Skifahren in Osteuropa: Kühle Rechner carven bei Rübezahl

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Skifahren in Osteuropa: Kühle Rechner carven bei Rübezahl

Beitrag von snowflat »

Skifahren in Osteuropa: Kühle Rechner carven bei Rübezahl

Der junge Johannes Paul II. verfeinerte seine Skitechnik auf den Pisten von Zakopane und in Maribor stand schon Rosi Mittermaier auf dem Treppchen. Nein, Skifahren in Osteuropa ist keine Erfindung der EU-Jahre, doch die haben manche Skiareale komplett umgekrempelt. Eines ist jedoch geblieben: die günstigen Preise.

Von FOCUS-Online-Autor Christian Haas

Viele kennen die Schneekoppe nur als Müsli. Ein Fehler, denn die breite Kuppe überblickt die attraktive Wintersportregion des Riesengebirges, das sich auch dank dem hier verorteten sagenhaften Berggeist Rübezahl einen Namen machte. Populärster Skiort auf tschechischer Seite ist Spindleruv Mlyn (Spindlermühle), was nicht zuletzt an der bunten Nightlife-Szene liegt. Als Nummer eins auf polnischer Seite hat sich die alte Künstlerkolonie Szklarska Poreba (Schreiberhau) etabliert. Den Titel „Winterhauptstadt Polens“ beansprucht jedoch das in der Hohen Tatra gelegene Zakopane – zu Recht.

Mehr als drei Millionen Besucher pilgern jährlich in den quirligen Ort südlich von Krakau.

Ruhiger geht es da im slowakischen Jasná in der Niederen Tatra zu, einem Dorado für Freerider und Naturfreaks und dennoch das beliebteste Wintersportzentrum des Landes. In Slowenien heißen die alpinen Schwergewichte Maribor und Kranjska Gora; erprobte Weltcup-Gucker kennen die Namen. Bulgarien macht derzeit die größten Sprünge. Für den unweit der griechischen Grenze gelegenen aufstrebenden Ort Bansko – geografisch auf der Höhe Roms gelegen – rühren sogar die Skilegenden Marc Girardelli und Alberto Tomba die Werbetrommel. Ihre Behauptung, Bansko sei das „beste neue Skiresort Osteuropas“, ist deshalb mit Vorsicht zu genießen, doch auch unabhängige Skiprofis bestätigen dieses Urteil. Das nördlich gelegenere Borovets schickt sich hingegen an, seiner sozialistischen Vergangenheit in Riesenschritten davonzueilen. Ein ähnlicher Prozess lässt sich in Rumäniens mondänem Skiareal Poiana Braşov in den Südkarpaten beobachten.

Hier lässt sich´s sparen
Das große Plus der osteuropäischen Skiareale ist – wen wundert’s – der Preis. Ein Vergleich: Der 6-Tage-Pass in Europas teuerstem Skigebiet, dem französischen La Plagne, schlägt mit 237 Euro zu Buche. Immer noch Peanuts gegenüber der amerikanischen Konkurrenz. Bis zu 450 US-Dollar müssen Skifreunde etwa in Aspen pro Hochsaisonwoche hinblättern. In den osteuropäischen Skigebieten hingegen wird es nirgends teurer als 140 Euro pro Woche, in der Regel liegt der 6-Tage-Pass zwischen 80 und 100 Euro. Auf der Preisskala ganz oben rangiert Kranjska Gora mit 137 Euro, noch vor Bansko mit 130 Euro; am günstigsten kommen Sparfüchse in der Wolfshochburg Rumänien weg.

Die Verantwortlichen aus La Plagne, Zermatt und Aspen freilich weisen immer wieder auf das völlig unterschiedliche Angebot hin, insbesondere das divergierende Preis-pro-Kilometer-Verhältnis, will heißen: Auch die nutzbaren Pistenkilometer mögen bei einem Vergleich berücksichtigt werden. Und da haben die durchwegs kleiner als 65 Pistenkilometer umfassenden Ostgebiete eindeutig das Nachsehen gegenüber den Riesenarealen der „alten Skiwelt“.

Kleinvieh macht auch Mist
Doch das Günstigste an Skiferien in Osteuropa ist ohnehin das Drumherum. Ein Skilehrer für zehn Euro am Tag? In St. Anton undenkbar, in der Slowakei durchaus möglich. Die Cola auf der Hütte für einen Euro? In der Schweiz gibt’s dafür gerade mal einen kleinen Schluck, im tschechischen Hotspot Spindlermühle einen halben Liter. Übernachtungspreise um die 20 Euro inklusive Halbpension in Pensionen und in 3-Sterne-Hotels für um die 30 Euro sind selbst im Riesengebirge noch immer die Regel. Was die Sparfreude freilich etwas trübt, ist der erhöhte Kostenaufwand für die Anreise. Andererseits steuern Billig-Airlines längst auch Sofia, Bratislava und Bukarest an. Etliche Spezialveranstalter locken zudem mit unschlagbaren Pauschalangeboten. Ein Beispiel: Ein bulgarisches 6-Tage-Skipaket, bestehend aus Leihausrüstung, Skipass, Skikurs und Après-Ski-Abend, lässt sich mitunter ab 120 Euro erstehen.

Lange Anfahrten, schöne Abfahrten
Man glaubt es kaum, aber Schneesicherheit gehört zu den Trümpfen. Dank der kontinentaleren Lage zählt in den Karpaten, der Tatra und im Riesengebirge Schnee auf den Pisten mindestens bis Anfang April zum Standard. Aber nicht nur das: Im Gegensatz zu den Gletschern und der hochalpinen Konkurrenz der Alpen befindet sich das Gros der Abfahrten so gut wie immer unterhalb oder nur knapp oberhalb der Baumgrenze. Das bedeutet weniger Wind und weniger Kälte auf den Pisten.

Weniger Gedrängel auf den Pisten – so lautet ein weiteres Argument. Abgesehen von einigen Ausnahmen herrscht in der Regel herrlich viel Platz auf der Piste. Vor allem Familien und Anfänger schätzen diesen Vorteil. Erst recht, wenn sich Neugierde auf unbekanntere Länder dazugesellt. Die Andersartigkeit im Gegensatz zum doch recht einheitlichen Alpinszenario mit seinen ähnlichen Hüttenspeiseplänen macht ohnehin etliche erfahrene Skitouristen neugierig: ein Grill-Spanferkel im Freien neben der Bergstation, israelische, dänische und russische Sitznachbarn in der Sesselbahn, tschechische Charts in den Partykellern beim Après-Ski – neue Ski-Eindrücke sind garantiert.

Alte Liftanlagen, neue Liftanlagen
Beheizte Sesselbahnen, Täler überspannende Riesengondelbahnen und unterirdische U-Bahnen direkt zum Check-In – eine derartige Infrastruktur dürfen Osteuropaurlauber nicht erwarten. Generell gesprochen hinkt der technische Standard rund 20 Jahre hinterher. Es gibt sie eben noch, die antiquierten und ruckeligen Einersessel, die in den Alpen so gut wie ausgestorben sind. Aber andererseits erleben Skiareale wie Bansko oder Zakopane einen unerhörten Modernisierungsschub, der fortschrittlichste Doppelmayr-Lifte, Armadas von Hightech-Schneekanonen und elektronische Lifttickets beschert. Fazit: Dank zum Teil enormer Investitionen wird eine Handvoll osteuropäischer Areale schon bald in der skifahrerischen „Champions League“ spielen.

Was spricht gegen einen Winterurlaub in Osteuropa?
Vor allem wer mehrere Tage am Stück permanent auf Ski unterwegs sein will, wird rasch an Kapazitätsgrenzen stoßen: zu wenig zusammenhängende und zu wenig lange Pisten am Stück – allein die geringere Berghöhe verhindert allzu lange Abfahrten –, ferner kaum Varianten und Snowboardeinrichtungen. Kurz: Von Pistenspaß in XXL kann keine Rede sein, eher von Größe M. Auch was die Schwierigkeiten des Terrains anbelangt, müssen Profis Abstriche machen. Sicher, in Jasná und andernorts warten durchaus interessante Freeridezonen und attraktive Couloirs. Der Weg dorthin führt jedoch überwiegend über Landstraßen, selbst aus Bayern ist man gut und gerne zehn Stunden unterwegs. Rumänische und bulgarische Skiorte kommen überhaupt fast nur mit dem Flugzeug infrage – und selbst dann warten noch stundenlange Busfahrten – und mancherorts ein nach wie vor nur bedingt erträglicher Charme vergangener Zeiten, der sich etwa durch sozialistische Hardcore-Architektur bemerkbar macht.

Pisten jenseits des Schwarzen Meeres
Skifahrmöglichkeiten enden nicht am Schwarzen Meer. Im türkischen Anatolien, in Georgien, im Libanon und selbst im Iran surren dutzendweise Lifte. Sotschi, der russische Olympia-Gastgeber 2014, investiert kräftig in den kommenden Jahren – bislang ist das Pistenangebot noch sehr überschaubar. Als absolutes Nonplusultra gilt derzeit Heliskifahren im Kaukasus – und noch besser auf den Vulkanen des sibirischen Kamtschatkas. Das glauben Sie nicht? Einzelne Spezialveranstalter bieten Tagestouren zum 2170 Meter hohen Mutnovskij-Vulkan an und versprechen sogar eine Abfahrt in den aktiven Krater sowie zu den dortigen Fumarolen und Thermalquellen.
Quelle: Focus
Kanada - 29.01.2017 bis 10.02.2017
Du kannst Dir Glück nicht kaufen. Aber Du kannst skifahren gehen und das ist ziemlich dasselbe!

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