Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Diskussionen rund um Alpinsport und Equipment: Kaufberatung für Ski und Schuhe, Materialtests, Servicetipps und Austausch zur Fahrtechnik.
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3303
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Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von 3303 »

Mich interessieren die immer breiter und länger werdenden Freeride-Ski sehr.

Es würde mich interessieren, was für Erfahrungen Ihr mit Freeridern mit über 100mm unter der Bindung habt.

Wie sieht es z.B. mit einem Ski wie dem dps Lotus 120 aus? 2m lang. (bin 1,94m groß und 87kg schwer, fahre derzeit einen 185cm langen Ski mit ca. 83mm unter der Bindung - dieser ist oft gefühlt zu kurz und schwimmt nicht gut genug oben, um im Tiefschnee schnell zu sein und große Bögen zu fahren)
Oder einem Völkl Katana in 197cm z.B?
Oder mit vergleichbaren Modellen?

Es lässt sich ja wirklich vermuten, dass einem mit solchen Brettern abseits der Pisten nicht nur andere Geschwindigkeiten, sondern auch schwierigere Schneebedingungen erschließen.

Ich würde, sofern die Bedingungen stimmen, zu Sylvester mal so ein Ding testen.
Momentan denke ich, dass so ein ca. 2m langer, eher schwach taillierter Ski mit ca. 120mm unter der Bindung dafür vielleicht am besten geeignet ist.

Bei den Ski mit der negativen Vorspannung und "negativen Taillierung" weiß ich nicht so recht - besonders nicht bezüglich hartem Schnee....

Mir schwebt ein möglichst einfaches Fahren der Schneearten Tiefschnee, Deckelschnee, Firn etc. vor. (OK, schöner Firn geht auch mit dem normalen Ski sehr schnell zu fahren)
Oder liegt es doch nur an meiner mangelhaften Fahrtechnik, fehlender Fitness, fehlendem Mut...? ;-)
Der Ski soll nicht auf extrem steile und schmale Couloirs zugeschnitten sein, sondern eher moderate Sachen - vielleicht so bis 35° oder eher flacher.
Er soll auch bei eher höheren Geschwindigkeiten im Tiefschnee souverän sein.
(mit meinem 185cm Ski mit 83mm unter der Bindung bin ich, wenns schneller wird immer irgendwie gefühlt unsicher im Tiefschnee)

Was habt Ihr für Erfahrungen - was lohnt sich für Tiefschnee, Deckelschnee, Firn, Müll.... etc. am besten?
(OK, für Tiefschnee wohl einfach möglichst fett...)
Lohnt sich auf solchen Brettern eine Bindung mit Gehfunktion noch?

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Gletscherfloh
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von Gletscherfloh »

Viele Fragen :wink:.

Aber grundsätzlich gibst du dir ohnehin bereits die richtige Antwort: je länger und breiter, desto besser. Bei deinen Körpermassen sind 185 / 83 ja schmale Kurzski :lol:.

Allerdings bist du bezüglich Länge abhängig von den Herstellern. Bei den relevanten Modellen gibt's die Längen ja oft nur bis in den oberen 190er-Bereich. Wobei es da - denke ich - auf ein paar Zentimenter auf oder ab dann nicht mehr ankommt.

Die von dir erwähnten Spezialmodelle mit "negativer" Taillierung etc. kann ich nix sagen, da ich die selbst noch nie probiert habe. Natürlich der letzte Schrei, aber zu bedenken ist, dass in den Alpen die idealen Bedingungen dafür (tiefer, leichter, Pulverschnee) vergleichsweise seltener zu finden sind als z.B. in Utah.

Zu den Fahreigenschaften: Mit langen Ski erhöhen sich "automatisch" die Geschwindigkeiten und damit auch die Radien. Und das bei ungefähr gleichem subjektiven Sicherheitsempfinden. Insgesamt also ein doch deutlich anderes Tiefschneeerlebnis als mit herkömmlichen, kürzeren Ski. Durch die Länge (bei gegebener Breite) "schwimmt" man deutlich besser auf. Persönlich verwende ich längere Ski auch v.a. bei weiten, offenen Hängen. Bei steileren/rinnenartigen Sachen bzw. grösseren Waldstrecken bleibe ich auch bei kürzeren Ski.

Zu den Schneebedingungen: windbeeinflusster Schnee geht deutlich besser mit längeren Ski, wobei hier allerdings etwas Mut zur Geschwindigkeit vorausgesetzt wird. Wirklich extremer Bruchharsch könnte u.U. mühsamer sein, da Umspringen oder ähnliche Bruchharschbewältigungsversuche entsprechend schwieriger sind. Leicht verspurtes Gelände ist ebenfalls tendenziell einfacher (wiederum nicht zuletzt aufgrund der höheren Geschwindigkeit, die das Durchpflügen erleichtert).

Zur Skiwahl: jeder hat seine Vorlieben. Willst du hohe Geschwindigkeiten bei langen Radien empfehlen sich natürlich härtere Ski. Am besten Testen, entweder bei dezidierten Test-Events oder in den einschlägigen Gebieten, wo die meisten Skigeschäfte auch einschlägige Ski zum Verleih anbieten.

Zur Bindungswahl: Eindeutig eine Frage der persönlichen Kondition und Kraft. Die Dinger sind allerdings schon sauschwer. Zum "herkömmlichen" Tourengehen verwende ich dann doch lieber einen (kürzeren) Allmountain Ski (konkret Dynastar Legend 8000). Für die in den Freeridegebieten oft notwendigen kürzeren (bis ca. 30 Minuten) Hikes per Fuss braucht es sowieso keine Tourenbindung.

P.S.: Spezifische und kompetente Auskünfte zu einzelnen einschlägigen Ski bzw. Skimarken erhältst du bei den "Spezialisten", z.B. hier.
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3303
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von 3303 »

Danke erstmal für Deine doch sehr, sehr umfangreichen Erfahrungen.
Ich hab jetzt nochmal wegen der Härte etwas herumgelesen.

Oft wird beschrieben, dass harte Ski im Powder deutlich schlechter seien, da die Schaufel eher zum Abtauchen neigt.
Andererseits fahre ich generell eher lieber sehr harte Ski und empfinde die als garnicht so extrem, wie sie in den Tests oft beschrieben werden. Dabei bin ich zwar groß, aber nicht besonders athletisch.

Uch denke wirklich, dass ein Test am sinnvollsten ist.
Die Verlockung einen Blizzard Titan Pro in 193 (95mm unter der Bindung) in der Bucht für 100-150 Euro einfach zur "riskieren", ist aber dennoch da.
Was man so liest, scheint der für alles außer frischestem Tiefschnee ziemlich gut zu sein.
Nur wie er im frisch gefallenen Meter Tiefschnee dann noch ist, muss man wohl wirklich erst herausfinden.
Vermutlich will mann dan irgendwann zusätzlich noch einen 125mm Ski.

Auf jeden Fall ist mir mein (übrigens nur 82mm breiter) 185er Ski definitiv unterdimensioniert ;-)
Da dürfte der Titan pro allein aufgrund der Dimensionen besser sein.
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von baeckerbursch »

Ich hab ja mir vor 2 Jahren den Movement Thunder gekauft.

Der war damals ja schon relativ breit und lang; 1,87 Länge mit ca. 90mm unter der Bindung.

Inzwischen ist er nur noch "Mittelmaß", es gibt ja schon wesentlich längere und breitere.

Ich bin einen breiteren Ski noch nie gefahren - keine Ahnung wie der sich verhält. Aber:

Geht die Breite unter der Bindung nicht stark zu Lasten des Handlings? Der Ski ist ja so breit, da bekommt man die Beine ja gar nicht mehr so richtig zusammen. Und wenn ich mich richtig erinnere - Hilmar pflegt ja eher den alten Stil ;-)

Grundsätzlich finde ich die extrem breiten Ski, gerne auch mit negativer Vorspannung sehr interessant (wie ich immer für was neues zu haben bin), aber der Einsatzzweck ist schon sehr speziell.

Zum vergleich: Ich fahre mit meiner Snowboard Powdergun (1,85m länge) das ganze Jahr. Tiefschnee bis vereiste Piste - immer sehr gut zu fahren. Nur in den Buckeln ist das Board nicht das wahre - einfach zu lang :lol:

Dennoch würde ich mir einen reinen, fetten Tiefschneeski kaufen - sind bestimmt geil zu fahren (Auch wenn nur 1-3 Tage im ganzen Jahr)
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3303
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von 3303 »

Schätze mal, dass mit zunehmender Breite das Handling auf hartem Schnee (wegen des Winkels beim Aufkanten) eher schwieriger wird - hingegen wird es im weichen Schee eher besser werden, da man nicht so tief einsinkt.
Unabhängig davon, was ich vor Weihnachten noch tun werde, werde ich wohl mal einen Ski so um die 120mm einen Tag leihen, falls die Bedingungen stimmen.
Zu kaufen gibts die zurzeit nicht günstig genug. Da warte ich lieber bis April oder Mai, wenn (wie wir ja wissen), die besten Bedingungen herrschen, sich aber die Masse nicht mehr fürs Skifahren interessiert.
Unabhängig könnte ich eventuell den kurzen 185er durch den Titan Pro ersetzen - aber nur, wenn der so richtig günstig weggeht.
Die bauchigen, durchhängenden Ski könnte man mal an so einem Neuschneetag ausprobieren; auf der eisigen Piste dürften die dann endgültig nicht mehr so toll zu fahren sein ;-)
Ist das eigentlich eine Wasserski-Geometrie?

baeckerbursch: 20.12-3.1. Du weißt wo.
Idealbedingungen vorausgesetzt.
Wie war das noch mit dem Abseilen bei Dir in der Zeit?
Das wäre dann noch ein zusätzlicher Grund für mich, einen 125er oder so auszuleihen :-)
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Gletscherfloh
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von Gletscherfloh »

@3303: schau mal auf sport65 (Klick).

Die haben noch einschlägige Angebote von "alten" Modellen (2008). Z.B. den hier: Klick mich - Kauf mich

Ich hab dort selbst schon Ski gekauft.

Das mit den harten Ski im Pulverschnee ist aufgrund der Breite und der erhöhten Geschwindigkeit sekundär. Harte Ski sind aber generell schwerer zu fahren (bzw. benötigen grössere Geschwindigkeiten/höhrere Radien). Wobei sich meine Erfahrungen diesbezüglich auf einen Head Supermojo beziehen. Der Blizzard Titan soll da noch härter sein (wenn das der Ski ist, den ich jetzt grad mein).

@baeckerbursch: ja, die Skitechnik wird 3303 wohl dann ein wenig umstellen müssen :wink:
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von baeckerbursch »

baeckerbursch: 20.12-3.1. Du weißt wo
Mal sehen... :D
reXX
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn s

Beitrag von reXX »

ride on!
Zuletzt geändert von reXX am 06.03.2014 - 15:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Breite, lange Ski - wie breit und wie lang darf's denn sein?

Beitrag von 3303 »

Soooo.
Nach viel Leserei und einigen Überlegungen bin ich zu folgende Ergebnissen gekommen.

1. der 185er Blizzard Titan 8.2 wird erstmal stillgelegt. Er ist mir einfach zu kurz und zu schmal.
Ich überlege mir noch, ob ich ihn irgendwann als Tourenski reaktivieren soll.

2. Er wird durch einen Blizzard Titan Pro (95mm, 1,93m) ersetzt, auf den auch die Bindung kommen wird.
Haupteinsatzbereiche: Zerpflügte und verspurte Geländehänge, Firn Fahren in höherem Tempo. Zerfahrene Sulzpisten im Frühjahr mit highspeed durchwühlen. Ggf. auch Tiefschnee.
Zwischendurch auch mal "normale" Pisten. Hartes und abgefahrenes Gelände.
Das kommt bei mir alles recht häufig vor.
Habe ihn mir soeben neu für 101 Euro plus 10 Euro Versand in der Grotte geschossen.
Da fiel die Entscheidung leicht, auch wenn er eher hässlich ist ;-)

3. Ein Ski um die 2m mit um die 120mm wird mal vor Ort getestet, um ein Gefühl dafür zu bekommen.
Der wäre dann für die Tage mit dem frischen Schnee bzw. wenn man mal in abgelegenerem, unverpurten Gelände unterwegs ist. Schätze mal, dass das dann eine solche Offenbarung sein wird, dass ich irgendwann so ein Teil haben will.
Vielleicht kriege ich es dann auch endlich mal mit dem Bruchharsch hin :-\ und vielleicht fährt mir der baeckerbursch dann nicht mehr sooo weit weg ;-)
Mir scheint auch noch viel Entwicklungspotential im Shape zu liegen.
Vielleicht ist sowas wie der dps Lotus 120, der vorn und hinten schon etwas in Richtung "Rocker" geht, als auf einer gewissen Länge schmaler wird und "hoch gebogen" ist, aber auf 155cm noch eine "normale, gewisse Taillierung für Kantengriff aufweist, dann die beste Wahl?
Auf jeden Fall werde ich nicht springen, Tricks machen etc.
Es soll ein Ski sein, mit dem man lässig und schnell durch Tiefschnee und Bruchharsch kommt.
Ich denke, erstmal testen, denn für 100 Euro - wie den Blizzard - wird man sowas wohl kaum bekommen.
Ein richtiger Rocker wäre für jemanden wie mich, der nicht in den Bergen wohnt und somit nicht die Gelegenheit hat, jeden Powdertag mitznehmen, sicher übertrieben, da kaum einsetzbar.

Nochmals vielen Dank für Eure Beiträge!

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