Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 7 -> Jungfrauregion

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Space1978
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Zahnradbahnen in den Alpen - Teil 7 -> Jungfrauregion

Beitrag von Space1978 »

Zu den touristischen Glnzlichtern Europas zählt ohne Zweifel die Reise mit der Eisenbahn von Interlaken zum Jungfraujoch, dem mit 3454 über dem Meer höchstgelegenden Bahnhof des Kontinents. Die Tour mit den Zügen der Berner-Oberland-Bahnen (BOB), Wengernalp-Bahn (WAB) und Jungfrau-Bahn (JB) in die Region des ewiges Eises und zum Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau ist bequem an einem Tag zu bewältigen. Für den eisenbahntechnisch Interessierten empfiehlt sich aber, einige Tage in diesem Gebiet zu verbringen. Eine Vielzahl von Bergbahnen, mit unterschiedlichen Spurweiten und Betriebssysteme, lädt zum Besuch ein.
Den Bahnknotenpunkt Interlaken-Ost erreicht manmit der normalspurigen BLS von Bern oder von Luzern über den Brünigpaß mit der einzigen SSB-Schmalspurbahn.
Den Zugang zur Jungfrau-Region erschließen die in Interlaken-Ost am Empfangsgebäude auf Gleis 1 und 2 nach Lauterbrunnen und Grindelwald abfahrenden Züge der Berner-Oberland-Bahnen (BOB). Auf Gleis 3 und 4 fahren die Züge der SBB-Brünigbahn und auf Gleis 5-8 die der BLS. Die beiden Meterspurbahnen der BOB und SBB sind durch ein Gleis miteinander verbunden, weisen jedoch unterschiedliche Stromsysteme auf. Bei der Brünigbahn stehen die Fahrdrähte unter 15000 Volt Wechselspannung 16 2/3 Hz, , bei der BOB unter 1500 Volt Gleichspannung. Die am 01.Juli 1890 eröffnete BOB-Strecke verläßt den Bahnhof Interlaken-Ost in einer Rechtskurve nach Süden und erreicht über die Ebene des Bödeli Wilderwil. Die Station ist der Ausgangspunkt einer seit 1893 auf die Schynige-Platte fahrenden Zahnradbahn. Die BOB-Linie bleibt im Tal und schlängelt sich entlang dem Flußlauf mit einer maximaler Steigung von 25 Promille nach Zweilütschinen.
Neben der Station befinden sich die Depot- und Werkstattgebäude für die Wartung der BOB-Fahrzeuge. In Zweilütschinen werde die von Interlaken kommenden Züge getrennt. Ein Zugteil fährt geradeaus südlich nach Lauterbrunnen weiter, der andere verläßt die Station in einer scharfen Linkskurve in Richtung Osten nach Grindelwald.
Die Züge nach Lauterbrunnen erreichen in einem ersten Zahnstangenabschnitt die Kreuzungsstelle Sandweid. Nach einem zweiten Zahnstangenabschnitt endet nach 12,3 Kilometern Fahrt von Interlaken die BOB-Strecke in Lauterbrunnen.
Wesentlich länger als der Streckenast nach Lauterbrunnen (4,1 km) ist jender nach Grindelwald (11,1 km). Nach Zweilütschinen führt die Trasse im Tal mit mäßiger Steigung weiter zur 4 km entfernten Station Lütschental. Danach beginnt mit 1849 m der längste, und mit 120 Promille auch steilste, Zahnstangenabschnitt der BOB-Strecke, auf dem die Bahn die Talstufe nach Burglauenen bewältigt. Weiter, der schwarzen Lütschine entlang, führt die Strecke aufwärts nach Schwendi. Es folgt ein weiterer Zahnstangenabschnittm der bis in den Einfahrtsbereich des Endbahnhofes Grindelwald reicht. Fahrgäste zur Kleinen Scheidegg und zum Jungfraujoch können über Lauterbrunnen oder Grindelwald ihr Ziel erreichen. Beide Male heißt es, in die Züge der 1893 eröffneten Wengernalpbahn (WAB) umsteigen. Die Spurweite dieser Bahn beträgt nur 800 mm, und es ist deshalb nicht möglich, Fahrzeuge mit der auf 1000 mm fahrenden BOB auszutauschen. Die Wengernalpbahn verbindet die beiden Talorte Lauterbrunnen und Grindelwald über die Paßhöhe der 2061 m hoch liegenden Kleinen Scheidegg, wo viele Reisende in die Züge der Jungfraubahn umsteigen. Im Gegensatz zur BOB, die im "gemischten" Betrieb auf Adhäsions- und Zahnradabschnitten fährt, ist die WAB eine reine Zahnradbahn. Die Triebfahrzeuge können sich nur mit Hilfe des Zahnradantriebes fortbewegen, und es sind deshalb auf der 19,2 km langen Strecke Zahnstangen nach System Riggenbach verlegt. Damit besitzt die WAB die längste, ununterbrochene Zahnstangenstrecke der Alpen!
Wenn in Lauterbrunnen der Triebwagenzug der BOB einfährt, warten auf den Nachbargleisen schon die Züge der WAB. Bei hohem Fahrgastaufkommen verlassen bis zu vier im Konvoi fahrende Züge die Station und überqueren kurz danach auf einer Betonbrücke die Weiße Lütschine. Schon in der Bergflanke liegt die Ausweich- und Verzweigungsstelle Witimatte. Steil führt von hier die ursprüngliche Strecke mit maximal 250 Promille ohne Ausweichstelle durch den Bergwald nach Wengen. Diese Trasse wird heute nur noch im Sommer von Dienst- und Güterzügen befahren. Die Personenzüge fahren über die 1910 in Betrieb genommene wintersichere Strecke, die mit einer Steigung von 180 Promille Wengen erreicht. Dem autofréien Kurort verdankt die WAB einen wesentlichen Teil ihres guten Betriebsergebnisses, denn alle Personen und Waren können den Ort nur mit der Bahn erreichen oder verlassen. Über die Ausweich- und Haltestellen Allmend und Baawald erreicht der Schienenstrang die Station Wengernalp. Von hier bis zur Kleinen Scheidegg genießen die Fahrgäste einen traumhaften Blick auf die Fels- und Eismassen von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Von Grindelwald aus, wo die WAB-Züge ebenfalls auf die der BOB ankommenden Fahrgäste warten, fährt die Bahn in einem Gefälle von 180 Promille zunächst nach Grindelwald-Grund. In der als Spitzkehre angelegten Station wechsel die Züge die Fahrtrichtung und erklimmen danach am gegenüberliegenden Bergahng den bis zu 250 Promille steilen Abschnitt hinauf nach Brandegg und Alpiglen ( 1612 m ü. M. ). Mit etwas geringer Steigung führt die Strecke unterhalb der berühmten Eigernordwand über die Kreuzungsstation Strättli und Salzegg zur Kleinen Scheidegg. Hier enden aus betrieblichen Gründen die aus Lauterbrunnen und Grindelwald ankommenden Züge.
Unvollendet geblieben ist die in Abschnitten zwischen 1898 und 1912 eröffnete Jungfraubahn. Das letzte Teilstück vom Jungfraujoch zum Gipfel konnte aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden. Trotzdem ist die Jungfraubahn eine Eisenbahn der Superlative, die aus technischer und topographischer Sicht den Höhepunkt des Bergbahnbaus darstellt. Die "Talstation" Kleine Scheidegg ist der höchste Ausgangspunkt einer europäischen Bahn mit der Bergstation Jungfraujoch mit 3454 m über dem Meer, der am höchsten gelegene Bahnhof Europas. Von der 9,35km langen Gesamtstrecke leigen 7,12 km im Bergmassiv von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Seit der Betriebsaufnahme fährt die meterspurige Bahn mit Drehstrom. Durch das Stationsgebäude sind die Gleisanlagen von Wengernalp- und Jungfraubahn voneinander getrennt. Die Züge der Jungfraubahn verlassen die Station auf der Südseite in einer scharfen Rechtskurve. In offener Linienführung klettern sie zur ehemalugen Ausweichsstation Fallboden empor. Kurz danach beginnt eine Lawinenschutzgalerie, an die sich der 80 m lange Fallboden-Tunnel anschließt. Nach zwei Kilometern Fahrt wird die Station Eigergletscher ( 2320 m ) erreicht. Unmittelbar hinter der Station verschwinden die Züge im Felsmassiv des Eigers und fahren, ohne noch einmal an Tageslicht zu kommen, im 7122 m langen "Großen Tunnel" zur Endstation Jungfraujoch. Zweimal wird die Tunnelfahrt unterbrochen. Erster Halt ist in der Station Eigerwand ( 2864 m ü. M.). Die Fahrgäste können aussteigen und mit wenigen Schritten eine Aussichtshalle erreichen. Von dort aus bietet sich durch die Glasscheiben ein schaurig schöner Blick aus der Eigernordwand auf das 1800m tiefer gelegene Grindelwald und das umliegende prächtige Bergpanorama. Die zweite Unterbrechung der Tunnelfahrt ist in der Station Eismeer ( 3158 m. M.). Durch die Fenster der Station geht der Blick nach Südosten auf die zerfurchten Eismassen von Fiescher- und Grindelwaldgletscher. Von der im Berg liegenden Endstation Jungfraujoch führen Gänge zu der am Fels klebenden Restaurant- und Hotelanlage. Grandios ist der Ausblcik von der Besucherterrasse: Der größte Eisstrom der Alpen, der 22 km lange Aletschgletscher mit den Walliser Alpen im Hintergrund. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Eispalast im Gletscher und das auf einem Felsen über dem Jungfraujoch thronende Observatorium, dessen Aussichtplattform mit einem Lift zu erreichen ist. Von dort schweift der Blick nach Süden auf den Aletschgletscher und nach Norden bis zum Schwarzwald und den Vogesen.
Snowboarden im Hochsommer ist genial!!

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