Steuerungstechnik bei Seilbahnen

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Ram-Brand
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Steuerungstechnik bei Seilbahnen

Beitrag von Ram-Brand »

Habe ein paar Fragen zur Steuerungstechnik.

Wie wird das mit dem Not-Aus (Nothalt) realisiert?
In den Stationen sind ja mehrere Taster. Sind diese alle in Reihe geschaltet?
Wird ein Sicherheitsrelais verwendet zur Überwachung? z.B. Pilz PNOZ.

Wie findet die Kommunikation statt? Also wenn der Notaus in der Gegenstation gedrückt wird muss der Befehl ja auch in der Antriebsstation ankommen.
Geht das über den LWL Bus oder über eine extra Leitung.


Vielen Dank schon mal an die Profis
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ATV
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Re: Steuerungstechnik bei Seilbahnen

Beitrag von ATV »

Hi.

Notaus ist Zweikanalig. Eingelesen wird er über eine digital Eingangskarte der Sicherheits SPS. Öffner und Schliesser müssen Gleichzeitig kommen wegen der Diskrepanzüberwachung. Fehleinspeisungen durch andere Potentiale ist nicht möglich da nur getaktete Signale am DI gelesen werden. Das Getaktete Potenzial wird von der DI Karte selber ausgegeben. Sicherheitsrelais sind überholt. Neu keine mehr eingesetzt.
Für die EFA ist es von Vorteil wenn die Nothalte einzeln eingelesen werden. Braucht aber immer 2 Eingänge pro Nothalt. Daher um Kosten zu sparen teilweise mehrere Nothalte oder Blenden in Serie/Parallel.

Gegenstation entweder über Profisafeverbindung per LWL oder über die FWA per Modem über Zugseil (Kapazitiv/Induktiv). Bei Kleinanlagen (Skilift, Kleinpendelbahn) per FUA (Erdschluss Unterbruch)
-> meine Fotos könnt ihr weiterhin auf meiner Webseite --> www.stahlseil.ch ansehen.
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Re: Steuerungstechnik bei Seilbahnen

Beitrag von Lagorce »

Je nach Anforderungsbedingungen kann man den Notstop zweikanalig mit zwei Öffnerkontakte oder, wie ATV es beschreibt, mit einem Öffner und einem Schliesser ausführen. Vorteil letzterer Lösung liegt in der diversitären Auswertung, z.B. könnte eingedrungenes Wasser in einem Schaltergehäuse beide Öffnerkonmtakte eines Pilztasters kurzschliessen, was die Steuerung nicht erkennen könnte (Taktung hilft da auch nichts).

Taktausgänge werden wie folgt eingesetzt: Anstelle einen Kontakt direkt permanent z.B. mit 24 VC DC zu speisen, wird er mittels einem sog. Taktausgang der Sicherheitssteuerung gespiesen. Dabei wird automatisch periodisch zum Selbsttest der Taktausgang während einer sehr kurzen Zeit (typ. im Millisekundenbereich) abgeschaltet; wärend dieser kurzen Zeit muss der Digitaleingang an dem das entsprechende Schaltgerät (z.B. Kontakt eines Notstop-Pilztaster) angeschlossen ist, auf null gehen. Falls dies nicht der Fall wäre, würde ein Querschluss zur Steuerspannung (typischerweise 24 VDC (+)) vorliegen. Solche Querschlüsse, sowie natürlich auch Erdschlüsse, werden somit sicher erkannt. Querschlüsse können z.B. durch beschädigte Leiterisolationen verursacht werden.

Zu beachten ist ebenfalls eine sinnvolle Planung, z.B. Zuordnung der Taktausgänge (unter gewissen Voraussetzungen kann man denselben Taktausgang für verschiedene Überwachungskreise einsetzen), Leiterführung, Zuteilung von Signalen usw. Teilweise anscheinend geringfügige Änderungen können die Sicherheit wesentlich beeinflussen, und dies u.U. sogar bei sonst gleichbleibendem Schema.

Ob man mit oder ohne Taktüberwachung arbeitet ist einsatzspeifisch, massgebend ist dabei, die erforderliche Sicherheitskategorie (z.B. SIL 3 für kritische Funktionen bei Seilbahnen) zu garantieren.


Falls die Übertragung über einen sicherheitsorientierten Feldbus (PROFIsafe, SafetyBUS p usw.) erfolgt, spielt die physikalische Übertragunsgart (Kupferleiter, LWL, Funk usw.) keine direkt sicherheistorientierte Rolle, da grundsätzlich die Sicherheit durch das Kommunikationsprotokoll garantiert wird. Die Zuverlässigkeit der Datenverbindung spielt insofern eine Rolle, da Übertragungsprobleme nach einem kurzen Timeout zu einer sicheren Abschaltung führen.

Ist die Verbindung genügend zuverlässig muss sie als solche selbst keine spezielle Anforderungen bzgl. Sicherheit erfüllen.



An Moderator
Könnte man dieses Topic nicht in das existierende wesentlich ausführlichere Steuerungstopic eingliedern?
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Ram-Brand
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Re: Steuerungstechnik bei Seilbahnen

Beitrag von Ram-Brand »

Danke für die Infos.

Ich wollte ein Sicherheitsrelais von Pilz (PNOZ 3) einsetzen. In der Anleitung davon steht ja etwas von Querschlußüberwachung.
Das reicht mir schon. Ich habe ja keine Sicherheits-SPS also kann ich das nicht direkt an die Steuerung anschließen.


Und das Thema wo anders anhängen ist nicht so toll. Dann verliere ich ja den Überblick. :-)
eher müsste ich den Titel ändern.
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Lagorce
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Re: Steuerungstechnik bei Seilbahnen

Beitrag von Lagorce »

Das Original Pilz PNOZ 3 Sicherheitsrelais erlaubt eine zweikanalige Eingangsbeschaltung (z.B. Not-Aus Taster mit zwei Öffner), jedoch ohne Querschlussüberwachung, d.h. Querschluss gegen Steuerspannung (z.B. 24 V DC (+) bei der 24 V DC Typenvariante) kann mangels Taktausgang nicht erkannt werden.

Man beachte, dass je nach erforderlichem Sicherheitslevel, die Abschaltung ebenfalls mehrkanalig erfolgen muss (z.B. zwei Schützen in Serie geschaltet mit jeweiliger Rücküberwachung mittels zwangesführten Hilfskontakten).
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