Tages-Anzeiger: 22. Oktober 2007, 21:42 – Von Angela Barandun
Beim Skifahren sind wir eine Tiefpreisinsel
Eine Tageskarte ist hier zu Lande deutlich billiger als im Ausland. Dem intensiven Wettbewerb und dem Ideal vom Skifahren als Schweizer Volkssport sei Dank.
Die schlechte Nachricht: Die Tageskarten werden auf die kommende Saison hin in vielen Skigebieten teurer. Die gute: Sie bleiben konkurrenzlos billig. Denn die Schweiz hat sich in den letzten Jahren international fast unbemerkt zu einer Tiefpreisinsel in Sachen Skifahren gemausert.
In einer Stichprobe des «Tages-Anzeigers» in der Schweiz sowie in grenznahen Skigebieten in Italien und Österreich scheidet die Schweiz vor allem bei kleinen und mittleren Skiorten hervorragend ab. So gibt es etwa in Sattel einen ganzen Tag Skifahren auf 14 Kilometern Piste für nur 34 Franken. In Österreich kostet eine Tageskarte in einem mittelgrossen Skigebiet über 60 Franken, unter 50 Franken kommt man fast nirgends weg. In Italien ist die Situation ähnlich.
Der Wettbewerb spielt
Der starke Euro stützt zwar diesen Trend, ist aber nicht der Auslöser für die Preisdifferenz, erklärt Tourismus-Professor Thomas Bieger von der Universität St. Gallen. Während die Skiorte im Ausland ihre Preise in den letzten Jahren an die gestiegenen Kosten für Liftanlagen und Scheebeschaffung angepasst haben, sei das den meisten ihrer Schweizer Pendants nicht gelungen. «Viele Schweizer Skigebiete waren in den letzten 25 Jahren nicht einmal in der Lage, die Teuerung voll auszugleichen», sagt Bieger. Schuld daran sei das Überangebot an Skiorten und der draus resultierende intensive Wettbewerb. Viele kleine und mittlere Bahnen konnten es sich schlicht nicht leisten, die Preise zu erhöhen und damit einen Gästeverlust zu riskieren.
Dass auch grosse, erfolgreiche Skigebiete wie Zermatt, St. Moritz oder Davos ihre Preise nicht stärker angehoben haben, schreibt Bieger einem «emotionalen Faktor» zu. «Skifahren ist in der Schweiz ein Volkssport. Darum sind die Tageskartenpreise hier zu Lande auch ein gewisses Politikum», glaubt der St. Galler Professor und fügt an: «Nirgendwo sonst machen Konsumentenmagazine in diesem Umfang Preisvergleiche von Ski-Tageskarten.»
In vielen anderen Ländern sei Skifahren ein Sport für eine Elite. In der Schweiz hingegen wolle sich kein Skigebiet zu sehr exponieren, weil sich der hohe Preis negativ aufs Image auswirken könnte. Hinzu komme ein gewisser Druck seitens der öffentlichen Hand, mit der viele Bergbahnen eng verbandelt seien: «Entweder die Gemeinde ist Aktionärin, oder die Bergbahn erhält öffentliche Gelder.»
«Kein Abzocker-Skigebiet»
Als Beispiel nennt Bieger Zermatt. Als teuerstes Schweizer Skigebiet haben die Walliser den Preis einer Tageskarte für die aktuelle Saison zwar um 2 auf 70 Franken erhöht. «Im internationalen Vergleich ist das aber immer noch zu günstig», findet Bieger. Im kanadischen Whistler, das mit Zermatt vergleichbar ist, koste eine Tageskarte 90 Franken - bei tieferer Kaufkraft. In Australien und Neuseeland seien 80 Franken bei mittleren Skigebieten die Regel.
Daniel Luggen, Tourismus-Direktor von Zermatt, findet die eigenen Preise «gerade richtig». Viel mehr wäre langfristig nicht weise, da das Preisimage eine wichtige Rolle spiele. «Wir wollen kein Abzocker-Skigebiet sein», sagt Luggen. Schliesslich wolle man auch in 100 Jahren noch Touristen anlocken.
Die Skigebiete sind noch aus einem ganz anderen Grund daran interessiert, dass das Skifahren in der Schweiz ein Volkssport bleibt. Nur so können sie sicherstellen, dass es auch in Zukunft genügend Wintersportbegeisterte geben wird. In Zermatt sind immerhin 40 Prozent der Gäste Schweizer. Damit das so bleibt, bieten die Walliser als eine unter vielen Bergbahnen einen Familienrabatt - quasi als Nachwuchsförderung: «Damit auch die Erwachsenen von morgen noch Skifahren können», so Luggen. Und als Werbung für den eigenen Standort: «Wer als Kind in Zermatt in den Ferien gewesen ist, wird später eher wieder kommen.»
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Vergleichen müsste man natürlich auch das Angebot: Bezüglich modernen Anlagen, techn. Beschneiung dürfte Österreich die Nase vorne haben - auch dank staatlichen Subventionen.
Skifahren: Tiefpreisinsel Schweiz
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Ein Tag in den 4 Vallées inklusive Mont Fort und in Saas Fee kostet heute 38,33 Euro (neu ab diesem Winter fahren Kinder bis 9 gratis!!!), in Zermatt 41,92, am Arlberg, in Ischgl und Sölden 41,50, in Val d'Isère gar 42 Euro.
Wenig überraschend werde ich also auch diesen Winter wieder in die Schweiz fahren. Das würde ich aber auch bei einem Kurs von 1,30 statt 1,67.
Da kümmern mich auch die in Relation zum EU-Raum hohen Fleischpreise beim Essengehen auch eher weniger - nach dem Motto "Urlaub ist, weg mit dem Geld".
Wenig überraschend werde ich also auch diesen Winter wieder in die Schweiz fahren. Das würde ich aber auch bei einem Kurs von 1,30 statt 1,67.