Quelle: Hamburger AbendblattKärnten: Das Mölltal zieht auch Ski-Asse wie Franz Klammer an
Im Gletscher-Express zum Gipfel
Après-Ski ist hier nicht zu finden, dafür aber absolute Schneesicherheit. Die Saison geht bis in den Mai hinein.
Von Stephan Brünjes
Ob hier ein Riese während der Eiszeit Karate geübt und den ersten Handkantenschlag gleich hinter das Dörfchen Flattach ins Felsmassiv gesetzt hat, und dann noch vier, fünf weitere gleich dahinter? Wie sonst soll eine so enge, verwinkelte Schlucht mit zu beiden Seiten derart hoch aufragenden Bergwänden entstanden sein? Hier unten im Schlucht-Trichter gibt es einen schmalen Asphalt-Streifen - es ist keine Straße, eher ein Feldweg, der vorbeiführt an Heuschobern und Holzstapeln, Wald und Wiesen. Endstation könnte ein Försterhaus mit Hirschgeweih sein. Aber die Talstation eines Gletscher-Skigebiets? Nein!
Doch plötzlich taucht zwischen den Bäumen ein in den Berg gehauener Betonklotz in Flugzeug-Hangar-Größe auf. Davor ein kleiner Parkplatz. Der war viele Wintertage lang zweite Heimat von Janica Kostelic. Ja, genau, der inzwischen vierfachen Olympiasiegerin, mehrfachen Gesamtweltcupsiegerin und Weltmeisterin. Hier hauste sie Anfang der Neunzigerjahre mit ihrem Bruder Ivica und Vater Ante in einem ungeheizten Wohnwagen auf engstem Raum. Der ehrgeizige Trainer-Papa, ehemaliger Weltklasse-Handballer, hatte sich geschworen, seine Kinder unerbittlich zu Weltmeistern zu trimmen. Mit Steinen im Rucksack hat er sie hier angeblich den Berg hochkeuchen lassen, während er mit den Skiern im Auto nebenher fuhr. Weder das eine noch das andere müssen heutige Besucher des Mölltaler Gletschers. Sie kommen nur im Gletscher-Express nach oben, der schräg durch einen künstlichen Felstunnel rumpelnden, oft randvollen Gebirgs-U-Bahn - garantiert nichts für Platzangst-Patienten.
Alle anderen werden oben mehrfach für die zehnminütige Auffahrt in Legebatterie-Haltung belohnt: mit einem Über-den-Wolken-Panorama der Hohen Tauern und des Großglockners, mit Gemsen, die zwischen Felsspalten hervorlugen. Und mit 50 Pistenkilometern, die nicht nur fein sortierte Herausforderungen von Blau bis Schwarz bereithalten, sondern auch eingebaute "Selbstbewusstseinsverstärker" - etwa auf der Piste Nummer zehn: Die fängt erst schwarz an, sodass Flachlandtiroler und Schönwetter-Carver ganz schön ackern müssen, um heil durch Buckel-Mittelgebirge und Tiefschnee-Verwehungen zu pflügen. Aber danach wird die schwarze Nummer zehn rot und Beinahe-Stürzer wedeln mit stolz geschwellter Brust drüber, weil sie im schwarzen Teilstück nicht gepatzt haben.
Wenn sie wüssten, dass hier oben sogar schon Österreichs Ski-Held Franz Klammer und "Gold"-Rosi Mittermeier herumgefegt sind. "Mitten im August", erinnert sich Siegfried Huber und grinst dabei verschmitzt. "Zu diesem Zeitpunkt war früher immer das Formel-1-Rennen in Österreich, und wir haben ab 1971 ein Skirennen dagegen gesetzt." Damals war Huber gerade 25 Jahre alt, frisch gewählter Bürgermeister von Flattach und hatte die Vision, auf dem Gletscher ein Skigebiet zu erschaffen. Um diese Idee bekannt zu machen, wollte er vor allem Aufsehen erregen - mit dem hochsommerlichen Rennen im Hochgebirge. Der versprochene Preis: ein Bergkristall und umgerechnet 150 Euro. Der verflossene Schweiß, sicherlich mehr als bei heutigen Rennen, denn Mittermeier, Moser-Pröll, Klammer & Co mussten mit den Skiern auf den Schultern von der Duisburger Hütte 45 Minuten lang den Gletscher hochkraxeln - Lifte gab es nicht. Alles, was für das Rennen nötig war, hatten 60 Helfer in den Tagen zuvor ebenfalls weitgehend "auf dem Buckel" hochgeschleppt. Nur ein vier Tonnen schweres Diesel-Aggregat war von einem Hubschrauber des Bundesheeres hochgehievt worden. Huber: "Der hätte das Ding um ein Haar fallen gelassen!"
aus Ljubljana etwa dauert kaum eine Stunde. Doch über den Gletscher saust nicht nur Österreichs Nachbarschaft, sondern oft die halbe Skiwelt: Neuseeländer, Australier, Schweden, Norweger und gelegentlich auch die amerikanischen Ski-Asse trainieren hier für ihre Weltcup-Rennen in den Alpen - vor allem vormittags kann man sie durch ihre Stangenwälder brettern sehen. Alle schätzen die außergewöhnlich guten Bedingungen: Pisten bis in 3100 Meter Höhe, die bei Bedarf komplett beschneit werden können - einzigartig in Österreich, ideal für die Saisonvorbereitung. Anders als etwa in Tiroler Gletscherskigebieten wie Pitztal oder Kaunertal müssen hier keine fußballfeldgroßen weißen Bettdecken das Abschmelzen verhindern, denn unter der "Synthetik-Schneedecke" bleibt der Gletscher weitgehend tiefgekühlt. "In den letzten drei, vier Jahren ist nichts mehr weggeschmolzen", sagt Altbürgermeister Huber.
Aber auch nichts dazugekommen, weder am Gletscher, noch unten im etwa 20 Autominuten entfernten Dorf Flattach. Wer hier eine Woche Urlaub macht, sollte ein großes Ruhebedürfnis mitbringen. Denn über preiswerte und gute Unterkünfte mit Sauna und Schwimmbad hinaus darf man nicht viel erwarten von einem Straßendorf ohne Ortskern, in dem abends unübersehbar gilt: "Minibar statt Nachtbar".
Anreise: z. B. mit TUIfly nach Klagenfurt, von dort Airport-Shuttle für 30 Euro in den Skiort. Mit dem Pkw über die Tauernautobahn bis zur Ausfahrt Lienz, dann auf die Mölltaler Bundesstraße.
Angebot: Eine Woche für zwei Erwachsene und zwei Kinder mit sieben Übernachtungen und Sechs-Tages-Skipass auch für die angrenzenden Skigebiete Ankogel und Heiligenblut kostet von 999 Euro im Ferienhaus bis zu 1699 Euro im Vier-Sterne-Hotel. Für ein Wochenende mit drei Übernachtungen inkl. Skipass zahlt man von 109 Euro pro Person in einer Ferienwohnung bis zu 239 Euro im Vier-Sterne-Hotel.
Unterkunft: z. B. Alpengasthof "Badmeister", nur wenige Autominuten von der Talstation entfernt. Drei-Sterne-Haus mit Sauna, Dampfbad, Bar und Bibliothek auf 1200 Meter Höhe, Zimmerpreise ab 51 Euro pro Person, Tel. 0043/4785/81 05, www.badmeister.at; "Flattacher Hof", Vier-Sterne-Haus in Flattach. Wellness- und Sportbereich. Zimmerpreise ab 75 Euro pro Person am Tag mit HP. Tel. 0043/4785/81 00, Internet: www.flattacherhof.at
Essen:www.Watzhof.com
Auskunft: Ski Kärnten, Tel. 0043/4825/200 49, Internet: www.ski-kaernten.de
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Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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