Naja. Im Grunde musste es sein, ich konnte nicht mehr anders. Der Schnee heute in der Früh, der Innsbruck leicht angezuckert hat, hat meinen Willen noch bestärkt. Und so entschloss ich mich, auf den Hintertuxer zu fahren. Da ist mehr offen und lange nicht alles so bekannt. Die Bilder vom Opening und vom Kitzsteinhörn waren noch gut im Gedächtnis (und ihm Grunde tat es mir für die Telnehmer leid, dass das Opening nach den Bildern ins Schmelzwasser gefallen war... das Opening fand heuer leider um ein Wochenende zu früh statt, ich hoffe, dass nächstes Jahr dann der Winter wieder früher kommt. Und ein paar Tage später schaut es dann so aus, wie auf den Bildern unten - verrückte Welt
Also fuhr ich in der Früh den Rechner hoch, um die Bedingungen zu checkn. Hintertux hatte alles auf der Gefrohrenen Wand und am Olperer offen (Kaserer immer noch zu), für ein paar Stunden also durchaus ausreichend. Dann noch schnell zum Stubaier gezappt. Und siehe da: 6er EUB Gamsgarten, 4 KSB Rotadl und 6er KSB Eisjoch OFFEN, 8er EUB aber zu. Somit vergrößerte sich das Angebot und der Hintertuxer war aus dem Rennen. Oben nach Webcam Sonne. In Innsbruck indes leicher Schneefall und kaum Fernsicht. Und das änderte sich auch nicht bis zur Mutterbergeralm, wo ich kurz nach 9 ankam. Lediglich ein kleines blaues Loch... Hatten die Webcams gelogen? Der Parkplatz war für die frühe Zeit relativ gut gefüllt, es war bitter kalt für diese Jahreszeit.
Mit etwas gemischten Gefühlen ging ich zur Talstation und checkte ein, dank TSC problemlos einfach durch das Lesegerät und rein in die Gondel. Wartezeiten waren, welch eine Überraschung, recht gering. Wer soll auch am Donnerstag an einer Gondel anstehen ausser meinereiner und noch ein paar Wahnsinnige, die die Gunst der Stunde nutzen wollen?
Und auch nach Verlassen der Station war das Wetter nicht besser (welch Wunder). Aber immerhin, es schneite nicht mehr, die trostlos graue Wolkendecke über der Talstation ließ wenig Hoffnung aufkommen. Es rumpelte, ein ging es in die Mittelstation Fernau. In der Station ist es dunkel, kaum ist die Gondel wieder draußen, wird es heller. Und heller und heller. Ja wird es doch noch schön?
Weitere hundert Höhenmeter später sitze ich in gleißendem Sonnenlicht. Ich kann es kaum glauben, es wirkt einfach mehr als unwirklich.
Und wenig später landet die Gondel am Gamsgarten. Draußen ist es jetzt wirklich bitter kalt und ich bin froh, dass ich in der "Kampfmontur" voll adjustiert mit zwei langen Unterhosen, einem Unterhemd, einen Schihemd und einem langärmligen Schihemd drüber und den dicken Handschuhen unterwegs bin. Es wird am Gletscher oben - 17 Grad haben. Nicht -1,7, wirklich -17 Grad. Gesprochen Minus Siebzehn! Frostig - superfrostig also. Am Gamsgarten wird weiters gerade die Terrasse mittels Schneefräse von einem guten Meter reistem Pulverschnee befreit.... Ich kann es immer noch nicht glauben und lasse meine Schi in den Schnee fallen. Schnell schiebe ich rüber zur 6er Sesselbahn Eisjoch.
Auch hier keine Wartezeiten, wenig später und bei -17 Grad stehe ich bei der Jochdohle und betrachte das Nebelmeer, welches von Bergen gespickt zu sein scheint. Na gibt es was geileres? Ich glaube es immer noch nicht und bestaune die Wolken in frostiger Kälte.
Und los geht es wieder hinunter zum Gamsgarten. Die Piste ist eines: weich. Es wundert aber nicht, immerhin liegen hier jetzt gut ein Meter Pulverschnee drauf, der sich erst verbinden muss. Interessant ist dass die Passage am Eisjoch. Der Gletscher ist weit zurück und der Unterschied ist deutlich zu merken. Hier sind leider ein paar Knollen drinnen, was den sonst sehr positiven Eindruck etwas stört, aber nicht weiter ins Gewicht fällt.
Jedenfalls ist der obere Teil der Piste eine Wucht für diese Jahreszeit. Es kann einfach nicht besser sein, als wie das, was ich hier erlebt habe. Das gab es bis jetzt noch nie. Vor einer Woche gab es hier eine Wasserschlacht, jetzt ist hier Hochwinter! Herbst gibt es wohl keinen mehr. Vorige Woche wandern bei 20 Grad auf 1000 Meter, jetzt -17 Grad auf 3200....
Unter dem Eisjoch wurde die Piste eher herstschimäßig. Die Pistenbullies haben warscheinlich etwas Gletschereis mit aufgefräßt, was jetzt den sonst guten Eindruck etwas trübt. Das war hier letztes Jahr auch nicht anders. Die Stelle scheint schwer zu präparieren sein, da hier der Gletscher aufhört und somit mehr Schnee benötigt wird. Und den hat es leider noch nicht.
Und unten am Gamsgarten da stehen sie: M18 und M20 feuern, was das Zeug hält - volles Rohr, das kann was! Andere Kanonen werden gerade versetzt und neu ausgerichtet. Da kommt Freude auf. Auf dieser Piste mache ich insgesamt 7 Wiederholungsfahrten, bis ich via DSB Wildspitz auf den Daunferner wechsel.
Auch dort setzt sich das positive Pistenbild fort. Die Fahrt von der Bergstation auf den Gletscher kann manchmal etwas haarig werden, heute aber perfekte Verhältnisse. Das kann was. Und so kommen am Daunferner auch noch 7 Wiederholungsfahrten hinzu. Schließlich fahre ich noch die Rotadlbahn auch noch 10 mal.
Selbstverständlich sind die Pisten hier auch noch etwas weich, dennoch, es macht nichts aus. Dafür, dass es nur Pulver gab, können die Bergbahnen nichts. Und die Pistengerätse sind andauernd unterwegs, unentwegt wird wieder gewalzt, unentwegt taucht ein neues Pistengerät auf und walzt weiter. Als ob sich hinter jeden Ecke eines verstecken würde. Und sie hinterlassen immer wieder perfekt pärparierte Pulverschneepisten. Ein Traum im gleißenden Weis!
Leider ziehen am späten Vormittag die Wolken immer höher und erreichen bald den Eisgrat. Darunter ist es eine helle Suppe aus Maschinenschnee und Nebel, der herumwirbelt, aber nicht unangenehm zu fahren, ganz im Gegenteil, es ergeben sich immer wieder interessante Fotomotive.
Schleißlich breche ich nochmal mit der Eisjochbahn auf. Auch im Süden werden die Wolken mehr und drängen herauf. Dennoch, man sieht bis in die Dolomiten, die wie eine Kaimauer im Wolkenmeer stehen.
Und jetzt kommt die ultimatibe Mörderfrechheit für alle, die das gerne gehabt hätten: Tiefschnee, gut ein halber Meter. Und es macht richtig Spaß durch den flauschig leichten Tiefschnee zu gleiten.
Leider zog es um 14 Uhr zu. Das Licht wurde diffuser, die sicht schlechter. Daher beschloss ich, es bleiben zu lassen. Zu gut waren die Eindrücke, die ich heute bekommen habe, um sie in ein oder zwei Stunden dann trüben zu lassen.
Mein Fazit: besser ging es nicht: Sonne, Pulver, gute Pisten, Tiefschnee. Alles das am 15. Oktober 2009 am Stubaier Gletscher vereint. Das gibt eine glatte 6 von 6 Punkten. Was anderes kann ich hier nicht sagen. Und jetzt könnt ihr mich schlagen...
MFG Dachstein