Bereits die Anreise brachte das gewünschte tiefwinterliche Erlebnis: je weiter wir uns die schmale Bergstraße von Prad über Gomagoi hochschraubten, desto höher wurden die Schneewächten am Straßenrand und die letzten Serpentinen vor Sulden schafften wir gerade so ohne Ketten. Das Dorf selbst präsentierte sich tief verschneit und wirkte noch etwas ausgestorben. Die abgelegene Lage inmitten dieser extrem hochalpinen Szenerie ist schon was ganz besonders und macht einen Aufenthalt hier am Ende der Welt zu einem unvergesslichen Erlebnis. Besonders intensiv war die Stimmung während eines Nachtspazierganges durch das eindrucksvoll in einem Hochtal gelegene Bergdorf am Fuße des mächtigen Ortlers, das - durch den Vollmond perfekt in Szene gesetzt - fast unwirklich erschien.
Am nächsten Tag präsentierte sich das Madritsch-Gebiet unter einer dicken Neuschneedecke und bot uns den ganzen Tag unverspurte Traumhänge. Tlw. sanken wir bis zu den Hüften ein und genossen bei unzähligen Varianten im Schöntauf-Bereich perfekten Powder mit grandioser Aussicht auf das Ortler-Dreigestirn gegenüber.
Ausflug ins Schnalstal:
Der 2. Tag war eher eine Enttäuschung: am Vorabend erkundigte ich mich noch telefonisch nach den geöffneten Anlagen im Gebiet (völlig idiotisch, dass die geöffneten Lifte auf der Homepage sozusagen in Echtzeit daresgtellt werden - zwischen 16 und 9 Uhr morgens sind alle Anlagen und Pisten als geschlossen ausgewiesen - sehr sinnvoll, wenn man sich abends oder frühmorgens über den Status informieren will, naja ...) und mir wurde mitgeteilt dass alles bis auf Teuefelsegg offen wäre. Vor Ort dann doch eine gewisse Ernüchterung, als auf der Panoramatafel an der Talstation auch der Hintereislift rot angezeigt wurde. Da gerade diese beiden Bahnen das Gebiet extrem aufwerten, war der Ärger über die Falschinformation anfangs doch eher groß. Da wäre wohl ein Ausflug nach Samnaun lohnender gewesen. Doch natürlich war nicht alles negativ - die flachen Pisten am Gletscher waren ganz schön zum Carven, wenngleich sie nach 2-3 mal langweilig wurden, die Talabfahrt ist bis zur Teufelsegg Talstation sehr ansprechend trassiert (danach dann allerdings zum vergessen, womit sich die geöffnete Rote Kofel 4KSB erübrigte) und auch die Pisten an der DSB Lazaun im Tal waren ganz schön, womit für einen Tag doch ausreichend Abwechslung geboten war. Dazu das imposante Panorama von der Punta Grawand, das sicher eines der eindrucksvollsten in Südtirol ist.
Insgesamt waren die Verhältnisse jedoch deutlich schlechter als in Sulden: viel weniger Schnee, weit stärker frequentiert und teils eisige und steinige Abschnitte in Talnähe - da fiel die Entscheidung nicht schwer, am 3. Tag wieder in Sulden zu fahren. Die dortigen Bergbahnen boten angesichts der geringen Auslastung mit dem zusätzlich göffneten Kanzelgebiet doch schon ein recht gutes, abwechslungsreiches Angebot. Insgesamt hat uns Sulden bedeutend besser gefallen. Wir hättens pronblemlos noch einige Tage ausgehalten ...
Wetter:
bewölkt mit sonnigen Abschnitten
Temperatur:
relativ warm
Schneehöhe:
Sulden 100 - 120 cm
Schnalstal deutlich weniger
Schneezustand:
Pulver
Offen:
Sulden:
Madritsch- und Kanzelgebiet (Talabfahrt bis zur Mittelstation der Gondel) inoffiziell bis ins Tal fahrbar
Schnalstal:
alles bis auf Hintereis und Teufelsegg
Meisten Gefahren mit:
Sulden: Schöntauf 1+2
Schnals: Lazaun
Wartezeiten:
nix
einige Minuten am Morgen an der Schnalstaler Gletscherbahn
Fazit:
Sulden:
Schnalstal:
Wenn ich mir die Horror-Berichte vom Wochenende auf Schmitten, Reiteralm und co. anschaue, kann man nur sagen, wir haben anscheinend das perfekte Gebiet erwischt. Die lange Anreise hat sich in jedem Fall gelohnt - Sulden würde ich gerne nochmal im Frühling besuchen, dann mit Martelltal und Suldenspitze; Schnalstal nur mehr mit Teufelsegg und Hintereis - besonders erstere schaut sehr spannend aus und bietet offensichtlich bei ausreichender Schneelage viel Abwechslung und perfektes Skigelände sowohl auf als auch neben der Piste ...
Fotos:
^ Sulden bei unserer Ankunft tief verschneit
^ erster Blick am Morgen von unserer Unterkunft zum Ortler
^ Ortszentrum Richtung Talschluss, wo sich die Talstation der Madritsch PB befindet
^ Bergstation der 4SB Schöntauf I
^ Ortler
^ herrlich unverspurte Hänge direkt unterhalb der Bergstation Schöntauf I
^ hier kann man ganz gut die Schneemengen erkennen, im Hintergrund die 4KSB Madritsch
^ das omnipräsente Ortler Dreigestirn
^^ Bergstation 4KSB Madritsch
^^ 4KSB Schöntauf II
^ tlw. waren auch Pistenabschnitte noch unpräpariert
^ User "sam" wünscht sich nach einem Sturz im Tiefschnee eine Skihose mit Latz
^ 4KSB Madritsch mit leichten Pisten
^ Wechsel ins Kanzelgebiet, hier die DSB mit Ortler
^^ Ortler und Sulden