwas anderes heraus. Hier gibt es noch einige Ungereimtheiten, aber grundsätzlich gesehen ist die EU-Seilbahnrichtlinie sicherlich eine gute Sache.
Jetzt müssen wir Nägel mit Köpfen machen und wirklich eine gemeinsame Interpretation und Philosophie finden, die für alle Seiten, sei es die Behörde, sei es der Betreiber und auch der Hersteller, zufrieden stellend ist.

Welche Seilbahnsysteme werden in der Schweiz bevorzugt eingesetzt und aus welchen Überlegungen?

In der Schweiz haben wir Bahnen in der Steppe, im Mittelland und in den Bergen. Aus diesem Grund haben wir noch mehrere Systeme. Klar ist, dass der heutige Trend zu kuppelbaren Bahnen und Umlaufbahnen hingeht. Diese transportieren ziemlich viele Leute und sie haben einen guten Komfort. Aber dann gibt es noch spezielle Orte, wo noch Pendelbahnen verwendet werden. Wir haben auch noch Standseilbahnen gebaut, aber das sind natürlich sehr wenige gegenüber den Umlaufbahnen.

Wie hoch ist der Anteil der technischen Beschneiung in der Schweiz, welche Tendenzen sehen Sie hier?

Durchschnittlich gesehen sind wir eines jener der Länder, in denen weniger beschneit wird. Allerdings gibt es hier einen sehr interessanten Prozess. So gibt es immer mehr Betreiber die zu die 100 % Beschneiung tendieren, und andere, die sagen, ich steige nicht einmal ein, ich diversifiziere mein Produkt. Hier liegen wir zwischen 20 und 30 % Beschneiung.
Aber wenn wir auf die Unternehmungen schauen, die wirklich auf den Wintertourismus setzen, liegt der Wert weit über 70 %. Die Tendenz ist ganz klar jetzt nicht mehr ein Misch-Masch zu machen. Es ist ja mittlerweile auch eine wirtschaftliche Problematik und nicht mehr eine ökologische. Einer, der wirklich gut Wintertourismus betreiben kann, kann er es sich leisten, viel in die Beschneiung zu investieren.
Auf der anderen Seite gibt es jene, die sagen, wenn ich nur eine Piste mache, habe ich sowieso keine Chance, ich diversifiziere lieber mein Angebot. Ich sehe daher eine Tendenz zu voller Beschneiung auf der einen Seite und zu einer Diversifizierung des Angebotes wie Wanderwege für den Sommer und Winter, Philosophenweg etc. auf der anderen Seite. Es gibt Leute, die ganz klar sagen, ich investiere nicht mehr in die Beschneiungsanlagen, ich mache etwas anderes, und die anderen sagen wiederum, ich investieren voll. So wurde dieses Jahr sogar mehr in die Beschneiungsanlagen investiert als in die Seilbahnanlagen.

Wir danken für das Gespräch!
Quelle: ISR
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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