Zum ersten Mal ist mir Obersaxen in den 80er Jahren im Prospekt eines Reiseveranstalters aufgefallen. Auf der Panoramakarte machte das Gebiet auch einen sehr interessanten Eindruck: Eine hübsche Skischaukel über mehrere Berge hinweg samt Skigebietsrückseite. Im Skiatlas war das gebiet früher nicht enthalten. Schon lange hat mich ein Besuch gereizt. Am späten Vormittag des 9.3.2009 ist es dann soweit: Wir rollen auf dem Parkplatz in Valata ein, um uns selbst ein Bild vom Gebiet zu machen. Charakteristisch sind die vier Berge des Skigebiets, welche sich wie die Perlen einer Kette aus dem Bergrücken erheben, der das Vorderrheintal vom Lumnezia trennt.
Mit der 3er-Sesselbahn geht es recht langsam nach oben, der Fussgängertransport führt immer wieder zu Geschwindigkeitsreduzierungen und Stopps. Sobald man über die Kuppe kommt, blickt man auf die zweite Sektion, die als 6KSB auf den Piz Mundaun führt.
Der Mundaun besticht sofort durch nette Felswände und knackige schwarze Pisten. Nach rechts fällt der Blick auf den übernächsten Berg, den Stein, der durch eine Vielzahl an Liften erschlossen ist und bis zum Gipfel mit Almwiesen bedeckt ist. Ist es das, was einige Forumler mit "mittelgebirgig" meinen? Auf jeden Fall sticht das natürliche, ideale Skifahrgelände ins Auge.
Blickt man nach dem Ausstieg aus der ersten Sektion nach links, fällt einem diese Errungenschaft moderster Technologie ins Auge: Eine Schleppvorrichtung für den mechanisch unterstützten Aufstieg aufstiegsfauler Skifahrer. Name der Aufstiegshilfe: Cuolm Sura - Plitschès.
Dieser Lift ist von der Schliessung bedroht. Der Wegfall der zugehörigen Übungspiste wäre vielleicht noch zu verschmerzen. Vor allem aber fungiert der Lift als Hauptzugang zum extrem attraktiven und auch schliessungsbedrohten Sasolas-Sektor.
Wir aber fahren weiter mit der 6KSB nach oben auf den Piz Mundaun. Vorbildlich: Die Bahn führt ganz hinauf auf den Gipfelgrat - so gehört sich das - und bietet dadurch beim Ausstieg einen tollen Panoramablick über das Lumnezia hinweg. Während die Berge in der ersten Linie beidseits des Vorderrheintals eher flach und weit strukturiert sind, gibt es bei den Bergen in der zweiten Linie hohe, wuchtige und steile Felsflanken. Dies beeindruckt in Brigels-Waltensburg beim Blick nach Norden - und hier beim Blick nach Süden.
^^ Blick nach Südwesten in Richtung Talschluss des Lumnezia; auf den Almhängen, die sich von links unten nach rechts oben mitten durchs Bild ziehen, befinden sich die ins Lumnezia hinabführenden Skihänge.
Nach rechts, also in Richtung Westen, blickt man auf den Hitzeggen, auch hier führt die Bahn ganz nach oben auf den Gipfel. Die Dimensionen sind beachtlich, das Gebiet hat eine erstaunliche flächenmässige Ausdehnung.
Wir beschliessen, das Gebiet von links nach rechts zu durchfahren und wählen die "Hintenrum-Abfahrt" über Bündnerrigi nach Sasolas. Diese Piste besticht zunächst durch ein knackiges Steilstück, das - voll der Sonneneinstrahlung ausgesetzt - auch schon ein paar braune Flecken aufweist.
Jedoch ist der Abschnitt prima zu befahren. Hier kommt die Spezialität des Gebiets bereits voll zum tragen: Leicht kupiertes, natürliches Almgelände. Um es vorwegzunehmen: Die braunen Stellen sollten die einzigen sein, die wir heute sehen sollten. In längeren Wärmeperioden würde diese Piste jedoch sicherlich problematisch und letztendlich den Zugang über die Vorderseite erzwingen.
Nach dem steilen Beginn wird die Pisten zum langen Ziehweg, der um den kompletten Bergrücken herumführt. Er führt uns von der Südseite des Bergmassivs wieder auf die hochwinterliche Nordseite, wo er uns bei der Hütte Bündnerrigi auf die Hauptpisten des Sasolas-Sektors entlässt.
Mehrere Pisten durchziehen die deutlich strukturierte, aber fast auf kompletter Fläche befahrbare Bergflanke. Dort, wo keine Pisten gewalzt sind, haben sich Tiefschneefahrer ausgetobt - auch vom Mundaun herunter. Hier könnte man es sicherlich mehrere Tage lang aushalten.
Der Sasolas-Sektor liegt im besonders attraktiven Übergangsbereich zwischen Wald-, Alm- und Hochgebirgszone. Die einzelnen Baumgruppen lockern das Almgelände schön auf und wirken besonders hübsch, wenn sie verschneit sind.
Mit 1.650 m Länge und mehr als 400 m Höhendifferenz erschliesst der Sasolas-Lift Hänge, die begeistern. Landschafliches Ambiente und Topographie gefallen mir besser als der am anderen Ende des Gebiets gelegene Sezner-Bereich. Es wäre ein Jammer, wenn dieser Sektor aufgegeben würde. Derzeit hält der über einen Verein organisierte finanzielle Zuschuss interessierter Gäste und Nutzniessern der Erschliessung den Lift am Leben. Aber offenbar gelingt es schon jetzt nicht mehr, die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben.
Durch die hübsche Landschaft geht es nach oben. Die späte Ankunft verbietet uns leider Wiederholungsfahrten auf den parallelen Pisten.
Über die Drehscheibe Cuolm Sura gelangen wir erneut auf den Piz Mundaun. Da von den Pisten nach Gischniga die rote vom Hitzeggen am verlockendsten erscheint, entschliessen wir uns, zunächst nach Süden, zur Mittelstation Triel abzufahren, um dann mit der 4KSB auf den Hitzeggen zu gelangen. Standesgemäss führt einen ein nettes Felstor auf die Südseite des Massivs.
Auf der Südseite liegt kein Pulverschnee, aber auch der feste Firn lässt sich sehr gut fahren. Die typischen Almhänge führen einen von der Krete hinunter ins sonnegeflutete Lumnezia.
Kurze Zeit später schweben wir hoch über den Lumenzianer Dorfterrassen dem Hitzeggen entgegen ...
... von wo sich der Stein als zentraler Berg des Skigebiets bestens begutachten lässt.
Etwas langweilig oder ideales Skigelände? Wie soll man die aus manchen Perspektiven felsarmen Bergregionen bezeichnen? Mittelgebirgig ist es in meinen Augen nicht. Dagegen sprechen die aus manchen Perspektiven erkennbaren Felsabbrüche und die wilden Bergstrukturen in der zweiten Reihe. Die jeweils erste Bergkette ist - wie erwähnt - auf beiden Rheinseiten nicht durch steile Flanken geprägt. Sind es in Laax Fels-, Geröll-, und Graswüsten, so zeiht sich hier im Gebiet von Obersaxen das Almgelände bis zu den Gipfeln. Der Unterschied folgt aus der unterschiedlichen Höhenlage. Nur 2.000 - 2.300 Meter sind die vier Skigipfel hoch, was aber aufgrund der überwiegenden Nordlage in der Regel dennoch mit guter Schneequalität verbunden sein dürfte. Ausserdem: Die Waldgrenze liegt mit ca. 1.600 Meter verhältnismässig tief. So liegt das Skigebiet grösstenteils oberhalb der Waldgrenze und lässt ideale Pistentrassierungen zu. Zum Schwingen und Gasgeben auf perfekten Pisten in natürlichem Gelände ist es hier ideal. Das wird sofort klar.
Die Routenwahl scheint gut gewesen zu sein. Der Blick fällt nochmals zurück zum Hitzeggen.
Den Stein erreichen wir mit einem wahren Schleppliftungetüm: 2 km lang ist der Steinlift und überwindet mehr als 600 Höhenmeter. Bei ähnlicher Neigung ist die Piste links des Steinliftes (von unten gesehen) schwarz ausgeschildert, die rechte Piste rot.
^^ Eigentlich ein sinnloses Bild, aber mir gefällt's irgendwie
Man muss nicht oft Schlepplift fahren in Obersaxen, aber mit den Liften Sasolas und Stein hat man Gelegenheit, diesbezüglich Standfestigkeit zu beweisen. Der Steinlift ist für die Gebietsdurchquerung nicht unbedingt vonnöten, aber mit seinen rassigen Pisten unbedingt für Wiederholungsfahrten zu empfehlen.
Vom Gipfel blickt man noch besser auf die Hitzeggen-Pisten; am rechten Berghang ist die aus dem Lumnezia kommende Sesselbahn zu erkennen.
Als nächstes befahren wir die schwarze Piste, die erst unten ein wenig flacher wird. Das Bild zeigt die ideale Abstimmung der Kapazitäten: Der Lift ist gut frequentiert, aber nicht überlastet, Die im Vergleich zur Beförderungskapazität grosse Pistenfläche bietet Abfahrten ohne grosse Störung durch "gegnerische Störfaktoren".
Nach einer weiteren Bergfahrt mit dem Schleppliftungetüm nehmen wir die rote Piste auf der anderen Bergseite und steuern die Schrimbar mit Grill auf der Alp Untermatt an, da Snowotz' Magen sein Recht einfordert.
^^ Der Hitzeggen von Untermatt betrachtet; am linken Berghang steht der stillgelegte Tegia-Dado-Lift; seine Pisten sind nur noch über Ziehwege zu erreichen - der einzige Bereich, den wir heute komplett auslassen würden
Direkt bei der Schirmbar beginnt die rote Piste nach Misanenga. Sieht sie auch auf dem Pistenplan nicht sonderlich spannend aus, erweist sie sich doch als absoluter Glücksgriff. Unglaublich vor allem: Es ist halb zwei und die Piste weist noch an vielen Stellen das "Cordsamt"-Muster der Pistenwalze auf. Während die Gebiete um Stein und Sezner gut belebt sind, fährt offenbar kaum jemand hier hinunter, obwohl sich auch hier perfekte Hänge bieten.
Der Schlepplift Misanenga-Untermatt bringt uns zurück; wir haben noch einiges vor.
Wir folgen der zunächst ziehwegigen, später schön zu fahrenden leichten Piste über Miraniga nach Meierhof. Das tausendfach dokumentierte Stadardfoto von der aufgelassenen Mittelstation in Miraniga spare ich mir. Der Grund für die Aufgabe könnte sein, dass die Piste heute durchgehend beschneit und damit schneesicher ist. Allerdings ist es jetzt nicht mehr möglich, den für Kinder und Anfänger schönen unteren Bereich mittels Wiederholungsfahrten abzuwickeln.
Die 4KSB führt zunächst flach durch die Weiler, dann steil durch den Wald und zum Schluss wieder flach über die Wiesen. Dort kommt dann auch die zweite Sektion zum Stein ins Blickfeld ...
... während man rechts auch zum ersten Mal direkt die Mulde des Seznerlifts einsehen kann ...
... und links nochmal die beiden bereits befahrenen Skigipfel Piz Mundaun und Hitzeggen grüssen, die von hier aus doch recht wuchtig wirken.
Hier ist man zentral im Skigebiet und hat einen guten Überblick über die Nordseite. Was auffällt: Das gesamte Gebiet ist nahezu lückenlos von Skispuren überzogen. Wir können es an diesem Tag nicht selbst testen, aber auch die Freerider finden hier offenbar ein ideales Revier vor.
Wir bleiben heute bei den Pisten. Immerhin ist die Auswahl so gross, dass wir nicht annähernd alle Möglichkeiten nutzen können. Als nächstes widmen wir uns den schwarzen Pisten an der Sesselbahn Kartitscha-Stein, die steiler sind als es auf dem folgenden Bild scheint.
Das ordentliche Gefälle wird eher beim Blick von der Piste hinunter auf die Mittelstation Kartitscha deutlich.
Die Pisten sind aufgrund der idealen Schneequalität gut zu fahren. Noch besser gefiele mir, wenn man einer der beiden schwarzen Pisten ungewalzt liesse, und eine Buckelpiste entstehen liesse. Das Fehlen ausgeprägter Buckelpisten ist einer der wenigen Mängel an diesem Skigebiet. Das Ausbilden einer Buckelpiste würde die Angebotsqualität stark erhöhen, ohne das zusätzliche Kosten entstünden.
Die 3er-Sesselbahn Kartitscha-Stein ist fixgeklemmt, aber ausreichend flott. Einerseits gibt es einen Förderbandeinstieg, andererseits keine fussgängerbedingten Bremsmanöver.
Als dritte Anlage kommt auf dem Stein die 3er-Sesselbahn Wali-Stein an, die aber für die Befahrung des Skigebiets nicht unbedingt erforderlich ist. Auch wir nutzen sie nicht.
^^ In der Bildmitte sind die mässig geneigten Hänge des Sezner-Bereichs zu sehen; die einzige schwarze Piste dort nutzt eine Kuppe, um das notwendige Gefälle zu bekommen
Wir nehmen auch nach Wali hinunter eine schwarze Piste in der gewaltigen Mulde und bewundern die offenbar genialen Tiefschneehänge, die von der zwischen Stein und Sezner gelegenen Kuppe hinunter führen.
Wir sondieren die Pistenvielfalt an der Sezner-KSB.
^^ Exact zwischen Bildmitte und rechtem Bildrand ist die schwarze Sezner-Piste zu sehen, die genau über eine Kuppe führt
Zurück blickt man auf die baumfreien Hänge an der Sesselbahn Wali-Stein mit schwarzen und roten Pisten.
Die Nordhänge weiter rechts sind ebenfalls komplett verspurt.
Auch unter der KSB Sezner haben sich die Tiefschneefahrer ausgetobt. Hier müsste man mal zum richtigen Zeitpunkt und mit genügend Zeit ausgestattet auftauchen
^^ Wieder so ein sinnloses Bergstationsbild
Wir absolvieren zwei Wiederholungsabfahrten an der 6KSB Sezner, fahren also 3mal mit derselben. Dabei testen wir die schwarze Piste und die rote Hauptpiste, welche die Bahn kreuzt. Auch die lange "Aussenrum"-Piste über La Cauma wären wir gerne gefahren. Aber im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit und die Tatsache, dass wir bis kurz vor Schluss keine Möglichkeit haben würden, zu unserem Parplatz zurückzukommen, beweisen wir "Mut zur Lücke" und lassen 5 der 7 Sezner-Pisten unerkundet.
Im Vergleich zum Restgebiet hat uns der Sezner-Sektor pistenmässig nicht so sehr begeistert. Die Pisten sind weniger abwechslungsreich als in den anderen Sektoren. Die Landschaft ist insgesamt mit ihrem abgelegenen Charakter zwar schön, aber kleinräumig etwas eintönig. Im unteren Bereich sind die Pisten dazu so flach, dass fast nur Schussfahren möglich ist. Möglicherweise ist der Bereich freeridend jedoch deutlich attraktiver, was die starke Befahrung des Geländes vermuten lässt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass wir beim ersten Anstehen an der 6KSB Sezner mehr als 5 Minuten Wartezeit haben. Bei der dritten Auffahrt ist die Schlange dann fast verschwunden. Offenbar hat die fortgeschrittene Uhrzeit viele Besucher aus diesem abgelegenen Sektor verscheucht. Ich weiss nicht warum, aber dieser Sektor scheint auf viele Pistenfahrer sehr attraktiv zu wirken. Im Gegensatz zu anderen hier geäusserten Ansichten, bin ich deshalb auch der Meinung, dass die 6KSB an dieser Stelle absolut gerechtfertigt und sinnvoll ist: Die Nachfrage für eine solch starke Bahn ist vorhanden; die 9 an der Bergstation startenden Pisten können die Beförderungsleistung locker aufnehmen; die 6KSB bindet Skifahrer und sorgt für freie Fahrt an den anderen (und wirklich attraktiven) Sektoren.
Zum dritten Mal oben angekommen, nehmen wir das mutmassliche Landschaftshighlight in Angriff: Die Piste vom Sezner nach Vella im Lumnezia.
Neun Kilometer lang soll diese Piste sein bei gut 1.000 Höhenmetern. Damit ist es die einzige Piste mit mehr als 1.000 Höhenmeter im gesamten Gebiet. Bei der Länge ist klar, dass es hier keine langen Abschnitte zum Schwingen geben würde. Das ganze ist Entfernungsbewältigung, die überwiegend aus Schussfahrt besteht. Im ungünstigen Fall bieten solche Pisten oft auch Schiebeüberraschungen. Dies ist hier dankenswerterweise aber nicht der Fall. Freilich ist überwiegend Schussfahren angesagt. Vom Landschaftseindruck her ist diese Fahrt durch unbesiedeltes und liftloses Gebiet jedoch grosse Klasse.
Nach langer Fahrstrecke erscheinen die Skigipfel Hitzeggen und Mundaun, die Stationen unserer Rückkehr zum Parkplatz sein werden, noch sehr weit entfernt.
^^ Hitzeggen links und Mundaun rechts der Bildmitte. Die Bergstationen sind zu erahnen.
Jetzt kommt das romanischsprachige Vella ins Blickfeld. Heute herrschen auf auf diesem Südhang beste Schneeverhältnisse.
Hinauf zur Mittelstation Triel führt eine 4KSB.
Vella ist einer der grösstens Siedlungen im Skigebiet und sehr sonnig gelegen.
Bei der Auffahrt mit der zweiten 4KSB Triel-Hitzeggen blickt man nach links auf den Stein und die genial trassierten Pisten Hitzeggen-Triel.
Auch von weiter oben bewundern wir diese Pisten, die förmlich nach einer Wiederholungsfahrt schreien.
Auch der nahende Betriebsschluss und die "falsche Bergseite" können uns nicht davon abhalten, diesem Drang nachzugeben. Perfekt präsentiert sich die gewählte Piste mit hochalpinen Elementen oben, einem Wechsel von Querfahrten, Kurven, Wellen und Schwingstücken in der Mitte und Genusspassagen durch den verschneiten Wald unten.
Zetilich kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Es ist 10 Minuten vor 4 (4 ist Betiebsschluss) und ab der Bergstation könnten wir direkt zum Parkplatz abfahren - aber das wollen wir nicht
... Flott geht es ab Hitzeggen die Querpiste hinunter in Richtung Mundaun. Mit erheblicher Geschwindigkeit biegen wir in die vom Mundaun kommende blaue Piste ein - aber in die falsche Richtung! Der Schwung bringt uns ein Stück nach oben, und kurz vor dem Stillstand sind es noch ein paar Meter durch den Tiefschnee und wir befinden uns auf der näher an der Sesselbahn liegenden schwarzen Piste vom Mundaun. Warum wir nicht die andere schwarze Piste genommen haben, die wir mit Schwung gekreuzt haben: Das weiss der Geier!
Etwas steiler als auf den schwarzen Pisten an Stein und Sezner ist es hier. Allerdings muss man auch etwas aufpassen: Das steile, felsige Gelände, der lockere Pulverschnee - da schauen an abgerutschten Stellen einige Steine hervor, die einzigen im gesamten Skigebiet. Mit vorsichtiger Fahrweise lassen sich Belagschäden jedoch vermeiden. Unten geben wir nochmals Gas und - der Plan geht auf: Um kurz vor 4 kommen wir locker noch in die 6SKB Mundaun. Selbst 5 Minuten später hätte man uns noch mitfahren lassen. So steht einem abschliessenden Gipfelerlebnis jenseits der Tagespensum-Hektik nichts im Wege.
Die Sonne steht jetzt im März schon hoch und damit um diese Uhrzeit immer noch hoch am Himmel. Selbst jetzt bei Betriebsschluss liegen die steilen Nordhänge noch voll in der Sonne.
Genau über dem Stein steht die Sonne - sehr hoch.
Auch das ist einer der bisweilen geäusserten Kritikpunkte: Die Lifte schliessen auch im März bereits um 16.00 Uhr. Stimmt, wir wären vielleicht noch 1 -2 weitere Pisten gefahren, doch kein Nachteil ohne Vorteil: Einen so entspannten Gipfelaufenthalt als Tagesabschluss konnte ich selten geniessen. Niemand scheucht einen hier vor dem Pistendienst nach unten. Man kann einfach den Nachmittag geniessen und irgendwann nach Betriebsschluss ganz alleine über völlig leere Pisten in der Abendsonne abfahren. Ich hätte mir den Tagesabschluss nicht besser vorstellen können.
Gerade will ich ein Bild von der Surselva - böse Zungen behaupten von der Sesselbahn - machen, da höre ich hinter mir jemanden meinen Namen rufen. Snowotz ist es nicht und ansonsten kennt mich niemand hier - also kann ich nicht gemeint sein. Doch - da ruft es noch einmal. Das kann kein Zufall sein. Und Tatsächlich: Der "Rufer" stellt sich als Intermezzo aus dem Forum vor. Hätte ich nicht gedacht! Auch ohne Verabredung lerne ich einen weiteren Menschen kennen, mit dem ich mich seither nur per Tipperei am Schreibtisch verständigt habe. Welch schöne Überraschung am Ende eines gelungenen Skitags.
Mindestens eine dreiviertel Stunde lassen wir uns hier oben von der Sonne verwöhnen.
^^ Selbst Kilometerfresser Snowotz tauscht hier die Ski gerne gegen den Liegestuhl ein
^^ Noch reger Betrieb an der Hütte, als die KSB schon längst leergefahren ist
Dann geht es über die andere schwarze Piste nach unten. Um dort hin zu kommen, lassen wir zunächst die vorher gefahrene Schwarze rechts liegen. Anderherum wäre es einfacher gewesen. Aber warum einfach, wenn's auch umständlich geht?
^^ Auf der jetzt befahrenen Schwarzen kommt endlich ein wenig Buckelpistenfeeling auf; Der lockere Pulverschnee hat sich trotz dem nächtlichen Walzen deutlich aus- und sogar etwas festgefahren
Die eingaragierte KSB liegt immer noch in der Sonne, davor die zuerst gefahrene schwarze Piste.
Um die Mittelstation Coulm Sura gesellen sich auf einem Plateau ein paar Häuser. Hier ist Schussfahren und Schwungholen angesagt.
^^ Einfach ein schöner Anblick - der Mundaun
^^ Am Ende der Schussstrecke ein letztes Mal den Photoapparat gezückt, bevor wir in die schattigen Talhänge eintauchen
Um 17.00 Uhr haben wir die Piste für uns alleine, bei immer noch besten Pistenverhältnissen. Sehr nett sind nach dem Waldstück die letzten Wiesenhänge nach Valata.
In einer Gaststätte nahe der Talstation geben wir unsere Key-Cards ab. Wir freuen uns über einen gelungenen Tag. Schade, dass er schon zu Ende ist, auch wenn wir ihn maximal ausgedehnt haben.
Fazit:
Der Tag war extrem gelungen, und das Skigebiet hat uns sehr gut gefallen. Es bietet perfekte Pisten in natürlichem Gelände. Nahezu alle Pisten machen viel Spass beim Befahren und auch an schwarzen Pisten gibt es eine überdurchnittlich grosse Auswahl. Vier Skiberge werden bis auf Gipfel oder Gratschulter erschlossen - genau so wie es sein sollte. Kapazitäten von Liften und Pisten sind gut abgestimmt. Die Tiefschneemöglichkeiten erscheinen unendlich. Die tiefe Waldgrenze sorgt für ein skifahrtechnisch perfektes Wiesengelände zwischen 1.500 und 2.200 Meter Höhe. Die multidirektionale Skischaukel bietet Hänge in allen Himmelsrichtungen und sorgt für nahezu unzählige Möglichkeiten, die Abfahrtsreihenfolge zu kombinieren. Wir hatten heute zudem das Glück, perfekte Schneeverhältnisse vorzufinden.
Bleibt zu hoffen, dass das "Sasolas-Projekt" (Stillegung) scheitert und die derzeitgie Angebotsqualität doch erhalten bleibt.