Schöne Aussichten für Liftbetreiber
Skigebiete verbuchen bisher hervorragende Saison - und profitieren von gesenkter Mehrwertsteuer
von Johannes Fuchs.
Regen. Die deutschen Seilbahnbetreiber müssen auch in diesem Winter gegen die Schwerkraft kämpfen, aber eine andere Last wurde ihnen gerade noch rechtzeitig zum Beginn der Wintersaison teilweise genommen. Seit 1. Januar zahlen sie statt bisher 19 Prozent nur mehr sieben Prozent Mehrwertsteuer. Der Branchenverband wertete die Entscheidung als »wichtigen Schritt zur Chancengleichheit und somit auch als Beitrag zur Angebotsverbesserung« - in den Nachbarländern gilt der ermäßigte Steuersatz schon lange. Auch bei der Fahrpreisgestaltung solle der ermäßigte Steuersatz berücksichtigt werden, so beschloss die Mitgliederversammlung im November. Diese Empfehlung wird allerdings von den Seilbahnen im Bayerischen Wald unterschiedlich umgesetzt.
So hat die Arberbergbahn schon ab dem Saisonbeginn am 16. November einige Karten verbilligt, wie Betriebsleiter Thomas Liebl sagt. Die Familien-Saisonkarte kostet etwa statt bisher 600 Euro jetzt 480 Euro, die normale Saisonkarte gibt es für 250 Euro (bisher 295 Euro).
Die Hohenbogenbahn verlangt seit 1. Januar je nach Kartentyp bis zu 16 Prozent weniger Geld. Bahn-Geschäftsführer Markus Müller hat allerdings auch die Pflicht zum Vorbild - schließlich sitzt er im Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen und hat in dieser Funktion lange mit der Politik verhandelt. Diese habe im Gegenzug gefordert, die Steuersenkung müsse auch an die Fahrgäste weitergegeben werden.
Die Benutzer der Geißkopfbahn werden in diesem Winter keinen preislichen Unterschied feststellen. Dafür verspricht Dr. Helmut Ring von der Poschinger-Bray'schen Verwaltung, dass es auch im kommenden Winter keine Preiserhöhung geben werde. Ring sieht den Sinn der Steuersenkung ohnehin nicht darin, dass ab jetzt bei gleichem Angebot weniger Geld verlangt wird. »Die Skigebiete in Bayern haben, auch wegen der bisherigen Ungleichheit bei der Mehrwertsteuer, einen enormen Nachholbedarf gegenüber Österreich«, betont er, »diese Investitionslücken können wir in den nächsten Jahren hoffentlich schließen«. Mit Preissenkungen werde man dagegen kaum punkten können: »Wir sind ja ohnehin schon um ein Vielfaches billiger als die Österreicher. «
Genauso sieht es auch Fred Kokott, Betriebsleiter der Bodenmaiser Silberbergbahn, die Josef Kagerbauer sen. betreibt. »Wir haben seit acht Jahren die Preise nicht mehr wesentlich erhöht,« sagt Kokott zur Begründung dafür, warum die Silberbergbahn-Fahrer genau so viel zahlen wie im Vorjahr. »Wir haben über Jahre hinweg nicht auf die enorm gestiegenen Fixkosten reagieren müssen, etwa für den Sprit der Pistenraupe. «
Dass sich Investitionen wirklich lohnen, das hat man bei der Geißkopfbahn in diesem Winter erleben können. Vor zwei Jahren hatte das Haus Poschinger-Bray von vier auf jetzt zehn Schneekanonen aufgerüstet. Und dem Kunstschnee ist es zu verdanken, dass seit Weihnachten dem Ansturm der Skifahrer gute Pistenbedingungen angeboten werden können. »Ohne die Schneekanonen hätten wir große Probleme«, sagt Helmut Ring, »weil im Bereich der Talstation der Schnee nicht reichen würde. « Dabei steht ein großer Posten im Erneuerungsprogramm noch aus: Die Einer-Sesselbahn ist in die Jahre gekommen, Pläne für einen Ersatzbau wälzt man bei der Geißkopfbahn schon seit Jahren.
Am Arber werden trotz Preissenkung bei einigen Kartentypen wohl kaum die Einnahmen sinken.So hat Thomas Liebl festgestellt, dass sich in dieser Saison die Zahl der Saisonkarten-Käufer im Vergleich zu 2006/2007 verdoppelt hat. Und auch sonst kann Liebl mehr als zufrieden sein. Seit dem 16. November läuft die Saison ohne Unterbrechung, damit verzeichnet die Bergbahn bisher mehr Betriebstage als im Rekordwinter 2005/2006. Und auch mit einigen neuen Angeboten hat man voll ins Schwarze getroffen. Etwa mit dem Verleih von Schlitten und einem Bus-Dienst, der die Rodler nach ihrer Abfahrt vom Arber zum Thurnhof abholt. »Mit dem Bus sind über die Feiertage bis zu 700 Leute täglich gefahren«, sagt Liebl. Auch der neue Park mit neun Hindernissen für artistische Snowboarder kommt gut an.
Auch der 500 Meter tiefer gelegene Silberberg hat bisher eine hervorragende Wintersaison erlebt. »Ab den Weihnachtsfeiertagen war der Andrang konstant groß«, sagt Betriebsleiter Fred Kokott, der noch mit Grausen an den vergangenen, warmen Winter denkt. »Dass wir mal an einem Tag über 200 Schlitten ausleihen, das gab es in den letzten Jahren selten. « Dafür mussten Kokott und seine Leute aber auch alle Register ziehen, um den Besuchern etwas bieten zu können. Piste, Kinderpark und Rodelbahn wurden nicht per Schneekanone beschneit, sondern auch mit geräumtem Schnee von den großen Joska-Parkplätzen aufgepolstert.
Quelle: PNP/12.1.08 -