Ich war in der Woche nach Ostern 5 Tage unterwegs und habe dabei folgende Skigebiete durchsucht:
Montag, 5.4. : Nauders
Dienstag, 6.4. : Livigno
Mittwoch, 7.4. : Bormio
Donnerstag, 8.4.: S. Caterina
Freitag, 9.4. : Serfaus/Fiss/Ladis
Die beiden Skitage in Livigno und Bormio waren dabei Saisonhighlights für mich, deswegen will ich zu beiden Tagen einen Bericht schreiben. Da Livigno in diesem Forum besser dokumentiert ist als Bormio, beginne ich mit dem Skitag in Bormio:
Bormio ist von der Topographie ein einzigartiges Skigebiet. Das Skigebiet befindet sich auf der Nordwestseite der Cima Bianca Zwischen Bormio und dem Gipfel liegen fast 1800 Höhenmeter (1200m bis 3000m) bei vergleichsweise geringer Horizontaldistanz. Dabei kann man von jedem Punkt des Skigebiets ins Tal abfahren. Die unteren zwei Drittel erinnern an die 4 Berge der Dachstein-Tauernregion, was Hangneigung, Exposition und Variantenreichtum angeht. Das obere Drittel ist natürlich hochalpin. Wenn man sich auf dem Hauser Kaibling oder der Planai noch eine Etage mit hochalpinen Hängen draufgesetzt denkt, dann hat man ungefähr eine Vorstellung vom Skigebiet Bormio.
Link zum Pistenplan
Das Wetter war wolkenlos. Zwischen 2400 Meter und 3000 Meter war noch überwiegend griffige Pulverschneebedingungen, zwischen 1600 Meter und 2400 Meter war es in der früh knüppelhart, im Laufe des Tages wurde es aber firnig, jedoch nicht sulzig. Zwischen 1200 Meter und 1600 Meter war die Piste (=letztes Drittel der Herrenabfahrt) offiziell bereits geschlossen, aber noch problemlos im nicht mehr präpariereten Sulz befahrbar.
Bis Mittags waren deshalb die Hänge an der obersten Sesselbahn Valbella – Bormio 3000 eindeutig am besten zu fahren. Deshalb waren dort zu dieser Zeit recht reger Betrieb, jedoch ohne dass es zu Wartezeiten oder zu allzu vollen Pisten gekommen wäre. Ab Mittag waren im gesamten Skigebiet oberhalb Ciuk (1600 Meter) gute Bedingungen. Dementsprechend verteilten sich die Gäste und es war verhältnismäßig leer.
1. Piste Stella Alpina (Im Pistenplan B)
Die rote Piste Stella Alpina führt vom Gipfel der Cima Bianca an der Talstation der obersten Sesselbahn vorbei bis Bormio 2000 und bewältigt dabei 1100 Höhenmeter. Ich habe vor allem den oberen Teil aufgenommen. Den unteren Teil bin ich nur einmal gefahren und dabei auch nicht auf der gesamten Länge, da ich meistens nach der Talstation der obersten Sesselbahn auf den Pisten E oder D und A (= Piste Stelvio) weitergefahren bin. Von Bormio 2000 auf dem Cima Bianca kann man entweder über eine PB oder bequemer und im Mittel nicht langsamer über zwei 4KSB gelangen.
4KSB Valbella – Bormio 3000 mit Piste
Nach rechst unten zweigt die Piste Bimbi al Sole ab, während die Piste Stella Alpina am Bergrücken entlang weiterführt.
Blick von oben
Piste mit Bergen der südwestlichen Ortlergruppe (unter anderem Monte Vioz) im Hintergrund. Auf die Berge wird später bei den Bergpanoramabildern noch ausführlich eingegangen.
traumhafte Bedingungen zum Carven mit hoher Geschwindigkeit
Blick über die Piste ins rund 1300 Meter tiefer gelegene Bormio. Die Piste gehört eigentlich nicht zur Piste B, Stella Alpina, sondern zu Piste E S. Ambrogio.
letzter Hang oberhalb Bormio 2000 bei den Sesselbahnen 4KSB Bormio 2000 – Ciminio und 3SB Pian dei Larici
2. Piste Bimbi al Sole (C)
Die Piste führt ebenfalls von Bormio 3000 nach Bormio 2000. Am Anfang ist führt sie von oben aus gesehen links von der Stella Alpina von der Bergstation der PB und der 4KSB weg. Ihr Starthang ist deutlich steiler als daneben die Stella Alpina. Danach verbindet sie sich für einige Hundert Meter mit der Stella Alpina in eine einzige breite Piste, um dann nach link steil weg zu fallen,. Sie führt über unterschiedlich geneigte Hänge mit einigen Kurven unterhalb der PB durch, um dann im unteren Teil im Wald zunehmend flacher werdend zur Station Bormio 2000 zu gelangen. Insgesamt handelt es sich um eine Abfahrt mit einer sehr interessanten Trasse.
Starthang von der PB-Station aufgenommen
Starthang mit 4KSB
An der Kante oben zweigt die Abfahrt in zwei Varianten von der Stella Alpina ab. Rechts die etwas steilere Variante
Die Piste ist rot bezeichnet. Dieser Steilhang und der Starthang würden aber auch eine schwarze Einstufung rechtfertigen.
Mittelteil mit dem Monte Vallecetta im Hintergrund
Ziehwege verbinden die unterschiedlichen Abfahrten
Das Gelände neben der Piste hat auch Potential für Variantenfahrer.
Interessantes Kurvengeschlängel im Mittelteil
Ab hier etwa wechselte der Untergrund von pulvrig zu firnig
3. Piste Stelvio (A)
Auf der berühmten Piste Stelvio findet jedes Jahr eine Weltcupabfahrt der Herren statt. Sie führt vom Gasthaus La Rocca vorbei an Ciuk bis ins Tal und ist rot bezeichnet.
Der Mittelteil der Abfahrt. Links unten ist Ciuk. Der Standort ist der „Super-G“-Teil oberhalb der berühnten Traverse, die sich etwa bei der kleinen Welle befindet. Der flache Boden ist das kurze Flachstück vor dem San Pietro Sprung. Wenn man genau hinschaut, sieht man ein Netz quer über die Piste, dass als Absperrung dient.
„Super G“-Teil – zu dieser Zeit war die Piste noch hart gefroren.
Blick von untern auf Traverse und „Super G“ – Teil. Das Absprerrungsnetz ist jetzt besser zu sehen. Die Herrenabfahrtsstrecke macht oberhalb der Traverse einen Bogen rechts außerhalb der präparierten Piste unterhalb der Sesselbahn. Die Traverse führt dann von rechts nach links
San Pietro Sprung und San Pietro Schuss. Die Abfahrer dürften am Übergang vom Steilen zum Flachen locker 140 km/h drauf haben.
San Pietro Sprung und San Pietro Schuss von unten.
Zielhang: Dort führt die Rennstrecke in einigen Kurven nach unten.
Blick vom Starthaus auf den Starthang. Der steile Starthang ist ähnlich wie die Mausefalle in Kitzbühel oder der Eisfall in St. Anton nicht Bestandteil der Touristenabfahrt und wird deshalb nur zum Rennen präpariert. Ich bin in gefahren. Vergnügen war es aber bei den schweren Schneebedingungen dort an diesem Tag keines.
4. Bormio
Bormio mit Bergen im Hintergrund von Ciuk aus. Rechts von dem Berg in der Mitte geht es zum Stilfser Joch hoch, links Richtung Passo di Foscagno und Livigno
Zoom auf die andere Seite des Tales. Hier führt eine vogelwild trassierte Straße über Serpentinen und anschließend in das Tal nach rechts an zwei Stauseen vorbei zum Passo di Fraele, wo die Straße endet. Dieser Pass ist der niedrigste Übergang über den Alpenhauptkamm zwischen dem Reschen- und dem Majolapass. Obwohl der Pass 400 Meter niedriger liegt als der Foscagno und 200 niedriger als der Ofenpass ist er wegen seiner Abgelegenheit nicht für einen Straßenübergang genutzt worden. .
Die relativ neue 8EUB von Bormio nach Bormio 2000. Früher gab es auf dieser Trasse eine PB, während eine inwzsichen abgebaute EUB, deren Talstation 200 Meter weiter nördlich stand, nach Ciuk führte.
Talstation der 8EUB
5. benachbarte Skigebiete
Blick auf das Skigebiet von Isolaccia
Blick einen Teil des Gebiets von S. Caterina. Wenn man genau hinschaut, ist eine der Abfahten von Zäunen eingegrenzt. Dabei handelt es sich um den oberen Teil der Frauen-WM Abfahrt von 2005, auf der am folgenden Tag die italienischen Junioren-Meisterschaften statt finden sollten.
6. Bergpanoramen
Die 3012 Meter hohe Cima Bianca ist ein eindrucksvoller Aussichtspunkt. Im Norden und Osten beeindruckt der Hauptkamm der Ortlergruppe. Im Westen und Südwesten befinden sich die Livigno-Alpen im Vordergrund sowie Berninagruppe und die verschieden Bergruppen rings um das Engadin im Hintergrund. Schwer tue ich mich beim Identifizieren des Südpanoramas. Dort dürften Berge westlich des Gaviapasses, die Bergamesker Alpen, und Berge aus dem Südostteil der Berninagruppe zu sehen sein.
Ich beginne mit Überblicksaufnahmen zur Hauptkamm Ortlergruppe. Anschließend Detailaufnahmen von den Hochgipfeln dieses Kamms. Interessant dabei sind die unterschiedlichen Anblicke zu verschieden Tageszeiten auf Grund des sich verändernden Lichteinfalls. Anschließend kommen Bilder der anderen Berggruppen
Ortler, Zebru und Königsspitze. Auf der Rücksseite befindet sich Sulden.
Panorama von der Königsspitze zum Cevedale.
von links nach rechts:
Cevedale, Palon de la Mare, Monte Vioz, Punta Taviela, Pizzo Tresero, Punta San Matteo. Alles Berge mit Gipfelhöhen zwischen 3600 und 3800 Metern.
Leichter Zoom zu Palon de la Mare, Monte Vioz und Punta Taviela. Das Bild vermittelt am besten den Eindruck, wie groß die Gipfel von der Cima Bianca mit bloßem Auge erscheinen. Zwischen Monte Vioz und Punta Taviela sieht man einen kleinen Teil des Ghiacciaio dei Forni, der zusammen mit der Pasterze und dem Gepatschferner zu den drei größten Gletschern der Ostalpen gehört.
Vom Ortler ragt nur die Spitze über den vorgelagerten Kamm, da der Gipfel des Ortler etwas nördlich des Ortler Alpen – Hauptkamms in einem Seitkamm befindet. Der Ortlergipfel befindet sich damit vollständig auf Südtiroler Gebiet, während Monte Zebru, Königsspitze und Cevedale sich auf der Grenze zwischen Südtirol und dem übrigen italienischen Gebietes befindet.
Eindrucksvoller als der Ortler ist von diesem Standort aus die Königsspitze.
Die nächsten drei Bilder zeigen den Wechsel der Beleuchtung im Laufe des Tages an der Königsspitze:
Bei allen drei Bildern ist rechts vorgelagert der Monte Confinale zu sehen. Diesen über 3300 Meter hohen Gipfel kann mal als Bergwanderer ohne Gletscherbegehen relativ leicht von S. Caterina aus besteigen.
Cevedale am Vormittag
Cevedale am Mittag
Cevedale am Nachmittag
Spuren von Tourengehern am Cevedale
Palon de la Mare mit hübschem Hängegletscher
Palon de la Mare später
Monte Vioz
Monte Vioz später
Punta Taviela
Punta Taviela später
Pizzo Tresero und Punta San Matteo
Pizzo Tresero und Punta San Matteo später
Monte Sobretta: An seinen Hängen befindet sich teilweise verdeckt das Skigebiet von S. Caterina.
Von der Bergstation der 8EUB des Gebiets kann man im Sommer den fast 3300 Meter hohen Gipfel problemlos in zwei Stunden erwandern.
Cima Bianca, mit über 3400 Metern der höchste Berg der Livigno Alpen.
Zoom Richtung Bernina. Von Bormio aus gesehen wesentlich weniger spektakulär als die Hochgipfel der Ortlergruppe.
Monte Disgrazia
Westpanorama:
Links unten im Vordergrund der Gipfellift des Skigebiest von Isolaccia. Rechts ist ein Teil der Straße zum Foscagno zu sehen. Etwas oberhalb davon sieht man, wenn man genau hinschaut, die Liftstützen der zum Skigebiet Livigno gehörenden Sesselbahn von Trepalle. Dahinter Gipfel der Engadiner Bergwelt. Wer kann die markante Spitze links von der Bildmitte identifizieren ?
Ebenfalls Zoom Richtung Westen (leicht nördlicher als vorher). Wer erkennt den markanten Gipfel ?
Südpanorama (Begamesker Alpen ?)
Zoom Richtung Süden bzw Süd-Süd-West. Gehören die Gipfel zu den Bernina Alpen ?
nach Süden östlich des Sichtfenster zu dem Bergamesker Alpen (falls ich die richtig identifziert habe). Gipfel: ?
Fazit: Bormio ist ein faszinierendes Skigebiet mit tollen Pisten und enormen Höhenunterschied. Da es sich fast ausschließlich um einen Nordwesthang handelt, ist die zweite Winterhälfte wegen des höheren Sonnenstands günstiger. Einzigartig ist die Aussicht vom höchsten Punkt des Gebietes, da man einen Logenplatz zu den höchsten Gipfeln der Ortlergruppe hat.