SNImmer mehr Seilbahnen fusionieren
05.12.2007 | SN
Die Compagnie des Alpes kontrolliert zwölf der wichtigsten französischen Skigebiete. Der touristische Gigant expandiert auch in der Schweiz und in Italien.
Heinz Bayer Salzburg (SN). "In zwanzig Jahren wird es im Alpenraum nur mehr 80 Skigebiete geben. In Salzburg dürfte es kaum noch ein Dutzend sein. Der Rest wird stillgelegt." Nicht nur der Klimawandel sei schuld an dieser Entwicklung. Es trete eine Art Marktbereinigung ein.
Diese Aussagen sorgten bei einer Tagung der Ski-amadé-Akademie für Raunen im Saal. Gemacht wurden sie von einem profunden Kenner der Materie, vom Alpenforscher Werner Bätzing.
Bätzing meinte weiter: Vielen Tälern würden wirtschaftlicher Niedergang und Entvölkerung drohen. Arbeit gäbe es nur mehr in den Zentralräumen. Jene Skiregionen aber, die weiter existierten, würden von internationalen Konzernen gelenkt. Ohne regionale Bezüge. Mit ausschließlicher Ausrichtung auf maximalen Profit.
Mehr verkaufte Skipässe als im restlichen Europa Der an die Wand gemalte Schrecken hat auch einen Namen. Es ist der Gigant unter jenen Konzernen, die den Wintertourismus zum zentral gelenkten Freizeitspaß machen, und heißt Compagnie des Alpes (CdA). Die Ursprünge der CdA reichen in das Jahr 1989 zurück.
Wie in Österreich oder der Schweiz zeigte sich auch in Frankreich Ende der achtziger Jahre die Wintersportbranche sehr stark zersplittert. Hier die Hotellerie, dort die Seilbahner und Skischulen, dazu in jedem Ort Dutzende "kleiner" Vermieter und Betreiber von Bars und Restaurants.
Aber nirgends war ein Strick in Sicht, an dem alle gemeinsam zogen, obwohl es ein gemeinsames Interesse gab und gibt: das Geschäft mit den Skitouristen.
Die französische Staatsbank "Caisse de Depot" machte aus der Not der Regionen eine Tugend für die eigenen Bilanzkurve und übernahm die Skigebiete Tigne, Chamonix, Les Arcs, La Plagne, Peisy-Vallandry und Les Menuires.
Unter der strengen Regie der zentralistischen Kräfte kehrten die Skigebiete Schritt für Schritt in die Gewinnzone zurück.
Bätzings Warnung freilich lautet: "Die Skiorte verwandeln sich in riesige Freizeit- und Vergnügungsparks. Verträumte Skidörfer, die heute noch den Charme Österreichs ausmachen, wird es nicht mehr geben."
Die Eckdaten der Compagnie des Alpes jagen durchaus Respekt ein.
Jede dritte Skifahrt in Frankreich erfolgt auf einer Piste der CdA.
Zusammen mit ihrem amerikanischen Partner, Intrawest, der an der CdA mit knapp 20 Prozent beteiligt ist, verkauft sie mehr Skipässe als die gesamte europäische Konkurrenz zusammen.
Die Compagnie des Alpes kontrolliert zwölf der 15 wichtigsten französischen Skigebiete, hält dazu Anteile der Schweizer Seilbahngesellschaften in Verbier, Saas Fee und Aletsch Riederalp und in Courmayeur, Italien.
2007 gliederte die CdA die Skistationen der Sofival (Val d'Isère, La Rosière, Avoriaz und Valmorel) ein, damit entstand ein neuer Skiriese mit mehr als 15 Millionen verkauften Skitagespässen im Jahr.
Laut Firmenphilosophie liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Konzentration auf hoch gelegene, große Skigebiete. Kenner sagen, keines der Resorts, die die CdA kontrolliere, befinde sich auf der Roten Liste jener Skigebiete in Europa, die in Zukunft nicht mehr schneesicher sein würden.
Auf der Internetseite "Alpinforum" stand im schneearmen Februar dieses Jahres unter dem Titel "Konsolidierungswelle im Alpenraum": "Die Verbindung zwischen Arlberg und Paznauntal wäre der spektakuläre Höhepunkt einer Konsolidierungswelle. Zurzeit versuchen zahlreiche Skigebiete im Alpenraum, durch Zusammenschlüsse ihr Revier auszuweiten. In der Schweiz etwa planen die Orte Arosa und Lenzerheide, miteinander zu fusionieren; in Frankreich will der größte Liftbetreiber Europas, die Compagnie des Alpes, die inländische Nummer zwei, Sofival, übernehmen. Und in Österreich, wo sich bereits im Jahr 2000 fünf große Skiregionen aus den Bundesländern Salzburg und Steiermark zum Skiverbund amadé vereinigten, planen nun erstmals zwei der größten Gletscherskigebiete den Zusammenschluss: das Ötztal und das Pitztal."
"In wenigen Jahren wird es fast nur noch solche Verbünde geben", sagt Egon Smeral, Tourismusexperte beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung.
200 Pistenkilometer sind die Grundvoraussetzung "Wenn ein Skigebiet heute nicht mindestens 200 Pistenkilometer bieten kann, kommt es für gute Fahrer kaum noch in Frage", meint Thomas Bieger, Professor für Tourismuswirtschaft an der Universität Sankt Gallen.
Für die Strukturen der österreichischen Wintersportregionen sieht Bieger derzeit aber keine Bedrohung durch die Compagnie des Alpes. Deren hemmungslose Einkaufstour in Frankreich sei nur durch den Zentralismus des Staates möglich. In Österreich seien die Strukturen zu klein, vor allem aber die politischen Rahmenbedingungen ganz anders.
In den USA fand die von Bätzing angesprochene Marktbereinigung schon statt. Dort kontrollieren vier Unternehmen 30 Prozent des Marktes: Intrawest, American Skiing Company, Vail Resorts und Booth Creek. Die Umsätze liegen im Bereich dreistelliger Millionen-Dollar-Beträge. Marktführer Intrawest hält knapp 20 Prozent an der französischen Compagnie des Alpes. Die CdA dient den Amerikanern als Sprungbrett nach Europa.
Wow, jetzt wird das Forum schon in den SN zitiert...