Unsere Unterkunft war ein für Livigno typisches Drei-Sterne-Hotel (Lanz) im nördlichen Ortsteil mit Skibushaltestelle der „blauen Linie“. Da diese jedoch einen sehr weiten Bogen bis ins Val Federia fährt, haben wir es bis auf einmal immer vorgezogen die 200 Meter (3 bis 5 Minuten) zum SL Cassana zu laufen. Von dort kann man sich mit kurzen Querfahrten zum SL Valandrea und dann zur 8-EUB Tagliede hinüberhangeln, was kurzweilig ist und den Vorteil bietet sich ein wenig warmfahren zu können. Zurück kann man von der Mittelstation der 8-EUB eine schmale, sympathische Waldabfahrt bis zur Bergstation des SL Cassana wählen und so möglichst nahe wieder zur Unterkunft zurückfahren. Bei den Mottolino-Besuchen (die östliche Talseite) sind wir am ersten Tag noch mit dem Auto gefahren, ansonsten mit dem wirklich gut funktionierenden Skibussystem, wobei eine Seilbahnverbindung über den flachen Talboden hinweg natürlich noch bequemer wäre, aber man „kann sich auch a Loch ins Knia nei bohrn und a Marmelad nei schmiern“, wie sich ein legendärer Mathe-Lehrer unserer Schule auszudrücken pflegte (auf die Frage eines Schülers, ob man die Rechnung nicht auch auf eine andere Art und Weise lösen könne – übrigens ein exzellenter Skifahrer, dieses Lehrer, habe ihn einmal zufällig am Sudelfeld getroffen wo wir ein paar fetzige Runs in der „Rossgassn“ und dem „Stockhang“ eingelegt haben, das waren noch Zeiten, die 11. Klasse...).
Das Hotel ist mittelgroß, wir haben 48 Euro für die Halbpension im Doppelzimmer gezahlt, Essen wie nicht anders zu erwarten in Italien, hervorragend, die Zimmer vielleicht etwas klein, aber technisch auf dem neuesten Stand, sympathische Wirtsleute die sehr gut Deutsch sprechen, ein paar Brocken italienisch schaden aber nicht für die Kommunikation mit dem Bedienungspersonal.
Livigno selbst gefällt mir eigentlich sehr gut, habe mich sehr wohl gefühlt. Zwar fehlen tatsächlich die Bürgersteige weitgehend, aber in unserem Bereich war nicht besonders viel Verkehr. Die vielen kleinen und mittelgroßen Häuser sind ein wohltuender Kontrast sowohl zu den Retorten-Kästen der Westalpen als auch zu den Balkon-Bunkern der westösterreichischen Jodel-Architektur. Der romanische Einfluss ist in Livigno eben allgegenwärtig. Sehr schön finde ich den oben „beklagten“ flachen, weiten Talboden, der für ein Hochland-Gefühl sorgt. Man fühlt sich nicht von himmelhohen Bergen eingeschlossen oder bedrängt und genießt viel Sonne, umso mehr natürlich im Frühjahr.
Anfahrt am Samstag, 27. März 2010
Route: 7.00 Uhr Abfahrt, A99 Ausfahrt Sauerlach (da bereits Stau am Überleiter zur A8), dann Wolfratshausen, GAP, Fernpaß (dort ab Abzweig in Biberwier langsamer Kolonnenverkehr, ab Nassereith wieder flüssiger). B171 Inntalbundesstraße, Ortsdurchfahrt Landeck, Oberinntal, Grenzübergang ins Unterengadin (ab hier Neuschnee bis ins Tal), Scoul, Zernez, dann teilweise schneebedeckte Fahrbahn hinauf zum Ofenpaß, Abzweig Munt da Schera-Tunnel nichts los, in Livigno plötzlich blauer Himmel und ideale Winterszenerie mit etlichen Zentimetern Neuschnee, sind im wahrsten Wortsinne geblendet. Ankunft 11.30 Uhr, Hotel Lanz relativ schnell gefunden; Zimmer bereits fertig, Bezug und Entschluss den Nachmittag bereits auf der Piste zu nutzen. Umziehen und Autofahrt zur Talstation Mottolino.
Am Spätnachmittag Einkaufen gegenüber (Getränke, Käse, Salami, Brot), Rekognoszierungsspaziergang durch den Ort vor dem Abendessen ab 19.30 Uhr.
Skipass:
Kauf an der Kasse Talstation 12-EUB Mottolino. Halbtagespass für Samstag wäre ähnlich teuer wie reduzierte Tageskarte Samstag (26-27 EUR), deshalb nehmen wir den Alta Valtellina Pass anstatt für 6 gleich für 7 Tage (223 EUR pro Person, zuzüglich 5 EUR Pfand für die Chip-Karte). Der Preisunterschied zur 6-Tageskarte war nur mehr 17 EUR, ergo günstiger als ein Sonderticket für Samstag.
Wetter- und Programmübersicht:
Samstag, 27. März 2010: Anfahrt, drei Stunden Livigno-Mottolino: strahlender Sonnenschein, Neuschnee in der Nacht davor
Sonntag, 28. März 2010: Livigno-Costaccia/Carosello 3000: Sonnenschein mit leichter Bewölkung am Nachmittag
Montag, 29. März 2010: Livigno-Mottolino, dann Costaccia/Carosello 3000: stark bewölkt, nachmittags Aufklarung.
Dienstag, 30. März 2010: Livigno-Costaccia/Carosello 3000: starker Föhnsturm
Mittwoch, 31. März 2010: Bormio: bis Mittag sehr schön, dann Eintrübung und starke Bewölkung
Donnerstag, 1. April 2010: Cima Piazzi/Oga-San Colombano: Schneefall den ganzen Tag über
Freitag, 2. April 2010: Livigno- Costaccia/Carosello 3000, dann Mottolino: Sonnenschein, vormittags etwas diffus, nachmittags immer mehr aufklarend
Samstag, 3. April 2010: Heimfahrt, schönes Wetter
Skigebietscharakteristik Cima Piazzi/Oga-San Colombano
Link zum Skiplan: http://www.alta-valtellina.it/tools/skiarea_03.cfm
Dieses Skigebiet war schon mehrfach im Forum vertreten, zumeist als Draufsicht von Bormio aus betrachtet, aber mindestens einmal auch wegen der teilweise wohl suboptimalen Zusammenarbeit der beiden Betreibergesellschaft. Nichtsdestotrotz auf jeden Fall einen Besuch wert. Vom Charakter her ein deutlicher Kontrast zum hochalpinen Livigno und Bormio, da es weitgehend unterhalb der hier auf ca. 2200 m Höhe verlaufenden Wald-/Baumgrenze (so genau habe ich nicht beobachtet) liegt, was es als Schlechtwetterziel prädestiniert und genau deshalb sind hier auch am 1. April dorthin gefahren.
Es gibt zwei Zugänge zum gemeinsamen Skigebiet: die 2007 als modernste und einzige Express-Anlage gebaute Leitner 8-EUB von Isolaccia als Ersatz einer DSB mit Conus-Kabinen und extrem weitem Kabinenabstand (Kapazität auf 1200 p/h beschränkt), sowie die 4-SB Le Motte-Dossaccio, die unterhalb des Ortes Oga startet. Der direkte Zugang von Oga wurde ja bekanntlich bereits vor einiger Zeit stillgelegt. Von Bormio aus ist die Lifttrasse jedoch noch gut einsehbar.
Insgesamt gibt es also zwei Liftketten auf den 2360 m hohen Monte Masucco, von dem aus zwei relativ lange 1000-Hm Abfahrten zu den genannten Talstationen starten. Vom Masucco aus hat man dann Zugang zu einer Art weitem, baumfreien Hochplateau, das von drei Schleppliften bedient wird und u.a. den höchsten Punkt, den 2550 m hohen Dosso le Pone enthält. Dieser Bereich war bei unserem Besuch wohl aus witterungstechnischen Gründen außer Betrieb, so dass ich darüber nichts weiter sagen kann – außer, dass der Pistenplan das Gebiet ziemlich fehlerhaft darstellt, was insbesondere bei Ortsunkenntnis und Nebel zu einiger Verwirrung führt und die Beschilderung eher sparsam ausgeprägt ist (so erwartet einen am Ausstieg des SL Masucco erst einmal ein großes „chiuso“-Schild. Aha, ist die Verbindung dann nach Oga überhaupt offen? Die meisten anderen Gäste dachten wohl „nein“, weshalb wir in diesem Bereich dann so gut wie allein war).
Das Liftsystem besteht aus der 8-EUB, der 4-SB, zwei DSBs, die in Folge der 4-SB auf das Plateau führen, zwei Schleppliften, Palancana (mit Bügeln!) und Masucco, die von Isolaccia aus den Kreis schließen. Was an Liftkomfort fehlt wird durch weitgehend flächendeckende Beschneiung wettgemacht. Die langen, leeren Waldschneisen hinunter nach Oga sind mit Schneilanzen bestückt, so dass auch Anfang April die Talabfahrt kein Problem darstellt. Schade ist, dass die einzige Expressanlage zurzeit an der nicht gerade attraktivsten Abfahrt steht, der mit sehr langen Ziehwegpassagen gesegneten Talabfahrt nach Isolaccia. Im oberen Abschnitt gibt es eine sehr steile schwarze Passage direkt unterhalb der Gondel, diese war jedoch aus nicht ersichtlichen Gründen gesperrt und nach allen Berichten über Carabinieri in italienischen Skigebieten habe ich es dann doch nicht gewagt den Zaun zu umfahren.
Sehr ergiebig ist der Bügel-SL Palancana, der drei Waldschneisen bedient, während der SL Masucco deutlich kürzer die Verbindung zum Gipfel herstellt und ein kurzes Steilstück hinaufführt. Die schönste Abfahrt aus meiner Warte ist die lange Talabfahrt vom Masucco hinunter nach Oga, wobei wir nicht alle Schneisenvarianten mitgenommen haben. Die oberste DSB, die unbequeme (Nascivera?) San Colombano (auf den harten Plastiksesseln Marke „Gartenstuhl aus den 1970ern“ steht MEB), quert hauptsächlich den Hang, mangels Sicht kann ich nicht beurteilen, ob die Bahn wirklich attraktive Abfahrten erschließt.
Fazit: wer es gerne auch mal altmodischer erträgt und viel Ruhe und Platz beim Skifahren hat ist hier für einen Tag genau richtig.
Für die Zahlenfetischisten: Stundenkapazität 10.800 p/h, multipliziert mit den Höhenmetern der Lifte: 3,3 Mio. Personenhöhenmeter pro Stunde (PHm/h), also in etwa so groß wie die Christlum oder das Spieljoch in Fügen, wo es sicherlich mehr Pistenfläche im Verhältnis zur Kapazität gibt wie in der Christlum, noch dazu weil die durchschnittliche Kapazität der Anlagen bei nur 1.200 p/h liegt.
6. Skitag, Donnerstag, 1. April 2010, 10.30 Uhr bis 15.30 Uhr: Valdidentro
Abfahrt wieder gegen 9 Uhr, beim Frühstück war die Straße noch trocken, dann rasche Verschlechterung.
Rückfahrt: etwas mehr als eine Stunde. Die heikle Stelle vom Vormittag kein Problem, fahren langsame 35 bis 40 km/h, die drei Haarnadeln sind auch kein Problem, die Sicht wird immer schlechter. Bergab nach dem Pass ist es leerer und in Ordnung, ebenfalls der Rest der Strecke, nur fahren unsere Vorausgänger teilweise nur 15 bis 25 km/h was das Ganze unnötig in die Länge zieht.
Wetter und Schnee: den ganzen Tag über trüb und Schneefall, teilweise sehr stark und Schneesturmartig; mehrere Male die Sonne deutlich gesehen und Aufhellungen erhofft, u.a. in Le Motte bessere Sicht, u.a. auf die wilde Braulio-Schlucht in Richtung Stilfser Joch und auf das Skigebiet von Bormio. Insgesamt sicherlich 20 cm Neuschnee gefallen, fahren den ganzen Tag Tiefschnee auf den kompakt-eisig präparierten Frühjahrsschneepisten der vergangenen Tage. Da extrem wenig Leute unterwegs sind, bilden sich aber nicht zu große Haufen.
1. 8-EUB Isolaccia-Pian dela Mota (653 Hm): 2007er Leitner mit Conus-Kabinen, sehr steile Trasse, mit 1200 p/h extrem weiter Gondelabstand: Talabfahrt egtl nett, in der Mitte sehr langer Ziehweg. Frischer Neuschnee auf harte, kompakte Unterlage, alles im Wald. Schnee pappt sehr stark, sehr feucht.
2. 8-EUB Isolaccia-Pian dela Mota (653 Hm): Querung zum
3. SL Palancana (236 Hm): überraschend sogar ein Doppel-Bügler. Bedient mind. 2 ½ Abfahrten, wichtigste Anlage hier oben.
4. SL Palancana (236 Hm):
5. SL Massucco (196 Hm): steiler, Leitner-Teller-SL. Oben kaum Sicht und Sturm, keine Bäume mehr, Verbindung nach Oga höchst unklar. Keine Schilder, nur eine „Pista chiusa“-Verbotsschild mit Absperrung. Fahren die kaum befahrene Abfahrt zurück. Pinkelpause im Restaurant. Sich verwählende Anruferin am Handy wg. „Meerschweinchen…“ pfff…
6. SL Palancana (236 Hm):
7. SL Massucco (196 Hm): Wagen nach den etwas unklaren Antworten des Liftmannes die Verbindung auf eigene Faust. Sicht jetzt etwas besser, sehen, dass die Sesselbahnen sich drehen. Lange Waldabfahrt „Dei Cervi“ mit vielen Kurven, mal Ziehwegen, immer komplette Lanzenbeschneiung, kaum befahren und kaum Leute zu sehen. Mittagspause auf Picknickbank im Grünen, da in Le Motte nur mehr weißes Band im Grünen. Schöne Ausblicke nach Bormio.
8. 4-SB Le Motte (313 Hm): DM fixer. Pista „Adler“ parallel zum Lift, eher „Schnecke“, da der Schnee stark bremst.
9. 4-SB Le Motte (313 Hm):
10. DSB Forte tade (458 Hm): Lange, flott fahrende DSB durch weltabgeschiedene, einsame Winterwälder. Niemand anderes mehr unterwegs. Verbindungsabfahrt zur
11. DSB San Colombano (250 Hm): sehr schrottig, Hersteller MEE (?), Sitze wie alte Gartenmöbel aus den 70ern.
Im Sturm Querung zum
12. SL Monte Masucco (132 Hm). Die hinteren SL laufen offenbar nicht. Der Pistenplan ist hierbei absolut fehlerhaft, da der SL problemlos von der DSB zu erreichen ist, der Plan suggeriert das Gegenteil. Extremer Sturm, sehr unangenehm! Abfahrt zur Hütte und Heiße Schokolade (2,2 EUR pro Stück) zum Aufwärmen. Talabfahrt geht aber v.a. oben sehr gut
Hier das gesperrte schwarze Teilstück der Talabfahrt: sieht egtl sehr gut aus...
13. 8-EUB Isolaccia-Pian dela Mota (653 Hm): Letzte Fahrt und nochmals die wirklich lange Talabfahrt.
Insgesamt: 13 Fahrten, 4527 Hm. Skigebiet echt nett für einen Tag, leider Bedingungen miserabel und die Passfahrt nicht wert; das nächste Mal nur Destinationen mit Seilbahnverbindung.
Morgen folgt der Bericht aus Bormio, danach dann Livigno.