Quelle: FocusItalien/Dolomiten
Alles klar, Herr Commissario!
In Italien gibt es etwas, das es sonst wohl nirgendwo im geeinten Europa gibt: Polizisten auf der Piste. Monte war mit den Carabinieri in den Dolomiten unterwegs.
Von Georg Weindl
Es ist einer von diesen Tagen, an denen Prospektfotos gemacht werden. Sattblauer Himmel, Sonne, und der Langkofel steht wie ein Denkmal über dem Grödner Tal. Fabio Luison und Erwin Zambon haben wie viele andere die Skier angeschnallt und nehmen die Saslong-Piste in Angriff. Nur mit dem Unterschied, dass die beiden Carabinieri dienstlich unterwegs sind. Standesgemäß das Outfit: dunkelblauer Skianzug mit roter Carabinieri-Aufschrift, die freilich vom dicken Rucksack überdeckt wird. Selbst die Skier sind spezielle Carabinieri-Modelle. Mit schnellen und gekonnten Schwüngen kurven die beiden auf der steilen Weltcup-Abfahrtspiste talwärts und legen an einer Kreuzung einen Stopp ein.
Unfälle und Helikoptereinsätze
„An Kreuzungen kontrollieren wir den Verkehr. Hier ist die Unfallgefahr besonders groß“, sagt Erwin Zambon. Eine Verkehrskontrolle wie im richtigen Leben auf der Straße. Im Gewusel auf der Piste verliert schon mal einer den Überblick, und dann kracht es schnell. Das lässt auch nicht lange auf sich warten, denn kurz darauf schnarrt das Funkgerät – ein Notruf. Zwei Skifahrer sind etwas weiter unten zusammengekracht. Ein Pole und eine Österreicherin. Der Pole hat die „Zusammenkunft“ schadlos überstanden. Seine Kontrahentin wird wegen anhaltender Atembeschwerden per Helikopter in die nächste Klinik geflogen. Alltag für Erwin und Flavio.
Seit es in Italien ein Pistengesetz gibt, kümmern sich Carabinieri und Polizia zusätzlich zur Bergwacht und dem Roten Kreuz um die Sicherheit auf den Pisten. Dabei geht es nicht nur darum, Raser und Drängler dingfest zu machen, sondern vor allem um die Notversorgung bei Unfällen. Sie übernehmen die Erstversorgung, rufen den Helikopter oder bringen Verletzte selbst per Akja talwärts. Im steilen Gelände sind die Carabinieri auf Skiern unterwegs. Wo es flach ist, nehmen sie das Snowmobil als Dienstfahrzeug.
Die schönen Tage sind die gefährlichen
Die Präsenz der Obrigkeit auf der Piste hat eine gewisse Wirkung auf übermütige Skifahrer. Ausländer, sagt Erwin, halten uns vor allem für Ordnungshüter und weniger für Helfer im Noteinsatz. Aber sonst gibt es kaum Probleme mit Gästen, die eher froh sind, dass sich jemand um die Sicherheit kümmert. Grundsätzlich sind die schönen Tage die gefährlichen, denn dann gehen die Leute mehr Risiko ein. Bei Nebel und Schneefall sind die Skifahrer vorsichtiger und die Unfälle seltener.
Sorgen machen den Carabinieri vor allem die osteuropäischen Gäste. Die fahren gern über ihre Verhältnisse und zahlen dann einfach die Strafe. Selbige sind in den Südtiroler Skigebieten noch eher die Ausnahme. Ab 30 Euro zahlt man, wenn die Kinder keinen Sturzhelm haben. Ansonsten drücken die Pistenpolizisten meist ein Auge zu und lassen es bei der Verwarnung. Bei den Nachbarn im Trentino geht es da schon strenger zu. Da werden fleißig Strafzettel ausgestellt. Die Art und Weise der Exekution ist in Italien Provinzsache. Das sollte man auch als ganz normaler Touri wissen.
Traumjob auf dem Berg?
Zwischenzeitlich haben Erwin und Flavio die Ciampinoi-Piste nach Wolkenstein absolviert und fahren mit der Seilbahn wieder hinauf zu ihrer Dienststelle in der Bergstation. „Das Wetter, der Pulverschnee. Heute ist es wirklich perfekt“, meint Erwin. Und Flavio nickt zustimmend. Um den Traumjob könnten sie doch etliche Kollegen beneiden, meint man. Von wegen. So beliebt sind die Pisten-Posten nicht. Die meisten Kollegen machen lieber ihre fixen 6-Stunden-Schichten im Büro, so hört man, anstatt bei Wind und Wetter Verletzte zu versorgen und verirrte Skifahrer wieder auf den Weg zu bringen. Schließlich ist auch am Langkofel nicht jeder Tag ein Traumtag.
Dolomiten: Alles klar, Herr Commissario!
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Dolomiten: Alles klar, Herr Commissario!
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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Quelle: Welt OnlineWintersport: Wenn die Polizei auf Skiern kommt
Auch in den schönsten Wochen des Jahres gibt es sie, die Ordnungshüter. Selbst auf Skipisten. Wieso selbst? Gerade da! In Italiens Schneerevieren weisen Pistenpolizisten Raser und Betrunkene in ihre Schranken. WELT ONLINE hat die Carabinieri auf Skiern begleitet.
Es wird an diesem Tag 16.37 Uhr, bis Michele Petritsch auf die ersten Raser des Tages stößt, die im deutschen Sprachraum zutreffend auch „Pistensau“ genannt werden. Gerade steht der Carabiniere mit seinem Motorschlitten am sogenannten Fun-Park im Südtiroler Grödnertal und fordert herumhockende Snowboarder mit einem freundlichen, aber bestimmten „weiter geht’s“ dazu auf, die Piste frei zu machen, da rasen drei, vier Skifahrer wie Pfeile quer über die Piste, hinüber zum Schlepplift Nummer 58.
Hinter ihnen staubt der Schnee, hinter ihnen dröhnt jetzt auch der Motorschlitten, mit dem Petritsch die Verfolgung aufnimmt. Das Blaulicht blinkt, die Sirene heult. „Die nicht fahren lassen“, ruft der Polizist dem Lifthelfer zu, dann bremst er scharf, stellt den Motor ab und ruft im deutsch-italienischen Sprachmischmasch Südtirols: „So, ragazzi, Jungs, avanti, jetzt mal herkommen.“
Die gestellten Pistensäue schauen, als wären Marsmenschen gelandet. Aber Petritsch ist ganz echt. Er ist Beamter der Carabinieri, der Polizeieinheit der italienischen Armee, und als solcher dafür zuständig, hier oben in den Bergen die Sicherheit der Skifahrer zu garantieren. Ja, so ist das in Italien: Die Sicherheit auf der Piste ist Sache des Staates, nicht des Pistenbetreibers oder des Skiverbandes wie in Deutschland. Wer hier gegen die Pistenregeln verstößt, der kriegt es mit dem Staat zu tun.
"Gegen die Arroganz auf der Piste“
Seit 2003 gibt es ein Gesetz zur Pistensicherheit, derzeit läuft eine weitere große Aufklärungskampagne der Regierung: "Gegen die Arroganz auf der Piste“ steht auf den Plakaten, darunter der Unterzeichner: "Der Ministerpräsident“. Muss Italien im Fach Müllentsorgung – wie derzeit in Neapel – nachsitzen, ist es bei der Pistensicherheit europaweit vorbildlich.
Polizist Petritsch nimmt es entsprechend genau: "Jetzt zeigts mir mal eure Skipässe und die Ausweise“, sagt er zu den Skifahrern, die eben so stürmisch die Piste kreuzten. "Sagen Sie das denn jetzt unseren Eltern?“ fragt einer. Die vom Carabiniere gestoppten Jungs sind acht bis zehn Jahre alt, also eher Pistenferkel als Pistensäue.
Unten, im Süden Italiens, da mag es gehen, dass man mit dem Auto unbehelligt in der zweiten oder dritten Reihe parkt, selbst wenn die Polizei guckt. Hier oben auf den Pisten im Grödnertal, drei Autostunden von München, aber sieben von Rom entfernt, da kennen die Ordnungshüter keine Ausreden, da kennen sie nur 363/2003, das Pistengesetz mit 23 Artikeln.
Potenzielle Gesetzesbrecher gibt es hier in Südtirol genug: Schon das Grödnertal mit den Touristenorten Sankt Ulrich, Sankt Christina und Wolkenstein zählt jährlich rund zwei Millionen Übernachtungen. Aber die Carabinieri sind nicht nur hier im Einsatz, sondern überall auf Italiens Pisten. 170 Ordnungshüter sind auf Skiern oder mit Motorschlitten allein für das Gebiet von „Dolomiti Superski“ zuständig, ein Wintersportverbund mehrerer Dolomiten-Gemeinden, zu dem auch das Grödnertal gehört.
Erziehen, nicht bestrafen
"Wir wollen erziehen, nicht bestrafen“, sagt der Leiter der Carabinieri im Grödnertal, Capitano Matteo Ederle. Kurz nach Sonnenaufgang, lange bevor sein Kollege Petritsch die Sirene zur Raserjagd anwerfen wird, sitzt er schon in seinem Büro in St. Ulrich und erklärt, was seine Männer heute und die ganze Saison über zu tun haben: verunglückten Skifahrern helfen. Schauen, ob die Pisten gepflegt sind. Kontrollieren, ob alle Hindernisse auf und entlang der Piste mit orangefarbenen Matratzen umwickelt sind. Ausschau halten nach illegalen Skilehrern und jungen Kiffern auf der Piste.
Aber alles habe seine Grenzen: Radarfallen, Tempolimits, Alkoholkontrollen, davon hält Capitano Ederle nichts. "Wir handeln nur, wenn jemand die anderen Fahrer in Gefahr bringt“, sagt er, dafür hätten sie vom Tourismusverband und den Liftbetreibern volle Unterstützung. Gefahren gibt es genug: "Immer mehr Touristen werden immer schneller über immer bessere Lifte zu Pisten gebracht, die nicht breiter sind als zuvor. Es wird also enger auf der Piste, das ist die große Gefahr“, sagt Ederle.
Und dann sind da noch die Carver, also die Skifahrer, die in weiten Bögen ins Tal düsen, aber nicht auf den Verkehr achten, dessen Bahn sie munter kreuzen. Wenn sich da zwei begegnen, dann kracht es gern mal. Capitano Ederle demonstriert das mit seinen Händen, die über die Tischplatte wedeln und kurz vor der Tischkante zusammenstoßen. Autsch.
Auf der Piste ist die Zeit zwischen elf und ein Uhr die gefährlichste, dann sind laut Statistik die Pisten am vollsten, da ist schnell ein Unfall passiert. Mehr als 2000 Einsätze haben die Carabinieri im Grödnertal in diesem Winter bereits absolviert. Mal haben sie betrunkene Raser gestoppt, mal Pflaster verteilt, mal einen Hubschraubertransport für Verletzte organisiert.
Der Hubschrauber verschwindet im blauen Himmel
Prompt krächzt es zweimal aus dem Funkgerät: "Knie verdreht“ auf der Abfahrt bei Lift 55, „Oberschenkelbruch“ beim Piz-Seteur-Gipfel. Petritsch fährt mit den Skiern hin, winkt den Hubschrauber herbei, hilft beim Tragen, schaut dem Hubschrauber nach, der im blauen Himmel verschwindet.
Ein neuer Funkspruch: Ein holländisches Kind hat seine Eltern verloren und sitzt weinend im Lifthaus. Petritsch wedelt hin, legt beruhigend den Arm um den aufgelösten Jungen und fragt, wie er heißt: "Jim“, sagt der Bub. Jetzt fährt er mit Michele die Piste hinunter zum Auto der Familie, da warten die Eltern, die Freude ist groß: "Ciao, John“, sagt Michele beim Abschied zum kleinen Jim. Andauernd zu helfen schlaucht eben.
Ein paar Einsätze später hat es heftig zu schneien begonnen auf den Pisten rund um den Langkofel, es wird dunkel. Petritsch hat immer noch zu tun, notiert die Namen der Pistenferkel, die eben quer über den Schnee rasten: „Beim nächsten Mal nehm’ ich euch den Skipass ab“, droht er. Dann entlässt er die Jungs in die Freiheit. Michele Petritsch setzt sich auf seinen Motorschlitten, schaltet das Blaulicht an und braust die weiße Piste hinab.
Er fährt zu Skifahrern, die Fotos von sich im Schneesturm machen. "Ich bin der Letzte“, ruft er ihnen zu, das bedeutet: Ich mache jetzt die Piste dicht, fahrt schnell nach unten. Die Skifahrer verschwinden, Michele steht mit seinem Motorschlitten allein im stillen Weiß des Schnees. Für heute ist die Arbeit getan. Morgen wartet eine neue Friedensmission auf die Staatsmacht auf der Skipiste.
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!
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Auch in der Nachrichtensendung 10 vor 10 gab es Gestern eine Reportage über die Pistenpolizei.
http://www.sf.tv/sf1/10vor10/index.php?docid=20080220
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