Quelle: PNP / 9.2.08Weil anderswo die Lifte schon stillstehen, erleben höher gelegene Skigebiete einen Riesen-Ansturm
Von Emerenz Magerl
Dieser Winter konnte eigentlich nur besser werden. Für Liftbetreiber und alle, die vom Skitourismus abhängig sind, sowie selbstverständlich für die Skifahrer selber war der Winter 2006/07 eine verheerende Saison. Mancherorts konnte man die Schneetage an einer Hand abzählen. Ganz anders in diesem Winter: Er begann extra-früh, vielerorts schon im November und ist noch längst nicht zu Ende. Jedenfalls nicht in den höheren Lagen des Bayerischen Waldes so wie in den oberbayerischen Skigebieten wie Reit im Winkl und Sudelfeld. Während der Faschingsferien waren hier die Pisten voll. Nicht zuletzt deswegen, weil anderswo die Lifte bereits stillstehen.
Bayerisch Eisenstein profitiere schon sehr davon, dass Skifahren in vielen anderen Gebieten inzwischen nicht mehr möglich ist, erzählt Heidrun Graf von der dortigen Tourist-Information. An Fasching sei eigentlich immer viel Betrieb am Arber. „Aber seit es woanders nicht mehr geht, ist bei uns die Hölle los.“
Auf dem Arber würden sich längst nicht mehr nur Skifahrer und Snowboarder tummeln. Seit dieser Saison sei Rodeln hoch im Kurs, sagt Thomas Liebl, Betriebsleiter der Arber-Bergbahnen. Die Nachfrage nach Leihschlitten sei enorm. Weil man wissen wollte, woher die vielen Gäste kommen, habe man in den vergangenen Tagen die Kennzeichen der geparkten Autos ausgewertet, erzählt Liebl: „Dabei haben wir festgestellt, dass 85 Prozent der Gäste von weiter her kommen und vermutlich in der Region übernachten.“
Nicht wenige verbringen ihren Urlaub in Bischofsmais, vermutet Max Englram, der das dortige Tourismusbüro leitet. Dort am Geißkopf stehen die Skilifte seit Donnerstag still. Die Pisten seien schlichtweg zu eisig und beschneien könne man sie auch nicht, weil es zu warm sei, bedauert Englram: „Unsere Übernachtungsgäste fahren inzwischen zum Skifahren in andere, nahegelegene Gebiete, die meisten vermutlich zum Arber.“ Ein paar Gäste seien auch schon früher abgereist, wie Englram von verschiedenen Vermietern erfahren hat.
Noch könne man in Bischofsmais auf die holländischen Gäste zählen, die zur Zeit knapp 80 Prozent der Übernachtungsgäste ausmachen. Doch mit dem Schnee werde auch der Umsatz langsam weniger, stellt Englram fest. Wobei die bombastischen Zahlen von 2005 wohl eh kaum wieder erreichbar seien. „Das war ein Jahrhundertwinter.“ Der Winter drauf sei wiederum ein sehr schlechter gewesen, da sei der heurige allemal besser, sagt Englram.
Immerhin konnte die Saison schon im November starten. Zwar habe man zwischenzeitlich ein paar Zwangspausen einlegen müssen, erklärt der Geschäftsführer der Geißkopf-Bahn, Alexander Achatz. Aber solange die Lifte liefen, seien die Zahlen sehr gut gewesen. An den ersten Faschingstagen waren noch rund 2000 Sportler auf der Piste.
„Bombig“ sei der Fasching auch im Mitterfirmiansreut gewesen, erzählt Manfred Selwitschka, Geschäftsführer des Skizentrums Mitterdorf. Ab halb elf Uhr morgens hatte man dort quasi keine Chance mehr, einen Parkplatz zu ergattern. So könne es gerne noch eine Weile weitergehen, meint Selwitschka. Dann würde man auch das wieder reinholen können, was im Januar an Umsatz verloren ging. Zwei Wochenenden waren komplett ausgefallen, „verregnet und versaut“, sagt Selwitschka. Und dann war die Zeit zwischen den Winter- und Faschingsferien diesmal so kurz, dass bisher kaum Schulklassen zum Skifahren kamen, wie es sonst üblich sei. Auf die warte man noch.
Richard Brillinger, Geschäftsführer der Hochficht Bergbahnen in Österreich, lehnt sich derweil entspannt zurück. Die Saison sei bisher bestens verlaufen. Brillinger rechnet damit, dass er die 200 000-Gäste-Marke am Wochenende erreicht. Das gute Ergebnis würde er vor allem den niederbayerischen Gästen verdanken.
In den oberbayerischen Skigebieten fällt die Zwischenbilanz zum Ende der Faschingsferien insgesamt auch positiv aus. In Reit im Winkl hat es auf der oberen Station gut einen Meter Schnee. Im Skigebiet Sudelfeld sind es 50 Zentimeter auf dem Berg, aber zu wenige im Tal. Die Talabfahrt ist deswegen gesperrt, 17 Liftanlagen laufen aber noch.
Tja, die im Bericht angesprochenen Zwangspausen am Geißkopf hat man sich wohl selbst zuzuschreiben. Noch bis vor ein paar Jahren war das Gebiet weit mit vorne dabei, aber mittlerweile verliert man immer mehr anBoden gegenüber den Mitstreitern. Hätte man beispielsweise die erste Kälteperiode und andere kalte Tage, wie in anderen umliegenden Gebieten konsequent ausgenützt, würde es wohl jetzt anders aussehen. z.B. der Pröller und Grün/Maibrunn sind ziemlich gut vergleichbar in Bezug auf Höhenlage, Ausrichtung etc. mit dem Geißkopf. Allerdings hat man dort nahezu durchgehend Betrieb und konnte sogar in den letzten Nächten immer Schnee machen. Seltsam, dass es dazu am Geißkopf angeblich zu warm is... Allerdings reissen die immer die Klappe am weitesten auf. Ich möchte nur an einen Zeitungsartikel erinnern, mit der Aussage, die ungefähr so lautete: wir sind jetzt so gut, dass niemand mehr nach Österreich zu fahren braucht - denkste!
Andere niederbayerische Skigebiete stellen sich da wesentlich geschickter an.