Die in diesem Jahr früh gelegenen Osterfeiertage ermöglichten noch einmal einige hervorragende Skitage auch in den nicht überaus hoch gelegenen Bergen des Salzburger Landes. Das Wetter spielte mit, es gab zwar kein perfektes Kaiserwetter, aber bis auf ein paar wenige bedeckte Nachmittagsstunden Sonnenwetter und frühlingshafte Temperaturen. Die Schneequalitäten reichten von tiefstem, nassem Sulz im Angertal bis hin zu harten, griffigen Winterverhältnissen auf der Senderabfahrt und in der Hohen Scharte, was einen abwechslungsreichen Tag in unterschiedlichsten Klimazonen ermöglichte.
Die Skischaukel auf der westlichen Seite des Gasteiner Tals zwischen Bad Hofgastein, Angertal und Bad Gastein gehört für mich mit ihren Skigeländen Schlossalm und Stubnerkogel zu den skifahrerischen Höhepunkten in Salzburg, auch wenn es hier im Forum immer wieder anders lautende, kritische Stimmen gibt. Mit einer klassischen, für die Ostalpen untypischen Erschließungsmethode mit Standseilbahn und Pendelbahn, einer von salzburgs Abfahrten mit dem größten Höhenunterschied, teils hochalpiner Szenerien, nettem Almgelände und Waldschneisen kann sich das Gebiet meinem Empfinden zufolge trotz der Schwächen wie mehreren Ziehwegen oder den etwas kurzen und eintönigen Abfahrten im Bereich Weitmoser oder Sendleiten durchaus mit den besten Arealen des Landes, wie Obertauern und Zauchensee, dazu wohl noch Saalbach, Kitzsteinhorn und Katschberg, die ich noch nicht kenne, messen. Mit der Verwirklichung der Pläne der 70er Jahre, die letztlich nur sehr knapp durch ein Zusammenspiel unglücklicher Entwicklungen gescheitert waren, hätte sich das Gebiet zweifelsfrei in einer Reihe mit den größten der (Ost)alpen nennen dürfen. Was nun die bessere Entwicklung gewesen ist bzw. wäre, kann ich für mich nicht so einfach entscheiden, ein faszinierender Gedanke auf die Gadauner Hochalm und den Silberpfennig wird es allemal bleiben.
Insgesamt ist die Schneelage dieses Jahr nicht überdurchschnittlich gewesen, einige Abfahrten standen bereits letztes Wochenende trotz intensiver Beschneiung kurz vor der Schließung und werden das heutige Saisonende nicht (Talabfahrt Hofgastein) oder nur mit ach und krach (Kasereben) überstehen. Dennoch ging es meist noch sehr gut, die durch lange Talabfahrten ergänzten Wiederholungsabfahrt in vergleichsweiser hoher Lage bilden ein sehr gut für den Frühjahrsskilauf geeignetes Gebiet, wenn auch die Schneeproblematik im Tal durch den starken Föhneinfluss nicht zu leugnen ist.
Auf dem Parkplatz der Schlossalmbahn stehen nicht viele Autos, für den heutigen Tag scheint er trotz Ostern und bestem Wetter überdimensioniert, die Atmosphäre ist bei allen Beteiligten gelassen und entspannt. Hier unten kommen schon Frühlingsgefühle auf, die Mädels holen die modischen Sonnenbrillen aus dem Kleiderschrank, zwischen den Fahrschulautos auf dem Parkplatz geht sich ein nettes Pläuschchen in der Sonne aus. Die Berge beiderseits des Tals präsentieren sich in den oberen zwei Dritteln aber noch in winterlichem Schneekleid, sowohl der bereits geschlossene Graukogel als auch unser heutiges Tagesziel, der Stubnerkogel mit seiner markanten neuen Senderbahn.
Nach einer raschen Bergfahrt – bei so wenig Andrang (Wartezeiten waren absolute Fehlanzeige) spielt die Achse mit SSB und PB ihre ganze Stärke aus - finden wir uns zwei Etagen weiter oben im Schnee wieder. Der Blick wandert erneut zum Stubnerkogel mit seinen steilen Flanken und der markanten Baumgrenze. Einmal mehr wird die spektakuläre Trassierung der Senderbahn deutlich, die trotz der Abstriche bei der Senderabfahrt eine erhebliche Aufwertung für diesen Skiberg darstellt. Im Hintergrund posiert der Alpenhauptkamm mit den Tauern vormittags noch ohne Wolken.
Doch auch die naheliegende Schneeschüssel der Schlossalm lädt – trotz im Vergleich zum letzten Jahr wesentlich geringerer Schneeauflage; der Schneefall vom Gründonnerstag bewirkte noch einige optische Verbesserungen – zu genussvollen Frühlingsschwüngen ein.
Im Rückblick auf den Bergstationskomplex an der Kleinen Scharte erkennt man in der Ferne sogar den markanten Dreizack des Dachsteins.
Nach einer Wiederholungsfahrt auf perfektem Firnschnee an der Pendelbahn wenden wir uns langsam dem abfahrtstechnischen Höhepunkt des Skigebiets zu. Dazu muss die Hohe Scharte auf knapp über 2300 m mit der gleichnamigen Doppelsesselbahn von Garaventa erklommen werden, die für sonst im Salzburger Land eher rares hochalpines Flair sorgt.
Rechterhand der Hohen Scharte mit interessant platzierter DSB-Bergstation beginnt die Hohe Scharte-Nord-Abfahrt. Von hier oben hat man ein tolles Panorama von der Schneeschüssel der Hochalm bis zum Taleinschnitt zwischen Tennengebirge und Hochkönig-Massiv. (Klick auf das Panorama für höhere Auflösung)
Die Abfahrt selbst führt fernab des restlichen Skigebietes durch eine herrliche offene Landschaft, später durch immer dichter werdende Waldschneisen hinab zum Aeroplan, wo sie in die wichtigste Hofgasteiner Talabfahrt übergeht. Das Hochtal bietet neben landschaftlichem Genuss auch nicht zu unterschätzende Freeride-Möglichkeiten; und das alles ohne Lifte im Bild, eine klassische Hintenrum-Abfahrt, die nicht auf direktem Wege wiederholt werden kann. Dazu die unterschiedlichsten Vegetations- und insbesondere im Frühjahr Klimazonen. Das alles macht für mich den besonderen Reiz dieser Abfahrt aus, die mit ihren 1461 m Höhenunterschied (2304 m – 843 m) zu den längsten Salzburgs zählt.
Nach der erneuten Bergfahrt warfen wir einen Blick hinüber ins Skigebiet Dorfgastein/Großarl. Auch dort wird das Bild von weißen Schneebändern geprägt, im Bild der Idealhang an der Kühhageralm.
Doch unser weiterer Weg führte uns zum zweiten großen Skiberg der Skischaukel, dem Stubnerkogel, wo das Wetter leider für ein paar wenige Stunden zuzog und zudem ein scharfer Föhnsturm wehte. Dennoch waren die Nordhänge des Stubnerkogels exzellent zu fahren, was uns mehrere Wiederholungsfahrten in den windgeschützten Kabinen der Senderbahn bescherte, der Jungeralmbahn wurde sturmbedingt nur ein kurzer Besuch abgestattet.
Die Bad Gasteiner Seite wurde von uns diesmal ganz ausgelassen, bietet skifahrerisch m.E. auch nicht allzu viel, ein Blick auf die neue Bergstation der Stubnerkogelbahn darf natürlich trotzdem nicht fehlen.
Nach der Rückkehr durch das schweißtreibende und unter akutem Schneemangel leidende (an den Talstationen wurde die Bäche und der Gatsch mit Brettern notdürftig abgedeckt) Angertal zeigte sich auf der Schlossalm wieder die Sonne, was noch einmal nette Kontraste am Schlosshochalmlift, der Weitmoserbahn und auf der Hohen Scharte, die ihrerseits übrigens auch eine nette Wiederholungsabfahrt bietet, erzeugte.
Insgesamt neigte sich somit ein toller Skitag dem Ende zu, nächstes Jahr komme ich sicher wieder!
Edit 05.04.2011: Serverumzug (Bilder)