Erlenbach: emotionsgeladene Generalversammlung der stockhornbahn AG
Skilift Lasenberg ist noch nicht gerettet
Die Stockhornbahn AG erwirtschaftete 2003 einen Zehnjahresrekord. Die Zukunft des Skilifts Lasenberg bleibt ungewiss. Der Vorstand wurde an der Generalversammlung in geheimer Abstimmung entlastet.
Peter Rothacher
Mit 515 zu 98 Aktienstimmen, bei 24 Enthaltungen, wurde dem Verwaltungsrat der Stockhornbahn AG Décharge erteilt. Das Resultat kam in geheimer Abstimmung zu Stande. Dies, weil Drogist und Grossrat Peter Eberhart die Arbeit von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung heftig kritisierte. Den Antrag «geheim» stellte schliesslich Gemeinderatspräsident Martin Jutzeler, der das Aktienpaket der Gemeinde Erlenbach vertrat.
Streitpunkt Lasenberg
Der Verwaltungsrat will den defizitären Skilift Lasenberg schliessen, eine Interessengemeinschaft (IG) ihn erhalten (siehe Kasten). In der Diskussion um die Zukunft des «Lasers» setzte es einen offenen und hart geführten Schlagabtausch ab. Peter Eberhart bekam dabei grosszügig Gelegenheit, seine Kritik mittels Folien zu präsentieren. Er listete fünf Winter- und Renntage auf, an denen seiner Meinung nach Kundenservice oder Pistenpräparierung ungenügend waren.
«Schtärnsverruckt» habe in aber gemacht, dass im Sommerprogramm ein Adelbodner Käsehändler und ein Beatenberger Drogist ihre Produkte auf dem Stockhorn präsentieren. «Das ist pure Arroganz gegenüber dem einheimischen Gewerbe», sein Vorwurf an Geschäftsleiter Fritz Jost. Dieser konterte: «95 Prozent der von uns verwendeten Produkte stammen aus einheimischer Produktion. Die Bauerngruppe Erlenbach darf ihre Produkte bei der Talstation präsentieren und einheimische Gewerbler bauen am Stockhornrestaurant. » Über Produktepräsentationen Auswärtiger erhoffe er sich eine umgekehrte Werbewirkung in deren Herkunftsregion fürs Stockhorn.
Verwaltungsratspräsident Othmar Tschabold: «Ich war der erste Skiklubpräsident, der am Laser Skirennen organisierte. Unsere Pistenpräparierung ist stark vom Wetter abhängig. Beim LEKI-Cup war unser Team von 5 bis 7 Uhr im Einsatz, dann schneite es erneut stark. Am Vorabend war eine Präparation wegen Nebel nicht möglich - ich riskiere keine Menschenleben. Die Rennpiste, aber nur die, war trotzdem in bestem Zustand. »
«Wir sind nicht Gegner!»
«Wir sind doch nicht Gegner - Vorwürfe formulieren bringts nicht! Wir wollen einfach nur skifahren und müssen gemeinsam nach Lösungen suchen», versuchte ein Aktionär die emotionalen Wogen zu glätten.
Ein anderer Votant kritisierte die «mangelnde Werbung für den Winterbetrieb». Othmar Tschabold: Wir generieren 85 Prozent der Einnahmen aus dem Sommerbetrieb, den Rest im Winter. Entsprechend setzen wir die Prioritäten. Unser Kerngeschäft ist die Gondelbahn. »
Beat Wiedmer, Präsident des Skiklubs Erlenbach: «Die IG musste die Offerte der Stockhornbahn AG ablehnen, den Lift für einen Franken in eine neu zu gründende Gesellschaft zu übernehmen. Mit der Abhängigkeit zur Bahn und paralleler Geldsuche kann das nicht gut gehen. Ich hege den Verdacht, ihr woll-tet uns einfach «den Schnägg i Sack stecke». Auch Andreas zum Wald gibt als Gewerbevereinspräsident der Ausgliederung des «Lasers» keine Chance. «Das Gewerbe will die Bahn inklusive Skilift erhalten. Ohne Skigebiet sinkt die Attraktivität Erlenbachs weiter. Wir müssen gemeinsam nach der besten Variante suchen. »
186500. - zugesichert
Lehrer Alfred Lori betonte die Wichtigkeit des Skigebiets für die Jugend. Den von der AG geplanten Winterbetrieb ohne Skilift bezeichnete er als «absurd».
Christine Mani gab als Ansprechperson der IG Lasenberg das Resultat ihrer Sammelaktion bekannt. «Da die AG kein Interesse am Weiterbestehen des Skilifts bekundete, hatten wir Mühe, Grosssponsoren zu finden. Trotzdem: Die Aktienzusicherung ergab 135000 Franken, als Barbeiträge wurden 42000 in Aussicht gestellt, und weitere 4500 resultieren über Einsparmöglichkeiten. Das ergeben immerhin 186500 Franken, unter der Bedingung, dass der Skilift erhalten bleibt. Mit den von der Gemeinde beantragten Krediten für Sommer und Winter kommen also über 300000 zusammen. »
Othmar Tschabold zeigte sich enttäuscht, dass er als Verwaltungsratspräsident der AG erst an der Versammlung mit diesem Ergebnis konfrontiert wurde. «Wir haben als Verwaltungsrat einzig das längerfristige Überleben der Gesellschaft im Auge. Bereits vor der heutigen Versammlung haben wir aber beschlossen, im Sommer mit der IG und dem Gemeinderat nochmals zu verhandeln, um im Herbst an einer ausserordentlichen GV endgültig über den Lift zu entscheiden. »
Der Finanzvorsteher von Spiez, Bernhard Abbühl, vertrat die Aktien seiner Gemeinde: «Wenn Erlenbach es sich leisten kann, den Betrieb mit Steuergeldern zu sponsern, ist das super. Man muss aber klar sehen, dass solche Skilifte nicht mehr im Trend sind. Längerfristig geht es darum, die Stockhornbahn zu erhalten, der Lasenberglift ist zweitrangig. »
Zwei neue Verwaltungsräte
An Stelle des verstorbenen Christian Bigler wählte die Versammlung Christoph Rohr (Burgdorf) in den Verwaltungsrat. Er ist Direktor der Hotelfachschule Thun. Den nach 15 Jahren demissionierenden Werner Spring ersetzt Bernhard Gyger (Gwatt), Geschäftsführer der ARA Thunersee.
Die Zahl der Gäste am Stockhorn lag im Jahr 2003 um 32 Prozent über dem fünfjährigen Mittelwert. Die Bahn erzielte ein Betriebsergebnis von 317357 Franken, und im Restaurant wurde ein Gewinn von 101683 erwirtschaftet. Dank diesem Zehnjahresrekord verblieb nach Abschreibungen von 267628 Franken ein Reingewinn von 139986. In Antrieb und Restaurant wurden zudem aus eigenen Mitteln 627888 Franken investiert. Die Bauarbeiten am Gipfelrestaurant wurden im Winter in Angriff genommen. Die Stockhornbahn ist am 8. Mai in die Sommersaison gestartet.
Die Aktienkapitalerhöhung der Stockhornbahn AG ist angelaufen. Unterlagen liegen bei der Talstation auf. Infos unter www. stockhorn. ch
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Jay
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Von Espace.ch
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Hägar
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Gibts noch mehr in unmittelbarer Nähe, und zwar das Wierihorn.GuyD hat geschrieben:Aber er ist die einzige Beschäftigungsanlage im Gebiet. Und weiter hinten im Tal locken die grossen Skigebiete von Zweisimmen und Lenk. Wegen dieses einen Liftes geht keiner vom Gas.
Haben vor 2 Jahren eine Beschneiung gebaut. Und da hats halt auch ein paar Lifte mehr.
Weiter vergleichbar von der grösse ist Rossberg.
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Wiriehorn ist ein beliebtes Familienskigebiet und hat eine geile DSB. Hat halt schon n paar Lifte (müssten drei oder vier sein plus die DSB).
Am Stockhorn haste dann alle Leute am selben Lift.
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Habe gerade im Bahnforum CH gelesen, dass die beiden Skilifte zur Zeit abgebrochen werden.
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Umso besser, wenn ein Lift nicht auf dem Alteisen landet.
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