höchstgelegene Skigebiet der Welt - es liegt in gut 5200 Meter Höhe - wird bald weggeschmolzen sein.
Wer in La Paz, der höchstgelegensten Hauptstadt der Welt, aus dem Flieger steigt, ist die nächsten Tage vor allem mit Keuchen beschäftigt: In der Stadt, die sich in mehr als 3600 Meter Höhe an die Anden schmiegt, ist die Luft selbst für bergerprobte Völkchen wie Tiroler verdammt dünn. Das hält manche nicht davon ab, in dieser Höhe Ski zu fahren; ja sie streben gar weiter gen Himmel: Nahe La Paz, am Berg Chacaltaya, ist das einzige Skigebiet Boliviens - und das höchstgelegenste der Welt. Es liegt in gut 5200 Meter Höhe. Und nennt immerhin einen Schlepplift sein Eigen - der war um 1939 als erstes derartiges Ding in Südamerika gebaut worden.
Doch der kaum 200 Meter lange Lift, der bis unter den 5.421 Meter hohen Gipfel des Chacaltaya führt (wegen seiner extremen Geschwindigkeit und dem steilen Gelände ist er berüchtigt), dürfte bald zum letzten Mal Sportler befördert haben. Grund: Der kleine Gletscher am Chacaltaya schmilzt dahin. “In den vergangenen 15 Jahren schrumpfte er um 85 Prozent”, sagt der Physiker Alfonso Velarde von der San Andres-Universität in La Paz. “In fünf Jahren ist er weg.”
Sicher sei der Mensch dran Schuld, meint Velarde. Der genaue Grund ist aber unklar: Die Klimaerwärmung trage wohl bei - da helfen auch die minus 20 Grad und weniger nicht, die hier im Winter (also etwa von Mai bis August) herrschen. Stärker dürfte der Einfluss von La Paz sein, das 30 km entfernt in Sichtweite liegt: Die Wärme der Fahrzeuge, Öfen und Industrieanlagen bestrahlt permanent die Hänge des Chacaltaya. Der gleiche Mechanismus werde dazu führen, dass es in 80 Jahren nirgends in den Anden mehr Gletscher gebe, fürchten Glaziologen.
Sollten keine Skifahrer mehr den hier angeblich besonders pulvrigen Schnee durchpflügen (Chacaltaya, mit gut 1.700 km Distanz das dem Äquator nächste Skigebiet, zieht November bis März viele Ausländer und in La Paz lebende Europäer an), wird es für Karl Woitech eng werden: Der 49-jährige St. Pöltner ist Hüttenwirt im “Club Andino Boliviano”. Der Voest-Schlosser blieb vor Jahren im Zuge einer Südamerika-Tour hier hängen und pachtete das leerstehende Steingebäude.
In 5.266 Meter Höhe tischen er und seine einheimische Frau Veronica Subieta (30) nun in dem Gasthaus, das dem Himmel so nah ist wie sonst keines, Hühnersuppe, faschierten Braten und Glühwein auf. Dabei muss man nicht Bergsteiger sein, um hierher zu kommen: Von La Paz führt eine Straße rauf, weshalb ein wahrer Gastro-Tourismus zur Hütte, wo auch Ski verliehen werden, eingesetzt hat. Das dürfte den Verlust des Gletschers zum Teil kompensieren.
Wer sich als Neuling in La Paz einfach bequem per Auto in den Club Andino fahren lässt, dem dürfte mangels Luft spätestens dann schwindeln, wenn in der Hütte der Propangas-Ofen tüchtig aufgedreht wird. Woitech hat für diese Gäste, und für schwächelnde Skifahrer, Abhilfe: Die Sauerstoffflasche kräftig aufgedreht wirkt Wunder; der frisch gebrühte Koka-Tee ebenfalls.
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Trotz der eigentlichen Aktualität des Berichtes muss ich aber noch hinzufügen, dass der Skilift schon seit mehreren Jahren nicht mehr funktionstüchtig ist. Der Tourismus hält sich hier in den Sommer- wie auch in den Wintermonaten sehr in Grenzen (wir waren im März die einzigen Touristen bis auf einen Franzosen, der dort 2 Tage übernachtet hat). Der Propangasofen wird wohl nur ab einer bestimmten Gästezahl aufgedreht und die Auswahl der Speisekarte ist eher dürftig. Von Glühwein keine Spur. Außerdem wurde uns vom Club Andino berichtet, dass der Schweizer schon länger nicht mehr die Berghütte leitet. Ski fahren kann man höhstens noch von Dezember bis Februar, im März ist der Gletscher vielleicht noch 200 m lang.
Ein Besuch lohnt sich aber trotzdem, die Fahrt zum Chacaltaya ist wunderschön und die Aussicht vom Gipfel grandios. Bei klarem Wetter kann man auf der einen Seite La Paz sehen und auf der anderen Seite den Titicacasee.