Quelle: Wiesbadener TagblattDie Riesengondeln haben Pause
Vanoise Express fährt nach Mängeln an den Tragseilen nicht mehr/Skifahrer werden "umgeleitet"
Vom 23.02.2008
Das technische Wunderwerk steht still. Der Vanoise Express, die größte frei schwebende Seilbahn der Welt, die im französischen Savoyen die Skistationen La Plagne und Les Arcs zum Skigebiet Paradiski verbindet, fährt nicht. Zumindest in diesem Winter haben die beiden Gondeln der Superbahn Pause. Wie zu erfahren ist, seien Anomalien an der Außenlage einiger Kabel festgestellt worden. Betreiber und Prüfbehörde des Departements hätten sich deshalb entschlossen, die Seilbahn vorerst stillzulegen.
nformationen zufolge sind bereits im Spätsommer an den Drahtseilen einer der beiden Riesengondeln, die unabhängig voneinander auf verschiedenen Trägerkabeln laufen, Sicherheitsmängel entdeckt worden. "Den ganzen Herbst über hatte ich immer wieder beobachten können, wie Testfahrten gestartet wurden," berichtet eine nahe der La-Plagne-Station arbeitende Deutsche. Die Verantwortlichen seien, nachdem sie den Defekt gefunden hatten, in heller Aufregung gewesen und alle Bemühungen zielten nunmehr darauf, das zweite Kabel auf Herz und Nieren zu prüfen, um nach Möglichkeit den Vanoise Express mit nur einer Kabine laufen zu lassen. "Leider wurde jedoch auch am zweiten Kabel," so die Deutsche, "ein Defekt entdeckt. Nun musste schnell eine Entscheidung getroffen werden, die sich meiner Ansicht nach niemand leicht gemacht hat." Am 20 Dezember 2007, also kurz vor Beginn der offiziellen Wintersaison, beschlossen die Verantwortlichen von Paradiski, den Vanoise Express aus Sicherheitsgründen in diesem Winter komplett stillzulegen. Nach weiteren Untersuchungen soll im Frühjahr mit den Reparaturarbeiten begonnen werden.
Die Entscheidung ist sicherlich richtig. Es muss ja nicht erst so weit kommen, wie im März 1976, als im italienischen Dolomitenort Cavalese eine Kabine nach einem Seilbruch abstürzte und 42 Menschen ums Leben kamen. Oder wie im Januar 1992, als auf dem Kärntner Nassfeld in Österreich mehrere Vierersessel der Tröglbahn mitsamt dem Tragseil zu Boden stürzten und vier Touristen starben.
Kritik gab es an der Öffentlichkeitsarbeit. Nach Informationen aus La Plagne haben die Verantwortlichen aber bereits am Tag nach der Entscheidung, also am 21. Dezember 2007, per E-Mail alle in Frage kommenden Tourismusbüros unterrichtet. Waldi Werle, die bei Pierre et Vacances für Gruppenreisen zuständig ist, bestätigt dies. "Ich habe die Nachricht am 21. Dezember erhalten und die Gruppen, die La Plagne oder Les Arcs gebucht hatten, informiert. Alle zeigten Verständnis für die Entscheidung, dass Sicherheit vor Kommerz geht. Es gab keine Stornos." Ähnlich die Auskunft von Dertour. Als bekannt wurde, dass der Vanoise Express nicht fährt, hat der Frankfurter Veranstalter den Preis für den Skipass entsprechend reduziert und in den Reisebüros eine Information hinterlegt.
Skiurlauber, die bereits frühzeitig eine Reise geplant hatten und im Besitz des Gesamtskipasses waren, konnten den Pass vor Ort problemlos umtauschen. Von Paradiski gibt es bis zum Saisonende ein Bonbon obendrauf: dieser Pass gilt für beide Stationen, also für Les Arcs und La Plagne. Gratisbusse bringen die Gäste von einem ins andere Gebiet. Besonders Skibegeisterte können mit diesem Skipass auch einen Tag die Pistenreviere von Val d´Isère/Lac de Tignes und Trois Vallées nutzen. Allerdings stellt sich die Frage, ob sich das lohnt. Denn allein Les Arcs und La Plagne sind zusammen mit 140 Liftanlagen und rund 425 Pistenkilometern so groß, dass alle Abfahrten in einer Woche kaum zu schaffen sind. Henno Heintz
Ist das bisher völlig an uns vorbeigegangen???