Red-Bull "Steinkönig"-Kletterwettkampf

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Dresdner
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Red-Bull "Steinkönig"-Kletterwettkampf

Beitrag von Dresdner »

Wirbel gibt es im Elbsandsteingebirge um das Event des Salzburger Drinkherstellers.

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Kletterer streiten um Red Bull
Hartmut Landgraf

Kulturkampf am Fels: Anfang August will der Energy-Drink-Hersteller im Elbsandstein einen Kletter-Wettkampf inszenieren.

Der Salzburger Energy-Drink-Hersteller Red Bull hat die Sächsische Schweiz für ein Marketing-Event der besonderen Art erkoren: Vom 31. Juli bis 3. August wird die Felsenwelt an der Elbe Bühne für den„Steinkönig“-Kletterwettkampf. Ein Wettbewerb, in dem sich die Teilnehmer „den körperlichen und mentalen Herausforderungen anspruchsvoller Sachsenrouten stellen“, wie das Unternehmen schreibt. Unterstützt werde das Event von weltbekannten Kletterern wie Stefan Glowacz, David Lama und Kilian Fischhuber.

Gerüchteküche dampft

Vom „Mönch“ nahe der Bastei in Rathen, dessen Besteigung 1874 als Startpunkt des Freikletterns gilt, soll die Tour laut Veranstalter quer durch die Sächsische Schweiz bis auf die Festung Königstein gehen. Auch Mountainbike-, Kajak- und Berglaufpassagen gehören zum Programm. Im Mittelpunkt aber steht das Klettern an cirka 30 klassischen Routen (Genaueres gibt der Veranstalter nicht bekannt) – in seiner ursprünglich sächsischen Art, ohne künstliche Hilfsmittel. Sachsens Bergsportszene ist beim Thema Red Bull tief gespalten und macht sich darüber u.a. im Internet Luft. Erste Informationen über das geplante Event heizten sofort die Gerüchteküche an. Die Sächsische Schweiz werde mit riesigen Werbebannern oder Getränkedosen verschandelt, fürchteten manche. Andere sahen die Felsen schlicht zur Kulisse für ein Kommerz-Spektakel degradiert. Red Bull hat sein Konzept angesichts von Widerständen – u.a. vom Nationalparkamt – mehrfach überarbeitet. Eine Event-Agentur soll inzwischen ausgestiegen sein. Boofen und das im Elbsandstein unerwünschte Top-Rope-Klettern gehören nicht mehr zu den Plänen. Die Kernzone des Nationalparks bleibt tabu. Auch das Klettern bei Nässe.

Keine Banner im Gelände

Über die Sache werde viel Unsinn verbreitet, sagt der Rathener Kletterführerautor Robert Hahn, der das jetzt gültige Konzept für Red Bull erarbeitet hat. Banner im Gelände werde es nicht geben. Die Sache sei auch kein Massen-Event. Unter den Bewerbern wählt Red Bull zehn Seilschaften aus, die in anderthalb Tagen je nach sportlicher Verfassung eine Reihe klassischer Routen durchsteigen sollen. Bepunktet werde nicht Tempo, sondern Technik, Schwierigkeit und die Fähigkeit, sich am Fels abzusichern.

Sein Ziel sei,mit dem Steinkönig den sächsischen Traditionen eine breite Bühne zu verschaffen und damit auch in der leistungsorientierten jüngeren Generation Neugier für sie zu wecken. Deshalb gibt es inzwischen auch etliche Befürworter. Mitgestaltet wird die Aktion von Sachsen-Kletterern wie Stephan Gerber und Paul Sass, Ex-Mitglied der alpinen Nationalmannschaft. Positiv äußert sich auch Albrecht Kittler, Ex-Vize des Sächsischen Bergsteigerbunds (SBB): Statt im Internet zu jammern, sollten sich einige Leute lieber in der Vereinsarbeit für die Tradition engagieren, sagt er.

Doch auch über die Online-Gemeinde hinaus lehnen viele Bergsteiger Kommerz im Elbsandstein in jeglicher Form ab. Tourenveranstalter und Kletterschulen wissen davon ein Lied zu singen. Auch Hahn als sportlicher Leiter der Aktion wird aus der Kletterszene zum Teil „scharf angeschossen“, wie er sagt. Der Eventcharakter werde noch mehr Leute ins Gebirge führen, die im Klettern nur den „Kick für Zwischendurch“ suchen, und mit Traditionen und Ethik wenig am Hut haben, schreibt ein Teilnehmer im Forum des SBB.

In diesem Punkt steckt der Bergsport tatsächlich im Dilemma: In den Kletterhallen wächst eine Generation von jungen Freizeitsportlern heran, die vergleichbare Spielmöglichkeiten und Freiheiten auch im Gebirge suchen und sich ungern ins Korsett vereinsartiger Klubgemeinschaften zwängen wollen.

Tradition verliert Ausstrahlung

Eben diese Klubs sind es aber, die über Jahrzehnte die sächsische Bergsport-Tradition weitervermittelt haben. Viele davon altern und haben Nachwuchssorgen. Der 9000 Mitglieder starke SBB als Dach-Verband leistet ehrenamtlich in Sachen Ausbildung Beachtliches, um seiner zunehmend strukturschwachen Mitgliederbasis die besonderen Traditionen, Beschränkungen und die Ethik des sächsischen Kletterns zu vermitteln. Doch die Zweifel, ob man die Masse noch erreicht, sitzen selbst in Vorstandskreisen tief. Grundsätzlich wolle man keine Wettbewerbe im Gebirge und lehne Kommerz-Events ab, sagt SBB-Sprecherin Constance Jacob. Doch die Frage, wie man die Tradition mehr nach außen tragen könne, bleibe.

Derweil hat Red Bull bereits die Werbung in Gang gesetzt. Im sächsischen Bergsport kämen zwei Elemente zusammen, die gut zur Marke passen, sagt eine Unternehmens-Sprecherin: „Er belebt Körper und Geist“. Die Sächsische Schweiz sei dabei eine „interessante Location.“ Die Größe des Steinkönig-Werbeetats enthüllt Red Bull nicht. Plakate und Handzettel werden derzeit deutschlandweit gestreut. Ein renommiertes Bergsport-Magazin sitzt als Medienpartner im Boot, mit einem TV-Sender laufen Verhandlungen. Das Unternehmen, dessen Werbeaktivitäten zu einem großen Teil auf weltweitem Sport-Sponsoring aufbauen, ist international an mehr Events beteiligt, als man in der PR-Zentrale beziffern kann. Allein in Deutschland gebe es „pro Jahr vier solcher Events“ wie den Steinkönig, heißt es dort. Wenn auch bislang keine Kletter-Wettbewerbe.
Bild und Text: sz-onine.de/klettern - hier könnt ihr auch abstimmen und das bisherige Abstimmungsergebnis ansehen

Dresdner
http://www.bergbahngeschichte.de - Seilbahngeschichte & Seilbahntechnik

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