Muotas Muragl Bahn mit Zahnrad?

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enterprise
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Muotas Muragl Bahn mit Zahnrad?

Beitrag von enterprise »

Hallo zusammen

erst mal allen ein frohes neues Jahr und alles Gute im 2008.

Ich habe da eine interessante Frage.

Wurde die Muragl Bahn im Engadin in der Schweiz früher mal zusätzlich zum Seil mit Zahnrad betrieben? Kann mir da jemand Infos geben und evtl. auch Bilder posten?

Besten Dank und sonnige Grüsse aus der Schweiz

Enterprise

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Vadret
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Re: Muotas Muragl Bahn mit Zahnrad?

Beitrag von Vadret »

Nein von Anfang an Standseilbahn.

Bei Interessen über die Muottas Muraglbahn kann ich das Buch " Muottas Muragl 1907-2007" sehr empfehlen. Eines der Besten Chroniken über Seilbahnen die ich bisher in den Händen hatten. Autor: Ernst Meili. Kosten Fr 49.--. Zu kaufen an den Meisten Bergbahnkassen im Oberengadin und in Verschiedenen Tourist-Infozentern ENGADIN-St. Moritz.

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Beitrag von Christoph Lütz »

Viele Standseilbahnen hatten früher einen Antrieb mit Wasserbalast. Zum Bremsen wurde dann eine Zahnstange verwendet. Die Bedienung der Bremsen erfolgte durch die Schaffner vom Fahrzeug aus. Die Anlagen waren dreischienig ausgeführt, um den nötigen Raum für das Seil und die Zahnstange zu gewährleisten. Später wurden die meisten Standseilbahnen mit einem elektrischen Antrieb in der Bergstation ausgerüstet und die dritte Schiene sowie die Zahnstange entfernt. Die Bremse (Betriebs- bzw. Sicherheitsbremse) wirkt dann auf die Antriebsscheibe in der Bergstation. Für den seltenen Fall eines Zugseilrisses gab es dann zusätzlich noch eine Zangenbremse am Fahrzeug, die in die jeweils äußere Schiene greift.
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GMD
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Beitrag von GMD »

Es gab auch Standseilbahnen mit Zahnradbremse und Abt'scher Ausweiche. Die heute noch fahrende in Fribourg beispielsweise.

Aber fertig OT und zurück zur MMB! Diese besass soviel ich weiss nie eine Zahnradbremse.
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enterprise
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Beitrag von enterprise »

Vielen Dank schon mal für die Antworten.

Nun, ein Kollege von mir wohnt in St. Moritz und sagt, es habe definitiv einmal eine Zahnstange gegeben.

Beste Grüsse
Enterprise
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Vadret
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Beitrag von Vadret »

Das von mir gepostete Bild stammt aus dem Jahre 1910. Also 3 Jahre nach Eröffnung der Bahn. Auf dem Bild kann ich aber definitiv keine Zahnstange erkennen.
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Beitrag von Petzi »

Definitiv keine Zahnstange!!!

Die Bahn fällt in die Entwicklungen nach der Jahrhundertwende und dort wurde (eben durch die Erfndung der Zangenbremse durch Abt) bei elektrischen Zahnradbahnen kaum mehr Zahnstange zum Bremsen verwendet. Anders war hier die Situation bei den kaum mehr gebauten Wasserballast Bahnen (diese brauchten ja das Zahnrad zum "Mitbremsen auf der Strecke und in die Stationen).
Beispiele nach der Jahrhundertwende elektrisch: Mendel (Südtirol) 1903, Hungerburg (Nordtirol) 1906, und eben die Muottas Muraigl Bahn 1907

Anfänglich Zahnrad hatte meines Wissens aber die Bürgenstockbahn (1888), die ja von Anfang an auch elektrisch betrieben war, aber damals gab es meines Wissens noch keine Zangenbremsen bei Standseilbahnen (1892 bei der Stanserhornbahn erstmalig)

LG Peter
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GMD
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Beitrag von GMD »

Die Zangenbremse für Standseilbahnen hat Josef Bucher-Durrer erfunden, nicht Roman Abt! Von letzerem stammt die heute noch gebräuchliche Ausweiche, die eine eingleisige Linienführung ermöglicht.
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Dresdner
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Beitrag von Dresdner »

Bucher und Durrer entwicketen die erste Sicherheitsbremse in Form einer Zangenbremse sowie die erste brauchbare Konstruktion zu deren automatischer Betätigung. Erster Einsatzort war die Stanserhornbahn 1893.
Auf Fahrschienen wirkende Zangenbremsen bei SSB gab es jedoch schon weit vorher - siehe die 1862 in Betrieb genommene SSB Rue Terme - Croix Rousse in Lyon. Geistige Väte des dort verwendeten Bremssystems waren Mollinos und Pronier.
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Zuletzt geändert von Dresdner am 02.01.2008 - 17:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Dresdner »

In Ergänzung zu Petzis Post:
SSB mit von Anfang an elektromotorischem Antrieb, die eine Zahnstange besassen:
* 1888: Bürgenstockbahn / CH / Abtsche Zahnstange 1910 entfernt
* 1890: San-Salvatore Bahn Lugano / I / Abtsche Zahnstange 1925 entfernt
* 1892: Potello - St. Anna Genua / I / Abtsche Zahnstange 1975 noch vorhanden
* 1927: San Pedro / Florida / USA / Riggenbachsche Zahnstange / Betrieb eingestellt
Anlagen mit Strubscher Zahnstange, die von Beginn an elektomotorischen Antrieb hatten, sind nicht bekannt.
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Beitrag von Petzi »

GMD hat geschrieben:Die Zangenbremse für Standseilbahnen hat Josef Bucher-Durrer erfunden, nicht Roman Abt! Von letzerem stammt die heute noch gebräuchliche Ausweiche, die eine eingleisige Linienführung ermöglicht.
Hier darf ich einige Korrekturen anbringen:

Die Geschäftspartner Bucher und Durrer waren wohl bekannt als Bergbahnpioniere, z.T. aber weniger aber als ideenbringende Ingenieure (v.a. Franz Josef Durrer). Nach dem Betrieb einer Sägerei und Parkettfabrik wandten sich die beiden (Bucher als Geschäftsmann und Durrer als Tüftler (gelernter Schreiner) dem Bergbahnbau (und damit verbunden auch Hotelbau zu). Mit im Boot war Roman Abt, der Ihnen immer mit Ideen zur Seite stand.

So verwendete man 1888 bei der Bürgenstockbahn eine Zahnstange (hier eine Abtsche) zum Bremsen der Wagen, nach dem sich deren Tauglichkeit (beim erstmaligen Versuch (Territet – Glion 188x) war es eine Riggenbach´sche Zahnstange) bei steilen Bahnen (über 400 %0) bewährt hatte. Lange davor gab es einige Systeme um Wagen auf Standseilbahnen zu bremsen (nur wie steil waren damals Standseilbahnen?)
Das selbe Team (Bucher als Geschäftsmann, Durrer als Tüftler und Abt als Bergbahnpionier – man denke an seine 1882 erfundene Zahnstange) ging an die Planung der Stanserhornbahn als Inbegriff moderner Standseilbahnen.
Das Patent wurde unter der ausführenden Firma Bucher – Durrer Kaegiswyl (einer Parkettfabrik) eingetragen. Die Idee wird immer wieder fälschlicherweise Franz Josef Bucher – Durrer zugeschrieben, weil viele nicht wissen wie sein Doppelname zustande kam.
Fact ist aber dass das Patent von Josef Durrer (seinem Kompagnion) in Zusammenarbeit mit Roman Abt entwickelt wurde und fortläufig die Summierung der neuen Erfindungen (Ausweiche, Schienenprofil für die Zangenbremse : Phoenix R und die Zangenbremse selbst als Abt´sche Standseilbahnen Eingang in die Weltgeschichte fanden. Für junge Seilbahnfans mangels historischer Literatur vielleicht nicht ganz so nachvollziehbar.
Für Standseilbahn – Fans noch die Nummer der Patentschrift, die im Bundesarchiv in Bern behoben werden kann: Patentnummer 1732 vom 27. Dezember 1889: „Bremsvorrichtung für Drahtseilbahnen“
Ich bitte daher nicht Äpfel mit Birnen zu vertauschen. Auch die älteren Bremssysteme haben trotz ähnlichem Namen wenig mit dem neuen System gemein, das nun (auch Dank der erfundenen Ausweiche und der Y förmigen Schienen (späterhin Stanserhorn – Keilkopfschiene genannt, eigentlich Format Phoenix R) erstmals auf die Fahrschiene wirken konnte. Dazu brauchte es übrigens auch die Erfindung von Doppelspurkranz und spurkranzlosen Rad, wieder hatte Abt zugeschlagen 

LG von einem Seilbahner…

Peter
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Beitrag von Petzi »

Dresdner hat geschrieben:In Ergänzung zu Petzis Post:
SSB mit von Anfang an elektromotorischem Antrieb, die eine Zahnstange besassen:
* 1888: Bürgenstockbahn / CH / Abtsche Zahnstange 1910 entfernt
* 1890: San-Salvatore Bahn Lugano / I / Abtsche Zahnstange 1925 entfernt
* 1892: Potello - St. Anna Genua / I / Abtsche Zahnstange 1975 noch vorhanden
* 1927: San Pedro / Florida / USA / Riggenbachsche Zahnstange / Betrieb eingestellt
Anlagen mit Strubscher Zahnstange, die von Beginn an elektomotorischen Antrieb hatten, sind nicht bekannt.
Dresdner
fernhin bekannt als elektrischer Antrieb, bitte nicht so kompliziert...

Bremszahnstangen erlebten nicht mehr das Zeitalter der Strub´schen Zahnstange (1899 für die Jungfraubahn entworfen), wiewohl sie tauglich gewesen wären... Die Zeit der Standseilbahnen mit Bremszahnrad waren mitte 1890er vorbei, auch wenn einige antiquierte (und kurze) Bahnen dies später noch bekamen (auch Fribourg). Anfangs des 20 Jhd´s bestachen lange elektrische Standseilbahnen nach "Abt´scher" Prägung zu denen die besonders die Anlagen auf die Mendel (mit Strub als Bauleiter :-)) und die Anlage auf die Muottas Muraigl gehören...
Man soll eben nicht nur die Weltseilbahngeschichte von Schmoll zitieren sondern auch die historischen Zusammenhänge erwähnen, dann wird vieles einleuchtender und Mythosbildung rund um den Bauernbub Franz Josef Bucher - Durrer (macht heiraten schön :-)) hinangehalten...

LG
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Beitrag von Dresdner »

Anzumerken ist, dass eine Standseilbahn mit Strubscher Zahnstange ausgerüstet wurde, allerdings hatte diese Anlage ursprünglich Wasserballastantrieb.
Es handelt sich um die SSB Paris - Montmartre, 1900 von von Roll errichtet. 1935 wurde diese Anlage von Heckel auf elektrischen Betrieb umgestellt und es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Zahnstangen entfernt wurden.
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Beitrag von Petzi »

Petzi hat geschrieben: ... Die Zeit der Standseilbahnen mit Bremszahnrad waren mitte 1890er vorbei, auch wenn einige antiquierte (und kurze) Bahnen dies später noch bekamen (auch Fribourg). ...

LG
Danke für den Hinweis, ich hoffe er ging aus dem Gesagten in etwa heraus...
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Beitrag von Dresdner »

Ja, okay - die Anmerkung zeigt nur, dass auch Strub "seine Zahnstangen-SSB" hatte.
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