Quelle: Hamburger AbendblattÖsterreich: Wenn über 40-Jährige sich auf die Bretter wagen
Spätberufene beim Pistenspaß
Ski-Kurse sind für ältere Semester eine Herausforderung. Im Alpbachtal wird der Erfolg trotzdem fast allen garantiert.
Von Volker Wartmann
Inneralpbach, morgens kurz nach zehn Uhr neben der Talstation des Gondellifts, der hinauf auf den Berg Hornboden führt. Auf der Terrasse vor der Skihütte "Joe's Salettl" sitzen bereits die ersten pausierenden Skifahrer mit Weizenbieren und amüsieren sich köstlich. Einige zücken sogar ihre Fotohandys, um die unterhaltsamen Momente festzuhalten, die ihnen die "Spätberufenen" bieten. So werden hier Menschen genannt, die, obwohl sie die 40 überschritten haben, Skifahren lernen wollen.
Direkt vor der Terrasse üben sie ihre ersten Schritte auf den Brettern. Der Übungshang ist etwa 20 Meter breit und ebenso lang, geschätztes Gefälle ein bis maximal zwei Grad. Unmittelbar daneben kommen im Sekundentakt die Profis mit eleganten schnellen Schwüngen den Berg herunter zum Eingang des Gondellifts gefahren. Die Spätberufenen-Darbietungen stehen im Kontrast dazu. Mit halber Schrittgeschwindigkeit rutschen die teils schon graumelierten Anfänger wagemutig im Schneepflug zu Tale. Für einige eine übergroße Herausforderung. Waldemar aus Dormagen kann die Geschwindigkeit von zwei Stundenkilometern nicht kontrollieren und kippt um. Hilflos wie ein Kartoffelkäfer liegt er auf dem Rücken und kann nicht mehr alleine aufstehen - ein weiteres Motiv für die Zuschauer auf der Terrasse. Dem Wahlmünchner Diego aus Costa Rica treiben die verkrampften Lenkversuche im Schneepflug soviel Schweiß auf die Stirn wie sonst nur ein sonnig-heißer Nachmittag am Strand in seiner tropischen Heimat. Im Zeitlupentempo rutscht er geradeaus in das Geländer vor der Terrasse - tun kann er dagegen nichts. "Ruhig, langsam, nicht bewegen", ruft der Skilehrer immer wieder gelassen. Als solcher wurde der Ü40-Gruppe Hans zugeteilt, ein ehemaliger Seemann aus Holland. Seit seiner Pensionierung vor vier Jahren arbeitet er als professioneller Skilehrer. "Den Schneepflug müssen alle können", erklärt Hans, denn: "Bremsen ist das Wichtigste!" Waldemar gelingt eine Linkskurve. "Na, geht doch", sagt Hans. Waldemar aber wollte eigentlich nach rechts steuern.
Nach zwei Stunden gibt's Mittagspause in "Joe's Salettl". Mit Penne und Bier werden hier die erschöpften Kalorienspeicher aufgefüllt. Aus den Lautsprechern dröhnt "So schön kann doch kein Mann sein", "Hands up" und "Holz vor der Hütt'n". Die ersten stellen sich bereits verzweifelt die Sinnfrage. Hans beruhigt: "Jeder kann Skifahren lernen. Ich hatte schon Teilnehmer, die mit 70 angefangen haben." Gequältes Lächeln und ungläubiges Nicken bei seinen Schülern.
Am Nachmittag steht eine neue Herausforderung auf dem Programm. Es geht hinüber auf die andere Seite der Talstation: Zum Babylift, der immerhin rund 50 Meter lang ist; der Hang hat geschätzte drei bis vier Grad Neigungswinkel. Hier treffen sich die Anfänger über 40 und unter 4 Jahren. Bei den Kleinen sehen die ersten Versuche auf den Brettern nicht nur dynamischer aus, sondern vor allem unverkrampfter. Bei ihnen fährt einfach nicht so viel Angst mit. Die Ü40er trauen sich mittlerweile immerhin Spitzengeschwindigkeiten zu, die mit gemächlichem Joggingtempo vergleichbar sind. "Schulter ins Tal. Oberkörper nach vorne. Nicht hinsetzen", ruft Hans immerfort. Am Ende des Kurses können alle in der internationalen Gruppe diese Anweisungen auch auf Holländisch und Englisch verstehen, weil sie sie so oft gehört haben. Allmählich werden die Übungen komplizierter: Ohne Stöcke fahren, die eine Hand ans Knie auf der Talseite, die andere ausgestreckt Richtung Skispitzen - der Oberkörper will schließlich jederzeit Richtung Tal gedreht sein -, auch wenn man sich aus Angst eigentlich lieber in die andere Richtung wenden möchte. Aber solche Marotten will Hans auf keinen Fall einreißen lassen. "Niet gaan zitten. Schoulder naar het Dal", ruft er seinen Landsleuten hinterher.
Der Morgen danach ist eine Qual. Die Waden ziehen wie Hölle. Sogar das Stapfen in den klobigen Skischuhen wirkte eleganter als der eierige Gang zum Frühstücksbüfett. Doch wird einem klar, dass man nicht alleine leidet. Am zweiten Tag hat die Gruppe ein verändertes Gesicht. Je nach Lernfortschritt werden die Anfänger in neue Gruppen aufgeteilt. Hans sagt: "Egal, in welchem Tempo, jeder lernt es." Bei manchen mache es halt erst nach einigen Tagen "Klick".
Tag um Tag werden die Abfahrten länger und steiler. Am Nachmittag des dritten Tages geht es erstmals mit dem Gondellift ganz nach oben. Auf dem Weg nach unten steht sogar schon ein Stück "rote" Piste auf dem Programm. Elegant ist zwar etwas anderes, aber hinunter kommen alle. Die betagten Skinovizen strahlen übers ganze Gesicht. In den folgenden Tagen gehört die Fahrt hinauf auf den höchsten Berg im ganzen Skigebiet für sie bereits zum Alltag. Nach den ersten Erfolgserlebnissen sind alle angefixt, das Selbstbewusstsein steigt mit jeder gemeisterten Abfahrt. Die Spätberufenen sind stolz auf sich und fühlen sich zunehmend als Teil der "Gemeinde". Ihnen ist jetzt auch egal, wenn jugendliche Snowboarder sie im Vorbeifahren wahlweise als "graue Panter" oder "Dinosaurier auf Kufen" begrüßen. Skilehrer Hans hat es geahnt: "Wer in dem Alter noch anfängt und den Kurs durchzieht, bleibt zu 99 Prozent dabei."
erschienen am 29. Dezember 2007
Österreich: Spätberufene beim Pistenspaß
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Österreich: Spätberufene beim Pistenspaß
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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Quelle: SüddeutscheAnfänger auf der Piste
Die Angst kommt vor dem Fall
Wenn Erwachsene das Skifahren lernen, bleiben blaue Flecken, schmerzende Waden und manchmal sogar ein handfester Beziehungskrach nicht aus. Wie Sie es sich leichter machen können
Für manche ist der erste Tag der schlimmste: Denn beim Skifahren sind fast alle Bewegungen für den Körper ungewohnt und kommen Anfängern quasi unlernbar vor. Skifahren ist für erwachsene Neulinge harte Arbeit. Wer aber die ersten Tage voller Techniktraining und Stürzen übersteht, wird mit ordentlichem Stil und Spaß beim Fahren belohnt.
"Es kostet natürlich einige Überwindung. Man hat häufig das Gefühl: Die Schuhe drücken, und ich bin müde“, sagt Peter Hennekes, Geschäftsführer des Deutschen Skilehrerverbands (DSLV) in Wolfratshausen (Bayern). Wie lange Lerner das pro Tag durchhalten, bevor sie schlechte Laune bekommen, ist typabhängig. Jeder lernt das Skifahren unterschiedlich schnell.
Zeit für den Schneepflug
"Unter idealen Bedingungen können Sie sich nach zwei bis drei Tagen schon relativ sicher durch das Skigebiet bewegen“, sagt Stefan Wiedeck, der beim Deutschen Skiverband in Planegg bei München die Abteilung Ausbildung leitet. Dann rücke langsam, aber sicher der Spaß am Fahren in den Vordergrund.
Neben der Ausrüstung können aber nicht nur müde Muskeln für Misserfolge und Unmut sorgen. Vor allem der Kopf steht Erwachsenen am Anfang im Weg.
Nicht nur deshalb ist ein Skikurs für die meisten sinnvoll. In der Gruppe fühlen viele sich sicherer, und gemeinsam gehen die ersten Abfahrten leichter, sagt Wolfgang Wagner, der beim Deutschen Alpenverein in München die Abteilung Ausbildung leitet.
Außerdem hilft es, wenn nicht der beste Freund oder der Partner, sondern ein neutraler Außenstehender an der Technik herummeckert. "Wir haben hier schon ernste Beziehungskrisen erlebt“, sagt Kathrin Seidel von der Skischule Hintertux im Zillertal. Erste Erfolge stellen sich aber bei allen schnell ein - im flacheren Gelände kommen auch Anfänger heil ans Ziel.
Ob Kurs oder nicht: Zu Beginn steht die Gewöhnung an das Gerät im Vordergrund. "Gehen und Gleiten in der Ebene“ sind Hennekes zufolge die ersten Schritte - dazu kommen das richtige Tragen der Ski, Schnee von den Schuhsohlen abklopfen und auch am Hang ohne zu stürzen in die Bindung kommen.
Anschließend stehen Bremsen, das Fahren erster Kurven und das Verhalten am Lift auf dem Lehrplan. Die wichtigste und zeitraubendste Übung ist dann, in immer steilerem Gelände um die Kurven zu kommen.
Angst vor dem Tal
Die Angst vor dem Tal wiegt beim Lernen besonders schwer, weil das Skifahren auf einer auf den ersten Blick widersinnigen Mechanik basiert: Nur wer Druck in der Richtung ausübt, in die es abwärts geht, kommt sicher um die Kurve - auch wenn der Kopf es genau andersherum anzeigt. Deshalb gilt es, das Gewicht auf den sogenannten Talski - den ins Tal weisende Ski - auszuüben, so Seidel.
Stürze muss man dabei leider auch einkalkulieren - "und gerade die Mutigeren fallen eher öfter als die Zaghaften“, sagt Skilehrerin Seidel. „Sie trauen sich mehr zu und fahren rasanter um die Kurve.“
Ein Trost: Auch erfahrene Skiläufer fallen immer mal wieder auf die Nase, denn manchmal kreuzen sich die Ski wie von allein - und auch der beste Läufer kann dann oft nicht mehr die Oberhand über das Gerät gewinnen. "Schmerzen gehören dazu“, sagt Seidel.
(dpa/dd)
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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