Cardada, Grimentz, Vercorin, Jeizinen, Leukerbad, Visperterminen, Lötschental
Es ist wieder März, und wie in jedem Jahr klinke ich mich für ein paar Tage aus der Familie aus und freue mich auf einen kleinen Solotrip. Dass ich drei Tage vorher noch gar nicht weiß, wohin die Fahrt geht, ist normal. Zu viele Wunschziele stehen auf dem Programm. Allgäu, Vogesen? Zu nah. Zentral- und Westschweiz? Gern - wenn das Wetter passt. Nordostösterreichische Kleinskigebiete? Prima! Alpensüdseite ... in die Bergamasker Alpen, Via Lattea, Alpi Mondovi möchte ich schon lange. Wohin ist egal, nur das Wetter muss gut sein. Konturloses Skifahren und Blindflug kann ich nicht leiden. Drei Tage vor dem Start verbringe ich den ganzen Abend vor ca. 20 Regionalwetterberichten. Au weia ... was hab' ich mir da terminlich eingebrockt ?!? Für meinen Reisezeitraum bringt ein lästiges Italientief Dauerschneefall in die Alpi Mondovi und Dauergrau mit wechselndem Niederschlag an die gesamte Alpensüdseite. Na klasse.
Aufatmen am Vorabend der Fahrt. Die Tessin-Prognose lautet für meinen Start-Samstag nun doch auf "noch" schön; das Italientief verspätet sich etwas. Ich plane einen ganzen oder halben Tag im Skigebiet Nara im Val Blenio ein, wo ich vor zwei Jahren wetterbedingt gescheitert bin. Und vielleicht noch die Weiterfahrt nach Campo Blenio. Und ab Sonntag soll es im Wallis nach überstandenem Nordrand-Schneetief wegen der inneralpinen Lage schon wieder sonniger werden. Die Grobziele stehen fest, die Tour scheint gerettet.
Anreise 6.3.2010
Am Samstagmorgen verlasse ich um 5:30 Uhr das Haus. Dass das Schneetief in der Nacht aktiv werden würde, wusste ich. Dass ich 20 cm Feuchtschnee vom Auto zu fegen habe, lässt Böses ahnen. Also schnell zur Autobahn. Nach 3 Minuten wird klar, dass es mit "schnell" nichts wird. Die Straße zur Autobahn hat noch keinen Winterdienst gesehen. Mehr als 60 km/h würden die Fahrt durch den hohen Nassschnee im Graben enden lassen. Puh. Aber auf der Autobahn ist ja sicherlich geräumt.
Eine Viertelstunde später ist diese Illusion Geschichte. Auf der Autobahn sieht es aus, als sei ein Geschwader Tankzüge voller Kartoffelpürree verunglückt. Flächendeckender Schneebrei in Höhe 15-20 cm; teils verweht; der Winterdienst eine fixe Idee. Wer schon unterwegs ist, schlingert hilflos durch den Brei. Die Gesetze der Physik laufen zur Hochform auf. Mal liegt ein LKW warnblinkend im Graben, mal ein Pkw. Der Verkehrsfunk meldet um 6 Uhr morgens 40 km Stau bei Würzburg, 30 im Rheinland, 20 in Hessen und einen Busunfall. Ich fahre gern im Schnee Auto, aber jetzt bekomme ich Angst und denke an Abbruch und Rückfahrt. Unter diesen Umständen werde ich mindestens 10 Stunden in die Alpen brauchen, wenn ich denn überhaupt ankomme. Der Verkehr lässt vorübergehend nach. Merkwürdig: Bei eigentlich unverantwortlichen Geschwindigkeiten um 100 km/h auf der linken Spur habe ich den Wagen im Schneebrei besser im Griff als mit 60-80 km/h auf der rechten. Ich werde wieder sicherer. Die Katastrophenmeldungen im Verkehrsfunk werden länger, aber von der A5 Richtung Schweiz sind keine dabei. Also fahre ich weiter.
Ein scharfer Wetterschnitt bei Offenburg, das Schneetreiben hört auf. Sofort ist die Autobahn schneefrei und ... trocken! Ich muss mehrfach hinschauen, um das glauben zu können. Hier beginnt an diesem bedenklichen Morgen Autofahrers Paradies! Darum also gab es keine Verkehrsmeldungen von der A5 Richtung Schweiz. Ich atme auf. Kaum zu glauben, dass ich 3 Minuten vorher noch in gefährlichsten Straßenverhältnissen steckte!
Bis zum Vierwaldstättersee geht es über Basel und das Schweizer Mittelland meist trocken voran, dann fängt es wieder an zu schneien. Radio DRS berichtet, dass schneebedingt gerade der Zürcher Verkehr zusammenbricht, und rät den Schweizern, zuhause zu bleiben. Was für einen Tag habe ich mir da nur für die Anreise ausgesucht? Bloß schnell durch den Gotthardtunnel! 5 Minuten vor dem Tunnel meldet Radio DRS, dass er wegen eines Pannenfahrzeugs in Richtung Norden gesperrt wurde. OK, betrifft mich nicht, denke ich - bis zu einer Vollbremsung ganze 300 m vor dem Tunnelportal, begleitet von der DRS-Meldung, dass der Tunnel nun komplett gesperrt ist. Dankeschön.
In Airolo die Enttäuschung. Hier ist es genau so grau wie im Norden. Die Laune sinkt. Ich passiere den Skilift Prato Leventina und die Autobahnabfahrt nach Cari, dem schönen Kleinskigebiet über der Leventina. Der Himmel bleibt grau. Mist. Richtung Biasca wird es heller. In Biasca verlasse ich die Autobahn und biege ins Val Blenio in Richtung Nara ab. Nach 5 km kann ich das Tal besser einsehen ... und gebe meinen Skitag in Nara zum zweiten Mal auf. Alles grau in grau. Ärgerlich! Dann also Plan B - weiterfahren, bis es sonnig wird. Vielleicht am Lago Maggiore? Die nächsten Kandidaten dort sind die Cardada und der Mottarone. An der Cardada war ich im März 2008 bei Nebelwetter, am Mottarone noch nicht. Bis Bellinzona reichen die grauen Wolken, dann kommt endlich der ersehnte wolkenlose Himmel. Ein Tessiner Radioredakteur auf DRS erzählt den schneegeplagten Zürchern vom prächtigen Tessiner Sonnenschein. Wahrscheinlich werden sie dafür ihn lynchen wollen ...
Cardada 6.3.2010
Pistenplan
Wie schon beim letzten Besuch 2008 schafft eine Baustellenampel eine Gratis-Parkspur vor der Cardada-Talstation im Locarneser Stadtteil Orselina. Gut so, ich habe nämlich noch keine Schweizerfranken für einen Parkautomaten.
Über Skifahren auf Cardada ist im Forum schon mehrfach berichtet worden. Hier oben zählt mehr der Ausblick beim Skifahren als das Skiangebot selbst. Seit der Verkleinerung des Skigebiets sind nur noch die DSB Cimetta, der längere SCHL Alpe Vegnasca, der Übungs-SCHL Cimetta und ein Seillift übrig geblieben. Der SCHL Alpe Cardada wurde unerklärlicherweise geschliffen, der SCHL Pian Üsei stillgelegt. Die besten Pisten hat der SCHL Alpe Vegnasca; sie führen größtenteils auf interessanter Trasse durch Tessiner Laubwald. Die Abfahrt der DSB verdient nur im oberen Teil diesen Namen, unten ist sie Ziehweg. Die nicht mehr unterhaltenen Abfahrten Alpe Cardada und Pian Üsei lassen sich an einem Tag wie heute ideal auf Firn fahren. Das sorgt für ausreichend Abwechslung - prima! Bei der Skiliftruine Pian Üsei liegen die Rollenbatterien am Boden. Ich nehme an, dass der Lift im Sommer 2010 endgültig demontiert wird. Von Norden zieht ein abgerissenes Wolkenfeld zum Lago Maggiore, verdeckt die Sonne und sorgt für die verhasste konturlose Sicht. Die Laune sinkt ... doch nur eine halbe Stunde später ist der Spuk vorbei, und es wird sogar noch sonniger als vorher. Glück gehabt! Zu schnell vergeht die Zeit bis zum Liftschluss.
Wohin soll die Fahrt nun weiter gehen? Im Auto warte ich auf den Wetterbericht von Radio DRS. Der bestätigt den bisherigen Trend: Auf der Alpensüdseite ab Sonntag regnerisch, im Wallis dagegen sonniger. Die meiste Sonne soll es im Unterwallis rund um Sierre geben. Na dann los - das Wallis ist ohnehin meine Schweizer Lieblingsgegend (zusammen mit dem Appenzellerland)! Es beginnt die schon vor zwei Jahren zelebrierte Kurven-Speedrallye durchs Centovalli, das allein schon von der Straßentrassierung her seinen Namen zu recht trägt. Weiter an der Piana di Vigezzo und an Domodossola mit seinen interessanten Kleinskigebieten vorbei. Domobianca hat heute weithin sichtbar Flutlichtbetrieb - gern wäre ich dort noch gefahren, aber es liegt noch zu viel Fahrstrecke vor mir. Auf dem Simplonpass beginnt es zu dämmern. -10°C zeigt das Autothermometer hier auf 2000 m - wesentlich kälter als auf der Cardada bzw. Cimetta. Der kurze Schlepplift auf der Simplon-Passhöhe ist für die Saison 2009/2010 nicht mehr aufgebügelt worden - es fehlt Geld für die nötige Seilerneuerung. Schade. Im Restlicht sehe ich noch, dass es am Samstag bis Brig hinuntergeschneit hat. Das ist eher selten. Im Aletschgebiet hängen dicke Wolken. Nach einigem vergeblichem Suchen unten im Rhonetal leitet mich eine Leuchtschrift zu einem guten Hotel in Agarn zwischen Visp und Leuk. Aus autofahrerischer Sicht findet der Tag gottseidank sein Ende. Das Deutschschweizer Fernsehen bestätigt für den insgesamt wolkenreichen Sonntag eine Schönwetterinsel im oberen Unterwallis. Ich nehme mir das Val d'Anniviers vor.
Fotos:
Cardada: PB Orselina-Cardada mit Locarno, Maggia-Delta und dem Monte Tamaro im Hintergrund.
Cardada: Piste 2KSB Cardada und Lago Maggiore. Für diesen Blick fährt man hierher.
Cardada: Piste SCHL Cimetta und Lago Maggiore. Weiß-blau muss nicht bayrisch sein.
Cardada: Abfahrt Alpe Cardada, die früher von einem eigenen Schlepplift bedient wurde. Heute prima auf Firn zu fahren. Das kleine braune Häuschen rechts am weißen Hang war die Schlepplift-Talstation.
Cardada: Bergstation Cimetta mit Restaurant und Skilift-Bergstationen.
Cardada: Skiliftleiche Pian Üsei mit Piste und Lago Maggiore.
Cardada: Skiliftleiche Pian Üsei diesmal mit viel Schnee. Als ich 2008 dort war, schauten die Büsche heraus. Der Lift befindet sich in Demontage.
Cardada: Piste Alpe Vegnasca im typischen Tessiner Laubwald.
Cardada: Skilift Alpe Vegnasca. Für die Saison 2009/2010 wurde ein Lawinenschaden an einer Portalstütze repariert.
Cardada: Piste 2KSB Cimetta mit Prachtblick auf den See und das Maggiadelta.
Grimentz 7.3.2010
Pistenplan
Tatsächlich ist der sonntagmorgendliche Blick aus dem Hotelfenster in Agarn erfreulich. Keine Wolke trübt das Blau des Himmels - am Vorabend war es noch bedeckt gewesen. Ich entscheide mich, in die Skiurlaubs-Spuren meiner Eltern zu treten, die vor einigen Jahren von ihrem Grimentz-Urlaub schwärmten. Für den Nachmittag steht - ebenfalls wegen Familienempfehlung - Vercorin auf dem Plan. Zinal fanden meine Eltern damals enttäuschend, weshalb ein Besuch dort für mich zunächst keine Priorität hat. Und in St. Luc/Chandolin war ich 2002 mit einer Gruppenreise, die mir noch gut in Erinnerung ist. Damals ärgerte ich mich über die mäßigen Busverbindungen der Anniviers-Dörfer untereinander; ab Chandolin wäre man z.B. nach Grimentz (inkl. Umsteige-Wartezeit in Vissoie) anderthalb Stunden Postbus gefahren. Das lohnte sich nicht.
Die Tageskarte fürs gesamte Anniviers kostet CHF 47,00. Die Skigebietsimpression von Grimentz ist ausgezeichnet. Eine EUB bringt den Skigast hinauf nach Bendolla, von wo aus sich zwei Aufstiegsachsen anbieten. Links führen die fixgeklemmte Alt-DSB "Les Crêts" und die beiden Poma-SCHL "Lona 1" und "Lona 2" direkt zum höchsten Skigebietspunkt Becs-de-Bosson, wo die Bergstationstemperatur auf 2900 m geschätzt -12°C beträgt. Das gleiche geht auch rechtsherum mit den beiden KSBs "Grands Plans" und "Tsarva" und dem SCHL Becs-de-Bosson, erschließt aber andere Geländekammern. Außerdem wird über die zweite Achse der rhonetalseitige Aussichtspunkt "Roc d'Orzival" mit dem gleichnamigen Poma-SCHL erschlossen. Die Pisten von Grimentz sind sämtlich schön gelegen und bestpräpariert; auch die recht anspruchsvolle Talabfahrt. Die Anlagenmischung aus Sesselbahnen und Schleppliften ist gut so; es wird nicht langweilig. Ständig begleitet den Skigast der Blick auf die vergletscherten Walliser Viertausender Weißhorn, Zinalrothorn, Obergabelhorn, die sich mir zumindest zeitweise zeigen (rings um das obere Unterwallis ist es wesentlich wolkenreicher als hier). Das hinterlässt intensivere Impressionen als das Skifahren in Tirol oder im Allgäu. Die vermeintlich interessanteste Grimentzer Piste, die schwarze Lona, bietet leider so gar keine landschaftlichen Highlights und ist m.E. als zu schwierig eingestuft (sie ist bestenfalls rot). Mein Liebling in Grimentz wird deshalb der Schlepplift Becs-de-Bosson (Von Roll?) mit seinen z.T. leicht schiefen Stützen
Fotos:
Grimentz: 6EUB Bendolla.
Grimentz: 4KSB Grands Plans. Wenig interessante Trasse.
Grimentz: Weiter mit der 4KSB Tsarva, der "zweiten Etage".
Grimentz: SCHL Becs-de-Bosson, die dritte Etage. Erschließt vielfältige Pisten durch mehrere Geländekammern. Mein Favorit in Grimentz.
Grimentz: SCHL Becs-de-Bosson mit einer seiner vielen Pisten.
Grimentz: Was da aus den Wolken auftaucht, müsste das Weißhorn sein, 4505m. Vorn der SCHL Lona II.
Grimentz: Die schwarze Piste Lona, eine "Hintenrum"-Abfahrt. Leider unspektakulär.
Grimentz: DSB Les Crêts im Gartenbankstil. Ist es eine alte Habegger? Habe den Hersteller schon wieder vergessen.
Grimentz: SCHL Lona II mit Kurve. Schöne Trassenführung.
Grimentz: Blick übers Rhonetal nach Leukerbad mit dem Skigebiet Torrenthorn. Einen Tag später bin ich dort. Leider ist das Foto von der hohen Luftfeuchtigkeit getrübt.
Grimentz: Blick zur anderen Anniviers-Talseite nach Chandolin und aufs Illhorn. Dort war ich 2002 im Skiurlaub. Ein schönes Gebiet. Leider gibt es den Direktzubringer ins Skigebiet von Chandolin aus, den SCHL Illhorn I, nicht mehr.
Grimentz: Talabfahrt mit 6EUB Bendolla.
Vercorin 7.3.2010
Pistenplan
Mittags wechsle ich nach Vercorin, das auf einem Balkon über dem Rhonetal auf der selben Hangseite liegt wie Grimentz. Von hier startet eine ältere EUB ins Skigebiet Crêt du Midi, in dem Wartezeiten ein Fremdwort sind. Von der Bergstation und aus dem Skigebiet gibt es einen schönen Blick einerseits auf die Rhonetal-Südhänge mit Anzère und Crans-Montana, wo heute das Weltcuprennen der Damen stattfindet, andererseits auf die andere Anniviers-Talseite mit St. Luc, Chandolin und der Bella Tola darüber. Das Skigebiet Crêt du Midi lässt sich simpel dreiteilen: 1. das wenig interessante Übungsgelände unterhalb der EUB-Bergstation auf Anniviers-Seite, das gleich mit vier Poma-Schleppliften nebeneinander erschlossen ist, 2. die sehr schöne, lange "Piste Noire" auf Anniviers-Seite mit dem Téléski Tracuit unterhalb des Übungsgeländes, 3. die ebenfalls sehr schönen und anspruchsvollen Pisten auf der Rhonetalseite zwischen EUB-Berg- und Mittelstation, die auch vom Téléski Sigeroulaz bedient werden. Auf der Noire und auf den Rhonetal-zugewandten Pisten zur Mittelstation lasse ich es nach Lust und Laune bis Liftschluss ordentlich krachen. Wie schon am Vortag im Tessin trübt es auch in Vercorin nachmittags vom Unterwallis her ein, so dass der Skitag schon vorzeitig besiegelt scheint. Doch auch hier kann ich mich eine halbe Stunde später wieder bis zuletzt über Sonne freuen, während die Rhonetal-Südhangseite mit Crans-Montana im Dauergrau verbleibt.
Zufrieden geht es zurück ins Hotel in Agarn. Den Wetterbericht für den Montag nehme ich entspannt zur Kenntnis: Einfach nur schön soll es im gesamten Wallis werden. Standortwechsel ist nicht mehr erforderlich. Wenn man erst mal im Wallis ist, macht das auch keinen Sinn mehr - nirgendwo sonst außer vielleicht im Dolomiti Superski-Land findet man eine solche Dichte an Skigebieten. Ich nehme mir für Montag Jeizinen und das Lötschental vor.
Fotos:
Vercorin: 4EUB Crêt-du-Midi mit Blick auf den Ort, der gerade von einer Wolke verdunkelt wird.
Vercorin: Skiübungshänge unterhalb der Bergstation Crêt-du-Midi, die von mehreren Poma-Schleppern erschlossen werden. Gegenüber auf der anderenTalseiten Chandolin und das Skigebiet von St.-Luc mit der Bella Tola, einem hervorragenden Aussichtsberg.
Vercorin: Skiübungshänge unterhalb der Bergstation Crêt-du-Midi. Der Pomalift Les Chardons im Vordergrund verfügt statt der klassischen Poma-Seilscheiben über Rollenbatterien (Umrüstung?).
Vercorin: Blick übers Rhonetal nach Crans-Montana, wo ich 2003 war. Heute findet dort ein Damen-Weltcuprennen statt.
Vercorin: Talstation SCHL Cabanon, hinten das Weißhorn. Kurz vorher führt ein Abzweig auf die "Piste Noire".
Vercorin: Piste Noire, die weiter unten im Wald ihre sehr schöne Fortsetzung findet.
Vercorin: Blaue Piste SCHL Sigeroulaz. Verläuft sehr schön durch lichten Wald.
Vercorin: SCHL Sigeroulaz. Links am Grat die 4EUB Crêt-du-Midi.
Vercorin: 4EUB Crêt-du-Midi. Auf der anderen Rhonetalseite Crans-Montana.
Vercorin: Talabfahrt "Piste Bisse", die weit nach Westen aus dem Skigebiet herausführt. Zurück zur EUB geht's per Quertraverse.
Vercorin: Auf der Traverse von der Piste Bisse zurück zur EUB quer durch die Bebauung. Der ältere Teil des Orts liegt auf dem kleinen südausgerichteten Plateau.
Vercorin: Talstation 4EUB Crêt-du-Midi.
Jeizinen 8.3.2010
Pistenplan
In den 1970er bis 1980er Jahren bin ich auf Skiern im Aletschgebiet groß geworden. Insgesamt 8 Skiurlaube verbrachte meine Familie auf der Bettmeralp. Stets führte die Anreise im elterlichen Pkw von Norden durch den Lötschbergtunnel. Wenn man damals nach langem Serpentinenstau das Lötschental in Gampel verließ, konnte man aus dem Autofenster die Stützen der Seilbahn Gampel-Jeizinen sehen, etwas weiter in Richtung Visp im Rückblick auch irgendwo Liftstützen oberhalb von Jeizinen. Trotz emsiger Oberwallis-Skiausflüge in den 1980er Jahren haben meine Eltern und ich es damals leider nicht geschafft, dem Skigebiet Jeizinen einen Besuch abzustatten. Zeit, das zu ändern, zumal ATV im Forum bereits zwei Berichte über Jeizinen eingestellt hat, die vielversprechend sind. Zunächst ärgere ich mich am Montagmorgen über mich selbst, habe ich doch die Straßenkarte falsch gelesen. Die vermeintliche Autostraße von Gampel nach Jeizinen gibt es nicht, nur eine von Leuk aus. Die Seilbahn nach Jeizinen möchte ich wegen des dünnen Fahrplans auch nicht unbedingt benutzen. Also weiter nach Leuk ... das verunmöglicht die Nachmittagstour ins Lötschental, denn das wird zuviel Fahrerei. Dann geht es am Nachmittag halt nach Leukerbad, da war ich auch noch nicht.
Die Autofahrt von Leuk nach Jeizinen hoch über dem Rhonetal zieht sich lang hin, wenn sie auch durch hübsche, wenig berührte Walserdörfer führt. Während der Fahrt schweift der Blick ins auf der anderen Rhonetalseite liegende Turtmanntal, über dessen Talschluss als eindrucksvolle, hochalpine Kulisse das Weißhorn steht. Das muss man sich begreiflich machen: Turtmann im Rhonetal liegt auf 640m Seehöhe, das Weißhorn ist mit 4505m nach Montblanc-Massiv, Monte Rosa-Massiv und Mischabelgruppe der vierthöchste Alpenberg. In der Höhendifferenz zwischen Rhonetal und Weißhorngipfel verschwindet locker der gesamte Großglockner ab Seehöhe Null! Ein Vergleich, an dem man sieht, warum das Wallis landschaftlich viele andere Alpenregionen in die Tasche steckt ... Wenn man endlich das Ortsschild von Jeizinen passiert, ist man bereits unbemerkt an der Talstation der DSB Feselalpe vorbeigefahren. Diese versteckt sich wie bereits von ATV beschrieben in einem Bachtal vor dem Ort. Das Bachtal ist morgens seeehr schattig ... war ich auf dem Jeiziner Dorfparkplatz noch mit offener Jacke herumgelaufen, frieren mir nun beim Schließen der Skistiefel die Finger ein - brrrrrr! In diesem Kälteloch haben sich -10°C gehalten. Die Tageskarte kostet CHF 37,00; eine Vormittagskarte gibt es nicht. Ob sich das lohnt?
Bedächtig schaukelt mich die alte WSO-DSB im hellblauen Gartenbank-Stil durch den Wald nach oben. Hier braucht niemand eine schnellere Bahn als die bestehende. Ich bin froh, endlich wieder in die Sonne zu kommen. Oben an der DSB-Bergstation begrüßt mich der Aufpasser persönlich als ersten Skigast.
Bevor ich starte, ist zunächst das Panorama einzuordnen. Es steht dem von z.B. Crans-Montana in kaum etwas nach. Ganz im Osten schließen Galenstock oder Fiescherhörner (?) das Untergoms optisch ab. Davor ist am Südhang Bellwald auszumachen. Die Nordhänge des Untergoms werden optisch vom Skigebiet Rosswald über Brig abgeschlossen. Darüber stehen Bettlihorn (ein großartiger Wanderberg!) und Monte Leone. Simplon-nah quellen ein paar Wolken des schlechten Tessiner und Piemonteser Wetters herüber. Davor steht der Buckel des Gebidem, auf dessen Flanke ich das Skigebiet von Visperterminen erkenne, mein Dienstagsziel. Darunter im Rhonetal Visp. Weiter im Vispertal rechts neben Visperterminen das Kleinskigebiet Gspon, nur per Seilbahn ab Stalden erreichbar. Gern hätte ich mich auch dort umgesehen, aber meine kurze Urlaubszeit reicht dafür nicht. Weiter über dem Vispertal Fletschhorn (3996m) und Weissmies (4023m), davor das gesamte Skigebiet Bürchen-Unterbäch-Eischoll, wo ich in den 1990ern mit meinem Vater Ski fuhr - ein schönes Gebiet. Darüber grüßt vom Saastal aus die Mischabelgruppe (4545m im Dom). Genau gegenüber von Jeizinen geht das 2971m hohe Augstbordhorn in seiner eindrucksvollen Umgebung nahezu unter. Dann wie schon beschrieben das wenig besiedelte Turtmanntal mit dem schicken Weißhorn (4505m) als Abschluss. Die anschließenden Nordhang-Berge überm Rhonetal in Richtung Westen kenne ich nicht. Dahinter schauen wohl auch noch ein paar Walliser 4000er-Spitzen heraus, die ich aber nicht einordnen kann. Aus dem Skilift heraus erspäht man die Kuppe des Montblanc (4808m). Und von der Talabfahrt aus schaut man auch noch nach Westen durchs ganze Rhonetal über Sion und seine Burgberge auf die Dreitausenderketten des Unterwallis. Puh - so viele Eindrücke sind zu verarbeiten!
Die beiden Pisten bieten besten sportlichen Skispaß bei sehr guter Präparation. Hier kann ich so richtig die Sau rauslassen!
Kurz seien noch der heute außer Betrieb befindliche WSO-Übungslift und die beiden Seillifte auf der Feselalp erwähnt. Die Talabfahrt - wie schon von ATV beschrieben bloß eine Forststraße, bei der man ein paar Serpentinen über Pistenstücke abkürzen kann. Aber sie bietet Prachtblicke ins Unter- und ins Oberwallis. Grinsend fahre ich am Tempo 50-Schild vor dem Ortseingang Jeizinen vorbei. Nein, hier wird nicht geblitzt.
Fotos:
Jeizinen: Anfahrt hoch über dem Rhonetal. Unten hinter der Schattenkante liegt der Ort Turtmann auf 640m. Überm Turtmanntal das Weißhorn, 4505m. In der Höhendifferenz von 3865m versinkt mal eben so der gesamte Großglockner ab Seehöhe (!).
Jeizinen: DSB-Talstation vor dem Ort im Bachbett.
Jeizinen: Bergstation DSB Feselalpe. Hinten der Schlepplift und seine Pisten.
Jeizinen: Trasse WSO-Schlepplift Feselalpe. Klassische Schweizer Wintersport-Impression.
Jeizinen: SCHL Feselalpe im lichten Lärchen- und Bergarvenwald. Hinten Augstbordhorn und Weißhorn.
Jeizinen: Fahrt im WSO-Lift Feselalpe. Schweizer Skifahren wie vor 30 Jahren. Die WSO-Stützen sind nicht einmal mit Arbeitspodesten nachgerüstet.
Jeizinen: Obere Feselalpe an der SCHL-Bergstation. Die Gebäude sind z.T. komplett im Schnee abgesoffen.
Jeizinen: Dreifachkurve des SCHL Feselalpe mit Weißhorn.
Jeizinen: DSB-Bergstation, Restaurant und SCHL-Talstation. Dahinter das Augstbordhorn.
Jeizinen: WSO-Übungslift auf der Feselalpe, heute nicht in Betrieb - wozu auch bei 10 Skigästen?
Jeizinen: Untere Feselalpe mit zweitem Restaurant. Hinten Weißmies/Fletschorn, die Mischabelgruppe und das Skigebiet Bürchen/Unterbäch/Eischoll.
Jeizinen: Blick von der Talabfahrt ins Unterwallis nach Sion. Ist der große Berg hinten der Grand Muveran?
Jeizinen: Blick von der Talabfahrt ins Oberwallis bis nach Bellwald und Rosswald. Hinten mittig der mächtige Monte Leone, hinten rechts Weißmies und Fletschhorn.
Leukerbad 8.3.2010
Pistenplan:
Eigentlich ist die Überschrift dieses Abschnitts falsch. Dieser Teilbericht müsste "Albinen" heißen. Die finanzielle Talfahrt Leukerbads verursachte in den letzten Jahren einen Anlagen-Kahlschlag im Skigebiet Torrenthorn, der seines gleichen sucht und Leukerbad auf der Ski-Qualitätsskala nach unten zog. Feuillerettebahn, Waldegglift, Gratlift, um nur einige zu nennen, sind der skiplanerisch teilweise sinnlosen Aktion zum Opfer gefallen. Beim Skigebiet wurde auf Teufel komm raus eingespart, bei Leukerbads Bademöglichkeiten m.W. nicht. Nur weil ich hier - wie schon im Anniviers - auf den Skispuren meiner Eltern wandle, nenne ich den Teilbericht halt doch "Leukerbad". Dort stelle ich den Wagen am frühen Montagnachmittag ins Parkhaus (Parkplätze für Tagesgäste gibt es in Leukerbad nicht), denn ich möchte mir nach dem Skifahren ein Bild vom Ort machen.
Der Preis von CHF 44,00 ist eine Unverschämtheit für einen Nachmittagspass für ein gestutztes Skigebiet (zum Vergleich: Die o.g. Anniviers-Tageskarte für vier ungestutzte Skigebiete kostet CHF 47,00). Dazu kommt dann noch die Parkgebühr. Ich fühle mich hier als Tagesgast nicht willkommen. Die große PB fährt viertelstündlich und bringt mich fix nach oben zur Bergstation Rinderhütte im Skigebiet Torrenthorn, von dem ich noch keinerlei Vorstellung habe. Oben muss ich mich erst mal umschauen. Der Bergstationsbau - ein werbungsdekorierter (sorry, aber das ist unter aller Sau!) Betonbunker, der italienischen Entwürfen der 1960er Jahre in nichts nachsteht. Da Leukerbad schon recht weit hinten im Tal liegt, gibt es leider nur einen Blickwinkel voll Walliser Alpen-Panorama. Zum Trost sieht man dafür aber den Mont Blanc in voller Pracht. Gegenüber vom Höhenskigebiet prallt der Blick an den schroffen Gemmi-Wänden ab. Das "Skigebiet Torrenthorn" besteht nur noch aus dem SCHL Rinderhalde nebst Übungs-SCHL Torrent und der 4KSB Schwalbennest. Die Anlagen enden weit unterhalb des 2996m hohen Torrenthorns, welches den Blick in die Berner Alpen verdeckt. Der einstige Portalstützen-Schlepplift zum aussichtsreicheren Gipfelgrat wurde geschliffen. Interessantes Skifahren findet direkt unterhalb des Torrenthorns heute nicht mehr statt, wie ich nach 2-3 Fahrten mit den Beschäftigungsanlagen feststelle. Stattdessen verschandelt der hässliche 1960er Jahre-Bau des hier völlig deplazierten "Hotels Torrenthorn", von dem nur noch das Restaurant betrieben wird, die Landschaft und ruft nach baldiger Beseitigung. Auch dieser Bau ist mit Außenwerbung zusätzlich verhässlicht worden. Das Hotel wurde im Rahmen der Ersterschließung des Skigebiets mitgebaut, als noch eine Gipfelbahn aufs Torrenthorn geplant war - schon damals ein Fehler. Das Geld hätte man besser gleich in die Gipfelbahn gesteckt und nicht ins Hotel.
Vergessen wir also das eher langweilige Höhenskigebiet Torrenthorn und machen uns auf die Talabfahrten. Hier spielt das Skigebiet von Albinen - das von Leukerbad ist es ja vorwiegend nicht - seine Trümpfe aus. Die Torrentstafel-Abfaht vom Schwalbennest hinunter zur EUB-Talstation Flaschen - ein Genuss. Die schwarze FIS-Abfahrt von der Rinderhütte hinunter nach Flaschen - großartig zum Austoben, auch wenn sie nun wirklich nicht schwarz einzustufen ist, sondern bestenfalls rot. Die FIS-Abfahrt muss ich gleich nochmal fahren ... und nochmal ... und nochmal von ganz oben (Ausstieg Schwalbennest) ohne Stopp. Nur so macht Skifahren unterhalb des Torrenthorns Spaß!
Zum Liftschluss geht es über die schwarze Talabfahrt nach Leukerbad zurück. Eine Wahnsinnsidee, hier in die steile Bergflanke einen mäandrierenden Verhau aus Lawinenverbauungen und metallenen Trassierungen zur Aufnahme einer Skipiste zu stellen! Und durch einen Skitunnel führt die waghalsige Route auch noch! Die Talabfahrt nach Leukerbad ist zwar nicht wirklich schwierig, aber auch nichts für Weicheier. Per Ziehweg wird man wieder in Leukerbads Kahlschlagwelt, nämlich zur ehemaligen Maressen- bzw. Feuillerette-Sesselbahn, geführt. Über dem schönen Skihang Obere Maressen steht als Kahlschlag-Mahnmal die Ruine der WSO-Bergstation aus den späten 1980er Jahren. Seit dem Abbruch der Feuillerette-Sesselbahn hat die obere Hälfte Leukerbads keinen direkten Anschluss ans eigene Skigebiet mehr und muss stattdessen Skibus fahren. Peinlich. Ein weiterer Ziehweg führt den Skifahrer vom Maressen-Hang zum vereisten Schlusshang über der Talstation der Torrent-PB. Im Rückblick sind der Wegfall von Gratlift und Maressen- bzw. Feuillerette-Sesselbahn unverzeihlich. Die anderen Anlagen-Abbrüche lassen sich zumindest für Leukerbad-Neulinge verschmerzen.
Nach dem Skifahren erkunde ich noch kurz Leukerbad. Ab 16:30 Uhr liegt der Ort im eisigen Schatten, während die benachbarten Rhonetal-Südhänge bis abends Sonne haben. Brrr ... das hält man als Urlaubsgast wirklich nur im Thermalwasser aus! Das Leukerbader Parkhaus kann man nur bargeldlos bezahlen. Ich habe nur die EC/Maestro Card dabei. Das Gerät akzeptiert meine PIN nicht, obwohl sie stimmt. Na klasse ... gefangen im Parkhaus. Moment ... am Automaten steht "Notfalltelefon bis 17 Uhr: ...". Ein Blick auf die Uhr - es ist fast 18 Uhr. Trotzdem meldet sich eine freundliche Stimme: "Bin gleich bei Ihnen!", und nach nur zwei Minuten erscheint eine gegen die Kälte vermummte, junge Frau aus dem Seilbahnbüro. Ich demonstriere mein Bezahlproblem und erhalte eine Gratis-Ausfahrkarte (!). Das hatte ich auch noch nie ... vielen Dank! Die junge Frau verabschiedet sich und geht ganz offenbar heim ins Dorf in den Feierabend. Moment ... hätte ich eine Minute später angerufen, wäre sie weg gewesen?!? Meine "Rettung" habe ich also nur ihrer Überstunde zu verdanken? Und welches Schicksal ereilt Parkhausnutzer, die unter der Notrufnummer niemanden mehr im Seilbahnbüro erreichen???
Fotos:
Leukerbad: PB Leukerbad-Rinderhütte. Fährt mächtig steil die Bergkante hinauf.
Leukerbad: Bergstation Rinderhütte. Beton muss her! Geht es noch hässlicher? Vielleicht mit mehr Werbung?
Leukerbad: 6KSB Schwalbennest. Ersetzte einen Schlepplift auf anderer Trasse. Links das hässliche Hotel Torrenthorn.
Leukerbad: Hotel Torrenthorn. Krasse Fehlplanung aus der Erschließungszeit. Wer bitteschön brauchte jemals hier oben dieses Hotel? Jetzt noch hässlicher mit Coca-Cola-Werbung. Schnell, eine Fallbirne!
Leukerbad: Abfahrt Torrentstafel. Sehr schön.
Leukerbad: Bergstation Rinderhütte der 6EUB von Flaschen aus. Transparente Bauweise, gutes Design. Das genaue Gegenstück zur PB-Station.
Leukerbad: SCHL Rinderhalde, der einzige verbliebene "große" Schlepplift im Skigebiet Torrenthorn. Weder Lift noch Pisten verdienen gesonderte Erwähnung.
Leukerbad: Schwarze FIS-Abfahrt. Fahrspaß pur - klasse!
Leukerbad: 6EUB Flaschen-Rinderhütte am Ende der FIS-Abfahrt. Schöne und zügige Von-Roll-Bahn.
Leukerbad: PB-Leukerbad-Rinderhütte. Klassisches Großkabinendesign, klassische Farbgebung.
Leukerbad: Blick von der schwarzen Talabfahrt nach Leukerbad auf den Ort. Darüber die Lücke des Gemmipasses.
Leukerbad: Schwarze Talabfahrt. Slalom durch den Verhau aus Lawinenverbauungen und sonstigen Trassierungen.
Leukerbad: Abfahrt obere Maressen, heute nur noch Teil der Talabfahrt. Die kuppelbare WSO-Sesselbahn, die diesen Hang als Beschäftigungsanlage bediente und eine wichtige Zubringerfunktion für den oberen Teil Leukerbads zur PB hatte, wurde ersatzlos abgerissen. Völlig sinnlose Aktion das.
Visperterminen 9.3.2010
Pistenplan:
Für meinen letzten Skitag im Wallis, den Dienstag, prognostiziert Radio DRS vormittags Sonne und ab nachmittags Eintrübung. Am längsten soll es in Leukerbad und im Lötschental schön bleiben, meint Radio Rotten als Lokalspezialist. Daher entscheide ich mich für einen Vormittagsbesuch in Visperterminen und den Nachmittag im Lötschental, das ich eigentlich am Vortag besuchen wollte. Nach Visperterminen führt eine reichlich lange Bergstraße rund 700 Höhenmeter vom östlichen Ortsausgang von Visp hinauf. Schweiz-typisch hätte hier eigentlich eine Seilbahn gebaut werden müssen.
An der 2KSB-Bergstation Giw ist es keinen Deut wärmer, und wieder befindet sich die Sonne, die kaum über den Grat des Nordwesthangs schaut, hinter diesem unerklärlichen Wolkenschleier. Schnell ein paar Fotos gemacht und dann weiter mit dem Schlepplift (Küpfer?) hinauf auf den Grat. Schön führt die Lifttrasse durch den Bergwald bis zu einer klassischen Zwirbelkurve, die ich hier nicht erwartet habe. Plötzlich fliegen aus blauem Himmel Schneekrümel auf die Lifttrasse. Hä? Und hinter der Zwirbelkurve haut mich auf dem kahlen Kamm ein völlig unerwarteter Eissturm nahezu aus dem Liftbügel heraus! Baaaaah, was ist das denn ?!? Der Blick nach vorn in Schlepprichtung wird unmöglich. Geschätzte -15°C plus Gegenwind um 70-80 km/h plus die Luft voller Triebschnee und Eiskristalle ergeben auf dem Grat gefühlte, lebensfeindliche -40°C. Von wegen sonnenverwöhntes Skifahren bei akzeptablen Temperaturen ... Wie ein Sandstrahl zerfräsen die Elemente jedes nicht vermummte Stück Gesicht. DAS also ist dieser komische Wolkenschleier, den man von unten sieht ... offenbar ein lokales Föhn-Phänomen. Ich versuche, mein Gesicht mit dem Skihandschuh zu schützen, was nur teilweise gelingt, und blinzle alle paar Sekunden zwischen den Fingern hindurch, um den Liftausstieg nicht zu verpassen. Zuhause werde ich mich ein paar Tage später wundern, warum sich ganz ohne Sonnenbrand Teile meines Gesichts häuten. Die simple Erklärung: Erfrierungen ersten Grades ... An der Schlepplift-Bergstation ein schneller Fotoversuch. Nach wenigen Sekunden sind meine oberen Fingerglieder kalkweiß und nicht mehr spürbar. Lassen wir das also lieber, denn der Blick in Richtung Aletschgebiet, den ich von hier oben eigentlich genießen wollte, wird von den tobenden Elementen ohnehin weitgehend geschluckt. Was da an Wetterkräften von Süden her über den Simplon donnert und am Gebidem zerschellt, ist nicht genau einzuordnen, weil der Blick in Windrichtung unmöglich ist und der rasende Triebschnee gegen das Sonnenlicht einen Whiteout-Effekt verursacht. Die eingangs erwähnte Schulklasse ist inzwischen auch auf dem Grat eingetroffen und flüchtet, den extremen Verhältnissen ausgesetzt, jammernd hinter das einzige Holzhäuschen hier oben. Ich möchte jetzt weder der Sportlehrer sein noch die Bergstationsaufsicht in ihrem telefonzellengroßen Sperrholzverschlag.
Da ich es nicht mag, wenn Anlagen grundlos geschlossen bleiben, prüfe ich per Pistenplan, wie man zum außer Betrieb befindlichen Skilift Senntum hin- und wieder wegkommt. Hin über die schwarze Piste und zurück per kurzem Aufstieg, dann Abschluss über die gesperrte Talabfahrt, das müsste gehen. Und tatsächlich verfügt der Küpfer-Lift Senntum über zwei interessant trassierte, abwechslungsreiche Pisten. Heute wären sie ideal - sie sind nämlich windgeschützt. Die in Teilen apere Talabfahrt führt an Alpgebäuden vorbei in den Wald und an den Wallfahrtskapellen entlang zurück nach Visperterminen, wobei kurze Stücke neben der abgetauten Piste auf dem Eis zurückzulegen sind. Keine Ahnung, warum in Visperterminen am Nordwesthang auf 1300m der Schnee fehlt. Die benachbarte Augstbordregion hatte auf gleicher Höhe genug Schnee.
Fotos:
Visperterminen: Talstation 2KSB Giw. Uni-G, aber schön bunt.
Visperterminen: Trasse 2KSB Giw. Leicht abgetauter Talabfahrtshang mit Kapellenweg, noch im Schatten.
Visperterminen: Die Sesselbahn überquert unmittelbar die Ruine der früheren Gnadenkapelle! Einmalig.
Visperterminen: Gebäudeensemble auf Giw. Berghaus Giw, KSB-Bergstation, Talstation SCHL Rothorn. Blickrichtung Rhonetal und Unterwallis.
Visperterminen: Trasse SCHL Rothorn. Führt schön durch den Wald.
Visperterminen: Zwirbelkurve des SCHL Rothorn. Hinter der Kurve donnert unerwartet der Sturm los.
Visperterminen: Blick von der Bergstation des SCHL Rothorn ins Aletschgebiet. Aletschgletscher, Wannenhörner, Bettmeralp und Bettmerhorn erkennt man wegen des enormen Triebschneeflugs leider nur schemenhaft. Vorn der sanfte Buckel des Gebidem.
Visperterminen: Blaue Piste des SCHL Rothorn, eigentlich sehr schön. Kaum ist durch den Triebschnee die andere Rhonetalseite mit dem Bietschhorn zu erkennen.
Visperterminen: Blick übers Rhonetal zum Bietschhorn. Dahinter liegt das Lötschental, mein Nachmittagsziel. Rechts hinten vermute ich das rund 100 Meter niedrigere Nesthorn.
Visperterminen: Ausstieg SCHL Rothorn. Hinten rechts schemenhaft die Kulisse des Weißhorns.
Visperterminen: Trasse SCHL Rothorn mit Blick Richtung Unterwallis. Sturm und Triebschneeflug nehmen zu.
Visperterminen: SCHL Senntum, eine Küpfer-Anlage. Heute leider außer Betrieb. Hat interessante, sturmgeschützte Pisten.
Visperterminen: Talabfahrt. Rechts die Sesselbahn. Unten links sieht man schon die Kirche von Visperterminen.
Lötschental 9.3.2010
Pistenplan:
Ohne große Kummertränen verlasse ich Visperterminen ... vielleicht irgendwann noch einmal bei besseren Bedingungen. Von Visp geht die Fahrt rhonetalabwärts nach Gampel, von wo die Straße ins Lötschental abzweigt. Während Aletschgebiet und Vispertäler bereits mit Wolken zugezogen sind, soll es im Lötschental und in Leukerbad gemäß Radio Rotten am längsten schön bleiben. Auch im Unterwallis zeigen sich noch Wolkenlücken. Vielleicht doch weiter nach Ovronnaz? Nein, das Lötschental würde mir zusätzlich eine zügigere Heimfahrt per Autoverlad ermöglichen. Die heutige Zufahrt zum Autoverlad Goppenstein lässt keine Vergleich mit dem mir noch wohlbekannten Zustand um 1980 mehr zu. Wo sich damals noch Pkw-Kolonnen und Postbus über Abgründen durch waghalsige Serpentinen über Abgründen aneinander vorbeiquetschten und es im Touristen-Reiseverkehr zu stundenlangen Staus kam, fährt der Besucher des Lötschentals heute von Gampel aus hauptsächlich durch lange Tunnel ... und steht plötzlich in Goppenstein! So einfach kann das sein! In Wiler, wo die Talstation der PB zur Lauchernalp steht, scheint tatsächlich noch die Sonne, und es ist windstill. Was für ein Gegensatz zu Visperterminen! Selbst das Bietschhorn ist noch zu sehen, wenn auch schon eine Wolke dranhängt. Blöderweise gibt es auf dem Seilbahnparkplatz keine einzige Parklücke für mich, und ich muss ins Parkhaus. Das ist viel zu eng. Beim Rangieren und auf dem Weg zur PB-Talstation verliere ich wertvolle Minuten. "Wann fährt die Seilbahn?" frage ich als einziger Besucher an der Kasse beim Skipasskauf. "Alle zwanzig Minuten" ist die gelangweilte Antwort - also JETZT! Mit Skipass und Equipment in der Hand renne ich zur Plattform ... und sehe noch, wie die Lampe des Skidata-Kontrollsystems vor mir auf rot schaltet. Der Seilbahnmitarbeiter schlurft vor meinen Augen in die große Kabine, in der sich rund 10 Passagiere verlieren, und schließt behäbig die Tür. Dann passiert rund drei Minuten lang gar nichts, bevor die Bahn abfährt. Hätte die Kassendame bei DEM lächerlichen Andrang nicht kurz Bescheid geben können, dass da noch ein Fahrgast kommt? Woanders geht das! Missgelaunt starre ich bei allmählicher Bewölkungszunahme zwanzig Minuten lang das Bietschhorn von unten an, bevor auch ich mitfahren darf.
Die Lauchernalp ist viel stärker besiedelt, als ich mir das vorgestellt habe. Ein komplettes Feriendorf ... so viel Bebauung am Berg ist mir suspekt, zumal im Tal mit Wiler ein passabler Ferienort steht. Vorsicht Lötschentaler, Ihr züchtet Euch hier am Hang ein zweites Aletschgebiet, das irgendwann bauseitig ausufern wird! Auf der Lauchernalp wird der Besucher von einer alten Habegger-DSB und einem klassischen Müller-Schlepplift empfangen, die hier in der Sonne einhellig nebeneinander ihren Dienst verrichten. Ein Anblick so ganz typisch Schweiz, für mich sehr schön. Der Skilift fährt schneller als die DSB, also ist er meine Wahl. Eine Etage höher geht es mit der 3KSB Gandegg weiter, die Garaventa-typisch unsympathisch hart fährt, aber eine elementare Funktion als Beschäftigungs- und als Zubringeranlage zur Hockenhorngrat-Bahn erfüllt - ein nüchtern-kühler Nützling. Die kurze 8EUB Hockenhorngrat ist schließlich das i-Tüpfelchen im Lötschental. Tief fällt der Blick vom Grat hinunter ins Kandersteger Gasterntal; auf der anderen Seite erscheint das Bietschhorn höhenbedingt näher als vom Tal aus. Der Blick vom Grat zur Lötschenlücke und zum Aletschhorn ist leider schon von Wolken verstellt. Die 8EUB Hockenhorngrat erschließt in der obersten Etage eine schön steile schwarze und eine geschwungene blaue Piste. Eine Etage tiefer geht es mit so schönen Pisten wie der rot-schwarzen Kombination Milibach und Arbä oder (auf der anderen Hangseite) der roten National weiter. Hier und an den drei Pisten des SCHL Märwig, der an der Bergstation der 4KSB Gandegg endet, kann man es skifahrerisch so richtig krachen lassen, das macht Spaß! Die unterste Pistenetage auf der Lauchernalp, die von der eingangs erwähnten DSB und dem SCHL bedient werden, kann man nur als Übungsareal bezeichnen. Hier vertreibe ich mir die Zeit bis zum Liftschluss, als die oberhalb gelegene 4KSB Gandegg schon leergefahren wird. Das recht sonnige Wetter hält im Lötschental tatsächlich bis gegen 15 Uhr. Dann zieht vorübergehend eine dicke Wolkendecke durch und sorgt für konturlose Sichtverhältnisse, bevor es um 15:30 doch wieder sonnig wird. Glück gehabt!
Der Lauchernalp-Skitag klingt mit der wenig attraktiven Ziehweg-Talabfahrt auf der Hangstraße aus. Ich habe noch den genervten Kommentar aus dem Lötschtal-Bericht von Alpiz vom Februar 2010 im Ohr - die Talabfahrt endet nicht in Wiler an der PB-Talstation, sondern rund 1,5 Kilometer talaufwärts. Beim Stopp in einer Serpentine 150 Meter über dem Talboden entdecke ich einige Skispuren, die die Talabfahrt verlassen und durch den Wald einem ausgeschilderten Wanderweg in Richtung Wiler folgen. Sollte es etwa doch möglich sein ...? Gern lasse ich mich auf dieses Experiment ein. Der Wanderweg besteht hauptsächlich aus vereisten Spuren und Mulden und lässt sich nur mit ausreichend Vorsicht und z.T. nur im Schneepflug befahren. Doch der gewünschte Effekt tritt ein: Der Weg endet am oberen Ortsrand von Wiler rund 70 Höhenmeter oberhalb der PB-Talstation. Leider sind ab hier alle Wege schneefrei, aber mit etwas Geschick kann man auf den schmalen Altschneefeldern an den Wegrändern abfahren und kommt so (mit zweimal kurz Abschnallen) tatsächlich auf Skiern bis zur PB-Talstation - voilà! Keine Ahnung, warum diese "Abfahrt" nicht weiter ausgebaut wurde. Schwierig wäre das nicht.
Zufrieden trete ich durch den Lötschbergtunnel und die wolkenverhangene, trübe Nordschweiz die Heimfahrt nach Ettlingen an und bin rund vier Stunden später wieder zuhause.
Fotos:
Lötschental: PB Wiler-Lauchernalp. Schönes Design. In genau dieser Kabine wollte ich jetzt eigentlich sein, wurde aber nicht mehr mitgenommen. 20 verlorene Skiminuten direkt nach dem Skipasskauf - danke.
Lötschental: Talstation PB Wiler-Lauchernalp. Fährt als Zubringer zur Feriensiedlung offenbar bis in den Abend hinein.
Lötschental: Das Bietschhorn, Wächter des Lötschentals, 3934m. Heute mit Wolkenmütze.
Lötschental: Empfangskommitee für die Ankömmlinge aus der PB: Habegger-DSB und Müller-Schlepplift auf der Lauchernalp. Hoffentlich bleiben sie noch ein paar Jahre stehen. Ein schönes Stück Schweiz. Leider hat die Sony-Cam die Belichtung des Fotos versaut.
Lötschental: Nochmal Müller-Schlepplift (mit Dreier-Bügel!) und Habegger-DSB. Oben links das Bietschhorn.
Lötschental: 3KSB Gandegg, ein Arbeitstier. Fährt Garaventa-typisch fürchterlich hart. Kein Aushängeschild für den Seilbahnbau, aber nützlich. Auch hier hat die Sony-Cam die Belichtung verhunzt.
Lötschental: 8EUB Hockenhorn. Tolle Anlage. Was soll die Werbung an der Station? Hat man das wirklich nötig?
Lötschental: 8EUB Hockenhorn mit Bietschhorn.
Lötschental: Bergstation 8EUB Hockenhorn mit Drillingsstütze. Sieht futuristisch aus.
Lötschental: Habegger-Schlepplift Märwig für Wiederholungsfahrten. Hat drei Pisten (blau, rot, schwarz).
Lötschental: Lauchernalp mit ihren Chalets und Hotels. Hoffentlich wird das kein zweites Aletschgebiet.
Lötschental: Der Abzweig von der offiziellen Talabfahrt in einen Wanderweg in Richtung Wiler endet rund 50 Höhenmeter über der PB-Talstation an einer Straße. Neben der Straße kann man mit Geschick und 2x kurzem Abschnallen bis zum Talstationsgebäude abfahren, statt vom offiziellen Talabfahrts-Ende aus das Equipment zurücktragen zu müssen.
Fazit
Skisafaris wie diese vermitteln mir mehr Spaß als stationäre Skiurlaube, weil sie die Möglichkeit bieten, die Zielwahl der Wetterlage anzupassen und dadurch skifahrerisch mehr aus der Urlaubszeit herausholen, auch wenn das mit viel Autofahrerei verbunden sein kann. Wie bei den letzten Touren habe ich wieder eine Reihe von Kleinskigebieten kennenlernen können, die ich schon lange besuchen wollte - diesmal im Wallis, das noch sooo viele weitere Ziele bietet. Ich freue mich auf die nächste Skisafari im Winter 2010/2011.