Skurrile Bergnamen: Riesenweiber, Teufel und Dämonen

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snowflat
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Skurrile Bergnamen: Riesenweiber, Teufel und Dämonen

Beitrag von snowflat »

Riesenweiber, Teufel und Dämonen

Hinter den wild klingenden Namen von Berggipfeln verstecken sich oft uralte Sagen und Legenden, zuweilen aber auch recht kuriose Geschichten.

Nein, mit Bergromantik und Gipfelglück hatten die Leute früher nichts am Hut. Hexen und Dämonen vermuteten sie dort oben in den kargen hochalpinen Gefilden. Geblitzt hat´s und gedonnert. Eine ganz und gar grausliche Welt, die den Menschen im Tal suspekt war.

Beschwerlich war der Weg dorthin. Und überhaupt, was sollte man dort oben, wo es für den Broterwerb eh nichts oder kaum was zu holen gab. Ehrfurcht und manchmal auch Abneigung artikulierten sie in den Namen, die sie den Gipfeln gaben und von denen viele heute ziemlich merkwürdig klingen. Zumal in einer Zeit, in der die Berge als Erholungsregion oder Sport- und Freizeitterrain beliebter denn je sind. Sprachwissenschaftler wie der Professor Peter Anreiter von der Universität Innsbruck befassen sich seit Jahren mit der Herkunft und dem eigentlichen Sinn der Bergnamen. „Die wirtschaftliche Nutzung der Bergregion gestaltete sich sehr mühsam. Die Namen, die man den Gipfeln gab, waren oft von Funktionalität geprägt, dokumentierten aber auch die Ehrfrucht vor der Gewalt der Natur,“ erklärt Anreiter.

Die Experten unterscheiden zwischen Namen, die neben mythologischen Ursprüngen noch nach der Form, der Lage, der Flora oder auch nach der wirtschaftlichen Nutzung ausgewählt worden sind. Erst spät begannen die Menschen damit, den Bergen Namen zu geben. So stammt die erste nachgewiesene Erwähnung der Zugspitze aus dem Jahr 1590 und hat natürlich nichts mit der Bergbahn zu tun, die von der bayerischen Seite gipfelwärts führt. Vielmehr bezog sich der Name auf die Lawinenbahnen im Gipfelbereich, die man damals Zug nannte. Viel interessanter aus heutiger Sicht sind natürlich die skurrilen, oft mystisch klingenden Bezeichnungen. Die Fleischbank, ein berühmter Kletterberg im Wilden Kaiser im Tiroler Unterland, lässt manchen Besucher heute noch erschaudern und an abgestürzte Kletterer denken. Tatsächlich verbirgt sich dahinter eine Legende, wonach ein Bauer Baumrinden in den Fleischbankwänden verteilte, damit die Gemsen abstürzten und er leichter des Wildes habhaft werden konnte. Tatsächlich fing er derart auch acht Gemsen, musste dann jedoch mit ansehen, wie seine Schafe ebenfalls in den Tod stürzten. Angesichts dieses Massakers gab man den steilen, heute bei Kletterern ehrfurchtsvoll gehandelten Felswänden diesen grausig klingenden Namen. Für den Touristen sind Fehlinterpretationen der alten Bezeichnungen geradezu verführerisch. So wahrscheinlich auch beim benachbarten Totenkirchl im Wilden Kaiser, das seine Bezeichnung von einer Sage hat, wonach sich eine weiße Wolke auf dem Kaiser nieder ließ und später ein Riesenweib auf dem Gipfel tot lag, den Kopf versunken, die Haare zu einem Knoten geflochten und mit Armen und Beinen den berg umklammernd. Eine Form, die man besonders bei leichtem Neuschnee gut erkennen soll.

In Zeiten, in denen Massenmedien weit entfernt waren und auch die Wissenschaft noch längst nicht alle Fragen beantworten konnte, gingen die Menschen mit mancher Wissenslücke recht phantasievoll um. Wie eben beim Totenkirchl auch, war es beliebt die Form der Felsformationen als Inspiration für die Namensfindung zu nutzen. Frauhütt nannte man zum Beispiel einen Gipfel, weil der Fels an eine sitzende Frau mit einem kleinen Kind erinnert und dazu auch eine Sage kursierte, die von einer Riesin erzählte, die ihr Kind mit Brot gesäubert hatte und dafür zur Strafe versteinert wurde. Oft mussten auch angebliche Hexen dafür herhalten wie im Fall des Bösen Weibele in den Lienzer Dolomiten. Noch schauderhafter klingt die Geschichte vom Watzmann im Berchtesgadener Land. Der Sage zufolge wurde der König Watzmann samt Frau und Kindern dafür bestraft, weil seine Hunde einen Hirten zerfleischten und deshalb die Sippe zu Stein erstarrt ist. Und deshalb ist es heute noch so, dass die Gipfelgruppe oberhalb des Königssees aus dem Watzmann, dem Kleinen Watzmann und den Watzmannkindern besteht.

Dass ganz profane Eigenarten oft den Ausschlag für einen Bergnamen lieferten, dafür ist der Piz Buin im Engadin ein gutes Beispiel. Der klangvolle Name bedeutet vom Rätoromanischen ins Deutsche übersetzt so viel wie Ochsenspitze. Jedoch kein Ochse wird es je auf den Gipfel des Piz Buin geschafft haben. Vielmehr gehen die Sprachwissenschaftler davon aus, dass unterhalb des Gipfels eine entsprechende Almwirtschaft, wo eben Ochsen weideten, Taufpate war. Und nicht sehr viel anders wird es beim Saukarkopf in den Radstädter Tauern gewesen sein. Vor allem sollte man bedenken, dass es seinerzeit Ausdrücke gab, die heute längst vergessen sind und deshalb mancher Bergname gerne falsch gedeutet wird. Wenn vom Glück die Rede ist, etwa beim Hochglück, dann kam dies daher, dass man mit dem Wort Gelicke die Stellen bezeichnete, wo das Wild Salz geleckt hat. Und schön hieß ein Berg nicht wegen seines ansprechenden Aussehens sondern wegen der fruchtbaren Böden rings um den Gipfel. Man dachte also sehr pragmatisch und Bergsteigerglück und die Schönheit der Landschaft waren halt eher was für Schwärmer. Aber das hat sich bis heute gottlob ziemlich geändert.
Quelle: www.monte-welt.com
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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GMD
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Beitrag von GMD »

Sehr interessant! Vor allem das mit dem Piz Buin, der auf Deutsch Ochsenspitze heisst, finde ich lustig. Gibt es doch eine Sonnencreme mit diesem Namen. Ob die mit dem deutschen Namen ein Erfolg geworden wäre, wage ich zu bezweifeln. "Schatz, reibst du mich mal mit der Ochsenspitze ein?", klingt nicht sehr romantisch...
Probably waking up
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