Skifahren in Liechtenstein: Mit vereinten Kräften

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snowflat
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Skifahren in Liechtenstein: Mit vereinten Kräften

Beitrag von snowflat »

Skifahren in Liechtenstein: Mit vereinten Kräften

Weil die Regierung nicht genug Geld für die Renovierung der Liftanlagen im Familienskigebiet Mabun geben wollte, sprangen die Liechtensteiner mit Aktienkäufen ein.

Von Sabine Hölper

Guisep Dermon macht sich einen Spaß daraus, Großstadthektiker ein kleines bisschen zu quälen. Die seien doch selbst schuld, wenn sie eiligen Schrittes durch die Loipen hasten, obwohl sie seit zwanzig Jahren nicht mehr auf den dünnen Brettern gestanden haben. Dabei hat er ja immer gesagt: "Wir fangen langsam an und machen dafür mehr Kilometer."

Die Anfänger keuchen beim Langlauf, Dermon hingegen, immerhin schon Mitte sechzig, läuft jeden Tag zwei Mal die 15 Kilometer lange Runde durchs Liechtensteiner Valüna-Tal - um fit zu bleiben, aber auch der Ruhe wegen. "Der Bach, das ist meine Disco", sagt Dermon, der früher Mitglied des Schweizer Nationalteams war. "Jeden Tag klingt das Rauschen anders."

Und es gibt keinen Menschen weit und breit, der die Sinfonien der Natur stören würde. Selbst am Wochenende, wenn Hunderte Sportler im Tal unterwegs sind, ist Langlaufen mit Blick auf den Dreiländerberg Naafkopf eine herrlich einsame Angelegenheit. Das Gipfelkreuz liegt genau auf der Grenze zwischen Österreich, Schweiz und Liechtenstein.

Tatsächlich nutzen manche Menschen das kleine Fürstentum nicht nur als Gelddepot, sondern auch, um dort Urlaub zu machen. Der verläuft dann allerdings weitaus unaufgeregter als es die Enthüllungen in der jüngsten Steueraffäre sind.

Denn viel lebhafter als in der Loipe geht es auch drei Kilometer weiter oben nicht zu, im 1600 Meter hoch gelegenen und 70 Einwohner zählenden Malbun. Die Straße dorthin führt an drei, vier Hotels und Restaurants vorbei, an der Touristeninformation, am Skigeschäft und am Lebensmittelladen. Wenige Meter dahinter endet sie abrupt, die Piste beginnt.

Man könnte von hier aus eine Wanderung starten oder mit den Tourenskiern losgehen. Man käme durch nahezu unberührte Natur zum Sassfürkle hinauf und könnte den Blick in Richtung Schweizer Alpen schweifen lassen. Andererseits sind es bis zum Glühwein an der improvisierten Bar am zentralen Skiplatz nur ein paar Schritte Fußweg.

Unweit davon proben Kinder am Liliput-Lift die ersten Bögen. Für Erwachsene ist Malbun dagegen ziemlich übersichtlich. Drei Lifte, 23 Pistenkilometer, kein Remmidemmi, kein Fünf-Sterne-Hotel - "ein Yuppie findet hier nicht, was er sucht", sagt Rainer Gassner, Chef der Bergbahnen Malbun. "Wir setzen auf Familien."

Es ist noch nicht lange her, da stand der Wintersportort kurz vor der Schließung. Ende der 1990er Jahre wurden die Bahnen noch von zwei Gesellschaften betrieben, die Triesenberger unterhielten die "linke Seite", also den Sareis-Lift, die Vaduzer waren für die "rechte Seite", also Hochegg und Täli, verantwortlich.

Die Konkurrenzsituation gefiel auf Dauer weder den Skifahrern, die für drei nennenswerte Lifte zwei unterschiedliche Karten benötigten, noch den Betreibern. "Wenn die einen ein neues Pistenfahrzeug angeschafft hatten, mussten die anderen es auch tun", sagt Gassner. "Das hat sich natürlich nicht gerechnet."

Als die Vaduzer Gesellschaft dann kurz vor dem Bankrott stand und auch die Triesenberger kränkelte, wurde endlich entschieden, gemeinsame Sache zu machen, die Firma Bergbahnen Malbun AG entstand.

Es sollte nicht lange dauern, bis neue Probleme auftraten: Die Liftanlagen, zum Teil stammten sie aus dem Jahr 1961, waren marode, weshalb das Unternehmen 2004 beschloss, in neue Bahnen zu investieren. Weil aber das Land die errechneten 26 Millionen Schweizer Franken nicht komplett bereitstellen wollte, sprangen die Bürger ein: 1200 Liechtensteiner - bei etwa 35.000 Einwohnern ist das jeder Dreißigste - zeichneten Aktien im Wert von 6,5 Millionen Franken.

Weniger gut Betuchte zahlten den kleinstmöglichen Betrag von 1000 Franken. Wer es sich leisten konnte oder Wert darauf legte, seinen Namen auf einem Schildchen am Liftbügel zu lesen, gab die fünffache Summe. Für eine Einladung zum jährlichen Treffen der Bergbahnen AG und einen Werbeplatz auf einer Mastentafel war allerdings ein Beitrag von mindestens 100.000 Franken vonnöten.

Auch Banken und Unternehmen hätten die Chance genutzt, auf diese Weise ihr Image zu stärken, erklärt Gassner. Dennoch zerstreut er jeglichen Gedanken an Eigennutz. "Die Aktionäre können kaum auf Dividenden hoffen."

Die Liechtensteiner hätten Geschlossenheit bewiesen, weil ihnen das Skigebiet am Herzen liege. Der Dübel- und Werkzeughersteller Hilti bestätigt, dass die "HiltiFoundation" mit ihrer Beteiligung "ein Zeichen der Solidarität mit Liechtenstein" setzen wollte. "Ein Skigebiet in unmittelbarer Nähe zu haben, stellt für viele unserer Mitarbeiter einen hohen Freizeitwert dar. Das zu erhalten, war uns wichtig", sagt eine Sprecherin.

Über mögliche Reputationsgewinne verliert sie ebenso wenig ein Wort wie der Möbelhändler Hubert Hilti. Er habe nicht als Unternehmer, sondern als Privatperson investiert, sagt er. Er hänge am Skigebiet, weil er hier schon als Kind "schöne Ferien" verbracht habe.

Es sieht ganz so aus, als sei in Malbun etwas geglückt, wovon so mancher Tourismuschef im Nachbarland nur träumen kann. In der Schweiz geben derzeit mehrere kleine Skigebiete wegen Geldmangels auf. Dabei ist nicht nur der Stolz aufs Ländle für die Großzügigkeit verantwortlich.

"Der Liechtensteiner ist bequem", sagt Gassner. Und wenn er erzählt, dass die Einheimischen am liebsten in Malbun Urlaub machen, in den großen Ferien und auch am Wochenende - Freitagabend fahren sie die zehn, zwanzig Kilometer hinauf und Sonntagabend wieder hinunter -, dann klingt ein leises Bedauern mit.

Denn die Investitionen in die neuen Bergbahnen, die Beschneiungsanlagen, das Bergrestaurant Sareiserjoch und das Kinderland "Malbi-Park", welches Malbun zum Gütesiegel "Familien willkommen" verholfen hat, rechnen sich nur, wenn mehr Gäste aus dem Ausland kommen.

Doch für den großen Ansturm fehlen die Unterkünfte. Fast alle der gut 200 Häuser sind Zweitwohnungen von Liechtensteinern. "Das sind kalte Betten", sagt Gassner. Nur 17 Appartements stünden für Gäste bereit. Mit Hotels komme Malbun gerade einmal auf 280 Betten, die regelmäßig belegt sind.

Für spontane Gäste besteht die einzige Chance darin, auf die Matratzenlager der Hütten oder die Unterkünfte in Steg auszuweichen. Für hektische Großstadtmenschen ist das Valüna-Tal, in dem der Bach die Disco ist, sowieso eher zu empfehlen.
Quelle: SZ
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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