Das Spieljoch in Fügen im vorderen Zillertal gehört sicherlich zu den von uns bisher am stärksten übersehenen Skigebieten und ganz sicher zu den Gebieten, an denen ich bislang am häufigsten achtlos vorbei gefahren bin, bei unzähligen Besuchen in Hintertux, Mayrhofen, der Zillertalarena, Kaltenbach und natürlich Hochfügen in den letzten 15 Jahren. Einmal hatten wir sogar einen Skipass für das Spieljoch gewonnen und fahrlässigerweise verfallen lassen.
Erst ein Familienwochenende in einem schönen Hotel am Achensee und die Frage, ob wir noch einen 2. Tag an der Christlum Skifahren wollten brachte das Spieljoch auf die Tagesordnung, zumal dort seit einigen Jahren die Talabfahrt bis auf 630 m komplett und intensiv beschneit wird, mit sehr guten Ergebnissen wie einige Testfahrer aus dem Forum berichtet hatten. Und diese Berichte sollten nicht trügen.
Das Skigebiet Spieljoch zählt zur Kategorie „klein, aber fein“. Die Beschneiung ist flächendeckend und ausreichend intensiv ausgebaut, die Pistenpflege ist als exzellent zu bezeichnen, das Liftsystem ist an die Gegebenheiten und den Andrang gut angepasst, was man an unserer großen Höhenmeteranzahl in verhältnismäßig kurzer Zeit sieht, am wichtigsten aber ist, dass diese Anlagen durchweg interessante Abfahrten erschließen. Das Spieljoch ist eigentlich in drei große Bereiche aufzuteilen:
1. Die große „Spielwiese“ des Spieljochgipfelbereichs mit den Abfahrten 1, 1a, 1b und 2 bedient von der 6-KSB Arzjoch, der 3-SB Onkeljoch sowie den SLten Onkeljoch 2 und Mösl. Dieser weitgehend baumfreie, sehr breite Hang (Exposition Nord-Nordost) bietet sehr viel Pistenfläche und Abwechslung durch seine interessanten Kuppen, Geländeübergänge und Kanten – (Re)modelliert wurde hier nur sehr wenig, weshalb das Ganze niemals langweilig wird, sich aber trotzdem ob der Breite und Großzügigkeit zum schnellen Carven sehr gut eignet.
2. Der Geols-Hang (Südost-Exposition) in Richtung Finsinggrund (Hochfügen im Talschluss). Bisher der kleinste Bereich mit der 1985 gebauten gleichnamigen DSB und einer recht kurzen, knackigen roten Abfahrt sowie einer Variante.
3. Die großzügig ausgeschlägerten Waldschneisen der Abfahrten 4 und 5 von der Talstation der 3-SB Onkeljoch zur Mittelstation der 4-EUB Spieljoch sowie zur Talstation. Diese Trennung ist deshalb so wichtig hervorzuheben, da anders als ansonsten üblich beide weitgehend getrennte Abfahrten darstellen. Insbesondere die rote 4 zur Mittelstation ist sehr breit ausgeholzt und für die relativ geringe Kapazität der 4-EUB von 1500 p/h sehr gut dimensioniert. Die vor einigen Jahren neu ausgebaute Talabfahrt bis auf rekordverdächtige 630 m ist für mich die schönste Talabfahrt des Zillertals die ich bislang gefahren bin (kenne die Ahorn-Abfahrt nicht): ein Wechsel aus teilweise nett steilen Waldschneisen und freien Bergbauernwiesenhängen, ein flotter Ziehweg dazwischen und zum Schluss immer flacher werdend der Ortschaft entgegen wedelnd, zum Schluss zwei kurze Straßenquerungen. Sehr respektabel, dass die Abfahrt trotz der geringen Seehöhe und der Sonnenexposition (etliche Osthänge) bis Mitte März so gut in Schuss und so genußvoll zu fahren ist. Vom Gipfel des Onkeljochs auf 2030 m ergibt das sage und schreibe 1400 Hm Abfahrt am Stück. Bei kompakter Unterlage aus „Bozener Pulver“ und immer stärker auffirnend ideale Verhältnisse, ist sich teilweise wie Schlagsahne gefahren (mit meine Lieblingsverhältnisse).
Zu den 8-EUB-Plänen als Ersatz der DSB Geols: eine Erweiterung hier ist sicherlich zu begrüßen, würde aber einwenden, dass die Hänge hier wegen ihrer Steilheit und nicht extremen Breite den erhöhten Förderleistungen einer solche Anlage nur nach deutlichem Ausbau gewachsen wären bzw. man müsste eine vollständig unabhängige, zweite Abfahrt anlegen. Die neue Bahn sollte nach meine Google Earth-Messungen in etwa 1,8 km lang werden und weit über 700 Hm überwinden, evt. sogar 800, was für die hohe durchschnittliche Steilheit in diesem Bereich spricht.
Ich hoffe auch sehr, dass man bei einem allfälligen Neubau der Spieljochbahn es mit der Kapazität nicht übertreibt und das heute sehr gute Verhältnis von Kapazität zu Pistenfläche nicht ruiniert.
Wetter
zunächst stark bewölkt, im Tagesverlauf immer stärker aufgelockert und längere sonnige Abschnitte, die v.a. im oberen, nicht bewaldeten Abschnitt die Sicht entscheidend verbessert haben und zum hervorragenden Eindruck des heutigen Tages entscheidend beigetragen haben
Schneelage:
alle Abfahrten geöffnet, auch Talabfahrt bis auf 630 m, dort sehr gut, dolomitenmäßig mit „Bozener Pulver“ beschneit; oberhalb der Mittelstation hat es in der Nacht wohl Neuschnee gegeben, Bäume frisch angezuckert; Pistenverhältnisse sehr gut; sehr gut präpariert, oben pulvrig, in der Mitte griffig und unten teilweise idealer Firn, am Nachmittag Sulz
Frequentation:
sehr ruhig; an der Talstation zwar etliche Autos, aber an keiner Anlage jemals ein Hauch von Wartezeit, sehr angenehmes Fahren
Gefahrene Lifte: 22 (4-EUB Spieljochbahn I 3x, 4-EUB Spieljochbahn II 5x, 6-KSB 3x, 3-SB Onkeljoch 2x, DSB Geols 3x, SL Onkeljoch II 3x, SL Mösl 3x)
Skitagbeginn: 10.45 Uhr
Skitagende: 15.45 Uhr
Gefahrene Höhenmeter: 8537 Hm, in nur fünf Stunden, allerdings ohne größere Pausen (Essen in der langen Gondelfahrt)
Fazit:
bei den heutigen Bedingungen uneingeschränkt zu empfehlen, sofern man bereit ist eine Abfahrt mehr als einmal zu fahren und auch nur einen Tag unterwegs ist. Der Schwachpunkt, die sehr lange 3-SB Onkeljoch lässt sich sehr gut mit Hilfe der 4-EUB Sektion II und dem schnellen SL Onkeljoch umgehen. Entspricht überhaupt nicht der hier im Forum in der letzten Zeit immer mehr grassierenden Anti-Zillertal-Propaganda („überfüllt“, „Massen“…); selten so leere und zumindest oben unmodellierte Pisten befahren, an denen man die Vorzüge dieser Eigenschaft ideal erleben kann: Abwechslung, Anregung, Herausforderung.
Spieljoch / Fügen | 14. 3. 2010 | Aschenputtel im Zillertal?
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Spieljoch / Fügen | 14. 3. 2010 | Aschenputtel im Zillertal?
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Re: Spieljoch / Fügen | 14. 3. 2010 | Aschenputtel im Zillertal?
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