Quelle: BAZTessiner Skistationen vor dem Aus
BOSCO GURIN UND CARÌ 2000 ERHALTEN NACH MAUSCHELEIEN KEINE SUBVENTIONEN MEHR
Der Wintertourismus in der Schweiz erlebt die beste Saison seit 40 Jahren. Doch kleine Skistationen kämpfen gleichwohl ums Überleben – wie im Tessin.
Gerhard lob, Bellinzona
Volle Hotels und ausgelastete Bahnen: Schon lange lief das Geschäft mit dem Wintertourismus nicht mehr so geschmiert wie diese Saison. Die allgemeine Hochstimmung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele kleinere und niedrig gelegene Skiorte ums Überleben kämpfen.
Beispiel Tessin: Nur dank Millionensubventionen der öffentlichen Hand konnten wichtige Anlagen in den letzten zehn Jahren modernisiert werden. Als «Investitionshilfe für Berggebiete» floss das Geld jedoch häufig ohne die nötigen Kontrollen, wie sich jetzt bei den beiden Tessiner Skistationen «Centro Turistico Grossalp SA» im Walserdorf Bosco Gurin und der «Carì 2000 SA» in der Leventina zeigt. Diese strichen gut 30 Millionen Franken an öffentlichen Geldern von Kanton und Bund ein – rund zwei Drittel der Gesamtinvestitionen von 46 Millionen. Jetzt stehen sie vor dem finanziellen Ruin. Ein Konkursverfahren läuft.
MANGELHAFT. Noch vor Weihnachten hat der Kanton mit einer Bürgschaft von 800 000 Franken die Öffnung der Anlagen für den Winter garantiert. Doch nun hat die Tessiner Kantonsregierung beschlossen, keine weiteren Subventionen zu sprechen. Es gehe nicht, dass Defizite von Skistationen stets mit Staatsgeldern getilgt würden.
CVP-Grossrat Giovanni Frapolli, dem Verwalter der Gesellschaften von Bosco Gurin und Carì, steht das Wasser nun bis zum Hals. Möglicherweise soll er regresspflichtig gemacht werden. Die Regierung hat in einer Untersuchung festgestellt, dass seine Geschäfte nicht über alle Zweifel erhaben waren. So bezahlte der Helikopter-Unternehmer seine Lieferanten teilweise mit Fluggutscheinen oder Skiabonnementen. Nicht viel besser sah es bei den Kontrollen der Subventionsanträge durch die Kantonsbeamten aus. Sie werden als «oberflächlich» eingestuft.
Der Tessiner Finanz- und Wirtschaftsministerin Laura Sadis (FDP) ist nun der Kragen geplatzt. «Keine weitere Pflästerlipolitik mehr», erklärte sie. Dafür wird der Tod des Patienten Skistation in Kauf genommen. Eine Bündner Firma soll bis Mai die Möglichkeiten für ein Überleben des Wintersports in der Südschweiz aufzeigen.
Müssten Bosco Gurin und Carì definitiv schliessen, bliebe als einzige grössere Skistation Airolo übrig. Die heimischen Trainingsmöglichkeiten für Lara Gut, die Nachwuchshoffnung im Schweizer Frauenskisport, werden immer knapper.
Tessiner Skistationen vor dem Aus
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Wombat
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Tessiner Skistationen vor dem Aus
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Wenn man im Tessin, wer genau da für was verantwortlich ist weis ich auch nicht, Cari und Bosco Gurin schon anfangs Winter hätte aufmachen lassen sähe die Situation warscheinlich um einiges anders aus.
Boso Gurin und Cari durften trotz guter Bedingungen aber gar nicht aufmachen da in Airolo die Bahnen noch nicht betriebsbereit waren.
Die ganze Geschichte hat mir ein Servictechniker von der Sisag, ein gebürtiger Tessiner, erzählt.
Das ist teilweise so haarstreubend, da hauts dich glatt vom Sockel.
Aber man stelle sich das mal vor:
Es hat genug Schnee zum öffen und dann dürfen die 2 Gebiete nicht starten weil man am anderen Ort wegen schlamperei, inkompetenz und was weis ich noch alles die Anlagen nicht öffnen kann.
Boso Gurin und Cari durften trotz guter Bedingungen aber gar nicht aufmachen da in Airolo die Bahnen noch nicht betriebsbereit waren.
Die ganze Geschichte hat mir ein Servictechniker von der Sisag, ein gebürtiger Tessiner, erzählt.
Das ist teilweise so haarstreubend, da hauts dich glatt vom Sockel.
Aber man stelle sich das mal vor:
Es hat genug Schnee zum öffen und dann dürfen die 2 Gebiete nicht starten weil man am anderen Ort wegen schlamperei, inkompetenz und was weis ich noch alles die Anlagen nicht öffnen kann.
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Also wie? Mussten die Wegen Chancengleichheit die Gebiete geschlossen halten? Ist ja wohl das letzte
!
Also vorallem Bosco-Gurin ist wirklich ein sehr schönes Gebiet und es wäre ein Jammer, wenn das Dicht machen müsste. Und das der Staat da die Defizite übernimmt finde ich eigentlich gut, nur müsste er auch gleich kontrollieren wohin das Geld fliesst. Und dafür sorgen, dass das Geld nicht verschläudert wird.
Also vorallem Bosco-Gurin ist wirklich ein sehr schönes Gebiet und es wäre ein Jammer, wenn das Dicht machen müsste. Und das der Staat da die Defizite übernimmt finde ich eigentlich gut, nur müsste er auch gleich kontrollieren wohin das Geld fliesst. Und dafür sorgen, dass das Geld nicht verschläudert wird.
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Quelle:BAZTessiner Skigebiete Grossalp und Cari geschlossen
Bellinzona. ap/baz. Die vom Konkurs bedrohten Skibetriebe Grossalp - Bosco Gurin im Maggiatal und Cari 2000 in der Leventina bleiben trotz Schnee und Sonne wohl ab sofort geschlossen. Das teilte der für die Skiregionen verantwortliche Giovanni Frapolli am Mittwochabend mit. Der gesamte Verwaltungsrat nimmt den Hut.
Frapollis Betriebe sind seit September 2007 im Visier des Kantons Tessin, der zusammen mit dem Bund in den vergangenen Jahren Kredite für rund 60 Millionen Franken gewährt hat. Um den Betrieb der Anlagen in der laufenden Wintersaison aufrecht zu halten, hat der Kanton Ende 2007 nochmals 800'000 Franken eingeschossen. Frapollis Betriebe wurden unter Aufsicht gestellt.
Zudem war eine Administrativuntersuchung eingeleitet worden, nachdem Frapolli im September die Bilanzen beim Konkursamt deponiert hatte. Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Untersuchungsrapport kam unter anderem zum Schluss, dass die Kontrolle über die Verwendung der gewährten Kredite und über die Verwirklichung der finanzierten Projekte fehlte. Ferner seien die an die Kredite gebundenen Bedingungen oft nicht erfüllt worden.
Nachweis der Sanierung notwendig
«Ein trostloses Bild», kommentierte die Vorsteherin des Tessiner Finanzamtes, Laura Sadis. Frapollis Sanierungsvorschläge seien unzureichend, der Staat könne private Projekte nicht finanzieren, wenn diese mittel- und langfristig nicht ein Minimum an finanzieller Sicherheit böten, beschied der Staatsrat dem Unternehmer.
Statt die geforderten Sicherheiten zu bieten, beschloss Frapolli am Mittwoch jedoch, die Konkursanmeldung zurückzuziehen, da seine Betriebe nicht überschuldet seien. Zudem habe er neue private Gelder gefunden; in welcher Höhe, wollte er aber nicht bekannt geben. «Jetzt reicht es mir», kommentierte der Unternehmer, der sich als Opfer von Schikanen sieht. «Soll doch die Regierung das Geld für die restliche Saison aufbringen.» Gemeinsam mit allen übrigen Verwaltungsratsmitgliedern habe er seinen sofortigen Rücktritt beschlossen.
Das Finanzamt präzisierte am Mittwochabend, dass es dem Konkursamt obliege, die Überschuldung festzustellen, die zum Einreichen der Bilanz geführt habe. Und das Konkursverfahren könne nur dann sistiert werden, wenn der Nachweis der Sanierung vorliege.
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Tessiner Skigebiete in Bedrängnis
Schweizer Fernsehen:
Schweiz AktuellTessiner Skigebiete in Bedrängnis
Mitten in der Ski-Saison droht zwei der letzten Ski-Gebiete im Kanton Tessin das Aus. Die Tessiner Regierung hat beschlossen, den Geldhahnen zuzudrehen. Der Patron reagiert darauf mit Druck: Er werde die Bahnen von Bosco Gurin und Cari von heute auf morgen abstellen. Die Leute von Bosco Gurin und die Touristen fühlen sich vor den Kopf gestossen. Reto Stutzer berichtet.
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sf.tv schreibt:
22. Februar 2008, 0:43; Letzte Aktualisierung: 08:57
Tessiner Skigebiete (vorerst) gerettet
Turbulenzen in Bosco Gurin und Carì
Die Tessiner Skigebiete Bosco Gurin und Carì können die Saison trotz finanzieller Probleme beenden. Noch am Mittwoch war von einer sofortigen Schliessung die Rede, da sich die Tessiner Regierung gegen eine Nachlassstundung gestellt hatte. «Schweiz aktuell» hat die Hintergründe des Konflikts beleuchtet.
Die Saison sei gerettet, sagte Jake Janner vom Skigebiet «Carì 2000» in der Leventina.
Die per sofort angekündigten Rücktritte von Patron Giovanni Frapolli und der Verwaltungsräte der beiden Betriebsgesellschaften seien auf die ausserordentliche Aktionärsversammlung verschoben worden. Vor Ende März werde diese Versammlung nicht einberufen, sagte Janner. Deshalb könnten die Skigebiete von Bosco Gurin im Maggiatal und Carì die Saison beenden.
Mehrere Schulen im Wintersportlager
«Eine sofortige Schliessung hätte Probleme verursacht», sagte Janner, «denn zur Zeit sind mehrere Schulen hier im Wintersportlager.» Auch Bosco Gurin beherbergt bis am Freitag über 380 Tessiner Schulkinder.
Der Skigebiets-Patron, CVP-Grossrat und Unternehmer Giovanni Frapolli sagte, er werde auf seinen Rücktrittsentscheid nicht zurückkommen. Er werde nach der ausserordentlichen Aktionärsversammlung demissionieren, führte er aus. Eben dies hatten zuvor Aktionäre von «Carì 2000» und der Gemeindepräsident von Faido von Frapolli gefordert.
Skigebiete erschüttert
Am Mittwoch hatte die Ankündigung der Schliessung der Skigebiete das Tessin erschüttert. Anlass waren die zuvor angekündigten sofortigen Rücktritte von Frapolli und der beiden Verwaltungsräte gewesen. Die Tessiner Regierung hatte zuvor ihr Nein zu einer Nachlassstundung bekannt gegeben. Eine solche sei nur angezeigt, wenn die Grossalp AG und die Carì AG saniert werden könnten, schrieb der Regierungsrat den zuständigen Behörden der Leventina und im Maggiatal.
Die von Patron Frapolli ausgearbeiteten Sanierungspläne seien wenig seriös. Die Tessiner Regierung hatte den beiden Skigebieten bereits am 13. Februar den öffentlichen Geldhahn zugedreht. Erst im Oktober 2007 hatte der Tessiner Grosse Rat noch eine Geldspritze von 800'000 Franken in Form einer Bürgschaft beschlossen. Damit sollte der Betrieb für den Winter 2007/08 gesichert werden.
Fass ohne Boden
Insgesamt haben Kanton und Bund die beiden Skigebiete mit Subventionen von 30,7 Millionen Franken am Leben erhalten. Das sind zwei Drittel der Gesamtinvestitionen von 46,3 Millionen. Eine weitere anbegehrte Subvention von 11 Millionen Franken brachte das Fass zum Überlaufen. Die Regierung zog im Juli 2007 die entsprechende Botschaft wieder zurück.
Die einstige Finanzdirektorin Marina Masoni (FDP) hatte das Geld nur drei Tage vor ihrer Abwahl noch vom Parlament gefordert. Ihre Nachfolgerin Laura Sadis (FDP) zog dann die Notbremse. Daraufhin deponierte Frapolli die Bilanz und kündigte 16 Angestellten vorsorglich. Dem Helikopter-Unternehmer und CVP-Parlamentarier Frapolli droht nun eine saftige Rechnung, denn der Tessiner Staatsrat lässt prüfen, ob ein Teil der Beiträge zurückgefordert werden kann.
(sda/halp)
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Vorläufig scheint es für die betroffenen Gebiete nochmals gut gegangen zu sein, doch die ganze Geschichte ist ein weiteres Anzeichen für den Verdrängungswettbewerb, der nach und nach einsetzt.
Da wird es unumgänglich sein, dass das eine oder andere Gebiet verschwindet. Natürlich ist es um jedes schade, doch wenn schon, dann ist es mir egal, wenn es solche sind, die ihre Bahnen nicht bezahlen und sowieso etwas im Zwielicht stehen.
Da wird es unumgänglich sein, dass das eine oder andere Gebiet verschwindet. Natürlich ist es um jedes schade, doch wenn schon, dann ist es mir egal, wenn es solche sind, die ihre Bahnen nicht bezahlen und sowieso etwas im Zwielicht stehen.