Rad-Marathon Tannheimer Tal 11.07.2010
Auch im Sommer ist es in den Alpen schön. Ich habe in diesem Jahr endlich meinen Traum von einem Radmarathon in den Alpen realisiert, und daran möchte ich Euch etwas teilhaben lassen.
Hier einige Eckdaten: 230 km Strecken, 2940 Höhenmeter. Strecke Tannheim-Pfronten-Lechtal-Warth-Lech-Flexenpass-Arlbergpaß-Landeck-Imst-Hahntennjoch-Lechtal-Gaichtpass-Tannheim. Temperatur maximal ca. 32 °C im Tal, natürlich Sonne.
Eigentlich bin ich ja kein reiner Rennradfahrer. Duathlon und Triathlon sind mittlerweile meine Hauptwettkämpfe, aber ich suchte, nachdem das letzte Jahr aus verschiedenen privaten Gründen sportlich nicht besonders gut war, eine echte Herausforderung. Grundlagenausdauer hatte ich genügend, aber das Bergtraining mit dem Rennrad hielt sich sehr in Grenzen. Insofern ging es nur ums Durchhalten und Ankommen in der Sollzeit, was mir sogar locker gelungen ist. Platzierung war mir egal (letztlich bin ich am Anfang des letzten Drittels gelandet).
Übernachtet habe ich in einer netten Pension in Nesselwängle, Anreise einen Tag vor Veranstaltung mit leichtem Einrollen über 37 km wellig und Abholen der Startunterlagen und des Starterbeutels mit Trinkflasche und Prospekten und weiteren Werbegeschenken, das alles für 39 Euro ist völlig o.k..
Schon hier in Tannheim zeigte sich, dass die Organisation hervorragend ist, und das sollte bis zum Schluß bestätigt bleiben. Auch die Helfer beantworteten jede noch so dumme Frage von mir freundlich und waren auch auf der Strecke sehr hilfsbereit.
Im Tal wimmelte es nur so von Rennrad-Freaks mit teurem Material, so dass ich mir schon Sorgen machte, ob ich überhaupt mithalten könnte (die Bedenken zerstreuten sich schon nach wenigen Kilometern, denn die 5000 Euro Carbonräder-Fahrer waren nicht unbedingt sportlich besser.
Nach einer kurzen Nacht mit frühem Frühstück um 4:30 Uhr erfolgte der Start um 06:00 Uhr am Sonntag in Tannheim. Auf der langen Distanz von 230 km starteten mehr als 600 Starter. So gut wie alle in kurz gekleidet, denn schon morgens war es schon warm, heiß wurde es dann später. Im Lechtal nach einer unkomplizierten und disziplinierten Abfahrt durch das Engetal nach Pfronten vorbei an der Breitenbergbahn ging dann die Sonne auf, und nach ca. 77 km wurde der erste Verpflegungspunkt vor Steeg erreicht, km-Schnitt knapp über 35 km/h bis dato. Zeitweise waren wir eine große Gruppe von ca. 80 Radlern, der Windschatten hat schon sehr gut getan und Kräfte geschont. An der Labestation gab es neben allerlei verschiedenen Getränken Obst, Kuchen, Brot, Gels, Riegel, und es reichte für alle. Nach Steeg ging es dann richtig los nach oben nach Warth, eine Abfahrt nach Lech folgte und der Flexenpaß war bald erklommen. Die Abfahrt durch die Galerien und Tunnels war nicht ganz ungefährlich und ich war froh, dass ich wieder Tageslicht sah. Dank disziplinierter Fahrweise der Radler passierte kaum etwas. Hin und wieder sah man einen im Graben liegen oder mit Krämpfen am Rand, aber insgesamt schien nichts Schlimmeres passiert zu sein (letztes Jahr ist wohl ein Mitter40er verstorben!). Es kam nun der Arlbergpaß, der Verkehr (vor allem an Motorradfahrern!!!) nahm deutlich zu. Hier oben auf 1800 m Höhe war die nächste Verpflegungsstelle aufgebaut. Nach 10 Minuten und wieder vollgefüllten Flaschen ging es bergab, bis zu 13%, an St. Anton und Pettneu vorbei und weitere lange Kilometer nach Landeck und schließlich nach Imst. Auf den Pässen und den Abfahrten ist jeder sein eigener Herr, aber auf den langen flacheren Stücken formierten sich zum Glück größere Gruppen. Zwischen Pettneu und Landeck schloß ich glücklicherweise auf eine Gruppe von ca. 30-40 Fahrern auf, die gerade auf der Strecke zwischen Landeck und Imst ein gutes Tempo machte (das Tacho zeigte oft über 40 km/h). In Imst erneut kurze Pause an der Labestation, bevor es hier richtig zur Sache ging: das Hahntennhoch war zu bewältigen. Mittlerweile hatten wir ca. 167 km in den Beinen. Gleich am Anfang eine Rampe von 15% von mehreren Hundert Metern, die mich zum kurzzeitigem Absteigen und Schieben zwang (weil ich leicht am Übersäuern war; aber es ging auch anderen so!), danach etwas leichter, aber alsbald wieder schwerer. Ein sehr unruhig zu fahrender Pass, in vielerlei Hinsicht: sowohl von den Steigungsprozenten als auch vom Motorradverkehr mit haarsträubenden Überholmanövern. Oberhalb der Baumgrenzen gab es Wasser zum Trinken und Schwämme, ab dort noch ca. 5 km bis zur Passhöhe, die Sonne brannte, aber es ging etwas Wind (was später bei der Abfahrt bei meinen Hochprofilfelgen und im Lechtal durchaus ein Problem war (viel Gegensteuern und Gegenwind)). Kurz vor der Passhöhe auf 1894 m gab man nochmals (fast) alles, weil hier Profifotografen lauerten und man natürlich sich gut zeigen wollte. Auf dem Hahntennjoch wieder mal Pause mit Auffüllen der Trinkflaschen, ich nahm etwas Kuchen, Wassermelone und Banane zu mir (soweit der Magen noch mitmachte) und nach wiederum ca. 10 Minuten ging es auf die rasante und nicht ungefährliche Abfahrt mit erneut nervenden Motorradfahrern, die an unmöglichen Stellen überholten. Jetzt noch ca. 45 km bis ins Ziel. Im Lechtal schloß ich auf ein Pärchen auf und hinter mir kam noch ein anderer Fahrer mit dazu, so dass wir zu viert Weißenbach entgegenstrebten, das Tempo wegen Gegenwind war nicht so sehr hoch, diesbezüglich war ich aber ganz froh. Führungsarbeit konnte ich wegen Kräfteschwund nicht mehr so richtig leisten und „lutschte“ ca. 15 km (habe mich für die Führungsarbeit der anderen zum Schluß artig bedankt!). In Weißenbach dann ein letzter Snack, bevor es den Gaichtpaß mit „nur“ 250 Höhenmetern nicht so steil nach oben ging. Eine Passhöhe gibt es hier nicht, im Gegenteil, es geht noch weiter nach oben bis nach Nesselwängle, bevor man am sauberen und klar-grünen Haldensee vorbei die letzten Kilometer nach Tannheim absolvierte und nochmals alles gab. Im Ziel dann sogar noch applaudierende Zuschauer. Netto-Fahrzeit laut Tacho (also ohne Pausen) genau 9 Stunden, Kilometer-Schnitt laut Tacho 25,73 km, locker in der Sollzeit durchgekommen. Ehrlich gesagt war ich so ausgepowert, dass ich erst einmal, nachdem ich das Rad in meinem Auto verstaut hatte, nur auf der Bank gesessen hatte und die nächsten 3 Stunden nichts richtig essen konnte. Das warme Essen (ich nahm Leberkäse und Kartoffelsalat) konnte ich kaum essen. Trinken war angesagt. Ich habe mir noch die Siegerehrung über 63 km angeschaut, und dann ging es in meine Pension, wo eine Dusche wartete, die ich auch gleich als Massagemöglichkeit nutzte.
Fazit: ein einzigartiges Erlebnis, das ich nicht missen möchte. Allerdings würde ich nächstes Mal in den Alpen lieber eine kürzere Strecke wählen. Ich weiß nun, dass ich es auf längeren Strecken auch schaffen kann, trotz Hitze, und das reicht mir. Tolle Organisation, hat trotz der Plackerei einfach Spaß gemacht. Da man sich auf die Strecke konzentrieren musste, habe ich vor allem bei den Abfahrten leider von der Landschaft nicht so sehr viel mitbekommen.
Fotos von der Strecke kann ich leider nicht liefern. Aus dem Tal aber liefere ich noch ein paar Fotos nach.
Für alle, die mehr Infos suchen: www.rad-marathon.at . Absolut empfehlenswert!
Rad-Marathon Tannheimer Tal 11. Juli 2010 / 230 km 2940 HM
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Re: Rad-Marathon Tannheimer Tal 11. Juli 2010 / 230 km 2940
Respekt!
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Re: Rad-Marathon Tannheimer Tal 11. Juli 2010 / 230 km 2940
ein dickes
auch von mir
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Re: Rad-Marathon Tannheimer Tal 11. Juli 2010 / 230 km 2940
Werna76 hat geschrieben:
Der Ötztaler wartet...
Ja, aber nicht auf mich... ist mir (aktuell) doch eine Nummer zu heftig, außerdem habe ich (glücklicherweise) auch im Mai bei der Restplatzverlosung keinen Startplatz bekommen. Habe jetzt außerdem meiner Familie versprochen, dass ich solche Aktionen wie Tannheimer Tal RM erst einmal nicht mehr machen werde (wer weiß aber, was nächstes Jahr sein wird
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Re: Rad-Marathon Tannheimer Tal 11. Juli 2010 / 230 km 2940
Klasse Leistung!
Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Gruß!
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